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Soziolog*innen – Hintergrund

Universell einsetzbar

Als Geisteswissenschaftler lernen Soziolog*innen, alles zu hinterfragen. Das macht sie zu Generalisten, wenn es um die spätere Berufswahl geht. Bei der Suche nach einer passenden Stelle ist frühzeitige Planung und Flexibilität gefragt.

Eine Frau steht mit zwei Kollegen vor einem Computer und erklärt ihnen die neuesten Entwicklungen. Foto: Isabella Fischer

Die Unternehmenskommunikation ist ein Beschäftigungsfeld unter vielen für Soziolog*innen.

Schon während ihres Soziologiestudiums an der Universität Bielefeld stand für Katja Hallbauer fest: „Ich wollte mich nicht von den Vorhersagen der Professoren entmutigen lassen, die die Berufsaussichten für Soziologen und Soziologinnen als schwierig einstuften.“ Als Nebenfach wählte sie die Kommunikationswissenschaften – und das Arbeiten mit Sprache wies ihr fortan den beruflichen Weg: Als Werkstudentin schrieb sie Reden für einen Ministerpräsidenten. Nach verschiedenen beruflichen Stationen mit dem Diplom in der Tasche landete sie schließlich bei Swiss Krono, einer Schweizer Firmengruppe der Holzwerkstoffindustrie. Dort leitet die 34-Jährige die globale Unternehmenskommunikation.

Katja Hallbauer

„Ich bin für die interne und externe Kommunikation zuständig“, erklärt die Soziologin. Dazu gehört unter anderem das Schreiben von Pressemitteilungen, Texten für die Firmen-Website oder Reden für den Vorstand sowie das Wahrnehmen von Terminen mit Journalist*innen. Ziel solch einer externen Kommunikation ist es, das Image des Unternehmens nach außen zu vertreten. Bei der internen Kommunikation sind die Mitarbeitenden die Adressaten: Katja Hallbauer hilft dabei, die Themen aus dem Vorstand für die Belegschaft aufzubereiten, sie schaut sich die Texte aus den Sales- und Marketingabteilungen an und unterstützt die Kolleg*innen aus den Werken im In- und Ausland bei deren Kommunikationsaktivitäten. „Diese Vielfalt in meinem Beruf macht mir besonders viel Spaß“, sagt sie.

Berufsorientiert studieren

Dr. Carsten Stark

Laut Prof. Dr. Carsten Stark hat Katja Hallbauer alles richtig gemacht: „Soziolog*innen sollten ihr Studium von Anfang an strategisch angehen und berufsorientiert gestalten“, rät der Bundesvorsitzende des Berufsverbands Deutscher Soziologinnen und Soziologen e.V. (siehe Interview „Vor allem zählt die Persönlichkeit“). Denn: „In Stellenanzeigen werden selten konkret Soziolog*innen gesucht – Soziolog*in ist halt kein Beruf wie Fachinformatiker*in oder Pädagoge*in. Vielmehr finden Soziolog*innen Aufgaben in vielen unterschiedlichen Bereichen.“

Die Chancen der Absolvent*innen auf eine interessante Stelle stehen jedenfalls nicht schlecht: „Der Arbeitsmarkt für Soziolog*innen zeigte sich in den letzten Jahren stabil“, weiß Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit. Laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamts waren 2019 circa 86.000 Menschen mit einem sozialwissenschaftlichen Studienabschluss in Deutschland erwerbstätig – 29 Prozent mehr als 2010.

„Allerdings arbeitete mit rund 6.400 Erwerbstätigen nur ein kleiner Teil als Sozialwissenschaftler*in im engeren Sinne, zum Beispiel in der Forschung oder Lehre“, ergänzt Claudia Suttner. Etwa 1.300 Arbeitslose, coronabedingt 15 Prozent mehr als im Vorjahr, strebten 2020 eine Tätigkeit als Soziolog*in, Gender- oder Sozialwissenschaftler*in an. Weitere 2.100 Arbeitslose, die auch Soziologie studiert hatten, suchten vorrangig alternative Tätigkeiten, zum Beispiel im Personalwesen, in der Sozialpädagogik, als Lehrer*innen, in der Markt- und Meinungsforschung, im redaktionellen Bereich oder in der Öffentlichkeitsarbeit.

Gefragt ist Flexibilität

„Bezogen auf alle Erwerbspersonen mit einem Abschluss in der Soziologie fiel die Arbeitslosenquote mit rechnerisch 3,7 Prozent für Akademiker*innen leicht überdurchschnittlich aus“, berichtet Claudia Suttner weiter. Die Zahl der neu gemeldeten Stellen sank im Vergleich zum Vorjahr coronabedingt um 15 Prozent. Insgesamt wurden der Bundesagentur für Arbeit im Jahresverlauf 1.100 Vakanzen gemeldet. „Im Monatsdurchschnitt betrachtet bedeutete das aber lediglich einen Bestand von 200 gemeldeten Stellenangeboten – und damit vergleichsweise wenig einschlägige Bewerbungsmöglichkeiten“, sagt die Arbeitsmarktexpertin. Das unterstreicht Carsten Stark: „Soziologen müssen bei der Wahl ihrer Aufgaben flexibel sein.“ Die Basis dafür legen sie definitiv mit ihrem generalistischen Studium.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Soziologe)

berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Soziologie). 

studienwahl.de

Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit

berufe.tv

Berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung

berufsfeld-info.de

Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit

www.arbeitsagentur.de/news/
entgeltatlas-2020

Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen e.V.

www.soziologie-deutschland.net

Deutsche Gesellschaft für Soziologie

soziologie.de

Stand: 10.06.2021

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