Spannende neue Aufgaben für Gestalter

Ein junger Mannl sitzt an einem Schreibtisch und arbeitet mit einem 3D-Programm am Computer
Egal, ob man als Designer mit der Hand zeichnet oder gleich am Computer arbeitet, man braucht Vorstellungsvermögen und sollte innerhalb von wenigen Minuten seine Ideen visualisieren können.
Foto: Julien Fertl

Designer

Spannende neue Aufgaben für Gestalter

Mittlerweile ist klar: Künstliche Intelligenz kann schon bald viele Aufgaben in unterschiedlichen Bereichen übernehmen. In puncto Kreativität und Empathie kann sie dem Menschen allerdings nicht das Wasser reichen. Das eröffnet etwa Designern wie Maximilian Schneider, ganz neue Perspektiven.

In meinem Beruf kann ich meine Kreativität ausleben“, sagt Maximilian Schneider. Der 24-Jährige hat Produktgestaltung in Schwäbisch Gmünd studiert und designt jetzt analytische Messgeräte bei Agilent Technologies in der Nähe von Karlsruhe. Die Geräte analysieren zum Beispiel Blutproben bei Dopingkontrollen. Eine der wichtigsten Aufgaben des Designers ist es, sich in die späteren Anwender hineinzuversetzen: „Ein Entwickler interessiert sich in erster Linie dafür, ob das Gerät technisch funktioniert. Ich als Produktdesigner dagegen mache mir Gedanken über die Nutzung, also wo Knöpfe, Displays oder Nachfüllkartuschen am praktischsten angebracht sein sollten, damit das Laborpersonal im täglichen Einsatz gut damit arbeiten kann. Wir sprechen dabei von einer guten ‚User Experience‘.“

Damit dies gelingt, besucht er Kunden, analysiert Laborabläufe und tauscht sich im Idealfall früh mit den Entwicklern aus. Seine ersten Entwürfe zeichnet er meist auf Papier, baut in der Werkstatt Modelle aus Karton und überführt diese schließlich in 3-D-Software. „Egal, ob man mit Hand zeichnet oder gleich am Computer arbeitet, man braucht Vorstellungsvermögen und sollte innerhalb von wenigen Minuten seine Ideen visualisieren können“, erläutert er und führt aus, dass der rein ästhetische Aspekt einen eher geringen Stellenwert habe. „Der emotionale Wert ist nicht so hoch wie zum Beispiel bei einem Auto. Es geht darum, dass ein Gerät auf den ersten Blick dem Portfolio meines Arbeitgebers zugeordnet wird.“

Von der Idee bis zur Umsetzung

Ein Porträt-Foto von Maximilian Schneider

Maximilian Schneider

Foto: privat

Nach dem Studium hätte er auch zu einer Designagentur gehen können. Diese werden meist von Großkunden bei strategisch wichtigen Entwicklungen beauftragt. Zudem arbeiten viele Designer selbstständig. „Wir werden in allen Branchen gebraucht. Man hat also vielfältige Möglichkeiten. Ich schätze die ‚Vollkommenheit‘ in meiner derzeitigen Anstellung. Ich bekomme mit, was am Ende aus meinen Ideen wird. Wenn man nicht direkt beim Unternehmen angestellt ist, ist die Arbeit oft mit den ersten Entwürfen erledigt“, sagt er.
Maximilian Schneider ist einer der knapp 800 Studierenden, die laut Statistischem Bundesamt im Wintersemester 2017/2018 ihre Abschlussprüfung gemacht haben. Mit dem Bachelor in der Tasche hat er gleich eine Stelle gefunden. Ob dies repräsentativ ist, darüber lassen sich nur schwer Aussagen treffen. „Die Zahl der Stellenangebote bei der Bundesagentur für Arbeit in diesem Bereich ist gering. Hier kann man jedoch vermuten, dass der Stellenmarkt über andere Wege und Medien funktioniert“, sagt Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) und betont: „Gerade beim Berufseinstieg haben es Designer nicht immer leicht. Kreative Berufe sind sehr beliebt.“

Die Hälfte ist selbstständig

Für 2017 verzeichnete die BA fast 26.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Akademiker in einem Designberuf. Der Mikrozensus weist für 2016 56.400 Erwerbstätige aus, zu denen auch die Selbstständigen zählen. „Beides hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt. Die Arbeitslosigkeit befand sich 2017 mit durchschnittlich knapp 2.400 Personen auf einem niedrigen Niveau und ist im Vergleich zu 2016 zurückgegangen. Stellenmeldungen sind mit 700 im Jahr 2017 aber eher dünn gesät“, erläutert die BA-Arbeitsmarktexpertin und weist darauf hin, dass rund die Hälfte der Designer ihr eigener Chef sei. (Weitere Arbeitsmarktzahlen siehe Infografiken.)

