Top-Aussichten für (Innen-)Architekten

Sony-Center am Potsdamer Platz in Berlin
Mehr als Funktionsbauten: Kreative Architekten erschaffen Kunstwerke, wie das Sony-Center in Berlin.
Foto: Martin Rehm

Architekten – Hintergrund

Top-Aussichten für (Innen-)Architekten

Der anhaltende Bauboom beschert Architekten und Innenarchitekten einen stabilen Arbeitsmarkt mit guten Einstiegschancen. Das gilt nicht nur für die Privatwirtschaft, sondern auch für den öffentlichen Dienst.

Eine sanft geschwungene Bank, Schatten spendende Bäume, spritzige Wasserspiele: Die Neugestaltung des Wuppertaler Von-der-Heydt-Platzes ist Nalan Ciceks großes Projekt. Zusammen mit Kollegen des Ressorts Stadtentwicklung und Städtebau kümmert sich die 32-Jährige um die Organisation der Umbauarbeiten. Federführend war die Architektin für die Auslobung eines Wettbewerbs zuständig, der Landschaftsarchitekten aufforderte, ihre Vorschläge einzureichen: Ein Büro aus Lübeck gewann. Nun folgen Genehmigungs- und Ausführungsplanung, bei der der Entwurf detailliert ausgearbeitet wird. Später werden die Gewerke ausgeschrieben, also die einzelnen bautechnischen Arbeiten, Angebote gesichtet, Gespräche mit Firmen geführt und die Bauarbeiten betreut. „Wir begleiten das Projekt, bis der letzte Stein verlegt ist“, sagt Nalan Cicek.

Ein Porträt-Foto von Nalan Cicek

Nalan Cicek

Foto: privat

Die motivierte Planerin hat an der TU Dortmund ein Diplom-Architekturstudium mit Schwerpunkt Städtebau und Bauen im Bestand absolviert. Danach arbeitete sie in Architekturbüros, die in beiden Bereichen aktiv waren, sodass sie heute als Architektin und Stadtplanerin in der Architektenkammer eingetragen ist – ein Vorteil für ihre jetzige Anstellung, bei der Fachwissen beider Professionen gefragt ist.

Geschützte Berufsbezeichnung

Ein Porträt-Foto von Inga Stein-Barthelmes

Inga Stein-Barthelmes

Foto: Fred Wagner

Architekt, Innenarchitekt, Stadtplaner und Landschaftsarchitekt sind landesrechtlich geschützte Berufsbezeichnungen. Ein einschlägiges Studium allein berechtigt nicht dazu, diese Titel zu tragen. „Erst nach mindestens zwei Jahren Berufspraxis kann man einen Antrag auf Eintragung bei den Kammern einreichen“, erklärt Inga Stein-Barthelmes, Leiterin des Referats Wirtschaftspolitik bei der Bundesarchitektenkammer. Zwar könne man auch ohne Kammereintrag angestellt oder unter dem Label „Designer“ oder „Planungsbüro“ freiberuflich arbeiten. Manche Tätigkeiten, etwa das Stellen von Bauanträgen, seien dann aber nicht möglich. Zudem sei der Titel ein Signal an Kunden, da eingetragene Kammermitglieder sich beispielsweise regelmäßig fortbilden und eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen müssen.

Nach dem Studium ist in der Regel also zunächst die Arbeit in einem Angestelltenverhältnis angesagt. Aufgrund der guten Arbeitsmarktlage haben Absolventen derzeit gute Einstiegschancen, sagt Vera Schmitz, Präsidentin des bunds deutscher innenarchitekten (bdia): „Die Auftragslage in den Büros ist sehr gut, viele suchen Mitarbeiter.“

Fachkräfte gesucht

2017 habe die Nachfrage nach abhängig beschäftigten Architekten und Innenarchitekten einen neuen Hochstand im Zehnjahresvergleich erreicht, bestätigt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahl der im Jahresverlauf neu gemeldeten Arbeitsstellen lag bei 4.400. Die Arbeitslosigkeit wiederum falle mit 2.000 Arbeitslosen im Jahr 2017 sehr gering aus – und sei weiter rückläufig. Entsprechend beliebt ist das Studium, die Studierendenzahlen steigen: Im Wintersemester 2009/10 waren laut Statistischem Bundesamt 30.568 Studierende für Architektur und 3.242 für Innenarchitektur eingeschrieben, im Wintersemester 2016/17 bereits 37.755 beziehungsweise 3.557.

