Die Chemie muss stimmen

Verschiedene Chemikalien stehen in einem Regal
Chemiker arbeiten nicht mehr nur in Laboren, sondern finden beispielsweise auch in der Automobil- oder Elektronikbranche eine Anstellung.
Foto: Martin Rehm

Chemiker – Hintergrund

Die Chemie muss stimmen

Chemiker arbeiten nicht nur in Laboren, sondern finden vielseitige Aufgaben in Unternehmen, Hochschulen und Behörden. Wichtig ist, von Anfang an interdisziplinär zu denken und über den Tellerrand der Chemie hinauszuschauen.

Die Chemikerin Kristina Leifert vertreibt Klebstoffe für die Verpackungsindustrie. Mehr als ein Drittel ihrer Arbeitszeit beim Chemieunternehmen Dow verbringt die 28-Jährige mit Kundenbesuchen, übernimmt Preisverhandlungen, Vertragsmanagement und berät, welcher Klebstoff sich für welche Anwendung eignet. Genauso wichtig sind die Vor- und Nachbereitung der Gespräche sowie der Austausch mit den Kollegen aus Produktentwicklung, Logistik und technischem Service. „Außerdem bin ich auf internationalen Messen dabei“, erklärt sie. Ihr Interesse zum Vertrieb hat sie bereits im Bachelorstudium Chemie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster entdeckt: „Ich wollte nicht in die Forschung, sondern mein Wissen lieber in der Industrie anwenden.“ Deshalb entschied sie sich im Anschluss für den Master Wirtschaftschemie.

Das Masterstudium der Wirtschaftschemie war als Vorbereitung für den Vertrieb genau richtig. „Für meine Abschlussarbeit habe ich bereits mit dem Chemieunternehmen Dow am Standort Ahlen zusammengearbeitet“, berichtet Kristina Leifert. Nach ihrem Abschluss absolvierte sie dann das „Commercial Development-Programm“, mit dem das amerikanische Chemieunternehmen Hochschulabsolventen auf eine Karriere im Vertrieb vorbereitet. „Die Mischung aus Kenntnissen in Chemie und Wirtschaft ist dafür ideal“, findet die Account Managerin. „Die Kunden wollen schließlich sowohl technische als auch wirtschaftliche Beratung.“ Die Klebstoffe können je nach Verpackungstyp, Chargenmenge oder Produktionszeit an verschiedene Anforderungen angepasst werden oder zusätzliche Funktionen erbringen, zum Beispiel das Aroma von Kaffeebohnen lange erhalten.

Geringe Arbeitslosenquote

Ein Porträt-Foto von Kristina Leifert

Kristina Leifert

Foto: privat

Kristina Leifert liegt mit ihrer Tätigkeit abseits der traditionellen Arbeit im Labor im Trend: Von den insgesamt rund 497.000 Erwerbstätigen mit einem naturwissenschaftlichen Hochschulabschluss waren im Jahr 2015 nur schätzungsweise 160.000 originär als Naturwissenschaftler tätig, darunter rund 54.000 als Chemiker, wie aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. „Die große rechnerische Differenz zur Gesamtzahl derer mit einem naturwissenschaftlichen Abschluss ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Naturwissenschaftler häufig in den verschiedensten Berufsfeldern tätig sind“, erklärt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit. So arbeitet laut Mikrozensus ein großer Teil der studierten Naturwissenschaftler in Bereichen wie Unternehmensführung und -organisation, Informations- und Kommunikationstechnik oder technische Entwicklung und Produktion.

Die Arbeitslosenzahl unter den Chemikern sank laut Bundesagentur für Arbeit von 2.700 im Jahr 2015 auf rund 2.600 im Jahr 2016. „Das entspricht einer geringen Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent“, erklärt Ralf Beckmann. „Pro Monat wurden der Bundesagentur aber nur durchschnittlich knapp 300 Stellenangebote gemeldet, die sich explizit an Chemiker richten.“ Hinzu kommen jedoch – wie oben beschrieben – die vielen anderen, nicht originär für Chemiker ausgeschriebenen Jobangebote.