Ein Porträt-Foto von Susanne Lengyel

Susanne Lengyel

Foto: Helen Sobiralski

In Deutschland müssen sich fast 32.000 Studierende bald mit der Frage „Selbstständig oder nicht?“ auseinandersetzen. Zählt man die „Angewandte Kunst“ dazu, sind es fast 36.000. So viele sind derzeit in gestaltenden Fächern eingeschrieben. Das Portal Studienwahl listet über 450 Studiengänge – von Kommunikation- über Mode- und Fotodesign bis hin zu Design- und Innovationsmanagement. Im Kern gehe es immer um das Gleiche, sagt Susanne Lengyel vom Dachverband Deutscher Designertag. „Die Aufgabe eines Designers ist es, Komplexes für alle verständlich und nutzbar zu machen“, sagt sie im Interview „Design steckt überall drin“. „Designs sind die Schnittstelle zwischen Nutzer und Produkt“, ergänzt Victoria Ringleb vom Verband Allianz deutscher Designer (AGD). „Ob Interface, Smartphone oder Möbel, das Design sorgt dafür, dass das Konfliktpotenzial im Einsatz so gering wie möglich ist, egal ob in zwei- oder dreidimensionaler Natur.“

„Ausweitung der Designzone“

Ein Porträt-Foto von Victoria Ringleb

Victoria Ringleb

Foto: Sarah Weik

In den letzten Jahren habe sich ein verändertes Verständnis von Design entwickelt. Während es früher darum ging, eine Marke zu positionieren, sei es im Zuge der Digitalisierung wichtiger geworden, undurchsichtige Vorgänge intuitiv erfassbar zu machen. „Wir erleben eine Ausweitung der Designzone. Designer gestalten nicht mehr nur Produkte, sondern denken auch darüber nach, wie Geschäftsprozesse oder gar Gesellschaften gestaltet werden können“, sagt Victoria Ringleb und macht damit deutlich, dass Designer auch in ganz anderen Bereichen gefragt sind. Hochschulabsolventen finden demnach nicht nur Beschäftigung in Ateliers, Werbe-, Medien- und PR-Agenturen sowie in Entwicklungsabteilungen, sondern auch in strategischen Stabsstellen, in der Politik und bei Unternehmensberatungen.

Diese wachsende Bedeutung des Designs unterstreicht auch der Monitoringbericht „Kultur- und Kreativwirtschaft 2016“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Demnach ist die Designwirtschaft mit rund 17 Prozent aller Unternehmensgründungen der nach der Software-Industrie am schnellsten wachsende Bereich der Kreativwirtschaft.

„Bereitschaft zur Veränderung“

Die Designverbände führen dies nicht auf ein wachsendes Interesse an optisch ansprechenden Designs zurück, sondern auf den Wunsch nach einer Optimierung des Produktnutzens. „Den Kunden zufrieden machen, das steht im Zentrum“, bringt Susanne Lengyel nochmal auf den Punkt. Die dafür notwendigen Methoden hätten viele Hochschulen als Inhalte im Designstudium fest verankert oder in neue Studienfächer wie Designmanagement überführt. Aber auch eine Ausbildung, etwa in den Fachrichtungen Grafik, Mode oder Medien vermittle gutes Basis-Know-how, ergänzt Victoria Ringleb und betont, dass viele erfolgreiche Designer auch Quereinsteiger seien. „Bereitschaft zur Veränderung, sich selbst und andere immer infrage stellen und der stetige Perspektivwechsel, das macht einen guten Designer aus“, sagt sie.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Designer).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Design).
www.studienwahl.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

 

KURSNET
Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach Weiterbildungen suchen (Suchwort: Design).
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

 

BERUFETV
Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

 

Berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zum Beruf „Designer/-in“ sowie zu verwandten interessanten Berufen findest du im Teilberufsfeld „Design und Gestaltung“.
berufsfeld-info.de/abi

 

Deutscher Designtag
www.designtag.org

 

Allianz deutscher Designer (AGD)
www.agd.de

 

German UPA
Berufsverband der deutschen Usability und User Experience Professionals
www.germanupa.de

 

Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft
Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie mit Informationen für alle, die in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig sind oder zukünftig sein wollen.
www.kultur-kreativ-wirtschaft.de

 

Page – Das Magazin der Kreativbranche
Wichtiges Informationsmedium für Gestalter in der Design-, Kommunikations- und Digitalbranche
www.page-online.de

 

Designtagebuch
Fachblog und Forum von und für Designer mit vielen Hintergrundinformationen zu den aktuellen Anforderungen im Beruf
www.designtagebuch.de

 

Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd
www.hfg-gmuend.de

 

Website von Lena Stadler
www.blacktowild.com

 

Website der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
www.burg-halle.de

 

Designer – Interview

„Design steckt überall drin“

Während Designer früher vor allem Dinge gestalteten, denken sie heute vermehrt über die Gestaltung von Dienstleistungen, Prozessen und sogar Gesellschaftsstrukturen nach. Das betont Susanne Lengyel, Vize-Präsidentin des Dachverbands Deutscher Designtag. Im abi» Interview geht sie unter anderem darauf ein, was dies für Studium und Berufseinstieg bedeutet.

abi>> Frau Lengyel, sind Designer die neuen Unternehmensberater?