Nicht nur (Innen-)Architekturbüros und Unternehmen aus der Immobilienbranche stellen ein, auch der öffentliche Dienst „sucht händeringend nach Architekten“, so Inga Stein-Barthelmes. Dort würden Bewerber vermehrt mit einer attraktiven Arbeitsplatzgestaltung gelockt – Möglichkeit zum Homeoffice, gute technische Ausstattung, Fort- und Weiterbildungen. Denn beim Gehalt habe der öffentliche Dienst keinen Spielraum. Anders die (Innen-)Architekturbüros: „Das Anspruchsniveau der Absolventen an Arbeitsplatz und Gehalt sind gestiegen und viele Arbeitgeber sind zu Verhandlungen bereit“, beobachtet Dr. Thomas Welter, Geschäftsführer des Bundes Deutscher Architekten (BDA).

Da die Büros mit vielen anderen Arbeitgebern aus dem Bereich Immobilien um die Absolventen buhlten, herrsche erhöhter Fachkräftebedarf – und das trotz vieler Studierender und der Tatsache, dass auch der Weg in die Freiberuflichkeit meist in einem Angestelltenverhältnis beginnt. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte zunächst Berufserfahrung sammeln, Kontakte knüpfen sowie „Klinkenputzen und Klappern“, rät der Experte. Dr. Welter empfiehlt außerdem, Kooperationen mit anderen Architekten oder mit einem Innenarchitekten oder Stadtplaner einzugehen: „Drei Gründer können sich schneller den ersten Angestellten leisten als einer.“

Faire Arbeitsbedingungen

Ein Porträt-Foto von Thomas Welter

Thomas Welter

Foto: Till Budde

Die gute Baukonjunktur, bedingt etwa durch die starke Nachfrage nach neuem Wohnraum in Ballungszentren, sei abhängig von Faktoren wie dem günstigen Kapitalmarkt und der Niedrigzinspolitik. Sie führten zu vermehrten Kapitalanlagen in Immobilien, erklärt Dr. Welter. Er prognostiziert, dass die Konjunktur sich in den nächsten drei bis vier Jahren abkühlen wird.
Die gute Arbeitsmarktsituation sei aber neben der hohen Baunachfrage auch noch auf andere Aspekte zurückzuführen: „Die Zahl der Absolventen sinkt aufgrund des demografischen Wandels mittelfristig.“ Zudem beobachtet er einen Wertewandel: Die Absolventen legten deutlich mehr Wert auf faire Arbeitsbedingungen, die Zeit für Freunde und Familie lassen. „Das bedeutet unter anderem, dass man für eine Aufgabe, die früher von einer Person erledigt wurde, heute 1,2 Mitarbeiter berechnet. In größeren Büros kann das dazu führen, dass eine Stelle mehr geschaffen werden muss.“ Deswegen werden laut Dr. Welter auch diejenigen, die gerade erst mit dem Studium begonnen haben, „auf einen verhältnismäßig fairen Markt mit relativ fairen Einstiegskonditionen treffen.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Architekt).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Architektur).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen (Suchwort: Architektur).
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

Bundearchitektenkammer (BAK)

Die Bundesarchitektenkammer e.V. ist ein Zusammenschluss der 16 Länderarchitektenkammern in Deutschland. Sie vertritt auf nationaler und internationaler Ebene die Interessen von fast 135.000 Architekten gegenüber Politik und Öffentlichkeit.
www.bak.de

Bund Deutscher Architekten (BDA)

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) ist eine Vereinigung von rund 5.000 freischaffenden Architekten und Stadtplanern. Er gliedert sich in 16 Landesverbände sowie regionale und städtische Untergruppen.
www.bda-bund.de

bund deutscher innenarchitekten (bdia)

