Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Persönliche Faktoren beeinflussen Einstellungschancen

Kollegen sehen sich gemeinsam eine Grafik am PC-Bildschirm an.
Tools und Prognosen können für den Berufsentscheidungsprozess herangezogen werden, sie sagen aber nur bedingt etwas über die konkreten Chancen eines Einzelnen aus.
Foto: Sonja Trabandt

Arbeitsmarktprognosen – Beratungsprotokoll

Persönliche Faktoren beeinflussen Einstellungschancen

Ein Beruf soll Spaß machen, klar. Aber lässt sich damit auch eine Arbeit finden? Jessica Voß, Berufs- und Studienberaterin von der Agentur für Arbeit Essen, erläutert, wie sie auf Fragen zu künftigen Arbeitsmarktchancen reagiert.

Als Benedikt, 18 Jahre und angehender Abiturient, in meine Beratung kommt, weiß er bereits ganz genau, wohin seine berufliche Reise ab dem kommenden Wintersemester gehen soll: Er will Gymnasiallehrer für Chemie und Sport werden. Aber er ist sich nicht sicher: Bekommt er mit solch einem Lehramtsstudium überhaupt eine Stelle?

Mit dem Thema Arbeitsmarktprognosen habe ich in der Berufsberatung immer wieder zu tun. Wir Berater müssen darauf achtgeben, dass wir uns bei der Beantwortung der Frage nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Zwar wäre es schön, wenn ich den jungen Menschen eine verlässliche Auskunft geben könnte, aber ich habe keine Glaskugel, aus der ich die Zukunft ablesen könnte. Prognosen sind und bleiben nur Prognosen. Niemand kann mit Bestimmtheit sagen, ob sie sich als richtig oder als falsch erweisen. Schon gar nicht, wenn es um eine mittel- bis langfristige Einschätzung geht.

Datengrundlagen beachten

Schauen wir auf Benedikts Berufswunsch: Das Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen wirbt im Moment intensiv für den Lehrerberuf und hat für Studieninteressierte einen schulform- und fächerspezifischen Chancenrechner entwickelt. Würde Benedikt den Ergebnissen des Chancenrechners folgen wollen, müsste er sich jetzt eigentlich eher für eine andere Schulform entscheiden, nämlich für das Lehramt für Haupt-, Real- und Gesamtschulen.

Doch Achtung! Es lohnt sich ein Blick auf die Datengrundlagen, die in solche Berechnungen einfließen. Das können zum Beispiel die aktuellen Geburtenzahlen sein, aus denen sich Annahmen entwickeln lassen, auf welche Schulformen sich die Schüler zukünftig verteilen werden. Außerdem kennt das Schulministerium die Altersstruktur sowie das Fächerangebot der Lehrer, die aktuell im Schuldienst sind. Auch daraus lassen sich Bedarfe hochrechnen.

Keine Prognose ohne Unwägbarkeiten

Aber es gibt auch Unwägbarkeiten, die schwer abzuschätzen sind, zum Beispiel: Wie viele Lehramtsstudierende werden ihr Studium tatsächlich abschließen und, falls ja, sich nach dem Referendariat tatsächlich dauerhaft für den Schuldienst in NRW oder für den Lehrerberuf entscheiden? Immerhin buhlen auch andere Bundesländer um Junglehrer, und in Zeiten des wachsenden Fachkräftemangels bieten sich mitunter noch ganz andere attraktive berufliche Optionen an. Manchmal spielen auch unerwartete Entwicklungen eine Rolle: So war zum Beispiel der Flüchtlingsstrom, der auch ursächlich für den derzeitigen erhöhten Lehrerbedarf ist, in seinem Ausmaß so nicht absehbar.

Wie sollte Benedikt nun also mit den Prognosen umgehen? Meiner Meinung nach können Tools und Prognosen zwar für den Entscheidungsprozess hinzugezogen werden, allerdings sollte man diese auch nicht überbewerten. Und schon gar nicht zum alleinigen Kriterium bei der Ausbildungs- oder Studienfachwahl machen. Denn letztendlich handelt es sich bei den Arbeitsmarktprognosen um statistische Annahmen, die nur bedingt etwas über die konkreten Arbeitsmarktchancen eines Einzelnen aussagen. Die Einstellungschancen von Benedikt werden zum gegebenen Zeitpunkt von ganz persönlichen Faktoren abhängen: Wie erfolgreich wird er sein Studium und sein Referendariat abschließen? In welcher Region oder Stadt wird er eine Stelle suchen? Wird er sich zusätzliche Qualifikationen aneignen?

Egal ob Studien- oder Ausbildungsberuf: In einer Welt mit einer immer geringer werdenden Halbwertzeit des Wissens kommt der Bereitschaft zu lebenslangem Lernen eine entscheidende Bedeutung zu. Insbesondere mit Blick auf die individuellen Arbeitsmarktchancen und den beruflichen Erfolg. Hier gilt: Dranbleiben und auch nach Ausbildung und Studium nicht aufhören, zu lernen.

abi>> 12.03.2020

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts