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Arbeiten im Vereinigten Königreich – Hintergrund

Brexit: Bleiben ist einfach, reinkommen ab 2021 schwierig

Das Vereinigte Königreich ist kein Mitglied der Europäischen Union mehr, der Brexit ist vollzogen. Bis Ende 2020 gilt eine Übergangsphase. Was ändert sich danach für EU-Bürger, die dort arbeiten – und was muss man tun, wenn man zukünftig dorthin ziehen will?

Britische Flagge

Das Vereinigte Königreich ist ein beliebtes Ziel für Arbeitnehmer.

Am 31. Januar 2020, 23.59 Uhr mitteleuropäischer Zeit, endete die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs (VK) in der Europäischen Union (EU). Vorerst bleibt alles, wie es war, denn bis Jahresende läuft die Übergangsphase. Bis dahin können EU-Bürger im Rahmen der innereuropäischen Freizügigkeit noch problemlos im VK leben, studieren und arbeiten – ganz gleich, welchem Job sie nachgehen und wie viel sie verdienen. Sie sind automatisch im National Health Service (NHS) versichert, dem nationalen Gesundheitsdienst- Die geleistete Arbeitszeit wird bei der Rente angerechnet, egal, ob sie diese später im VK oder in ihrem Heimatland beziehen.

Verhandlungen mit EU laufen noch

Foto von Claudia Silvestroni

Claudia Silvestroni

Und danach? Wie geht es weiter für Menschen aus dem EU-Ausland, die derzeit einer Arbeit im VK nachgehen? Dazu Claudia Silvestroni von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit: „Wir wissen natürlich nicht, wie die Verhandlungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich enden.“ Doch wer bereits heute legal im VK lebe, müsse sich „keine großen Sorgen machen“. Für diese Personengruppe gibt es das sogenannte EU Settlement Scheme: Wer im VK lebt und bleiben will, muss einen gebührenfreien Antrag auf den Status „Settled“ (deutsch: niedergelassen) beziehungsweise „Pre-settled“ stellen. Einen Settled-Status erhalten in der Regel alle, die bereits seit fünf Jahren ohne Unterbrechung im VK leben.

Wie die Deutsche Botschaft in London informiert, besitzen EU-Bürger, die den Settled-Status erhalten haben, ein lebenslanges Daueraufenthaltsrecht in Großbritannien, verbunden mit dem Zugang zum Arbeitsmarkt, zum NHS, zu sozialen Leistungen und zu freier Bildung unter den gleichen Bedingungen wie britische Staatsbürger. Das gilt auch für jene, die weniger als fünf Jahren in GB leben und den Pre-settled-Status haben. Ab dem Datum, an denen ihnen der Status zugesprochen wird, dürfen diese weitere fünf Jahre bleiben, dann müssen sie einen Antrag auf den Settled-Status stellen. „Wer 2020 noch ins Vereinigte Königreich zieht und bleiben will, wird wahrscheinlich einen solchen Pre-settled Status erhalten“, sagt Claudia Silvestroni. Zu Beachten sind natürlich die jeweils geltenden Einreisebestimmungen hinsichtlich der Corona-Krise.

Nachweise notwendig

Bei den Anträgen müssen Nachweise für den durchgehenden legalen Aufenthalt eingereicht werden – zum Beispiel Arbeitsverträge, Gehaltsabrechnungen oder Einreisedokumente. Noch unklar ist, wie es mit den Rentenzahlungen weitergeht, sagt Claudia Silvestroni: „Wir wissen nicht, ob zunächst wie bei anderen Drittstaaten ein bilaterales Abkommen abgeschlossen werden muss.“

Ab 2021 werde es deutlich schwieriger, im Vereinigten Königreich zu arbeiten, mutmaßt sie. Es soll ein punktebasiertes Einwanderungssystem für Arbeitskräfte aus dem Ausland geben. Englischkenntnisse müssen nachgewiesen werden und in der Regel benötige man bereits ein Jobangebot von einem Arbeitgeber im VK. Dieser müsse ebenfalls erklären, warum er einen Mitarbeiter aus dem Ausland einstellt und keinen, der bereits im VK lebt. Es ist dann nicht mehr möglich, zuerst ins VK zu ziehen, um sich umzuschauen und zu bewerben. Selbst wer ein befristetes Visum hat, muss zunächst wieder ausreisen, um von zu Hause das Arbeitsvisum zu beantragen. Studierende allerdings werden nach ihrem Abschluss zwei Jahre lang bleiben dürfen, um eine Arbeit zu suchen.

Punktesystem setzt Mindestgehalt voraus

„Sicher ist, dass es im Rahmen des Punktesystems eine Untergrenze beim Gehalt geben wird“, informiert Claudia Silvestroni. Derzeit ist von 25.600 Pfund netto im Jahr die Rede (circa 29.300 Euro, Stand: Mai 2020). „Das Vereinigte Königreich will vor allem qualifizierte Fachkräfte, die auf dem britischen Arbeitsmarkt benötigt werden.“

Für einige Bereiche – etwa für Saisonarbeit in der Landwirtschaft – gibt es Ausnahmen. Eine weitere Sonderregelung existiert für Hochqualifizierte: Über das „Global Talent Visa“ soll die Einwanderungserlaubnis schneller und unkomplizierter erteilt werden.

Bereits einsehbar ist die sogenannte „Shortage Occupation List“, vergleichbar mit der Positivliste der Bundesagentur für Arbeit, auf der Mangelberufe aufgeführt sind. Fachkräften dieser Berufsgruppen soll die Einreise ebenfalls erleichtert werden – etwa über eine geringere Untergrenze beim Gehalt. Dazu gehören unter anderem Berufe im Gesundheitswesen. Allerdings sei noch nicht geklärt, ob Ausbildungsabschlüsse reglementierter Berufe wie Arzt, Krankenpflegerin, Rechtsanwalt, Lehrerin und Ingenieur weiterhin so unkompliziert anerkannt werden wie bislang.

Weitere Informationen

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

Im Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit ist die ZAV vor allem für die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland und für die Vermittlung besonderer Berufsgruppen verantwortlich

arbeitsagentur.de/vor-ort/zav

Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer (AHK)

Die AHK in London ist die offiziell anerkannte Wirtschaftsförderungsgesellschaft im deutsch-britischen Umfeld

grossbritannien.ahk.de 

Global Talent Visa

Informationen zum „UK's points-based immigration system“ (punktebasiertem Einwanderungssystem des Vereinigten Königreichs)

gov.uk/government

abi» 05.06.2020

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