beruf & karriere

Arbeiten in Italien – Interview

„Ohne Kontakte geht nichts“

Im wirtschaftlich starken Norden von Italien – in der Metropolregion Mailand – haben bekannte Unternehmen wie Versace, Armani und UniCredit ihren Sitz. Im Süden dominiert der Tourismus. Doch im ganzen Land sind persönliche Kontakte bei der Jobsuche unerlässlich, weiß Matthias Rauhut von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV).

Ein Bild des Canal Grande in Venedig

Italien ist nicht nur ein beliebtes Reiseziel, sondern auch Traumziel vieler Menschen, die mal im Ausland arbeiten wollen.

abi» Herr Rauhut, was muss ich beachten, wenn ich in Italien arbeiten will?

Matthias Rauhut: Durch die Freizügigkeit können sich EU-Bürger in Italien erstmal bis zu drei Monaten aufhalten. Danach muss man sich beim Einwohnermeldeamt der Wohnsitzgemeinde vor Ort melden. Vor einer Ausreise sind diverse Dokumente vorzulegen, etwa Ausweis oder Reisepass. Die jeweiligen Sozialversicherungsträger beraten, wie man beim Thema Rente oder bei der Krankenversicherung vorgehen muss. Es gibt viele Ansprüche, die man von Deutschland nach Italien exportieren kann.

abi» Wie funktioniert das Versicherungssystem?

Ein Foto von Matthias Rauhut

Matthias Rauhut

Matthias Rauhut: Wenn ich in Italien arbeite und einen italienischen Arbeitgeber habe, dann zahle ich in die dortige Sozialversicherung ein. Man meldet sich beim örtlichen Gesundheitsamt, um einen Hausarzt auszuwählen und Zugang zu Gesundheitsleistungen wie eine Krankenversicherungskarte zu erhalten. Im Notfall könnte man noch kurzfristig über eine europäische Krankenversicherungskarte von seiner bisherigen Krankenversicherung Leistungen in Anspruch nehmen. Meistens gilt hier eine 30-Tage-Frist. Bei Rentenansprüchen, die man in Italien erwirbt, gibt es mittlerweile die Option, sich diese auf dem deutschen Konto anrechnen zu lassen. Bei kürzeren Aufenthalten von ein, zwei Jahren kann das sinnvoller sein, als zwei separate Renten zu beziehen.

abi» Gibt es Unterschiede im Bewerbungsverfahren?

Matthias Rauhut: Das ist eigentlich relativ ähnlich. In Italien wird allerdings erwartet, dass sich der Lebenslauf auf das Stellengesuch bezieht, nicht nur das Anschreiben. Referenzen werden auch gerne genommen, was ja bei uns nicht so üblich ist.

abi» Wie unterscheidet sich der Berufsalltag?

Matthias Rauhut: Bei uns sind persönliche Kontakte zwar auch wichtig, aber in Italien ist das ganz extrem. Der Zugang zum italienischen Arbeits- und Wohnungsmarkt ist erheblich einfacher, wenn man jemanden kennt oder zumindest jemanden kennt, der jemanden kennt. Dann sind schon ganz viele Türen geöffnet. In Italien wird zudem großer Wert auf Titel gelegt, den Dottore (italienische Bezeichnung für Doktor, Anm. d. Red.) zum Beispiel. Das sollte man beachten. Der durchschnittliche Jahresbruttoverdienst in Italien 2018 betrug 32.000 Euro – in Deutschland waren es 36.085 Euro, bei ähnlichen Lebenshaltungskosten.

abi» Welche Berufsgruppen werden gesucht?

Matthias Rauhut: Einen besonderen Schwerpunkt bilden mit 70 Prozent die Dienstleistungsberufe. Das ist ein riesiger Oberbegriff, unter den nicht nur die verschiedenen Segmente des Tourismus fallen, wie Gastronomie und Hotellerie, sondern auch Lehrer, Klinikwesen, Krankenhäuser. Einen großen Bedarf gibt es auch in der Elektronik- und IT-Branche, bei Ingenieuren und Handwerksberufen. Sehr gefragt sind auch Mathematiker, Chemiker und Betriebswirte mit sehr guten Italienischkenntnissen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
berufenet.arbeitsagentur.de

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

Informationen rund um Ausbildung, Studium, Praktikum und Arbeiten im Ausland; in erster Linie auf Europa bezogen, aber auch außereuropäisches Ausland
ba-auslandsvermittlung.de

Europäisches Portal zur beruflichen Mobilität

ec.europa.eu/eures/public/de/homepage

Deutsche Vertretungen in Italien

italien.diplo.de

abi» 07.02.2020

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