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Bahnindustrie – Hintergrund

Zug um Zug: Einstieg in die Bahnindustrie

Von bahntechnischem Zubehör bis zu vollständigen Bahnsystemen: Die Bahnindustrie beherbergt ein breites Spektrum unterschiedlicher Unternehmen. Diese suchen auch in Zukunft gut ausgebildete Fachkräfte.

Vier Züge der Deutschen Bahn sind frontal zu sehen, Foto aus Froschperspektive. Foto: Martin Rehm

Laut dem Verband der Bahnindustrie sollen Züge zum Verkehrsmittel erster Wahl werden.

Jennifer Weyher ist immer dabei, wenn es um die Angebotserstellung für einen Auftrag geht – sei es für eine Bestandslok oder eine Neuentwicklung. Die Projektcontrollerin bei der Vossloh Locomotives GmbH erläutert: „Zusammen mit der Geschäftsleitung und den Bereichsleitern überlegen wir, welche Kosten auf uns zukommen und welche Margen das Unternehmen erzielen kann.“ Die Zahlen und Daten trägt die 29-Jährige dann zusammen und präsentiert sie der Geschäftsleitung. „Auch als Betriebswirtin muss ich das technische Produkt Lok gut kennen, um die Kosten einschätzen zu können. Ich muss zum Beispiel wissen, welche Materialkomponenten es gibt oder welche neuen Technologien eingebaut werden sollen.“ Da sie mit vielen unterschiedlichen Menschen im Unternehmen zu tun hat, sind Offenheit und Kommunikationsfähigkeit wichtig. Und natürlich muss sich Jennifer Weyher gut mit Zahlen auskennen.

Porträtfoto von Jennifer Weyher

Jennifer Weyher

Die Bahnindustrie lernte sie während ihres Betriebswirtschaftsstudiums an der Fachhochschule Kiel kennen: Ihr Pflichtpraktikum absolvierte sie bei der Vossloh Locomotives GmbH, und auch ihre Bachelorarbeit schrieb sie bei dem Hersteller von Diesellokomotiven. Als nach ihrem Abschluss eine Stelle im Projektcontrolling frei wurde, bewarb sie sich und wurde – nicht zuletzt aufgrund ihrer Praktikumserfahrung im Controlling – in Kiel eingestellt. „Es war gut, dass ich schon wusste, wie eine Lokomotive entsteht“, erzählt Jennifer Weyher. „Noch mehr Details habe ich beim Berufseinstieg in internen Schulungen gelernt, in denen wir unter anderem auch die Produktion besucht haben.“

Trends: Digitalisierung und Automatisierung

Betriebswirte sind nur eine kleine Berufsgruppe, die in der Bahnindustrie gebraucht werden. In Zukunft werden vor allem Maschinenbauingenieure und Ingenieure anderer Fachrichtungen sowie Industriemechaniker, Informatiker und Elektrotechniker gefragt sein. Ihre Aufgaben werden sich weiter in Richtung Digitalisierung und Automatisierung entwickeln. „Junge Menschen dürfen sich auf einen Arbeitsplatz freuen, an dem sie mit modernster Technologie arbeiten“, sagt Pauline Maître, beim Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) zuständig für Kommunikation und Nachwuchs.

Porträtfoto von Pauline Maître

Pauline Maître

„Kreatives Design wird zudem eine immer wichtigere Rolle spielen, um den Zugverkehr noch attraktiver und schicker zu gestalten. So sollen Züge als Verkehrsmittel erste Wahl werden.“ Mögliche Arbeitgeber sind sowohl die Systemhersteller, die den kompletten Zug bauen, als auch viele Zulieferer, die Komponenten entwickeln und produzieren. Die Palette reicht von Herstellern digitaler Informationssysteme oder intelligenter Türenlösungen bis zu Sensorikunternehmen. Viele Unternehmen bedienen auch andere Kunden aus der Mobilitäts- oder Energiebranche und sind nicht nur für die Bahnbranche tätig. Auch hier lohnt sich ein Blick auf Stellenangebote.

„Situation insbesondere für Fachkräfte günstig“

Die Bahnindustrie umfasst die Herstellung von Lokomotiven und anderen Schienenfahrzeugen sowie von Eisenbahninfrastruktur. Darüber hinaus gibt es Hersteller von Schienen oder montiertem Gleismaterial sowie Unternehmen für das Verlegen von Gleisen. „Der Arbeitsmarkt im Bereich des Schienenfahrzeugbaus im engeren Sinne ist mit knapp 0,1 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nicht groß“, sagt Kirsten Singer, Expertin für Arbeitsmarktberichterstattung bei der Bundesagentur für Arbeit. Seit 2012 ist ihre Zahl jedoch kräftig angestiegen, aktuell auf gut 30.000. „Die Situation ist insbesondere für Fachkräfte günstig“, so die Expertin.

Über 60 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Branche verfügen über einen anerkannten Berufsabschluss, ein gutes Viertel über eine akademische Ausbildung. 2019 gab es im Durchschnitt 92 gemeldete freie Arbeitsstellen, knapp vier Prozent weniger als 2018. Rund zwei Drittel richteten sich an Fachkräfte, vor allem aus dem Metallbau und der Energie- und Elektrotechnik, gut ein Drittel betrifft Spezialisten und Experten. Letztere werden gesucht für die Bereiche Technische Forschung, Produktionsplanung und -steuerung sowie IT. 2018/2019 wurden aus der Branche gut 190 Ausbildungsstellen gemeldet, die fast alle besetzt werden konnten. Der Schwerpunkt lag mit 160 Stellen in den Bereichen Metallbearbeitung, Mechatronik und Automatisierungstechnik, Maschinenbau und Energietechnik. Aber auch in Unternehmensorganisation, Softwareentwicklung und Programmierung gibt es einige Stellen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild (Suchwort: Bahn)

berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Bahn).
studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung.
berufsfeld-info.de

Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) e.V.

bahnindustrie.info

Verband Deutscher Eisenbahn-Ingenieure e. V. – VDEI

vdei.de

Karriereportal für Bahnberufe

schienenjobs.de

Video

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.

abi» 16.04.2020

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