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Studieren am Balkan – Hintergrund: Ein Maximum an Vielfalt

Um es gleich vorweg zu sagen: den Balkan gibt es nicht. Die Region an der Schnittstelle zwischen Mittel-, Ost- und Südeuropa gilt historisch und geografisch als Verbindung zwischen Europa und Asien. Sie ist ausgesprochen heterogen und spannend für Urlauber wie für Studierende.

Ansicht einer Stadt am Balkan  (Foto: Annika Voßen)

Auf rund 500.000 Quadratkilometern – etwa die Größe Spaniens – leben ca. 66 Millionen Menschen in zwölf Ländern: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Griechenland, Kosovo, Kroatien, die Republik Moldau, Montenegro, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien und Slowenien. So zahlreich wie die Staaten dort sind, so vielfältig sind die Landschaften auf der Balkanhalbinsel – von der Adriaküste mit vielen vorgelagerten kleinen Inseln über fruchtbare Tiefebenen und zerklüftete Karstlandschaften bis hin zu alpinen Hochgebirgen.

Die Region ist multiethnisch geprägt, im Alltag treffen unterschiedliche Religionen und Kulturen aufeinander. Große Weltkulturen, wie etwa das Römische oder Byzantinische Reich, haben hier ihre Wiege. Das sozialistische Erbe, der Zerfall des Königreichs Jugoslawien und auch die traumatisierenden Erfahrungen während des Krieges in den 1990er Jahren wirken in den dortigen Gesellschaften noch unterschiedlich nach. Einige Länder sind als Urlaubsziel schon lange beliebt, wie etwa Kroatien oder Griechenland, andere sind eher noch unbekannt und können mit fast unberührter Natur punkten.

Aber nicht nur als Urlaubsregion lockt der Balkan, auch viele deutsche Studierende interessieren sich für einen Aufenthalt in einem der Länder des Balkans im Rahmen ihres Studiums. Dies ist in der Regel gut möglich, da alle Länder am Erasmus+-Programm teilnehmen und am Bologna-Prozess angeschlossen sind. Es existieren auch in den kleineren Staaten zahlreiche Kooperationen mit deutschen Hochschulen. Da die erwähnte Heterogenität auch für die Bildungsgegebenheiten und Hochschullandschaften zutrifft, empfiehlt es sich in jedem Fall, sich über das eigene Wunschland gezielt zu informieren.

Ohne Sprachkenntnisse geht es nicht

Ein Porträt-Foto von Dr. Simone Heine  (Foto: privat) Ein Porträt-Foto von Dr. Simone Heine  (Foto: privat)

Dr. Simone Heine

„Wer für ein oder zwei Semester an einer Hochschule in einem der Balkan-Länder studieren möchte, sollte wissen, dass es nur wenige deutsch- beziehungsweise englischsprachige Angeboten gibt“, erklärt Dr. Simone Heine, Leiterin des Informationszentrums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Belgrad. Entsprechende Sprachkenntnisse müssen im Vorfeld nachgewiesen werden. Grundsätzlich fallen auch in den meisten Ländern Studiengebühren an, die Höhe variiert allerdings stark und wird meistens von den Hochschulen oder einzelnen Fakultäten festgelegt.

Im Unterschied zur deutschen Hochschullandschaft ist es am Balkan meist so, dass Lehre und Forschung eher getrennt ablaufen. Die Forschung ist häufig in externe Einrichtungen ausgelagert. Die Lehre findet an staatlichen und privaten Hochschulen statt sowie an Colleges, die eher eine berufsorientierte Ausbildung anbieten. Es gibt auch nur wenige Volluniversitäten, viele sind auf bestimme Fakultäten spezialisiert oder befinden sich im Umbruch. „Besonders empfehlenswert ist ein Auslandsstudium in Serbien oder den anderen Ländern Ex-Jugoslawiens für Studierende der Slawistik oder Regionalwissenschaften. Hier hat man das Studienobjekt quasi vor der Tür. Einen guten Ruf haben auch etliche Kunstfakultäten“, weiß Dr. Simone Heine.

Auslandsaufenthalt über International Office organisieren

Auch wenn die Bologna-Reformen hier am Balkan überwiegend angewendet werden, gibt es doch auch Unterschiede: So dauert der Bachelor manchmal vier Jahre, der Master dafür nur ein Jahr. „Um sicher zu gehen, dass im Ausland erworbene Leistungen zuhause anerkannt werden, empfehlen wir vom DAAD immer den Weg über das akademische Auslandsamt beziehungsweise International Office. In der Regel kann dann der Auslandsaufenthalt über das Erasmus+-Programm organisiert werden“, berichtet die Expertin weiter. Auch für Praktika empfiehlt sich dieser Weg. Wer sich für ein komplettes Studium im Ausland interessiert, sollte das International Office der Wunschuni am Balkan rechtzeitig kontaktieren. „Denn in der Regel finden bereits im Juni Aufnahmeprüfungen statt und das deutsche Hochschulreifezeugnis muss vor Ort beglaubigt werden und das kann schon mal zwei bis drei Monate dauern“, so die Erfahrung von Dr. Simone Heine.

Lebenshaltungskosten günstiger als in Deutschland

Die Lebenshaltungskosten für Studierende während ihrer Auslandszeit in einem Balkanland sind niedriger als in Deutschland. „Im Allgemeinen kann man sagen, dass alle inländischen Produkte – zum Beispiel Obst und Gemüse – sehr günstig sind. Importware ist jedoch eher teurer als in Deutschland“, berichtet die Expertin vom DAAD. Die Wohnungssuche gestaltet sich meist unkompliziert; wer mit einem einfacheren Standard als in Deutschland zufrieden ist, kann in der Regel auch günstig wohnen. Vom Jobben während des Auslandsaufenthalts am Balkan rät sie eher ab. „Die Löhne sind hier sehr niedrig. Wer sich ein finanzielles Polster für den Auslandsaufenthalt anlegen will, kann dies besser und schneller vorher in Deutschland tun“, lautet ihre Empfehlung.

Achtung

Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie wird dringend empfohlen, sich bei der Planung bzw. vor dem Antritt eines Auslandsaufenthalts über die aktuelle Situation im Gastland und bestehende Reiseeinschränkungen zu informieren. Zum Teil wird empfohlen, den virtuellen Beginn eines Auslandssemester und die spätere physische Fortsetzung in Erwägung zu ziehen. Wende dich bei offenen Fragen an deine Hochschule.

Weitere Infos zum Thema „Erasmus+ in Coronzeiten“ findest du im FAQ.

Weitere Infos

Erasmus+

EU-Progamm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport.
www.erasmusplus.de 

Hochschulkompass

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) liefert eine Übersicht aller internationalen Kooperationen deutscher Hochschulen, auch mit Hochschulen in den USA.
www.hochschulkompass.de/internationale-kooperationen.html

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Infos zu Studienmöglichkeiten im Ausland 
www.daad.de/de/im-ausland-studieren-forschen-lehren
Außerdem kannst du beim DAAD nach geeigneten Stipendien für dein Auslandsstudium suchen:
www.daad.de/ausland/studieren/stipendium/de/70-stipendien-finden-und-bewerben

Stipendienlotse

Stipendiendatenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)
www.stipendienlotse.de