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Soziolog*innen – Interview

„Vor allem zählt die Persönlichkeit“

abi» sprach mit Prof. Dr. Carsten Stark, Bundesvorsitzender des Berufsverbands Deutscher Soziologinnen und Soziologen e.V., über die Berufsaussichten für Soziolog*innen.

Eine Bahnhofshalle mit Passanten, die zum Teil verschwommen sind.

Wohin bewegt sich eine Gesellschaft? Auch damit beschäftigen sich Soziolog*innen.

abi>> Herr Prof. Dr. Stark, was sind Ihre Tipps für einen gelungenen Berufseinstieg?

Carsten Stark: Soziolog*innen sollten ihr Studium von Anfang an strategisch angehen und berufsorientiert gestalten. Leider machen sich viele erst Gedanken über die berufliche Richtung, wenn sie am Ende des Studiums stehen. Die Entscheidung, was sie beruflich machen wollen, sollten die jungen Leute aber schon früh im Studium treffen: Will ich eher in die Wissenschaft oder in die Wirtschaft gehen? Für welche potenziellen Arbeitgeber studiere ich eigentlich? Über Praktika können sie gut in die Praxis hineinschnuppern, um zu sehen, ob die Branche und die Aufgaben das Richtige für sie sind. Auch durch Vertiefungen im Studium oder Abschlussarbeiten in Unternehmen kann man seinen Weg steuern.

abi>> Welche Herausforderungen kommen auf Berufseinsteiger zu?

Dr. Carsten Stark

Carsten Stark: Sie müssen immer flexibler sein, sowohl inhaltlich als auch räumlich. Die Verweildauer in den Unternehmen ist eher gering. Soziolog*innen machen selten eine steile Karriere, bei der sie in einem Unternehmen einsteigen und sich dort dann hocharbeiten. Stattdessen wechseln viele immer wieder die Aufgabenbereiche. Ihr Vorteil: Sie haben gelernt, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten und sie zu strukturieren. Dadurch lassen sich viele Probleme besser lösen.

abi>> Welche Eigenschaften und Soft Skills sind wichtig für den Berufseinstieg?

Carsten Stark: Vor allem zählt die Persönlichkeit. Methodisches Können ist das eine, aber persönliche Eigenschaften sind bei der Bewerberauswahl oft noch wichtiger als der akademische Abschluss. Das gilt vor allen für Bachelorabsolvent*innen, die ja noch nicht so viel Praxis- und Studienerfahrung vorweisen können. Von Soziolog*innen wird erwartet, dass sie sich für Menschen interessieren und Gespräche führen können. Sie sollten gut zuhören und paraphrasieren können, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Präsentationsfähigkeiten sind wichtig. Und interkulturelle Kompetenzen, wenn sie im internationalen Kontext arbeiten wollen. Es nützt nichts, wenn man alles besser weiß. Man muss die Menschen überzeugen und Kompromisse eingehen können. Zusammengefasst ist ein professionelles, souveränes Auftreten in der Öffentlichkeit gefragt.

abi>> Was sind die Trends in der Soziologie?

Carsten Stark: Soziolog*innen haben immer viel mit Menschen zu tun und können mit ihrer Arbeit oft etwas bewegen. Das kann im Bereich der Digitalisierung sein oder in Richtung Nachhaltigkeit. Junge Menschen interessieren sich heutzutage zunehmend für Themen, von denen sie sagen können: Hier habe ich etwas Vernünftiges gemacht und etwas zum Guten verändert.

Stand: 10.06.2021

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