Der bund deutscher innenarchitekten (bdia) ist der Berufsverband der Innenarchitekten in Deutschland und setzt sich für sie in der Öffentlichkeit und gegenüber Wirtschaft und Politik ein.
www.bdia.de

Verband Deutscher Architekten (VDA)

Der Verband Deutscher Architekten (VDA) ist ein bundesweit tätiger Berufsverband auf freiwilliger Basis für alle Angehörigen des Architekturberufs.
www.vda-architekten.de

BauNetz

BauNetz ist ein deutschsprachiges Online-Architekturmagazin mit täglichen Meldungen zu den wichtigsten Themen der internationalen Architekturszene sowie unter anderem Bürorankings, Infos zu Wettbewerben und Stellenmarkt.
www.baunetz.de

 

Freiberuflicher Architekt

Der Architekt als Mannschaftstrainer

Als freiberuflicher Architekt realisiert Klaus Mäs exklusive Ein- und Mehrfamilienhäuser. Für abi>> erzählt der 31-Jährige von seinen ersten Schritten, seinem Selbstverständnis als Architekt und wie er sich am Markt etablierte.

Das „Haus S“ war Klaus Mäs' endgültiger Durchbruch: Als der Architekt Fotos und Beschreibung des exklusiven freistehenden Einfamilienhauses, für das er auch das Lichtkonzept entwickelt und die Möbel entworfen hat, 2017 auf seiner Homepage präsentierte, „ging es richtig los“: „Die Bauherren kommen jetzt auf mich zu, weil sie die Art und Weise, wie ich baue, schätzen“, sagt der 31-Jährige. Heute realisiert er Projekte mit einer Bausumme zwischen einer und zwei Millionen Euro – begonnen hat er mit viel kleineren Aufträgen.

Learning by Doing

Ein Porträt-Foto von Klaus Mäs

Klaus Mäs

Foto: Gerit Bender

Im Juni 2012, zum Ende seines Masterstudiums an der RWTH Aachen, gründete er in seiner Heimatstadt Bornheim im Rheinland sein Büro. Damals allerdings noch nicht als Architekt – die Berufsbezeichnung durfte er erst führen, nachdem er sich nach zwei Jahren Berufserfahrung in der Architektenkammer eingetragen hatte. Die sammelte er als Mitarbeiter in einem Kölner Architekturbüro. „Nebenbei“ übernahm er erste Aufträge als Freiberufler und entwarf Bauanträge. Da er noch kein eingetragener Architekt war, kümmerte sich ein Statiker um die Genehmigungsplanung. „Diese ersten Jahre waren natürlich anstrengend. Aber ich wollte mir nach und nach einen Namen machen, ohne finanziell von den Aufträgen abhängig zu sein“, sagt Klaus Mäs.

Dass er den Sprung in die Selbstständigkeit geschafft hat – seit 2016 arbeitet er ausschließlich als Freiberufler – verdankt er auch seinem Vater, einem Rohbauer, und seinem Großonkel, ebenfalls Architekt. Ohne deren Empfehlung wäre er nicht an erste Aufträge gekommen, erklärt er. So aber konnte er nach und nach sein Portfolio erstellen, bis die ersten Anfragen von alleine kamen.

Das Studium habe ihn nicht auf das Leben als Freiberufler vorbereitet. „Dort lernt man das Entwerfen, also wie man aus einer Idee ein erstes Konzept entwickelt.“ Der Rest war „Learning by Doing“. Noch gut erinnert Klaus Mäs sich an sein allererstes Projekt: ein Carport. „Die Ausführungsplanung hat mich damals total überfordert!“, erzählt er lachend. Das ist die Phase, in der der genehmigte Entwurf konkretisiert und mit allen Infos versehen wird, die für die Realisierung notwendig sind – von der benötigten Materialmenge und den beteiligten Gewerken, also bautechnischen Arbeiten, bis zur Lage der Steckdosen.

