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Arbeitsmarkt Jurist*innen

Alles, was Recht ist!

Absolvent*innen der Rechtswissenschaften sind gefragt – vor allem Volljurist*innen. Sie finden nicht nur in Gerichten und Kanzleien vielseitige Einsatzgebiete. Interessante Stellenangebote gibt es aber auch für Akademiker*innen mit einem Bachelor oder Master of Law.

Studentin Verwaltungsmanagement sucht Fachbuch in der Bibliothek heraus.

Rechtswissenschaften kann man auf verschiedenen Wegen studieren.

Gewissenhafte Archivare, kreative Mediengestalter, zahlenaffine Statistiker und wortgewandte Redenschreiber: Bei Stephanie Matarazzo kommen sie alle zusammen. Die Rechtswissenschaftlerin arbeitet im Personal- und Organisationsreferat der bayerischen Landeshauptstadt München, wo sie unter anderem für die Personalgewinnung und -entwicklung zuständig ist. München ist mit rund 42.000 Beschäftigten der größte kommunale Arbeitgeber in Deutschland. „Werden Stellen frei oder neu geschaffen, unterstütze ich die Dienststellen bei der Ausschreibung und Besetzung dieser Positionen. Wichtig ist, dass alles rechtskonform abläuft. Im öffentlichen Dienst ist das ein komplexer Prozess, da hier ganz bestimmte gesetzliche Vorgaben eingehalten werden müssen“, erklärt die 32-Jährige.

Das reicht von der Überprüfung der Anforderungsprofile, der Bestenauslese, Einhaltung von Fristen, Dokumentation der Auswahlverfahren bis hin zum Diskriminierungsschutz. Nur mit Gehaltsverhandlungen hat sie nichts zu tun: „Im öffentlichen Dienst sind die Stellen bereits bewertet, Verhandlungsspielraum gibt es kaum."

Abwechslung auch ohne Staatsexamen

Ein Porträtbild von Stephanie Matarzzo.

Stephanie Matarazzo

Die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Referaten und Dienststellen und die vielfältigen Berufsbilder sorgen für Abwechslung. Ebenso ihr Tätigkeitsspektrum: Sie führt Gespräche, prüft Bewerbungsunterlagen, betreut wissenschaftlich fundierte Auswahlverfahren und nimmt an Personalmessen und Marketingmaßnahmen teil. Wie man rechtswissenschaftlich arbeitet, und wo sie welche Regelungen findet und anwenden kann, hat sie unter anderem in ihrem dualen Studium gelernt: Aufgrund des hohen Bedarfs an Rechtswissenschaftlern hat München 2014 den Studiengang Öffentliches Recht in Kooperation mit der privaten FOM – Hochschule für Oekonomie & Management eingerichtet.

In sechs Semestern hat Stephanie Matarazzo die gesamte Klaviatur des öffentlichen Rechts, darunter Bau- und Kommunalrecht, Sozialrecht, Public Management sowie Tarif- und Beamtenrecht kennengelernt. In ihren Praxisphasen arbeitete sie sowohl im Sozialreferat, in der Stadtkämmerei, als auch im Personal- und Organisationsreferat mit. Der Studiengang endet mit dem Abschluss Bachelor of Laws (LL.B.). Damit ist sie keine Volljuristin und kann die Bayernmetropole München nicht vor Gericht vertreten, das übernehmen Volljuristen. Aber sie kann Verwaltungsverfahren bearbeiten, Bescheide erstellen und Verträge gestalten.

Erst Allrounder, dann Spezialist

Wer hingegen Mandanten als Rechtsanwalt vor Gericht vertreten oder etwa Richter, Notar oder Staatsanwalt werden will, muss Volljurist sein. Dafür braucht es ein abgeschlossenes Jurastudium an einer Universität (Abschluss: erstes Staatsexamen) sowie ein zweijähriges Referendariat oder – für den öffentlichen Dienst – einen Vorbereitungsdienst. Beide enden mit dem zweiten Staatsexamen. Volljuristen sind Generalisten, die sich später in der Berufspraxis in über 20 verschiedenen Fachrichtungen weiterbilden können.

Im Jahr 2018 haben laut dem Bundesamt für Justiz insgesamt 8.974 Personen am zweiten Staatsexamen teilgenommen. Ein Studium der Rechtswissenschaft aufgenommen haben den Angaben des Statistischen Bundesamts zufolge im Wintersemester 2018/19 über 15.911 Menschen.

Ob Volljurist, Bachelor- oder Masterabschluss in Wirtschaftsrecht oder Öffentlichem Recht: Einsatzmöglichkeiten gibt es viele, in Kanzleien, Notariaten, in der öffentlichen Verwaltung, bei Banken, Versicherungen, großen Industrie- und Handelsunternehmen, Wirtschaftsberatungen oder bei Verbänden, Vereinen und auch im Politikbetrieb.

Gute Perspektiven, kaum Arbeitslose

In den vergangenen Jahren zeigte sich der Arbeitsmarkt für Juristen durchweg positiv, wobei auch die Statistik bestätigt, dass mehr und mehr Rechtswissenschaftler außerhalb von Kanzleien und Behörden unterkommen. Hierzu Kristina Trierweiler, Geschäftsführerin der Bundesrechtsanwaltskammer: „Die Digitalisierung hat den Arbeitsmarkt für Rechtsanwälte verändert, aber auch deren Arbeitsweise. So entstehen und entwickeln sich immer wieder neue Betätigungsfelder. Auch Wirtschaftsjuristen werden mittlerweile als gute Ergänzung zu den Volljuristen gesehen.“

Rund 383.000 Erwerbstätige mit einem Jura-Abschluss waren 2018 in Deutschland beschäftigt. Die Agentur für Arbeit verzeichnete 2019 im Jahresdurchschnitt 1.500 gemeldete Stellen, wobei dies nur einen Teil des Angebots abbildet: „Stellen für Richter, Staatsanwälte oder sonstige Beamte werden hier in der Regel nicht erfasst“, erklärt Claudia Suttner von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Arbeitslosigkeit stellt für Juristinnen und Juristen nur ein Randphänomen dar. „Die berufsspezifische Arbeitslosenquote lag bei zwei Prozent. Doch trotz der guten Zahlen fällt der Berufseinstieg nicht immer leicht“, fügt Claudia Suttner hinzu. Die seit Jahren steigenden Studierendenzahlen könnten zudem zukünftig zu mehr Konkurrenz führen.

Video

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Jurist/in, Rechtswissenschaftler/in)
berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Jura, Rechtswissenschaften).
studienwahl.de

 

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit
arbeitsagentur.de/jobsuche

 

BERUFE.TV
Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
berufe.tv

 

Einsatzgebiete für Referendare im Justizministerium des Bundes
bmjv.de/DE/Ministerium/AusbildungBeruf/
Referendarstation/Referendarstation_node.html

 

ISA

Das Informationssystem Studienwahl & Arbeitsmarkt der Universität Duisburg-Essen bietet Informationen zur Entwicklung in den einzelnen Studienfeldern und Teilarbeitsmärkten.

uni-due.de/isa

 

Deutscher Anwaltverein
anwaltverein.de

 

Deutscher Richterbund

drb.de

 

Bundesrechtsanwaltskammer

brak.de

 

Bundesverband der Wirtschaftsjuristen

wjfh.de

 

Wirtschaftsjuristische Hochschulvereinigung (WHV)

wirtschaftsrecht-fh.de

abi» 03.08.2020

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