beruf & karriere

Mathematiker

Logisch in vielen Bereichen

Mathematiker sind nicht nur in Arbeitsbereichen zu finden, wo mit Zahlen jongliert wird. Ihre Fähigkeit, Probleme zu lösen und strukturiert zu denken, ist in vielen Branchen gefragt.

Mathematische Darstellung auf einer Flipchart

Abstraktes Gebilde oder logische Darstellung? Mathematiker tendieren zu Letzterem ...

Nina Haarkötter (28) ist Mathematikerin und arbeitet als Unternehmensberaterin bei McKinsey & Company in Düsseldorf. „Ich unterstütze Firmen, vor allem aus dem Bereich Konsumgüter, bei unterschiedlichen Problemen“, erzählt sie. „So möchte beispielsweise ein Klient ein neues Produkt auf den Markt bringen, ein anderer hat Probleme mit der IT-Sicherheit, will in einen neuen Markt einsteigen oder braucht eine Strategie für einen neuen Vorstand. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, weil es immer neue Klienten mit neuen Anforderungen gibt.“

Teamarbeit beim Kunden

Porträt von Nina Haarkötter

Nina Haarkötter

Langfristige Strategien zu entwickeln gehört ebenso zur Arbeit der Unternehmensberaterin, wie im Notfall schnell zu reagieren. Die meiste Zeit ist sie direkt vor Ort beim Kunden tätig. Sie analysiert Daten, erstellt Modelle und entwirft Strategien, beispielsweise zur Gewinnmaximierung. „In einem Projekt wurde ein Unternehmen gehackt, so dass alle Server, Laptops und damit auch die Produktion nicht mehr funktioniert haben“, berichtet Nina Haarkötter. „Wir haben dann einen Plan entwickelt, wie die Firma am besten auf solch einen Notfall reagiert, den Verlust minimiert und die Produktion wieder aufnehmen kann. Meine Kollegen haben parallel die IT-Sicherheit für die Zukunft erhöht.“

Die Unternehmensberaterin arbeitet an der Problemlösung in einem Team, in dem jeder einen anderen Hintergrund hat. „Eine Mathematikerin denkt anders als ein Philosoph, ein IT-Experte oder ein Betriebswissenschaftler“, erklärt sie. „Indem wir uns im Team ergänzen, können wir den Klienten eine vielschichtige Beratung bieten. Ich mag es, mit anderen zusammen und nicht als Einzelkämpfer zu arbeiten.“

Probleme herunterbrechen

Nach dem Abitur hat Nina Haarkötter Wirtschaftsmathematik an der Uni Mannheim und in Hong Kong studiert und den Studiengang mit einem Bachelorabschluss beendet. „Hier habe ich gelernt, strukturiert zu arbeiten und große Probleme herunterzubrechen. Das hilft mir bei meinem Job sehr“, findet sie. „Mir gefällt besonders, dass ich Logik und Struktur mit der Arbeit mit Menschen kombinieren kann.“

Derzeit ist sie von ihrer Tätigkeit freigestellt, um ihre Promotion in Betriebswirtschaftslehre zu beenden und Lehrveranstaltungen abzuhalten. An der RWTH Aachen ist das für sie bereits mit dem Bachelorabschluss möglich, während für die meisten Promotionen ein Masterabschluss benötigt wird. „Ich freue mich schon auf die Rückkehr in den Beruf“, erzählt die Wirtschaftsmathematikerin. „Den Unternehmen zu helfen, gibt meiner Arbeit jeden Tag einen Sinn.“

Arbeitsmöglichkeiten in vielen Bereichen

Mathematiker wie Nina Haarkötter finden in vielen unterschiedlichen Bereichen eine Beschäftigung. Die Situation am Arbeitsmarkt ist dabei vielversprechend. Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit fasst zusammen: „Der Arbeitsmarkt für Naturwissenschaftler insgesamt zeigte sich im vergangenen Jahrzehnt sehr aufnahmefähig, was sich in einer kräftig gestiegenen Erwerbstätigkeit widerspiegelt (16 Prozent mehr). Die Zahl der gemeldeten Stellenangebote, die sich explizit an Naturwissenschaftler richtet, fällt jedoch insgesamt sehr überschaubar aus. Durchschnittlich hatten die Agenturen für Arbeit für Mathematiker 2019 nur rund 180 Stellen im Angebot. Im Juni desselben Jahres waren rund 9.000 Personen als Mathematiker sozialversicherungspflichtig beschäftigt.“