„Rate dringend zu Praktika“

Der Bedarf an Chemikern werde in Zukunft weiter steigen, erwartet Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt beim Verband der Chemischen Industrie. „Denn Chemiker sind nicht mehr nur für Chemieunternehmen interessant, sondern für viele weitere Wirtschaftszweige wie Automobil oder Elektronik. Sie werden dort zum Beispiel in der Materialforschung eingesetzt.“ Auch Umwelt- und Überwachungsbehörden sind spannende Arbeitgeber für Chemie-Absolventen.

Um flexibel einsetzbar zu sein, empfiehlt Gerd Romanowski Studierenden, neben der reinen Chemie auch Kurse für Wirtschaft und Recht zu belegen – wie Umweltrecht, Patentrecht oder Arbeitsschutzrecht. Auch Kenntnisse in Physik, Biologie, Elektrotechnik und Materialwissenschaften können bei der Bewerbung sehr hilfreich sein. „Außerdem rate ich dringend zu Praktika in Unternehmen oder Behörden, selbst wenn sie keine Pflicht in den Studiengängen sind.“ Nach seiner Beobachtung absolvieren heutzutage mehr Chemiestudierende Praktika als in früheren Jahren.

Wer nicht nur reine Chemie studieren will, kann auch sogenannte Bindestrich-Fächer wählen: Bio-Chemie, Lebensmittel-Chemie, Wirtschafts-Chemie und Chemie-Ingenieurwesen bieten die Hochschulen unter anderem an. Eine Promotion wird von vielen Chemikern noch immer angestrebt: „Mehr als die Hälfte der Chemie-Absolventen promoviert“, weiß Gerd Romanowski. „Für Stellen in der Forschung und Entwicklung ist das nach wie vor sinnvoll und von den Unternehmen erwünscht. Wer allerdings in anderen Unternehmensbereichen arbeiten will, kommt oft auch ohne den Doktortitel aus.“

Weitere Informationen

BERUFENET

 

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwörter: Chemie, Chemiker).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwörter: Chemie, Chemiker).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen (Suchwörter: Chemie, Chemiker).
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit

www.berufe.tv

Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V.

www.bavc.de

Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI)

www.vci.de

Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh)

www.gdch.de

PlasticsEurope Deutschland e.V.

www.plasticseurope.de

Deutschlandstipendium

www.deutschlandstipendium.de

 

Chemikerin

Daten, Berichte und viele Dienstreisen

Wohin mit dem Elektroschrott? Sina Kummer (30) ist promovierte Chemikerin und beschäftigt sich beim Umweltbundesamt in Dessau mit dem Recycling von TV, PC und Co.

Die wissenschaftliche Angestellte ist zum Beispiel für die Auswertung der Daten zuständig, die sie von den Statistischen Landesämtern und der Stiftung „Elektro-Altgeräte Register“ erhält. Letztere koordiniert unter anderem die Übergabestellen und Abholung von Altgeräten. In den Rohdaten finden sich Angaben dazu, wie viele Elektrogeräte in den Verkehr gekommen sind, wie viele gesammelt und wie viele recycelt wurden. „Die aufbereiteten Daten gebe ich als Bericht an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) weiter, die wiederum an die zuständige EU-Kommission berichtet“, erzählt Sina Kummer.

Arbeitsgruppen und Bürgeranfragen

Ein Porträt-Foto von Sina Kummer

Sina Kummer

Foto: privat

Eine weitere ihrer Aufgaben ist die Organisation und fachliche Begleitung des Arbeitskreises „Anforderungen an die Behandlung spezifischer Elektroaltgeräte unter Ressourcen- und Schadstoffaspekten“. Außerdem betreut sie Arbeitsgruppen mit Akteuren aus Wissenschaft und Wirtschaft, die sich im Auftrag des Ministeriums mit der Verbesserung des Elektroaltgeräte-Gesetzes beschäftigen. Außerdem beantwortet Sina Kummer Bürgeranfragen zum Thema Elektroaltgeräte und betreut interne Forschungsvorhaben im Haus.