Ein funktionierendes Netzwerk

Heute ist er auch auf diesem Gebiet Experte. Und er hat sich ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut – denn ohne Mannschaft entsteht kein Haus. „Der Bauherr ist sozusagen der Sponsor, ich bin der Trainer und die vielen Gewerke bilden die Mannschaft“, erklärt Klaus Mäs. Mit allen müsse man angemessen kommunizieren können: Mit dem Bauherrn ebenso wie mit den für Baugenehmigungen zuständigen Stadtverwaltungsangestellten und den Rohbauern und Elektrikern. Und alle Teammitglieder müssten sich vertrauen, etwa der Bauherr dem Architekten, der Architekt den Handwerkern und umgekehrt.

Zwischen vier und sechs große Aufträge realisiert Klaus Mäs pro Jahr und ist dafür in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs. Wieviel Zeit vergeht, bis aus den ersten Gesprächen und Ideen ein fertiges Haus entsteht, könne man nie genau sagen. Viel hänge davon ab, wie lange das Genehmigungsverfahrung dauere, sagt er aus Erfahrung. Entsprechend flexibel muss er bei seinen Arbeitszeiten sein und auch schon mal abends oder am Wochenende an seinen Projekten arbeiten.

 

Angestellte in einem Innenarchitektur-Büro

"Die Welt ein bisschen besser machen"

Nach ihrem Innenarchitektur-Studium arbeitet Helene Smolin (30) in einem Büro für Innenarchitektur und Interior Design in Herford. Ihren Beruf liebt sie nicht nur wegen der freundlichen Atmosphäre im Team, sondern auch wegen den vielen kreativen Möglichkeiten.

Es war eine der ersten Bewerbungen, die Helene Smolin versendete und die ihr direkt die Anstellung verschaffte, die sie sich gewünscht hatte: Seit März 2017 arbeitet die 30-Jährige in einem Büro für Innenarchitektur und Interior Design in Herford. In der Online-Jobbörse des Bunds deutscher Innenarchitekten entdeckte sie das Gesuch von Haverkamp Interior Design. „Manfred Haverkamps Stil fand ich sehr ansprechend. Damit konnte ich mich gleich identifizieren.“ Als funktional, detailliert und zeitgemäß beschreibt sie dessen Entwürfe. „Seine Innenarchitektur schafft Akzente und spiegelt ein Lebensgefühl wider, ohne sich aufzudrängen.“

Zuerst kommt die Funktion

Ein Porträt-Foto von Helene Smolin

Helene Smolin

Foto: Ariane Arndt

Bei Haverkamp arbeitet sie in einem kleinen Team aus insgesamt vier Teil- und Vollzeitkräften plus Chef. Jeder ist an jedem Projekt beteiligt. „Es ist sehr human und freundlich bei uns, das Team funktioniert“, sagt Helene Smolin. Was sich nicht zuletzt daran zeige, dass, obwohl das Büro sehr viel zu tun hat, so gut wie nie Überstunden gemacht werden müssen, weil alles gut getaktet und organisiert ist. Vor Kurzem hat das Team einen großen Auftrag erfolgreich abgeschlossen: Die Mitarbeiter planten und begleiteten den Innenausbau einer Bank, nachdem das Büro den ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hatte. In vielen Phasen war Helene Smolin beteiligt, unter anderem am Entwurf, den Ausschreibungen und der Kostenverfolgung.

Jede Woche gab es Routinesitzungen, bei denen sich alle am Bau Beteiligten abstimmten – vom Leiter über die Fachplaner bis zu den Technikern. „Wenn etwa der Akustiker eine andere Decke bevorzugt, müssen wir schauen, wie das in unser Konzept passt“, erklärt die 30-Jährige. „Bei unserer Arbeit gilt: Zuerst kommt die Funktion. Und dann schauen wir, dass wir gestalterisch den richtigen Rahmen schaffen, um damit den Anforderungen des Nutzers gerecht zu werden.“

Viel von dem, was sie heute im Büro macht, hat sie erst dort gelernt: „Das Studium hat mir die Grundlagen geliefert, aber vor allem in den ersten Monaten habe ich gemerkt, dass mir die Praxisbezogenheit fehlte.“ Zum Beispiel, wenn es darum ging, den passenden Möbelhersteller zu finden oder Kosten einzuschätzen.