Der Mikrozensus verzeichnet für 2018 dagegen 94.000 Erwerbstätige mit einem Hochschulabschluss in Mathematik. „Die große rechnerische Differenz ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Naturwissenschaftler häufig interdisziplinär in den verschiedensten Berufsfeldern tätig sind und ihre konkrete Berufsausübung oft nicht den Naturwissenschaften zugeordnet wird,“ erläutert die Expertin der Bundesagentur für Arbeit. „So arbeitet laut Mikrozensus ein großer Teil der studierten Naturwissenschaftler in Tätigkeitsfeldern wie Lehre und Forschung, Unternehmensführung und -organisation, Informations- und Kommunikationstechnik oder technische Entwicklung und Produktion.“

Thomas Vogt, Pressesprecher der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, ergänzt: „Einen großen Bedarf an Nachwuchskräften gibt es im Moment bei den Mathematiklehrern, da viele Lehrer in der nächsten Zeit in den Ruhestand gehen. Ansonsten sind Mathematiker bei Banken und Versicherungen, in Unternehmensberatungen oder im Projektmanagement beschäftigt.“ In den letzten Jahren haben sich außerdem neue Berufsfelder entwickelt: „Hinzugekommen ist die enge Zusammenarbeit von Mathematikern und Informatikern, insbesondere in der Softwareentwicklung, der Internetsicherheit, der Suchmaschinenoptimierung und der Verarbeitung und Auswertung von Big Data.“

Geringe Arbeitslosigkeit

Da Mathematiker in vielen Bereichen Beschäftigung finden, ist die studienfachspezifische Arbeitslosenquote gering: „Rund 600 Arbeitslose suchten 2019 eine hochqualifizierte Tätigkeit als Mathematiker, fünf Prozent weniger als im Vorjahr“, weiß Claudia Suttner. „Dagegen gingen im Laufe des Jahres gut 700 Offerten für Mathematiker ein. Die studienfachspezifische Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent signalisiert, dass Arbeitslosigkeit in der Regel nur ein kurzfristiges Suchphänomen darstellt.“

Die Qualifikation für den Arbeitsmarkt kann man auf verschiedene Weise erwerben. Neben Mathematikstudiengängen gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Angeboten, die Fächer kombinieren, wie Techno-, Bio- oder Computermathematik. Um bei den vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten für Mathematiker flexibel zu bleiben, rät Thomas Vogt zum reinen Fachstudium: „Ich empfehle, sich erst einmal die mathematischen Grundlagen anzueignen. Dabei erwirbt man auch eine generelle Problemlösungskompetenz und die Fähigkeit, strukturiert zu arbeiten, was bei Arbeitgebern in allen Bereichen gefragt ist. Für ein spezielles Anwendungsgebiet oder Berufsfeld kann man sich später noch entscheiden.“

Bei der Bewerbung nach dem Studium ist dann Kreativität gefragt: „Wer Mathematik studiert hat, kann sich auf praktisch jede Stellenanzeige für Naturwissenschaftler bewerben“, meint der Experte der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. „Weil Mathematiker so selten sind, werden sie oft in den Stellenanzeigen vergessen. Sie bringen aber für Unternehmen ähnliche Qualifikationen wie Physiker und andere Absolventen der Naturwissenschaften mit. Auch Initiativbewerbungen beim Lieblingsunternehmen sind erlaubt!“

Info

BERUFENET
Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Mathematiker).
berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Mathematik).
studienwahl.de

 

Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit
arbeitsagentur.de/jobsuche

 

BERUFE.TV
Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
berufe.tv

 

Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV)
www.mathematik.de

 

abi» 18.06.2020

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