„Einen Teil meiner Arbeitszeit verbringe ich am Schreibtisch. Ich arbeite oft mit Excel-Tabellen“, berichtet die Chemikerin. „Andererseits bin ich aber auch viel auf Dienstreisen, etwa bei Projekttreffen mit unseren Forschern, in den Recyclingbetrieben, bei internationalen Workshops oder beim BMUB in Bonn.“ Chemiestudierenden, die ebenfalls Interesse haben, in einer Behörde zu arbeiten, kann Sina Kummer also versichern, dass die Arbeit im Amt weit mehr ist als nur am Computer zu sitzen.

Chemie? Nur am Rande

Studiert hat die Chemikerin an der Universität Rostock. An ihr Diplom schloss Sina Kummer direkt ein Promotionsstudium an und befasste sich bei ihren Forschungen mit Fragen aus der technischen Chemie. In der letzten Phase ihres Studiums stieß sie auf dem Portal bund.de auf eine Stellenausschreibung des Umweltbundesamts, in der eine Mitarbeiterin für den Bereich Kunststoffe in der Umwelt im Fachgebiet Produktverantwortung gesucht wurde. „Ziemlich schnell wechselte ich dann aber intern in den Bereich Elektroaltgeräte“, berichtet die 30-Jährige, die sich schon zu Schulzeiten für Chemie interessierte, deshalb den Leistungskurs in diesem Fach wählte und eigentlich Lehrerin werden wollte. Da es mit diesem Studiengang nicht klappte, wählte sie die reine Chemie und bereut diese Entscheidung nicht.

Mit chemischen Themen hat Sina Kummer heute allerdings nur noch am Rande zu tun. „Ich weiß zum Beispiel, wie Kühlmittel aus Kühlschränken fachgerecht entsorgt werden müssen oder wie andere gefährliche Stoffe in Geräten ordnungsgemäß recycelt werden.“ Bei der Beschäftigung mit den Elektroaltgeräten hilft ihr natürlich auch ihre Studienfokussierung auf die technische Chemie. „Aber das Wichtigste ist sicherlich das selbstständige Arbeiten, das ich während meines Promotionsstudiums gelernt habe“, ist Sina Kummer überzeugt. „Ich habe dabei unter anderem gelernt, wie ein Forschungsvorhaben betreut werden muss.“

Interdisziplinäres Arbeiten an der Tagesordnung

Für den Kontakt zur EU sind Englischkenntnisse unverzichtbar. „Und ich muss unter Stress arbeiten können – manche Berichte müssen sehr schnell vorliegen. Trotz des hohen Arbeitsaufwands muss ich dabei einen kühlen Kopf bewahren.“ Nicht zuletzt muss Sina Kummer über ihren eigenen Fachbereich hinausdenken können: Ihre Kollegen sind eine Biotechnologin, ein Geograf und eine Lebensmittelchemikerin. Interdisziplinäres Arbeiten ist also an der Tagesordnung.

 

Chemieingenieur

Im Einsatz an chemischen Anlagen

Perfekte Planung für reibungslosen Betrieb: Sven Wibbeler kümmert sich bei Lanxess in Leverkusen in der Abteilung Verfahrensentwicklung um Chemieanlagen. Dafür ist der 26-jährige Chemieingenieur viel auf Achse.

„Derzeit bin ich in einem dreiköpfigen Team eingesetzt, das sich mit der Erweiterung einer Anlage in unserem Werk in Uerdingen beschäftigt“, erzählt Sven Wibbeler. Er und seine Kollegen erstellen sogenannte Fließbilder, die die einzelnen Schritte des chemischen Reaktionsprozesses in der Anlage beschreiben. Sie berechnen den Bedarf von Dampf und Kühlwasser für die Produktion, kalkulieren, wie groß Kessel und Rohre der Anlage sein müssen, die die Chemikalien reagieren lassen und befördern, und sie entwerfen Pläne, wie man die Sicherheit der Anlage gewährleisten kann.

