Apotheker arbeiten nicht nur in der Apotheke

Braune Glasflaschen stehen in einem Apotheker-Regal.
Um die Berufschancen für Pharmazeuten steht es gut, denn das Gesundheitswesen befindet sich auf Wachstumskurs.
Foto: Heidrun Hönninger

Pharmazeuten – Hintergrund

Apotheker arbeiten nicht nur in der Apotheke

Für Pharmazeuten gibt es vielfältige Einsatzmöglichkeiten: natürlich in der Apotheke, aber auch in Industrie, Forschung und Lehre. Die meisten Pharmazeuten lassen sich am Ende des Studiums zum Apotheker ernennen.

Der Weg zum ausgebildeten Apotheker führt über mehrere Stufen: „Nach dem Pharmazie-Studium und dem ersten sowie dem zweiten Staatsexamen macht man ein einjähriges pharmazeutisches Praktikum“, erklärt Dr. Ursula Sellerberg, stellvertretende Pressesprecherin bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). „Davon muss man ein halbes Jahr in einer öffentlichen Apotheke arbeiten, den Einsatzort für das andere halbe Jahr kann man wählen.“ Das kann weiter in einer öffentlichen Apotheke sein, aber auch zum Beispiel in der Pharmaindustrie oder in einer Krankenhausapotheke. Nach dem dritten Staatsexamen kann man die Approbation, also die staatliche Zulassung, als Apotheker beantragen. „Das machen so gut wie alle Pharmazie-Absolventen“, sagt Ursula Sellerberg.

Vielfältiges Pharmaziestudium

Ein Porträt-Foto von Viola Steiert

Viola Steiert

Foto: privat

Diesen Weg ist auch Viola Steiert gegangen, die mittlerweile bei Pfizer in Freiburg arbeitet. Die Pharmaindustrie hat die Apothekerin während ihres praktischen Jahres kennengelernt. Nach ihrem zweiten Staatsexamen an der Universität Freiburg arbeitete sie ein halbes Jahr in einer Apotheke und ein halbes Jahr bei dem Pharmakonzern im Schwarzwald. Dort schrieb sie auch ihre Diplomarbeit, für einen zusätzlichen Abschluss, der nur an wenigen Universitäten angeboten wird – etwa in Freiburg.

„Kurz vor meinem dritten Examen fragte mich mein Chef bei Pfizer, ob ich nicht in der Abteilung Technical Sevices in der Produktion bleiben wolle“, erinnert sich die 34-Jährige. Sie erhielt ihre Approbation als Apothekerin und arbeitete fortan in der Prozessvalidierung. „Wenn ein neues Medikament eingeführt wird, ist es wichtig, dass es immer in der gleichen Qualität produziert wird – dafür war ich zuständig“, erklärt Viola Steiert ihre Aufgabe. Da das Pharmaziestudium auch Wissen zu Verfahrenstechnik vermittelt, konnte die Apothekerin zuverlässig bewerten, ob eine Produktionsmaschine richtig arbeitet.

„Diese Vielfalt finde ich am Pharmaziestudium so spannend“, sagt die Absolventin. „Ich finde, man lernt viel mehr als bei anderen Naturwissenschaften, unter anderem Pharmakologie, Biologie und Technologie.“ Vor zweieinhalb Jahren ist sie im Unternehmen zur Leiterin der Herstellung für kommerzielle Waren, also den Produkten, die in den Apotheken verkauft werden, aufgestiegen und ist nun für ein ganzes Team verantwortlich.

Kaum Probleme auf dem Arbeitsmarkt

Viola Steiert hatte Glück bei der Stellensuche. Aber auch generell haben Pharmazieabsolventen kaum Probleme, nach dem Studium eine Arbeit zu finden. Denn das Gesundheitswesen befindet sich auf Wachstumskurs, was auch zu einer steigenden Zahl an Erwerbstätigen führt. Die Arbeitslosigkeit ist mit 1,8 Prozent nach wie vor sehr gering – je nach Standort sind Fachkräfte rar. „Vorrangig in ländlichen Regionen wird ein Mangel an Apothekern beklagt“, weiß Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit.

Insgesamt entwickelte sich der Arbeitsmarkt für Apotheker und Pharmazeuten in den letzten Jahren positiv. Trotz steigenden Kostendrucks bei den Gesundheitsausgaben und der Zunahme des Versandhandels mit Arzneimitteln blieb die Zahl der Berufstätigen stabil. Die meisten von ihnen arbeiten in öffentlichen Apotheken, die anderen zum Beispiel in der Pharmaindustrie, an Universitäten und anderen Lehreinrichtungen, bei Behörden oder Prüfinstituten. Rund jeder vierte Arzneimittelkundige übte laut Mikrozensus seinen Beruf als Selbstständiger aus.

