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Lehrer*innen – Hintergrund

Schwer kalkulierbare Herzenssache

Wie steht es um die beruflichen Chancen für Lehrer*innen? Grundsätzlich gut, aber: Der Arbeitsmarkt für Lehrkräfte ist schwer einzuschätzen, da er von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Dazu zählen etwa politische Entwicklungen und persönliche Entscheidungen der Studierenden.

Ein Mathelehrer steht an der Tafel und erklärt etwas. Foto: Nicole Schwab

Formeln können ganz schön kompliziert sein - zum Beispiel die, mit der sich der Arbeitsmarkt für Lehrer*innen prognostizieren lässt ...

„Kein Tag ist wie der andere, immer passiert etwas Unerwartetes“, sagt Anne-Kathrin Schröers. Die 30-Jährige unterrichtet an einer Ganztagshauptschule in Siegen und ist überzeugte Hauptschullehrerin. Dass sie sich auch über den Unterricht hinaus mit den Kindern und Jugendlichen beschäftigt, gehört ihrer Überzeugung nach zu ihrem Beruf (siehe Berufsreportage „Auch ein wenig Sozialarbeiter“). Ähnlich äußert sich Lukas Gwinner: Der 24-Jährige studiert in Tübingen Gymnasiallehramt. Auch er entschied sich für den Lehrerberuf, da er abwechslungsreich ist und man sich beinahe unbegrenzt engagieren kann (siehe Berufsreportage „Mit Tatendrang durchs Lehramtsstudium“).

„Die Zahl der Studierenden, die einen Lehramtsabschluss anstreben, nimmt seit einiger Zeit zu“, sagt Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Und mit 46.500 im Prüfungsjahr 2019 war die Zahl der Lehramtsprüfungen so hoch wie nie zuvor. Die Einstellungschancen sehen gut aus: Der Arbeitsmarkt für Lehrkräfte habe sich zuletzt weiter positiv entwickelt, wobei sich der Bedarf ja nach Bundesland, Schulform und -fach unterschiedlich darstelle, so der Arbeitsmarktexperte. 35.234 neue Lehrkräfte wurden laut Kultusministerkonferenz (KMK) 2019 im öffentlichen Schuldienst eingestellt – fast 16 Prozent mehr als 2009. Insgesamt zählt das Statistische Bundesamt circa 1,5 Millionen Lehrkräfte in Deutschland. Etwa zwei Drittel von ihnen unterrichten an allgemeinbildenden oder berufsbildenden Schulen (Stand 2018). Rund ein Drittel arbeitet zudem als Angestellte, etwa zwei Drittel sind verbeamtet.

Reicht das aus? Laut einer forsa-Schulleitungsbefragung im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) vom März 2020 fehlen an 59 Prozent der Schulen Lehrkräfte. „An Haupt-, Real- und Gesamtschulen sind Lehrermangel und unbesetzte Stellen deutlich häufiger ein Problem als an Grundschulen und Gymnasien“, so die Studie. Das Ergebnis einer Veröffentlichung der KMK vom Dezember 2019 zum Einstellungsbedarf und -angebot für den Zeitraum 2019 bis 2030 hierzu: Für den Sekundarbereich II (allgemeinbildende Fächer) oder für das Gymnasium bestehe deutschlandweit in den nächsten Jahren ein Überangebot an Lehrkräften. „In allen anderen Lehrämtern lassen die Zahlen einen zum Teil erheblichen Bedarf erwarten.“ Bei Fächern sieht die KMK Bedarf unter anderem bei Mathe, Chemie, Physik und Englisch (siehe Artikel „Bedarf und Angebot schwer abzuschätzen“).

