beruf & karriere

Chemiebranche

Veränderungen in der kleinsten Form

Chemie ist, wenn es raucht und stinkt – allerdings nur im Klassenzimmer. Abseits der Schule kommt die Naturwissenschaft in vielen Unternehmen ganz ohne explosive Showeffekte zur Anwendung. Und sie ist die Basis einer spannenden Branche.

Das Foto zeigt ein Molekül-Modell.

Atome, Moleküle und die Redoxreaktion. All das verbinden wir aus dem Schulunterricht mit Chemie. Dabei ist das Einsatzfeld wesentlich vielseitiger.

„Wir Chemikerinnen und Chemiker haben eines gemeinsam: Wir wollen alles bis auf den Grund erklären. Wir können es erst dann gut sein lassen, wenn wir herausgefunden haben, wie eine Verbindung wirklich funktioniert und wenn wir diese These dann auch mit mehreren Methoden beweisen können“, erklärt Dr. Juliane März. Die 33-Jährige forscht am Institut für Ressourcenökologie im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) auf dem Gebiet der nuklearen Entsorgung, Sicherheit und Strahlenforschung. Dort beschäftigt sie sich in einem zehnköpfigen Team unter anderem mit der Frage, wie radioaktiver Müll entsorgt werden kann. „Der Atomausstieg ist beschlossen, aber die Abfälle sind wir noch nicht los. Bevor man diese guten Gewissens dem Erdreich übergeben kann, ist es notwendig zu wissen, was diese Reststoffe dort machen“, stellt die Wissenschaftlerin fest.

Versuche und Netzwerke

Porträt von Dr. Juliane März

Dr. Juliane März

Juliane März durfte bereits während ihrer Doktorarbeit das Labor im Helmholtz-Zentrum nutzen und lernte so ihren Institutsleiter kennen, der sie nach der Promotion einstellte. Mit ihrem Start 2014 baute sie gemeinsam mit Kolleg(inn)en das Labor auf. Sie war unter anderem zuständig für die Beschaffung der Geräte und die Einarbeitung des Personals. Heute betreut sie Arbeiten von Studierenden und Doktoranden, die unter ihrer Anleitung Themen entwickeln, Laboranordnungen aufbauen, Versuche durchführen und die Forschungsergebnisse in Form von Publikationen dokumentieren. Zu ihren Aufgaben gehört es zudem, wissenschaftliche Ergebnisse auf Tagungen zu präsentieren, Kontakte zu anderen Wissenschaftler(inne)n zu knüpfen und national und international den Austausch in Netzwerken zu pflegen.

Wer berufsmäßig in die Forschung will, muss zum Master drei bis vier Jahre hinzurechnen, um ein Promotionsstudium zu absolvieren. „Während der Promotion habe ich gelernt, selbständig zu arbeiten und eigenverantwortlich zu denken“, sagt die Chemikerin. Und diese Fähigkeit, sich selbst anzutreiben, ist Voraussetzung für Juliane März‘ aktuelle Tätigkeit: „Wir Wissenschaftler sind sehr frei hier am Institut. Erfolg in der Forschung ist nur möglich durch Beharrlichkeit und die Konsequenz, mit der jeder seine Ziele verfolgt.“ Diese Ziele werden in regelmäßigem Austausch mit den Kolleg(inn)en und dem Institutsleiter festgesetzt.

Chemie für viele Wirtschaftszweige

Wer seine Leidenschaft für Chemie ausleben möchte, findet auch in der Industrie spannende Tätigkeitsfelder. Zur Chemiebranche zählen unter anderem Unternehmen, die anorganische und organische Grundstoffe und Chemikalien herstellen: Düngemittel, Kunststoffe, Klebstoffe, Farbstoffe, Seifen, Reinigungsmittel und Körperpflegemittel. Viele der chemischen Produkte, die in diesem Wirtschaftszweig produziert werden, werden in anderen Wirtschaftszweigen benötigt – etwa in der Kunststoffindustrie, Lebensmittelindustrie, im Automobil- oder Maschinenbau.

Corona-Pandemie trifft auch Chemiebranche

Porträt von Dr. Gerd Romanowski

Dr. Gerd Romanowski

Laut Verband der Chemischen Industrie (VCI) waren im Jahr 2019 in der Chemiebranche 464.000 Mitarbeiter beschäftigt. Sie erwirtschafteten einen Umsatz von 198 Milliarden Euro. Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer des VCI, fügt hinzu: „Durch die Corona-Pandemie ist im Jahr 2020 ein starker Einbruch zu verzeichnen, wobei sich hier branchenbezogen ein heterogenes Bild abzeichnet: Während beispielsweise ein Zulieferer für die Automobilindustrie hohe Verluste hinnehmen muss, kann es bei einem Pharmaunternehmen ganz anders aussehen.“

Für das Jahr 2019 ergänzt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit: „Die Nachfrage nach Chemikern ging nach deutlichen Steigerungen im Zuge der allgemeinen Arbeitsmarktentwicklung um 14 Prozent zurück. Dennoch waren 14.000 Stellenzugänge zu verzeichnen, darunter 1.400 für Akademiker/-innen. Die Arbeitslosenquote für in Chemieberufen Tätige bewegt sich unter drei Prozent.“ 

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Chemie).

studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung.

berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild (Suchwort: Chemie)

berufenet.arbeitsagentur.de

Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

Helmholtz Zentrum Dresden Rossendorf

Institut für Ressourcenökologie

www.hzdr.de

Chemie3

Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Chemiewirtschaft

www.chemiehoch3.de

Verband der chemischen Industrie e.V.

www.vci.de

abi» 20.08.2020

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