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Gefragte Kommunikations-Talente

Verschiedene Wörterbücher
Nicht immer verschanzen sich Anglisten hinter dicken Wörterbüchern. Insbesondere in der Social-Media-Welt gibt es spannende Jobmöglichkeiten für sie.
Foto: Thomas Lohnes

Anglisten – Hintergrund

Gefragte Kommunikations-Talente

Unter anderem dank ihrer kommunikativen, interkulturellen und organisatorischen Fähigkeiten sind Anglisten und Amerikanisten auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Wer flexibel und offen ist, kann in beinahe jeder Branche eine adäquate Beschäftigung finden.

Wie bekommt man Jugendliche dazu, das Smartpone wegzulegen, die neueste Netflix-Serie zu pausieren, aufs Videospielen zu verzichten und ein Buch in die Hand zu nehmen? Ein Weg: Man gewinnt Influencer dafür, ein Buch über Social-Media-Kanäle zu bewerben, das Jugendliche mit ihren Lieblingsthemen in ihrer Welt abholt. „Das ist Wahnsinn, wie Influencer ihre Fans mobilisieren. Ein ganz neues Phänomen für unsere Branche“, schwärmt Katharina Färber. Als Produktmanagerin und Trendscout beim Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag in Frankfurt am Main konzeptioniert und koordiniert die 29-Jährige Buchprojekte für Jugendliche und junge Erwachsene.

Flexibel bei Bewerbungen

Ein Porträt-Foto von Katharina Färber

Katharina Färber

Foto: Ariane Arndt-Jakobs

2015 machte Katharina Färber ihren Master und begab sich auf Jobsuche. Nicht ganz einfach, denn explizit nach Anglisten und Amerikanisten suchen meist lediglich Hochschulen für Lehr- und Forschungsposten. „Das ist der Fluch der Anglisten“, sagt sie und lacht.

Als die Anglistin vor drei Jahren dann die Stellenanzeige für ihren Job las, war sie sofort begeistert. Sie passte gut zu ihren privaten Interessen – auch sie ist viel in der Social-Media-Welt unterwegs. Und im Bachelorstudium „English Literature and Culture“ an der Uni Mainz erwarb sie erforderliche Kenntnisse und Fähigkeiten: „Ich kenne mich in der Literaturwelt aus, kann – auch dank der vielen Hausarbeiten und Referate – sehr gut formulieren, habe keine Scheu, auf Vertreterkonferenzen Vorträge zu halten und kann auch mit englischsprachigen Partnern auf Augenhöhe verhandeln.“

Tatsächlich richten sich die wenigsten Stellenanzeigen ausdrücklich an Anglisten. Deswegen müsse man beim Lesen von Ausschreibungen und beim Formulieren von Bewerbungen offen und kreativ sein. Und sich früh damit beschäftigen, was einen neben den Studieninhalten noch interessiert. Praktika seien das A und O, um herausfinden, welche Tätigkeiten einem liegen und Spaß machen. Katharina Färber ist über einen Nebenjob im Buchhandel auf die Verlagswelt aufmerksam geworden.

Wenig Arbeitslose, mehr Studierende

Der Berufseinstieg für Geisteswissenschaftler wie Anglisten und Amerikanisten laufe „oft alles andere als einfach, da es nur wenig Angebote gibt, die sich explizit an sie richten“, bestätigt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Daher sei „eine frühzeitige berufliche Orientierung, Flexibilität und Mobilität“ wichtig. Die Arbeitslosigkeit bewege sich auf niedrigem Niveau: Für studierte Sprach- und Literaturwissenschaftler, zu denen auch die Anglisten zählen, lag die Arbeitslosenquote 2018 bei unter drei Prozent (siehe Infografiken).

Zugleich nimmt die Konkurrenz zu, die Studierendenzahl steigt kontinuierlich: 2012 verzeichnete das Statistische Bundesamt für Anglistik/Englisch sowie Amerikanistik/Amerikakunde 7.427 Absolventen, 2017 waren es bereits 8.113 (siehe Infografiken). Die geringe Arbeitslosigkeit lasse sich unter anderem damit erklären, dass Absolventen der Geisteswissenschaften bei der Arbeitssuche offen für studienfernere Tätigkeiten seien, so Claudia Suttner – was nicht bedeute, dass sie sie sich unter Wert verkauften: „Jeder vierte Absolvent der Sprach- und Kulturwissenschaften beschreibt seine Arbeit zwar als fachfremd, die berufliche Position aber als durchaus einem Hochschulabschluss angemessen.“

Begehrt in der wissensbasierten Arbeitswelt

„Über die Hälfte der Absolventen arbeitet in Branchen, die typische klassische Arbeitsfelder von Sprach- und Kulturwissenschaftlern sind“, führt die Arbeitsmarktexpertin aus. Dazu gehören das Bildungswesen (siehe Berufsreportage „Wie interagieren zwei Sprachen in einem Kopf?“), Medien-Unternehmen, Kunst und Kultur sowie Dolmetschen und Übersetzen. Doch auch im verarbeitenden Gewerbe und im Handel sowie im Gesundheits- und Sozialwesen seien Geisteswissenschaftler beschäftigt.

„Anglisten und Amerikanisten können quasi in jeder Branche unterkommen und Karriere machen. Sie sind in der Wirtschaftswelt sehr gefragt“, betont Prof. Dr. Rainer Emig, Vizepräsident des Deutschen Anglistenverbands (siehe Interview „Enorm flexible Generalisten“). Ein Grund laut Claudia Suttner: „Geisteswissenschaftler verfügen in der Regel über ausgeprägte Kompetenzen im Bereich des Wissensmanagements. Auch ihre interkulturellen Kompetenzen und Fertigkeiten bei der Informationsgewinnung und -aufbereitung gehören zu den nachgefragten Fähigkeiten in einer wissensbasierten und globalen Arbeitswelt.“

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Anglist/in).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Anglistik).
www.studienwahl.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

 

BERUFETV
Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

 

Deutscher Anglistenverband
Der Deutsche Anglistenverband fördert anglistische Forschung und Lehre an den deutschen Hochschulen. Auf den jährlich stattfindenden Anglistentagen werden in jeweils wechselnden Sektionen aktuelle Forschungsthemen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
www.anglistenverband.de

 

Deutsche Gesellschaft für das Studium britischer Kulturen
Die Gesellschaft will die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Kulturen Großbritanniens und anderer englischsprachiger Kulturen fördern.
www.britcult.de

 

The European Society for the Study of English
The Society is a European federation of national higher educational associations for the study of English. The Society endeavours to reflect the cultural and geographical diversity of Europe in its institutions.
http://essenglish.org

 

Deutsche Gesellschaft für Amerikastudien (DGfA)
Die DGfA ist eine gemeinnützige wissenschaftliche Vereinigung mit dem Zweck, die Amerika-Studien in Deutschland auf wissenschaftlicher Basis zu fördern und zu einer Vertiefung der wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten beizutragen.
www.dgfa.de

 

European Association for American Studies (EAAS)
The EAAS is a confederation of national and joint national associations of American Studies in Europe.
www.eaas.eu

 

American Studies Association
The American Studies Association promotes the development and dissemination of interdisciplinary research on U.S. culture and history in a global context.
www.theasa.net

 

Deutsche Gesellschaft für Sprachwissenschaft (DGfS)
Die DGfS ist eine Vereinigung von Personen und Einrichtungen, die natürliche Sprachen wissenschaftlich erforschen. Beteiligt sind Experten aller Philologien und linguistischen Forschungsgebiete.
www.dgfs.de 

abi>> 08.05.2019