„Das alles machen wir natürlich nicht allein mit unserem kleinen Team, sondern zusammen mit vielen Kollegen. Die sind zum Beispiel für das Equipment der Anlage und für die Detailplanung zuständig“, erklärt Sven Wibbeler. Zwei bis drei Tage pro Woche fährt er nach Uerdingen, um vor Ort an der bestehenden Anlage zu arbeiten. In seinem Büro in Leverkusen bereitet er die gesammelten Informationen dann für die weitere Anlagenplanung auf.

Förderung dank Deutschlandstipendium

Ein Porträt-Foto von Sven Wibbeler

Sven Wibbeler

Foto: LANXESS AG

Da er schon in der Schule Interesse an Naturwissenschaften hatte, entschied sich Sven Wibbeler zunächst für ein duales Studium an der Fachhochschule Bingen: Er studierte Verfahrenstechnik und machte parallel dazu bei einem Chemieunternehmen eine Ausbildung zum Chemikanten, lernte also, chemische Produktionsanlagen zu steuern. Anschließend nahm er ein Masterstudium zum Chemieingenieur an der Technischen Universität Dortmund auf. „Die Mischung aus Chemie und Technik im Bachelor- und Masterstudium hat mir sehr gut gefallen“, erinnert sich der heute 26-Jährige.

Sein Masterstudium finanzierte er teilweise durch das Deutschlandstipendium. Dabei erhalten Studierende und Studienanfänger monatlich 300 Euro, die je zur Hälfte von privaten Geldgebern wie Wirtschaftsunternehmen sowie aus dem Bundeshaushalt gezahlt werden. Der private Förderer seines Stipendiums war der Chemiekonzern Lanxess, dessen Mitarbeiter der Stipendiat auf einer Netzwerkveranstaltung des Unternehmens später auch persönlich kennenlernte. „Darüber hinaus wies mich Lanxess auf einer Karrieremesse auf eine offene Stelle hin“, erinnert sich Sven Wibbeler. „Also bewarb ich mich als Verfahrensingenieur.“

„Schnelle Auffassungsgabe und viel Engagement“

„Es ist gut, dass ich mich nicht nur mit technischen Aspekten, sondern auch mit Chemie auskenne. Das macht die Arbeit an den chemischen Anlagen leichter“, sagt der 26-Jährige, der bei seinem Projekt unter anderem mit Chemikern, Bauingenieuren und Regelungstechnikern zusammenarbeitet. Bei so vielen Schnittstellen ist es wichtig, gute Kommunikationsfähigkeiten mitzubringen. „Außerdem braucht man für meinen Job eine schnelle Auffassungsgabe und viel Engagement“, weiß Sven Wibbeler. Nicht zuletzt ist ein langer Atem hilfreich: Ein Projekt wie die Anlagenerweiterung dauert mitunter mehrere Jahre.

Was nach Abschluss dieses Projekts auf den Chemieingenieur zukommen wird, steht also noch lange nicht fest. Möglichkeiten gibt es aber viele. „Ich kann mir vorstellen, später auch den Produktionsbetrieb zu unterstützen“, sagt er. Da Lanxess weltweit Produktionsstätten unterhält, ist die Auswahl an Anlagen groß, für die Experten wie Sven Wibbeler gebraucht werden.

 

Biochemiker

Seltene Krankheiten erkennen

Sebastian Oppermann (35) arbeitet als Senior Scientist beim Biotech-Unternehmen Centogene in Rostock. Dort diagnostiziert der Biochemiker gemeinsam mit seinem Team seltene Erbkrankheiten – und hilft damit, Menschenleben zu retten.

