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Branche in Bewegung

Modellauto steht in einem speziellen Luftstrom-Simulator. Foto: André Braun
Mit ihren zahlreichen Innovationen ist die Automobilbranche stetig im Wandel.
Foto: André Braun

Automobilbranche – Hintergrund

Branche in Bewegung

Software und Stoßstange, E-Motor und Einparkassistent: Ein modernes Auto ist ein Wunderwerk verschiedenster technischer Disziplinen. Entsprechend groß ist der Bedarf an Fachkräften in einer der wichtigsten Branchen Deutschlands – trotz großer Veränderungen.

Spätestens als sie ihren Führerschein hatte und selbst hinterm Lenkrad saß, wusste Sabrina Sauter, dass sie auch beruflich etwas mit Autos zu tun haben will. „Hier kann ich etwas Konkretes mitentwickeln“, sagt die 22-Jährige. Nach dem Abitur begann sie daher ein duales Studium der Fahrzeugtechnik in Kooperation mit der ZF Friedrichshafen AG.

Während der Theoriephasen studierte sie an der Dualen Hochschule in Baden-Württemberg. Die Praxisphasen absolvierte sie beim Automobilzulieferer, der zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Antriebs- und Fahrwerktechnik zählt. Nach ihrem Bachelorabschluss wurde Sabrina Sauter bei ZF Friedrichshafen übernommen und arbeitet seit Ende 2018 als „Diagnose-Koordinatorin“. Was das genau bedeutet? „Ich bin die Schnittstelle zwischen dem Unternehmen ZF Friedrichshafen und einem unserer Kunden, einem großen Automobilhersteller“, erklärt sie.

Ihr Schwerpunkt ist die Software für ein Automatikgetriebe. Die gibt es bereits, allerdings wird sie kontinuierlich weiterentwickelt – und Sabrina Sauter sorgt dafür, dass die Wünsche des Kunden bei der Programmierung der Software umgesetzt werden. Dabei arbeitet sie eng mit Kollegen im eigenen Unternehmen sowie beim Automobilhersteller zusammen, stimmt sich mit beiden Seiten ab und testet die Software.

Gefragte Exportbranche

Ein Porträt-Foto von Sabrina Sauter

Sabrina Sauter

Foto: privat

So wie die 22-Jährige entscheiden sich viele für einen Beruf in der Automobilbranche. Schließlich ist diese trotz Dieselskandal weiterhin gut aufgestellt. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) blieben die Umsätze 2018 stabil und stiegen im Vorjahresvergleich sogar marginal um ein Prozent auf 426,2 Milliarden Euro.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Export. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2018 Kraftwagen und Kfz-Teile im Wert von mehr als 230 Milliarden Euro exportiert. Das spiegelt sich bei den Arbeitsplätzen wider: Laut VDA waren im Mai 2019 mehr als 833.000 Beschäftigte bei Automobilherstellern und Zulieferern tätig. Die Branche gehört hierzulande damit weiterhin zu den wichtigen Arbeitgebern.

Wichtige Themen: Klimaschutz und Digitalisierung

Doch die Branche befindet sich derzeit in einem großen Umbruch. Klimaschutz und Digitalisierung sind die zwei wichtigsten Stichwörter. „Die Klimaschutzziele, die in Paris vereinbart wurden, sind für uns handlungsleitend“, sagt VDA-Geschäftsführer Dr. Kurt-Christian Scheel. „Unser Ziel ist treibhausgasneutrale, klimaneutrale Mobilität bis zum Jahr 2050.“ Dazu gehören Elektro- und Hybridautos sowie andere alternative Antriebe, beispielsweise mit Erdgas und Wasserstoff. Wenngleich auch hier die Konkurrenz im Ausland nicht schläft.

Die Digitalisierung sorgt ebenfalls für weitreichende Neuerungen in der Branche. Die Idee sind vollvernetzte Fahrzeuge, die per Sprache gesteuert werden und die Fahrer gleichzeitig bei Parkplatzsuche und Routenplanung unterstützen. So soll die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten und Toten reduziert werden (s. Interview „Eine Karriere in der Automobilindustrie ist vor allem eins: vielfältig“).