Ein schwieriger Weg

Den Weg zu ihrem Traumberuf beschreibt Helene Smolin rückblickend als „sehr schwierig“: „Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, es war nicht selbstverständlich, dass ich studiere.“ Ihrer Mittleren Reifen schloss sich eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme an, doch sie merkte bald, dass sie „mehr erreichen“ und studieren wollte. So absolvierte sie an einem Berufskolleg eine Ausbildung zur gestaltungstechnischen Assistentin und erwarb damit die Fachhochschulreife. 2017 machte sie ihren Master im Studiengang Innenarchitektur-Raumkunst an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe.

Den Titel „Innenarchitektin“ darf sie allerdings nur verwenden, wenn sie sich bei der Landesarchitektenkammer Nordrhein-Westfalen einträgt. Dafür sind unter anderem zwei Jahre Berufspraxis notwendig, und sie muss nachweisen, dass sie bestimmte Planungs- und Ausführungsphasen kennengelernt hat, von denen ihre jetzige Tätigkeit jedoch nicht alle abdeckt. „Ich müsste also nochmal das Büro wechseln“, erklärt die 30-Jährige. Ob sie das tun wird, weiß sie noch nicht. „Vielleicht denke ich in einigen Jahren nochmal darüber nach.“ Schließlich könne sie auch jetzt alles tun, was ihr an dem Beruf gefalle: „Kreativ sein, Räume gestalten, die Visionen von Kunden in stimmigen Entwürfen umsetzen und so die Welt ein bisschen besser machen."

 

Architekten – Personalerstatements

Vielschichtige Entwicklungsmöglichkeiten

Was erwarten Arbeitgeber von Architekten und Innenarchitekten und welche Karrierechancen bieten sie? Personalverantwortliche berichten.

Ingmar Menzer, Geschäftsführender Gesellschafter bei wulf architekten:

Ein Porträt-Foto von Ingmar Menzer

Ingmar Menzer

Foto: Wulf Architekten

Als eines der größeren deutschen Architekturbüros bearbeiten wir sehr unterschiedliche Projekte. Das Spektrum reicht vom Laborbau über Verwaltungsbauten, Großprojekte wie Messen, Kulturbauten, bis hin zum Schulbau im In- und Ausland. Dementsprechend breit gefächert fallen die Tätigkeiten für Architekten bei uns aus.

Einstiegsmöglichkeiten gibt es nach dem Bachelor- oder Masterabschluss in der Regel zunächst als Junior-Architekt in einer unserer Projektgruppen. Wir bieten aber auch den Direkteinstieg als Team-Architekt für junge Architekten, als Projektarchitekt für Architekten mit etwas mehr Berufserfahrung oder als Projektleiter für eines unserer kleineren oder größeren Projekte. Unser Ziel bei all unseren Aufträgen ist das Erreichen eines sehr hohen architektonischen Niveaus. Dementsprechend legen wir bei den Bewerbern neben praktischen Erfahrungen großen Wert auf das kreative und gestalterische Potenzial sowie den grundsätzlichen Willen, auch konzeptionell in thematisches Neuland vorzustoßen.

Unser Büro ist geprägt durch eine offene und freundliche Atmosphäre. Vor diesem Hintergrund findet der fachliche Austausch innerhalb und außerhalb des Büros statt. Daher sollten die Bewerber offen und kommunikativ sein und die Bereitschaft mitbringen, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten im Team und im Büro einzubringen.
Daneben besteht die Möglichkeit der Spezialisierung für besondere Themen- oder Aufgabenbereiche – sowohl inhaltlich im Bereich der Architektur, als auch organisatorisch für das Büro selbst, zum Beispiel als Leitender Architekt oder Senior Architekt.