„Mit zwölf Jahren habe ich den Film ‚Jurassic Park‘ gesehen und war fasziniert von der Arbeit der Gentechniker. Und weil ich in der Schule Chemie und Biologie gut fand, habe ich mich für ein Studium der Biochemie an der Universität Greifswald entschieden“, erinnert sich Sebastian Oppermann an seine Studienwahl.

Inzwischen arbeitet der 35-Jährige beim Biotechnologie-Unternehmen Centogene in Rostock, wo seltene Erbkrankheiten diagnostiziert werden. Als Senior Scientist leitet er dort die biochemische Diagnostik-Abteilung. „Wir erhalten von Ärzten Blut- oder Plasmaproben und untersuchen diese biochemisch. Hierbei bestimmen wir zum Beispiel die Konzentration bestimmter Stoffwechselprodukte“, erklärt der Biochemiker. „Mit unserer Diagnose können wir den Ärzten dann die Behandlung erleichtern.“

„Von Ergebnissen hängen oft Menschenleben ab“

Ein Porträt-Foto von Sebastian Oppermann

Sebastian Oppermann

Foto: privat

Die Arbeit im Labor übernehmen weitgehend seine drei technischen Angestellten. „Ich bin dann für die Überprüfung und Evaluierung der diagnostischen Ergebnisse zuständig, bevor diese in Form eines Protokolls beziehungsweise Befunds zurück an die Ärzte gehen“, erklärt Sebastian Oppermann. Darüber hinaus ist er dafür verantwortlich, dass die Teams effizient eingeteilt werden, damit sie ihre Arbeit optimal erledigen können. „Manchmal müssen kritische Proben schneller bearbeitet werden als andere. Darauf müssen wir flexibel reagieren.“

In seiner Position ist es zudem wichtig, bis in die letzte Instanz auf jedes Detail zu achten und nichts zu übersehen. „Schließlich hängen von unseren Ergebnissen oft Menschenleben ab“, betont der Biochemiker, der in seinem Arbeitsalltag viel Englisch sprechen muss, weil das die internationale Wissenschaftssprache ist.

Um mit den analytischen Anlagen gut zurechtzukommen ist Berufserfahrung sehr hilfreich. Das theoretische Studium hilft hier nur bedingt. Sebastian Oppermann hat sich die notwendigen Kenntnisse während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Greifswald und Rostock angeeignet, die sich an sein Diplomstudium anschloss. „Diese Erfahrung hat mir sicherlich auch beim Aufstieg zum Senior Scientist geholfen. Normalerweise wird hier eine Promotion erwartet, wie so oft in den Naturwissenschaften.“

Bewusst auf Promotion verzichtet

Sein Weg führte ihn hingegen in den Außendienst eines Pharmaunternehmens. „Ich wollte aber gern wieder zurück ins Labor, daher bewarb ich mich auf eine Stelle bei Centogene“, berichtet der 35-Jährige. Als Junior Scientist hat Sebastian Oppermann anfangs tatsächlich im Labor gearbeitet. Vor einem Jahr stieg er schließlich zum Senior Scientist auf. Auf eine Promotion hat der Biochemiker zugunsten der Praxis bewusst verzichtet. „Auch wenn die Arbeit in der Industrie mehr Druck und Verantwortung bedeutet als in der Wissenschaft, bin ich froh, mich für diesen Schritt entschieden zu haben“, sagt er.

 

Chemiker – Personalerstatements

Praxiserfahrung gewünscht

Was erwarten Arbeitgeber von Chemikern? Personalverantwortliche berichten.

