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Wachstum auf zwei Rädern

Mann schraubt an der Gangschaltung eines E-Bikes herum
Die Nachfrage nach Fachkräften in der Zweiradtechnik ist gestiegen.
Foto: Martin Rehm

Fahrradindustrie – Hintergrund

Wachstum auf zwei Rädern

Mit 38 Prozent Wachstum im Bereich E-Bikes und zwei Prozent bei den unmotorisierten Fahrrädern im Jahr 2018 ist die Fahrradbranche ein boomender Industriezweig. Personal wird in allen Bereichen gesucht. Entsprechend vielfältig sind die beruflichen Möglichkeiten.

Ein neues E-Bike-Modell soll in die USA verschickt werden. Was banal klingt, hat den Teufel im Detail. Denn der Spediteur gibt eine bestimmte Paketgröße vor, das heißt, dieses Fahrrad muss für diesen einen Kunden anders zerlegt und gepackt werden. Gleichzeitig braucht der Empfänger genaue Instruktionen, wie das Fahrrad zu montieren ist. Für Claudia Hain, Leiterin der Abteilung „Preproduction Preparation“ bei Trekbike/Diamant ist das einer der Prozesse, die sie im Blick haben muss. Vermeintliche Kleinigkeiten wie diese zu bedenken und gar nicht erst zum Problem werden zu lassen, gehört zum Berufsalltag der Ingenieurin.

Claudia Hain muss die kompletten Abläufe jedes einzelnen Projekts – sprich: Fahrradmodells – kennen und wissen, wo Probleme auftauchen können. Außerdem muss sie auf dem Schirm haben, wer mit wem kommunizieren muss und alle beteiligten Abteilungen wie Musterbau, Vorserie, Entwicklung und Fertigung koordinieren. „Ich erstelle selbst keine Konstruktionspläne, muss sie aber lesen können und natürlich das notwendige technische Fachwissen haben“, erklärt die 34-Jährige, die an der TU Chemnitz den Studiengang „Bachelor of Sports Engineering“ studiert hat, eine Mischung aus Sportgerätetechnik, Trainingslehre und Maschinenbau. Anders als der klassische Ingenieur, der beispielsweise Rahmen konstruiert und entwirft und den Großteil der Zeit am Rechner verbringt, ist sie viel im Werk unterwegs. „Meine Arbeit spielt sich zu etwa 50 Prozent am Computer ab. Ich stehe aber auch oftmals an der Produktionslinie, um sicherzustellen, dass alle Abläufe reibungslos funktionieren.“

Personal händeringend gesucht

Ein Porträt-Foto von Claudia Hain

Claudia Hain

Foto: privat

Dass angesichts einer Verdoppelung des Modellangebots von 15 auf 30 verschiedene Modelle bei Trekbike Mitarbeiter händeringend gesucht werden, ist symptomatisch für die Branche: Sie wächst und folglich gibt es Personalbedarf in allen Bereichen. Das bestätigt David Eisenberger, Marketingleiter und Pressesprecher des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV): „Generell geht es der Branche gut und nicht zuletzt deshalb verzeichnen wir einen Fachkräftemangel. Es ist aktuell nicht einfach, in einer wachsende Branche qualifizierte Mitarbeiter zu finden.“ Der ZIV geht von rund 50.000 Beschäftigten in der Industrie, dem Handel und dem Handwerk, also der Reparatur, aus. „Wenn man den Fahrradtourismus noch dazu nimmt, schätzen wir die Gesamtzahl der Arbeitsplätze auf ungefähr 280.000.“ Konkrete Zuwächse in den Beschäftigtenzahlen kann der ZIV noch nicht nennen. „Bis sich der Wachstumsmarkt in Arbeitsmarktzahlen niederschlägt dauert das immer, das sind komplexe Prozesse. Was wir definitiv verzeichnen ist ein Mangel sowohl an Fachkräften als auch an Ingenieuren“, betont der Experte.

Zuwächse in der Zweiradtechnik

Konkrete Zahlen für den Berufsbereich Zweiradtechnik, der auch die Zweiradmechaniker und -mechatroniker beinhaltet, nennt Claudia Suttner von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit (BA): „Für 2018 ist im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von vier Prozent bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Bereich zu verzeichnen. Insgesamt waren hier gut 13.000 Menschen beschäftigt.“ Bei diesen Zahlen wird allerdings nicht nach Motorrad oder Fahrrad unterschieden und auch nicht differenziert, ob die Personen in der Industrie oder im Handel tätig sind. Der Anteil von Spezialisten und Experten, also etwa Technikern und Ingenieuren, liegt dabei unter einem Prozent. Die übrigen Erfassten arbeiten in Tätigkeiten auf Fachkräfteniveau, etwa als Zweiradmechatroniker.

Die Zahl der Arbeitslosen lag mit 1.700 deutlich unter dem Vorjahreswert und die Nachfrage nach Fachpersonal in der Zweiradtechnik ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Arbeitslosenquote ist unterdurchschnittlich. „Unter Berücksichtigung des relativ kleinen Arbeitsmarktes sind die Chancen für eine qualifizierte Fachkraft, in der Zweiradtechnik Fuß zu fassen, gut“, fasst Claudia Suttner zusammen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z. B. Fahrrad).
berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
studienwahl.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

 

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen findest du im Teilberufsfeld „Auto und Straßenverkehr“.
berufsfeld-info.de/planet-beruf/tbf/auto-strassenverkehr

 

ZIV – Zweirad-Industrie-Verband
www.ziv-zweirad.de

abi>> 24.10.2019

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