Olaf Kitzig, Geschäftsführer bei der Kitzig Interior Design GmbH:

Ein Porträt-Foto von Olaf Kitzig

Olaf Kitzig

Foto: Ansgar Dlugos

Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz bei der Bearbeitung unserer Projekte. Daher bieten wir neben allen Leistungsphasen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) auch disziplinübergreifende Lösungen an. Die Aufgabenfelder sind bei Kitzig somit sehr breit gefächert und bieten den Innenarchitekten vielschichtige Entwicklungsmöglichkeiten – vom Entwurf über konzeptionelle Markenentwicklung mit dem Kunden bis hin zur Kreation von 3D-Renderings, mit denen Projekte realitätsgetreu illustriert werden. Die klassische Ausführungsplanung ist natürlich ebenso ein sehr wichtiger Aspekt in unseren Büros, daher erwarten wir vor allem von Berufseinsteigern erste Erfahrungen mit dem Programm „ArchiCad“. Wir versuchen, die Mitarbeiter verstärkt dort einzusetzen, wo deren Stärken liegen. Neben den fachlichen Qualifikationen, die wir nach dem Bachelor- als auch dem Masterstudium voraussetzen, erwarten wir bei Kitzig Interior Design ein hohes Maß an Selbständigkeit und eigenverantwortliches Handeln. Als stark wachsendes Unternehmen mit einem internationalen Kundenstamm aus den unterschiedlichsten Branchen, ergibt sich für engagierte Innenarchitekten immer die Möglichkeit, eigene Ideen aktiv einzubringen und mit dem Unternehmen gemeinsam zu wachsen.

Norman Romeike, Geschäftsführender Gesellschafter bei der combine Design GmbH

Ein Porträt-Foto von Norman Romeike

Norman Romeike

Foto: Burko Jaeger Fotografie

Wir suchen in erster Linie Menschen, die zu unserem Team passen und von denen wir glauben, dass sie sich bei uns im Unternehmen langfristig entwickeln können. In kreativen Prozessen ist eine gute Teamatmosphäre das A und O, um Ergebnisse zu generieren, die zum einen uns als Firma und zum anderen unsere Kunden begeistern. Die fachlichen Anforderungen sind zwar durchaus auch von Bedeutung, aber wir erleben immer stärker, dass das Miteinbeziehen der jungen Kolleginnen und Kollegen ein wesentlicher Faktor bei der Integration von Absolventen ist. Im Rahmen unserer Entwürfe geht es darum, ein Kundenerlebnis zu definieren und dieses mit den uns gegebenen Werkzeugen umzusetzen. Diese Arbeit erfordert eine starke Auseinandersetzung mit dem Kunden. Wir achten darauf, dass unsere Kolleginnen und Kollegen gerne mit Menschen zusammenarbeiten. Absolventen haben bei uns die Chance, ganz unterschiedliche Wege einzuschlagen. Je nach Themenfeld kann es sein, dass wir mit unseren bestehenden Kollegen dann sogar eigene Geschäftsfelder bestreiten.

Susanne Walter, Leiterin des Referats Architektur, Stadtgestaltung, Wettbewerbe, Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

Ein Porträt-Foto von Susanne Walter

Susanne Walter

Foto: privat

Interessante Beschäftigungsmöglichkeiten für Architektinnen und Architekten gibt es in unserem Haus in unterschiedlichen Fachabteilungen. Es handelt sich überwiegend um Themen aus dem Bereich der Stadtentwicklung und des Wohnungsbaus. Dahinter verbergen sich baukulturelle, planerische, als auch ordnungsrechtliche Fragestellungen. Architekten sind in der Verwaltung überwiegend im Managementbereich tätig oder beraten politische Gremien, Investoren und Bauherren in Bezug auf Städtebau und Architektur. Wer sich für die Arbeit in einer Stadtentwicklungsverwaltung interessiert, sollte neben der fachlichen Qualifikation auch Team- und Moderationsfähigkeit, Eigenverantwortung und Freude an der interdisziplinären Zusammenarbeit mitbringen. Die Verwaltung bietet eine Vielzahl von Entwicklungsmöglichkeiten, vor allem auch im Bereich der Personalführung. Umfassende Fort- und Weiterbildungsprogramme können sowohl für die fachliche als auch für die organisatorische Arbeit genutzt werden. Die Verwaltung bietet, bezogen auf die Arbeitszeit, differenzierte und familienfreundliche Arbeitsmodelle an. Zusammengefasst kann man sagen, wer in der Verwaltung arbeitet, sitzt immer am Puls der Zeit und steuert die Entwicklung der Stadt.

