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Bauwirtschaft

Mehr als „Häusle baue“ …

Vieles spricht für die Bauwirtschaft: volle Auftragsbücher, vielseitige Berufe, gute Karrierechancen. Beschleuniger des Branchenwachstums ist vor allem die ungebremste Nachfrage im Wohnungsbau.

Frau mit Bauzeichnung in der Hand auf einer Baustelle.

Die hohe Nachfrage im Wohnungsbau kommt der Bauwirtschaft zugute.

Ob Wohngebäude, Verkehrswege, Hallen oder Bürokomplexe: Gebaut wird immer und überall. Ein Eindruck, der sich durch Zahlen bestätigt: So haben beispielsweise im Mai 2019 die Betriebe des Bauhauptgewerbes so hohe Aufträge wie noch nie zuvor in einem Monat Mai erhalten. Die Beschäftigung im Bauhauptgewerbe lag laut IG Bau 2019 über dem Niveau des Vorjahres. Gute Nachrichten für diejenigen, die in der Bauwirtschaft tätig sind, oder mit dem Gedanken spielen, dort beruflich Fuß zu fassen – sei es als Bauingenieur, Betriebswirt für Bauwirtschaft, Baustoffprüfer, Bauzeichner oder – wie Jessica Fischer – als Statikerin, um nur einige typische Berufe für Abiturienten und Akademiker zu nennen.

Als Statikerin für Sicherheit und Zuverlässigkeit sorgen

Die 26-Jährige ist bei Goldbeck, eines der größten Bauunternehmen in Deutschland, für die Statik beim Bau von Bürogebäuden und Hallen verantwortlich. „Genauer gesagt geht es bei der Baustatik um das Tragwerk eines Gebäudes, das nicht nur seinem Eigengewicht, sondern auch anderen Lasten standhalten muss“, erklärt Jessica Fischer, deren Funktion demgemäß Tragwerksplanerin lautet. Als solche ist sie Teil eines integralen Planungsteams, in dem Experten verschiedener Fachrichtungen interdisziplinär zusammenarbeiten.

Portraitfoto von Jessica Fischer

Jessica Fischer

„Ich bin dafür verantwortlich, dass das Gebäude sicher und zuverlässig steht. Zu meinen Aufgaben gehört es, prüffähige statische Berechnungen für Stahl- und Stahlbetonkonstruktionen zu erstellen. Dazu nutze ich spezielle hauseigene Programme und berücksichtige aktuelle Bau- und Bemessungsnormen“, erklärt die Statik-Expertin, die einen Bachelor of Engineering und einen Master of Science in Bauingenieurwesen hat. Bereits während des Bachelor-Studiums kam sie im Rahmen des Praxissemesters zu Goldbeck. Es folgten Tätigkeiten als Werksstudentin und die Anfertigung beider Abschlussarbeiten in Kooperation mit dem Unternehmen aus Bielefeld.

Vor etwa neun Monaten klappte es mit ihrer Wunschstelle als Tragwerksplanerin, die noch mehr Tätigkeiten umfasst. So betreut sie im Tagesgeschäft Planer und Konstrukteure sowie die Baustelle selbst, wenn zum Beispiel Änderungen in die Aufstellung eingearbeitet werden müssen. „Insgesamt ist es ein verantwortungsvoller und abwechslungsreicher Job“, so ihr Resümee.

Viele Optionen für Abiturienten

Das Bauingenieurstudium gilt als klassischer Weg in die Branche, die aus Bauhaupt- und Ausbaugewerbe besteht. „Es bietet eine Vielzahl spannender Vertiefungsmöglichkeiten wie Ingenieurbau oder Geotechnik“, erklärt Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e. V. (HDB). „Das Bauen ist so vielfältig, dass es nicht den einen Bauingenieur gibt. Er ist eher ein kreativer Tausendsassa und Spezialisierungen können individuell an den eigenen Interessen ausgerichtet werden.“

Bedarf an Fachkräften groß

Grundsätzlich sind die Perspektiven in der Bauwirtschaft positiv: „Angesichts niedriger Zinssätze und der anhaltend guten Auftragslage stellt sich die wirtschaftliche Situation in der Bauwirtschaft gut dar“, bewertet Claudia Suttner von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit die Lage. „Die Erwerbstätigkeit nahm in den letzten Jahren kontinuierlich zu und die Nachfrage nach Fachkräften aller Anforderungsniveaus ist weiterhin hoch.“ 1,85 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Hoch-, Tief- und Ausbau verzeichnete die Bauwirtschaft im Juni 2018. Im Jahr davor waren es noch 2,7 Prozent weniger. Die Arbeitslosenquote für Fachkräfte mit Weiterbildung oder Studium liegt unter zwei Prozent.

Die Besetzung offener Stellen in Bauberufen gestaltet sich für Unternehmen zunehmend schwierig, insbesondere auf Meisterebene und bei den Bauingenieuren. Das bestätigt Dieter Babiel: „Laut einer Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung haben mittlerweile über 90 Prozent der Bauunternehmen im Bauhauptgewerbe verstärkt Probleme bei der Besetzung offener Stellen.“ Daher gilt der Spruch: Sei schlau, geh zum Bau – Interesse für die Baubranche natürlich vorausgesetzt.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen findest du im Teilberufsfeld "Architektur und Bauwesen".
berufsfeld-info.de/abi

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschul­zulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit.
studienwahl.de

Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort z. B. Bau).

Infos zum Studienfeld "Bautechnik":
https://studienwahl.de/studienfelder/ingenieurwissenschaften/bautechnik

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z. B. Bau).
berufenet.arbeitsagentur.de

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

BAUINDUSTRIE – Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V.

bauindustrie.de

Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt

igbau.de

Brancheninfos Bauwirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Branchenfokus/
Industrie/branchenfokus-bauwirtschaft.html

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abi» 10.02.2020

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