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Studium mit Familie: Vereinbarkeit durch Flexibilität

Xenia und Lutz Rathgeber (beide 26) wurden während ihres Lehramtsstudiums an der Universität Kassel Eltern. Mittlerweile hat Lutz Rathgeber seine Staatsprüfung abgelegt und befindet sich im Referendariat. Xenia Rathgebers Studium hat sich aufgrund der Corona-Pandemie verzögert.

Foto von Familie Rathgeber (Foto: privat)

Studium und Familienleben miteinander in Einklang bringen? Für Lutz und Xenia Rathgeber war das lange Zeit kein Problem. 2020 standen beide kurz vor ihren Abschlüssen an der Universität Kassel. Sie studierte Grundschul-, er Gymnasiallehramt. „Wir haben unsere Stundenpläne stets aufeinander abgestimmt“, berichtete das Ehepaar. Zeitmanagement sei das A und O, ebenso wie die Kinderbetreuung, die „entscheidend für das Gelingen des Studiums ist“, wie Lutz Rathgeber betont.

Vor der Corona-Pandemie besuchte der damals 5-jährige Sohn Theodor das HoPla-Kinderhaus des Studierendenwerks Kassel, zeitgleich begann Xenia Rathgeber mit ihrem Studium. Um 8.30 Uhr brachten Lutz und Xenio ihren Sohn in die Kita, spätestens um 16.30 Uhr holten sie ihn ab. Theodors Schwester Eleonora war zu diesem Zeitpunkt eineinhalb Jahre alt, wurde acht Stunden in der Woche über das flexible Angebot „StudyKidsCare“ der Uni betreut und an zwei Tagen fuhr Lutz Rathgeber mit den Kindern zu seinen Eltern, um dort konzentriert arbeiten zu können.

Unterstützung von Uni und Jugendamt

Überhaupt unterstütze die Universität studierende Eltern sehr gut, findet das Paar. Im Notfall konnten sie ihre Kinder mit in die Vorlesungen nehmen. In der Bibliothek gibt es einen Eltern-Kind-Raum und in der Mensa essen Kinder kostenfrei zu Mittag. Während der Corona-Pandemie fanden keine Lehrveranstaltungen statt und es war Eltern nicht gestattet, ihre Kinder auf den Campus mitzunehmen. Sobald die Regelungen es zulassen, will die Universität Kassel studierenden Eltern diese Angebote aber wieder ermöglichen.

Gerade die finanzielle Absicherung von Studium und Familie ist eine Herausforderung. Xenia und Lutz Rathgeber wurden von ihren Eltern unterstützt. Darüber hinaus übernahm das Jugendamt die Kosten für die Kinderbetreuung, zudem erhielten sie Wohn-, Eltern- und Kindergeld sowie den Kinderzuschlag. Um den Anspruch auf Kindergeld – für sich, nicht für ihre Kinder – nicht zu verlieren, hatte Xenia weder für die Zeit der Schwangerschaft noch nach der Geburt von Eleonora ein Urlaubssemester genommen. „Damals habe ich vor allem Hausarbeiten geschrieben.“

Herausforderung Pandemie

Die vergangenen zwei Jahre waren für die Familie Rathgeber sehr turbulent, „unter anderem wegen Planungsunsicherheiten“, erzählt Lutz Rathgeber. „Das Studium meiner Frau hat sich verzögert, weil sie auf die Kinder aufpassen musste. Ich habe währenddessen meine Staatsprüfung abgelegt und das Referendariat begonnen.“ Auch der 26-Jährige hatte mit den Bedingungen in der Pandemie zu kämpfen. „Durch den Distanzunterricht fiel es mir sehr schwer, die Schülerinnen und Schüler richtig kennenzulernen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen.“

Um Referendariat, Studium und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen, ist das Ehepaar in die Nähe der eigenen Eltern gezogen. „Da können wir im Notfall auf sie zurückgreifen, falls ein Kind erkrankt.“

Mittlerweile sind beide Kinder wieder in der Betreuung. Der siebenjährige Theodor geht in die Schule mit Nachmittagsbetreuung, Eleonora besucht ganztags eine Kindertagesstätte. Da Lutz und Xenia Rathgeber mittlerweile 26 Jahre alt sind, erhalten sie für sich kein Kindergeld mehr. Ebenso ist mit dem Beginn des Referendariats ihr Anspruch auf Sozialleistungen entfallen. Xenia Rathgeber hat einen Lehrauftrag an einer Grundschule angenommen und will im Mai 2023 mit ihrem Referendariat beginnen. Die Studienzeit mit Kindern bewerten beide rückblickend sehr positiv. „Wir wurden gut von der Uni und den Sozialämtern unterstützt, sodass wir beides in Einklang bringen konnten“, resümiert Lutz Rathgeber. „Besonders haben wir die hohe Flexibilität geschätzt, dass wir auch mal auf eine Vorlesung verzichten konnten, falls ein Kind krank wurde.“