Susanne Lengyel: Dinge ansprechend und funktional zu gestalten, damit meine ich auch Broschüren, Websites oder Benutzeroberflächen, ist weiterhin die Kernaufgabe eines Designers. Allerdings beobachten wir, dass all die Fähigkeiten, die ein Designer besitzt, auch vermehrt gefragt sind, wenn es darum geht, Innovations- oder Veränderungsprozesse in einem Unternehmen oder in einer Gesellschaft anzustoßen. Damit ist gemeint: um die Ecke denken, Begebenheiten hinterfragen, Anforderungen verstehen, vom Nutzer und Nutzen aus denken, sich in andere hineinversetzen und kreativ ganz neue Lösungen finden. Die derzeit in der Unternehmensberater-Szene gehypte Methode „Design Thinking“ bringt das auf den Punkt. Wir Designer staunen darüber, dass das für Unternehmen und Politiker etwas Neues ist. So zu arbeiten und zu denken, ist für uns schon immer selbstverständlich.

abi>> Wie erklären Sie sich, dass Designer nun auch in strategischen Prozessen gefragt sind?

Ein Porträt-Foto von Susanne Lengyel

Susanne Lengyel

Foto: Helen Sobiralski

Susanne Lengyel: Wir leben in einer immer komplexer werdenden Welt. Die Aufgabe eines Designers ist und war es schon immer, Komplexes für alle verständlich und nutzbar zu machen. Bei allem, was wir gestalten, orientieren wir uns an den Bedürfnissen des späteren Nutzers. Übrigens nicht nur aus einem Bauchgefühl heraus, sondern auch auf Basis von Methoden, Fakten und Informationen, zum Beispiel mit Studien zur Benutzerfreundlichkeit und Big Data. Sie sehen, es ist eine Mischung aus Wissen, Interesse und Begabung, man kann auch sagen zwischen Kopf und Bauchgefühl.

abi>> Design hat sich also auch durch die neuen Technologien verändert?

Susanne Lengyel: Ja und nein. Für uns macht es in der Herangehensweise keinen Unterschied, ob wir ein Produkt, eine Virtual-Reality-Anwendung oder eine Website gestalten – in der Umsetzung allerdings schon. Wir nutzen dafür unterschiedliche Tools und Designelemente und müssen verschiedene Faktoren und Rahmenbedingungen berücksichtigen. Deshalb gibt es neben neuen Studiengängen wie Design- oder Servicemanagement, die den Entstehungsprozess in den Mittelpunkt stellen, auch weiterhin diverse Studiengänge beispielsweise für Kommunikationsdesign, Modedesign oder Industriedesign. Aber nicht nur in diesen Studiengängen kommen Studierende heutzutage mit Design in Berührung, auch in der Informatik und bei den Wirtschaftswissenschaften. Da tut sich gerade viel.

abi>> Bleiben wir bei den Designern: Haben sich die Arbeitsmarktchancen durch das erweiterte Aufgabengebiet verbessert?

Susanne Lengyel: Die neuen Aufgabengebiete sind vor allem für erfahrene Kollegen interessant. Trotzdem: Wenn man etwas kann und mit Leidenschaft dabei ist, dann sieht es auch für Berufseinsteiger gut aus. Allerdings muss man wissen, dass gerade dieser moderne Designtypus langfristig eher selbstständig als festangestellt arbeitet. Ich sage bewusst, langfristig gesehen. Ich empfehle jungen Leuten nach dem Studium, erstmal in einer größeren Einheit, also in einer Agentur oder einem Unternehmen zu arbeiten, oder sich einer Bürogemeinschaft anzuschließen. Am Anfang fehlt es einfach noch an der Sicherheit, die eigenen Ideen zu verkaufen. Und ‚Frischlinge‘ können viel von erfahrenen Designern lernen, insbesondere was den Umgang mit Kunden betrifft.

 

Designer - Infografiken

Arbeitsmarkt Designer

Wie viele Studienanfänger gab es in den letzten Jahren im Bereich Design? Wie viele Studierende bestanden die Abschlussprüfungen? Und wie hoch sind die Arbeitslosenzahlen? Verschaffe dir mit den abi» Infografiken einen Überblick.

 


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Stand: 14.10.2019