 

Architekten – Interview

„Besser kann es nicht laufen“

Inga Stein-Barthelmes, Leiterin des Referats Wirtschaftspolitik bei der Bundesarchitektenkammer, gibt Tipps zu Berufseinstieg und Karriere.

abi>> Frau Stein-Barthelmes, wie schwierig ist es, mit wenig Berufserfahrung eine Anstellung in der Architektur zu finden?

Inga Stein-Barthelmes: Natürlich gilt: Je mehr Berufserfahrung, desto besser. Der „fertige“ (Innen-)Architekt hat derzeit die Möglichkeit, sich seinen Job auszusuchen – besser kann es eigentlich gar nicht laufen. Aber auch als Absolvent habe ich aufgrund der sehr guten Arbeitsmarktlage gute Chancen auf eine passende Anstellung. Die (Innen-)Architekturbüros suchen ebenso Mitarbeiter wie der öffentliche Dienst. Auch in anderen Bereichen der freien Wirtschaft wird gesucht, beispielsweise bei Banken und Immobilienfirmen oder bei Unternehmen, die Architekten etwa als Gutachter oder Brandschutzbeauftragte einstellen.

abi>> Wie sieht die Arbeitsbelastung aus?

Ein Porträt-Foto von Inga Stein-Barthelmes

Inga Stein-Barthelmes

Foto: Fred Wagner

Inga Stein-Barthelmes: In der freien Wirtschaft herrscht eine andere Work-Life-Balance als im öffentlichen Dienst, wo der Arbeitsalltag natürlich deutlich geregelter ist. Allerdings ist das Gehaltsniveau auch ein anderes, im öffentlichen Dienst wird nach Tarif gezahlt. Da haben die Büros mehr Spielraum. Dafür ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im öffentlichen Dienst einfacher. Wobei gerade bei jungen Büros das Thema ebenfalls angekommen ist und gelebt wird.

abi>> Wie kann ich Karriere machen?

Inga Stein-Barthelmes: Im öffentlichen Dienst kann ich innerhalb der Verwaltungshierarchie aufsteigen. Als Büroangestellter erhalte ich nach einiger Zeit eventuell die Möglichkeit, eine Projektleitung zu übernehmen. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte sich überlegen, was er will. Der Name eines großen, renommierten Büros im Lebenslauf kann Türen öffnen. Dort wird aber meist ein sehr hoher Arbeitseinsatz erwartet. In einem kleinen, regionalen, jungen Büro mit guter Auftragslage kann es einfacher sein, schnell zu mehr Verantwortung zu kommen. Wer freiberuflich arbeiten will, sollte zunächst in einem Angestelltenverhältnis Erfahrungen sammeln, Kontakte knüpfen und versuchen „nebenbei“ erste eigene Aufträge zu realisieren. Nachwuchswettbewerbe können ein Sprungbrett sein. Ganz wichtig ist es, sich zunächst etwa im Bereich Betriebswirtschaft fortzubilden.

abi>> Welche Themen beschäftigen die Branche?

Inga Stein-Barthelmes: Allen voran das Thema Nachhaltigkeit – Stichwort Klimaschutz und Energiewende. (Innen-)Architekten, die in diesen Bereichen Experten sind, haben ausgesorgt. Bezahlbarer Wohnraum und serielles Bauen sind weitere wichtige Bereiche. Zudem beschäftigt die Baubranche das Thema Digitalisierung intensiv. Studierende sollten sich schon während der Ausbildung mit der Methodik des „Building Information Modeling“ (BIM) auseinandersetzen. Dabei handelt es sich um eine Planungsplattform, auf die alle zugreifen können, die an einem Bau beteiligt sind. Diese Methode wird in Zukunft vor allem bei Großprojekten Standard sein.

 

Architekten - Infografiken

Arbeitsmarkt Architekten

Wie viele Studienanfänger gab es in den letzten Jahren in der Architektur? Wie viele Studierende bestanden die Abschlussprüfungen? Und wie hoch sind die Arbeitslosenzahlen? Verschaffe dir mit den abi» Infografiken einen Überblick.

 

 

 


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Stand: 13.12.2019