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Viel mehr als Kinderkram

Eine Kindergartenleiterin spielt zusammen mit einem blonden Mädchen am Tisch.
Die Pädagogik bzw. Erziehungswissenschaft bietet gute und vielfältige Aufstiegschancen.
Foto: Nancy Heusel

Pädagogen

Viel mehr als Kinderkram

Ihre Einsatzgebiete sind breit gefächert: Wenn es darum geht, Menschen zu beraten, zu betreuen, zu erziehen oder weiterzuentwickeln, bringen Pädagogen und Erziehungswissenschaftler das nötige Know-how mit.

Meine Arbeit besteht aus zwei Teilen“, sagt der Mainzer Streetworker Benjamin Winczek. „Zum einen gehe ich auf die Straße und versuche, dort mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kontakt zu kommen.“ Wenn die jungen Menschen Probleme haben, sucht der 30-Jährige nach Lösungen. Mal geht es um Mobbing, ein anderes Mal um die Suche nach einem Ausbildungsplatz oder um Stress mit den Eltern. „Wir gehen auch Hinweisen aus der Nachbarschaft nach, die Probleme mit Jugendlichen melden“, erklärt der Pädagoge, der sich in solchen Fällen als Vermittler sieht, der sich für die Jugendlichen einsetzt.

Portraitfoto von Benjamin Winczek

Benjamin Winczek

Foto: privat

Benjamin Winczeks zweiter Aufgabenbereich bei der Stadt Mainz sind Fachvorträge zum Thema Jugendschutz, die er zum Beispiel vor Erziehungspersonal oder an Elternabenden in Schulen hält: Medienschutz, Cybermobbing, Alkoholprävention und andere Aspekte kommen dort zur Sprache. „Rund um das Thema Alkohol veranstalten wir auch Aktionen – zum Beispiel alkoholfreie Getränkestände –, um die Jugendlichen zu sensibilisieren.“ Geduld, Kommunikationsstärke, eine gute Vernetzung mit den Hilfsangeboten der Stadt, die Fähigkeit, Konflikte zu lösen – all das braucht ein Streetworker. Und genau das macht den Beruf für Benjamin Winczek, der einen Bachelor und Master in Erziehungswissenschaften an der Uni Mainz absolviert hat, auch so abwechslungsreich.

Zwischen Zoo und Eheberatung

Einsatzmöglichkeiten für Pädagogen und Erziehungswissenschaftler gibt es viele. Streetwork ist nur eine von vielen. Interessant ist die Berufsgruppe zum Beispiel für Wirtschaftsunternehmen, etwa in der Aus- und Weiterbildung oder der Personal- und Organisationsentwicklung. Pädagogen und Erziehungswissenschaftler können zudem in der Erziehungsberatung, der Schwangerschaftsberatung oder der Familienberatung arbeiten, in Kinderheimen, als Kulturpädagogen in Zoos oder Museen, in Jugendberatungsstellen oder bei der Jugendhilfe. „Auch redaktionelle Tätigkeiten oder die Arbeit als Coach, Berater oder Trainer, etwa für die Persönlichkeitsweiterbildung, sind möglich“, sagt Bernhard Juchniewicz, Präsident des Berufsverbands Deutscher Diplom-Pädagogen und Diplom-Pädagoginnen e.V.

Wer aufsteigen will, kann sich über Weiterbildungen Zusatzqualifikationen aneignen. Das kann zum Beispiel eine Spezialisierung auf Ehe-, Lebens- oder Suchtberatung oder die Konzentration auf Erwachsenenbildung sein. „Hier ist zum Beispiel die Leitung einer Volkshochschule eine Karrieremöglichkeit“, so der Verbandssprecher. Auch therapeutische Weiterbildungen, etwa zum Psychotherapeuten, zum Verhaltenstherapeuten oder zum Atemtherapeuten sind möglich. Selbst in der Politik ist die Berufsgruppe gefragt, wenn es um Fragen zu Bildung und Erziehung geht.

Geringe Arbeitslosenquote, viele befristete Stellen

Die Karrierechancen für Pädagogen und Erziehungswissenschaftler stehen insgesamt positiv. „Der Arbeitsmarkt hat sich für diese Berufsgruppe im Jahr 2018 im Vergleich zu den Vorjahren gut entwickelt“, sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. Rund 227.000 Erwerbstätige mit einem Studienabschluss der Erziehungswissenschaften waren laut Mikrozensus 2017 in Deutschland tätig – elf Prozent mehr als 2008. Neun Prozent von ihnen sind selbständig tätig. Nur knapp ein Drittel befasst sich jedoch mit engeren erziehungswissenschaftlichen Aufgaben. Mehr als die Hälfte arbeitet als Lehr- und Ausbildungspersonal oder war in der praktischen Erziehung oder Sozialarbeit und
-pädagogik tätig.

„Die Zahl der Arbeitslosen, die explizit eine Tätigkeit als Pädagoge oder Erziehungswissenschaftler anstrebten, ist 2018 leicht auf 1.300 gesunken“, weiß Ralf Beckmann. „Darüber hinaus waren weitere 1.900 Arbeitslose registriert, die über einen erziehungswissenschaftlichen Abschluss verfügten und ihre Arbeitssuche auf verwandte oder auch fachfremde Tätigkeitsbereiche ausrichteten.“ Die Arbeitslosenquote liegt mit 1,4 Prozent sehr niedrig. 1.700 neue Stellenangebote für Pädagogen und Erziehungswissenschaftler gingen 2018 bei der Bundesagentur für Arbeit ein – ein Rückgang von sieben Prozent. „Das lag vor allem daran, dass die Nachfrage nach Fachkräften für Sprachförderung und Integrationsangebote für Flüchtlinge zurückgegangen ist“, erklärt der BA-Experte. Dabei fällt auf, dass zwei von fünf gemeldeten Stellen für Pädagogen und Erziehungswissenschaftler befristet sind.

abi>> 20.02.2020