Gleichzeitig hinterlassen wirtschaftliche Entwicklungen ihre Spuren. Die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg in den Jahren 2017 und 2018 zwar stark an, wie die Bundesagentur für Arbeit meldet. Allerdings war das Beschäftigungswachstum in der Automobilindustrie zuletzt geringer als in anderen Branchen. Für diese Abschwächung gibt es laut den BA-Experten eine Vielzahl von Gründen: internationale Handelskonflikte, Brexit, Dieselskandal sowie Probleme mit dem neuen Abgastest seit September 2018.

Künstliche Intelligenz: Fluch, Segen – oder beides?

„Der konjunkturelle Wind wird schärfer, die Wirtschaft kühlt sich ab – das gilt nicht nur für die Automobilindustrie“, sagt Dr. Kurt-Christian Scheel. Deutschlands Automobilhersteller exportieren außerdem viel, wirtschaftliche Schwankungen in anderen Regionen der Welt können hierzulande Folgen haben. Die Unternehmen passen sich aber an, wie der VDA-Geschäftsführer betont. „Sie arbeiten kontinuierlich daran, schneller und effizienter zu werden und die Kosten immer im Griff zu haben.“

Unklar ist allerdings, welche Auswirkungen neue technologische Entwicklungen haben werden. So werden für die Herstellung eines E-Motors weniger Teile und Mitarbeiter benötigt als für einen regulären Antrieb – eine Studie des Fraunhofer Instituts kam 2018 zu dem Ergebnis, dass in der Antriebstechnik rund ein Drittel der Arbeitsplätze wegfallen könnte. Das könnte vor allem Zulieferbetriebe treffen. Kritiker befürchten außerdem, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz ebenfalls die Zahl der Arbeitskräfte verringern könnte.

Der Verband der Automobilindustrie sieht diese Entwicklungen optimistischer. „Schon heute haben wir eine hohe Automatisierung in der Produktion. Teilweise übernehmen Roboter schon ganze Produktionsschritte“, sagt Dr. Kurt Christian Scheel und ist sich sicher, dass künstliche Intelligenz die Flexibilität und Effizienz weiter erhöhen wird. „Das hat viele Vorteile: Die Produktion und Logistik von Autos wird effizienter, CO2-Emissionen werden eingespart und neue Berufe entstehen.“

„Die Arbeit wird interessanter“

Für den VDA-Experten steht daher fest: „Die Arbeit wird durch die neuen Entwicklungen vielfältiger und interessanter.“ Für all die anstehenden Aufgaben werden Arbeitskräfte gesucht. Das gelte für die großen Automobilkonzerne genauso wie für kleine und mittelständische Unternehmen der Zulieferbranche, „die die Kreativität von jungen Talenten für zukünftige Lösungen brauchen.“

Dabei seien Fachkräfte im MINT-Bereich, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, besonders wichtig, um Innovationen zu entwickeln und sich im internationalen Wettbewerb durchzusetzen. Die Bundesagentur für Arbeit betont ebenfalls, dass die Automobilindustrie überdurchschnittlich viele Experten beschäftigt. So sei der Anteil der Beschäftigten mit akademischem Abschluss höher als in anderen Bereichen, gefragt seien vor allem Informatiker, Maschinenbauingenieure, Ingenieure für technische Produktionsplanung und -steuerung sowie Elektrotechnikingenieure. Im Fachkräftebereich sind es demnach vor allem Berufe des Maschinenbaus, der Betriebstechnik sowie der Fahrzeugtechnik.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z. B. Auto).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort z. B. Auto).
www.studienwahl.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
http://jobboerse.arbeitsagentur.de

 

berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen findest du im Teilberufsfeld „Auto und Straßenverkehr“.
http://berufsfeld-info.de/planet-beruf/tbf/auto-strassenverkehr

 

Verband Automobilindustrie (VDA)
www.vda.de

 

Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK)
www.vdik.de

abi>> 07.10.2019

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