Weniger Studienabsolventen

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit wies 2018 rund 52.000 sozialversicherungspflichtig angestellte Apotheker und Pharmazeuten aus. Dies entspricht einem Zuwachs von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei der Bundesagentur für Arbeit wurden im Verlauf des Jahres 2018 rund 1.500 Stellenangebote für Pharmazieberufe gemeldet, ähnlich viele wie im Vorjahr.

Bei den Studierenden gab es hingegen kaum Zuwächse: Im Studienjahr 2017/18 waren fast 16.000 Frauen und Männer in der Pharmazie eingeschrieben, ein Prozent mehr als im Vorjahr. Zwölf Prozent weniger, nämlich 2.500 Pharmazeuten, machten 2017/18 ihren Abschluss. Auch sie werden voraussichtlich kaum Probleme haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Pharmazeut/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Pharmazie).
studienwahl.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

 

Berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zum Teilberufsfeld „Pharmazie“ findest du unter
berufsfeld-info.de/abi/tbf/pharmazie

 

ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V.
www.abda.de

 

Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V.
www.vfa.de

 

Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V.
www.bpi.de

 

Pharmazeuten - Interview

„Verantwortungsvoller Beruf“

abi» sprach mit Dr. Ursula Sellerberg, stellvertretende Pressesprecherin bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), über Einsatzgebiete für Pharmazeuten.

abi>> Frau Sellerberg, welche Trends sehen Sie derzeit in pharmazeutischen Berufen?

Ursula Sellerberg: Ein Megatrend der Branche lautet „Hin zum Patienten“. Das bedeutet, dass man sich zum Beispiel in Form von personalisierter Medizin und Dienstleistung immer mehr dem einzelnen Patienten zuwendet. Eine andere Entwicklung ist die Digitalisierung, die schon jetzt einen großen Anteil der täglichen Arbeit ausmacht, auch in der öffentlichen Apotheke. Alle Vorgänge, die in einer Apotheke ablaufen, sind hochgradig digitalisiert – außer dem persönlichen Gespräch mit dem Patienten.

abi>> Wie sehen Sie die Berufschancen für Pharmazeuten?

Ein Porträt-Foto von Ursula Sellerberg

Ursula Sellerberg

Foto: ABDA

Ursula Sellerberg: Wer Pharmazie studiert, hat exzellente Berufsaussichten. Vor allem Apotheken in ländlichen Regionen suchen händeringend Apotheker, in Universitätsstädten ist die Konkurrenz etwas größer. Darüber hinaus gibt es verschiedene weitere Einsatzmöglichkeiten für Pharmazie-Absolventen, zum Beispiel in Krankenhaus- oder Bundeswehrapotheken, in der pharmazeutischen Industrie, in der Forschung, bei Prüfinstitutionen, in der Gesundheitsverwaltung oder an der Universität.
Deutsche Apotheker sind auch im Ausland gefragt. Die meisten Länder in Europa erkennen die deutsche Ausbildung zum Apotheker in der Regel automatisch an. Wenn die Ausbildung sehr lange zurückliegt, muss gegebenenfalls Berufserfahrung aus den letzten fünf Jahren nachgewiesen werden.

abi>> Welche Kenntnisse und Fähigkeiten sind neben einem abgeschlossenen Studium wichtig?

Ursula Sellerberg: Man übt einen naturwissenschaftlichen Beruf aus. Daher sollte man sich natürlich generell für Naturwissenschaften und Gesundheitsthemen interessieren. Apotheker haben einen verantwortungsvollen Beruf, daher sollten sie sehr genau arbeiten. Man sollte sich immer bewusst sein, dass man es mit hochwirksamen Arzneistoffen zu tun hat. Wer in einer Apotheke tätig ist, sollte gern Kontakt zu Menschen haben und kommunikationsstark sein. Es reicht nicht, etwas genau zu wissen, sondern man muss es dem Patienten auch so erklären können, dass er es gern annimmt.
In der Pharmaindustrie oder in der Forschung sind eher Qualifikationen wie Teamfähigkeit und Englischkenntnisse gefragt. Denn Forschung ist immer international. Eine Promotion braucht man in der öffentlichen Apotheke nicht unbedingt, in der pharmazeutischen Industrie, bei Prüfinstitutionen und in der Verwaltung ist sie hilfreich, für die universitäre Laufbahn ein Muss.

 

Apotheker

Beraten und verkaufen

Nach dem Pharmaziestudium entschloss sich Christopher Brockmann, in einer öffentlichen Apotheke zu arbeiten. Dort hat der 35-jährige Apotheker viel Kundenkontakt.

Christopher Brockmann arbeitet er in einer mittelgroßen Apotheke in Köln. Er und sein Chef sind Apotheker, mehrere pharmazeutisch-technische Assistenten sind ebenfalls im Verkauf tätig, eine pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin unterstützt die Kollegen bei Büroaufgaben. Christopher Brockmann verbringt die meiste Zeit im Laden: „Wir bedienen Patienten, die mit Rezepten zu uns kommen oder freiverkäufliche Medikamente haben möchten, zum Beispiel gegen akute Schmerzen oder Erkältungen. Wenn sie das Medikament noch nicht kennen, klären wir die Kunden über die Einnahme sowie über Neben- oder Wechselwirkungen auf.“ Die Standardmedikamente kennt Christopher Brockmann gut, bei weniger häufig verschriebenen Arzneimitteln kann er den Computer für weitere Informationen bemühen.

Neben der Bedienung der Kunden muss ein Apotheker auch einige bürokratische Aufgaben erledigen. „Die Abgabe von betäubenden oder aufputschenden Mitteln, zum Beispiel starken Schmerzmitteln oder Ritalin, aber auch von verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln müssen wir dokumentieren“, erklärt Christopher Brockmann. Darüber hinaus müssen täglich die Rezepte kontrolliert werden, bevor sie zur Abrechnung beim Apothekenrechenzentrum eingereicht werden.

Für die Apotheke, gegen die Industrie

Portrait von Christopher Brockmann. Foto: Privat

Christopher Brockmann

Foto: Privat

Dank seiner Leistungskurse Chemie und Biologie war Christopher Brockmann früh klar, dass er ein naturwissenschaftliches Fach studieren wollte. Er entschied sich für Pharmazie an der Universität Bonn. Teil des Pharmaziestudiums ist ein vierwöchiges Pflichtpraktikum, die sogenannte Famulatur, die der Student in einer Apotheke absolvierte.

Auch während des praktischen Jahres, das auf das zweite Staatsexamen am Studienende folgt, arbeitete er sechs Monate lang in einer Apotheke. „Die Arbeit hat mir gefallen, daher habe ich mich gegen die Industrie und für eine Tätigkeit als Apotheker entschieden“, sagt der 35-Jährige. Um als Apotheker zu arbeiten, musste er eine Zulassung, die Approbation, beantragen, indem er seine Universitätszeugnisse sowie ein polizeiliches Führungszeugnis bei der Landesprüfungsbehörde eingereicht und eine Gebühr entrichtet hat.

Seit seinem Studienabschluss vor zehn Jahren war Christopher Brockmann schon in verschiedenen Apotheken im Rheinland tätig. Zwischenzeitlich versuchte er es auch mit einer Promotion an einem Institut. „Aber ich habe schnell gemerkt, dass mir das wissenschaftliche Arbeiten nicht liegt“, sagt er.

Gefragt: gute Menschenkenntnis

„Für die Arbeit als Apotheker ist natürlich das Wissen aus dem Pharmaziestudium wichtig, viel lernt man aber auch bei der täglichen Arbeit“, erklärt der Pharmazeut. Im täglichen Kundenkontakt braucht man eine gute Menschenkenntnis und muss angemessen mit den Kunden umgehen können – etwa wenn es um Ängste gegenüber Arzneimitteln geht oder das erforderliche Medikament nicht sofort verfügbar ist. „Da muss man gemeinsam Lösungen finden.“

Christopher Brockmann könnte sich vorstellen, irgendwann selbst eine Filiale zu leiten. Sich komplett selbstständig zu machen, kommt für ihn erst einmal nicht in Betracht. „Eine eigene Apotheke bedeutet viel Arbeit, und man muss auch viel kaufmännisches Wissen mitbringen. Das kann ich mir derzeit nicht vorstellen“, so der Apotheker. Er ist weiterhin gern angestellt und freut sich über den täglichen Kontakt zu seinen Kunden.

 

Pharmazeuten - Infografiken

Arbeitsmarkt Pharmazeuten

Wie viele Studienanfänger gab es in den letzten Jahren bei den Pharmazeuten? Wie viele Studierende bestanden die Abschlussprüfungen? Und wie hoch sind die Arbeitslosenzahlen? Verschaffe dir mit den abi» Infografiken einen Überblick.


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • „Verantwortungsvoller Beruf“

  • Arbeitsmarkt Pharmazeuten

  • Arbeitsmarkt Humanmediziner

  • Zwischen Klinik und Praxis

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 13.12.2019