Regine Siebe, Recruiting Center, Beiersdorf AG

Porträt von Regine Siebe

Regine Siebe

Foto: privat

Die Beschäftigungsmöglichkeiten für Chemiker sind in unserem Haus vielfältig. Primär setzen wir sie in der Produktentwicklung und anderen Bereichen der Forschung und Entwicklung ein. Einstiegsmöglichkeiten gibt es nach dem Bachelor- oder Masterabschluss in der Regel im Labor, nach Promotion oder Post-Doc in enger Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Laborleiter. Neben exzellenten Fachkenntnissen sollten Bewerber praktische Erfahrung in Unternehmen, sehr gute Englischkenntnisse sowie internationale Erfahrungen mitbringen, die sie etwa im Rahmen von Auslandssemestern oder Forschungsaufenthalten erworben haben. Ein weiteres Plus ist Freude am fachlichen Austausch mit unterschiedlichen Gruppen inner- und außerhalb des Unternehmens. Darüber hinaus sollte Interesse an wirtschaftlichen Fragestellungen bestehen sowie an einer Managementlaufbahn – insbesondere bei promovierten Bewerbern. Daneben besteht die Möglichkeit zur Entwicklung als Experte für spezielle Themen, unter anderem als Senior Technology Manager.

Dr. Constanze Beckmann, HR Business Partner, Evonik Resource Efficiency GmbH

Ein Porträt-Foto Constanze Beckmann

Constanze Beckmann

Foto: privat

Als Spezialchemieunternehmen bieten wir ein breites Themenspektrum: Organische, anorganische, Molekular- und Polymerchemiker sowie physikalische oder Verfahrenschemiker sind bei uns ebenso gefragt wie Biotechnologen, Toxikologen, Nanotechnologen und Lackspezialisten. Idealerweise haben Bewerber während des Studiums praktische Erfahrungen gesammelt und bringen Auslandserfahrung mit. Als ein Technologieführer mit hoher Innovationskompetenz erwarten wir interdisziplinäres Denken, internationales Handeln sowie die Bereitschaft, Know-how zu teilen. Eigenverantwortung und interkulturelle Kommunikationsfähigkeiten sind gefragt, ebenso wie Mut und Neugier, um in thematisches Neuland vorzudringen. Wir investieren stark in das Thema Digitalisierung – auch Naturwissenschaftler und Digitalexperten sollen künftig enger zusammenarbeiten. Wir bieten den Direkteinstieg als Labor- oder Projektleiter, mit potenzieller Weiterentwicklung in andere Funktionen, beispielsweise im Marketing.

Manuela Klimek, Leiterin HR Marketing und Talent Management, Wacker Chemie AG

Ein Porträt-Foto von Manuela Klimek

Manuela Klimek

Foto: privat

„Chemiker, die sich bei uns bewerben, sollten mindestens einen Masterabschluss vorweisen können. Wer in die Forschung möchte, muss während des Studiums auch wissenschaftlich gearbeitet haben. In solchen Fällen ist eine Promotion unerlässlich. Neben der rein fachlichen Qualifikation müssen Bewerber in der Lage sein, eigenverantwortlich und teamorientiert zu handeln und flexibel auf neue Aufgaben und Herausforderungen zu reagieren. Wirtschaftliches Denken und Agieren und einen Blick für Zusammenhänge setzen wir ebenfalls voraus. Bei Wacker beginnen Chemiker ihre Berufskarriere in der Regel als Laborleiter in der Forschung & Entwicklung. Nach einer ersten Einarbeitungsphase steht ihnen dann eine Vielzahl von Entwicklungsmöglichkeiten offen. Im Rahmen des Talentmanagements, bei individuellen Coachings und innerhalb unseres Mentoring-Programms werden individuelle Stärken erkannt und gezielt gefördert. Darüber hinaus bieten wir ein umfassendes Fort- und Weiterbildungsprogramm sowie individuelle Förder- und Netzwerkprogramme an, die wir stetig ausbauen und weiterentwickeln.“

 

abi» Quiz

Fit im Periodensystem?

Die Chemie sorgt immer wieder für faszinierende Schlagzeilen. Kleinste Moleküle werden zu neuen vielseitigen Verbindungen kombiniert und neue Stoffe geschaffen. Die daraus entstehenden ellenlangen und teils verwirrenden chemischen Gleichungen können dann meist nur noch echte Profis entziffern. Wie gut kennst du dich im Formel-Dschungel aus? Teste dein Wissen im abi>> Quiz.

Foto: Thomas Riese


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Stand: 12.11.2019