Heinz-Peter Meidinger

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, plädiert dafür, Prognosen differenziert zu betrachten. Auch die KMK macht deutlich, dass Berechnungen „angesichts der beträchtlichen Unsicherheiten, mit denen sie behaftet sind, keine verbindlichen Aussagen oder Garantien für die künftige Entwicklung der Situation am Lehrerarbeitsmarkt“ geben könnten. Politische Entscheidungen beeinflussen den Arbeitsmarkt, zudem spielt die Wirtschaftslage eine Rolle, wie der Verbandssprecher erklärt: „Je besser es der Wirtschaft geht, desto unattraktiver ist der Lehramtsabschluss, insbesondere bei Fächern, die auch in der Wirtschaft gefragt sind.“ Andersherum: Gehe es der Wirtschaft schlecht, steige die Zahl derer, die in den Lehrer*innenberuf wechseln möchten – als Seiten- oder Quereinsteiger*innen. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen: „Seiteneinsteiger haben weder Lehramt studiert noch ein Referendariat abgeschlossen. Quereinsteiger haben nicht auf Lehramt studiert, im Gegensatz zu Seiteneinsteigern besteht bei ihnen aber die Pflicht eines Referendariats. Die spezifischen Bedingungen und Möglichkeiten sind je nach Bundesland verschieden“, informiert der Deutsche Bildungsserver.

In Zeiten des Lehrkräftemangels gelängen diese Einstiege meist etwas leichter, erklärt Heinz-Peter Meidinger. Auch der Wechsel in ein anderes Bundesland könnte unkomplizierter vonstattengehen als gemeinhin. Dennoch bleibe die Mobilität bei Lehrer*innen nicht zuletzt aufgrund der Bildungshoheit der Länder und damit einhergehender länderspezifischer Besonderheiten gering.

Grundsätzlich rät er: „Wenn Lehrer der Beruf des Herzens ist, sollte man nicht auf die Arbeitsmarktchancen starren, sondern seinen Weg gehen und nach seinen Interessen wählen.“ Wobei er empfiehlt, nicht von vornherein ans Gymnasium zu denken, nur weil man dieses aus eigener Erfahrung gut kennt, sondern offen zu sein für andere Schulformen. Zum Beispiel für die Berufsschule – dort sei Lehrer*innenmangel auch bei allgemeinbildenden Fächern ein Dauerthema. Unter Umständen lassen sich auch mit einem Drittfach und Zusatzqualifikationen (zum Beispiel Deutsch als Zweitsprache) die Einstellungschancen verbessern.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Lehrer).

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Lehramt).

Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit

Berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zum Beruf „Tiermediziner“ sowie zu verwandten interessanten Berufen findest du im Teilberufsfeld „Bildung und Erziehung“.

Deutscher Lehrerverband (DL)

Der DL ist die größte Lehrerorganisation in Deutschland außerhalb der Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Der DL ist ein weltanschaulich neutraler, überkonfessioneller und parteipolitisch unabhängiger Dachverband.

Verband Bildung und Erziehung (VBE)

Der VBE vertritt als parteipolitisch unabhängige Gewerkschaft die Interessen von ca. 164.000 Pädagog*innen in allen Bundesländern. Der VBE ist eine der beiden großen Lehrergewerkschaften in Deutschland und mitgliederstärkste Fachgewerkschaft im dbb beamtenbund und tarifunion.

Gewerkschaft Bildung und Erziehung (GEW)

Zur GEW gehören mehr als 280.000 Frauen und Männern, die in pädagogischen und wissenschaftlichen Berufen arbeiten: In Schulen, Kindertagesstätten, Hochschulen und anderen pädagogischen Einrichtungen.

Kultusministerkonferenz (KMK)

In der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (kurz: Kultusministerkonferenz) arbeiten die für Bildung und Erziehung, Hochschulen und Forschung sowie kulturelle Angelegenheiten zuständigen Minister*innen bzw. Senator*innen der Länder zusammen. Auf der KMK-Internetseite ist auch die Veröffentlichung zum Lehrereinstellungsbedarf und -angebot in der Bundesrepublik Deutschland 2019 - 2030 als Download zu finden.

Lehrer werden

Portal für angehende Lehrkräfte des Deutschen Bildungsservers.

Stand: 23.11.2020

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