beruf & karriere

Berufsberaterin

Wegweiserin durch den „Dschungel an Möglichkeiten“

Vielseitig und abwechslungsreich – so beschreibt Barbara Golfmann (49) ihre Tätigkeit als Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Köln. „Jungen Menschen zu helfen, sie voranzubringen: Das empfinde ich als sehr erfüllend.“

Foto von einer Beratungssituation

Berufsberatung richtet sich an Menschen in allen Lebensphasen.

Tom steckt mitten in den Abiturprüfungen. Die vergangenen Monate bestanden für ihn hauptsächlich aus Lernen. Ob er eine Ausbildung beginnen, studieren oder erstmal ein Freiwilliges Soziales Jahr machen sollte? Diese Fragen hat der 18-Jährige bisher verdrängt. Doch nun, da ein Ende der Schulzeit in Sicht ist, drängen sie sich wieder auf. Genau deshalb hat er mit Barbara Golfmann einen Termin vereinbart. Sie ist Berufsberaterin in der Agentur für Arbeit Köln und berät junge Menschen in Fragen rund um die Berufs- und Studienwahl. „Ich weiß wirklich nicht, was ich machen soll – es gibt so viele Möglichkeiten“, sagt der Abiturient.

„Das kommt schon öfter vor“, erzählt Barbara Golfmann. „Viele Schülerinnen und Schüler stehen noch ganz am Anfang, sind von dem ‚Dschungel an Möglichkeiten‘ völlig überfordert und brauchen eine Art Wegweiser.“ Dabei erklärt sie Tom nicht, wo sein Weg genau hinführen sollte. „Berufsberatung ist immer Teamarbeit“, betont Barbara Golfmann. Sie beschließen, erst einmal gemeinsam herauszufinden, wo Toms Stärken und Interessen liegen und welche Vorstellungen er von seinem späteren Beruf hat.

„Hilfe zur Selbsthilfe“

Ein Foto von Barbara Golfmann

Barbara Golfmann

„Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Barbara Golfmann. Dafür ist Empathie und Einfühlungsvermögen gefragt, viel Wissen über die Berufs- und Studienwelt sowie jede Menge Erfahrung. Sie selbst war nach dem Abitur ebenfalls ziemlich ratlos, welchen beruflichen Weg sie einschlagen sollte. Zwei Studiengänge brach sie ab, bis eine Anzeige für ein duales Studium an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) ihr Interesse weckte und sie zum ersten Mal in ein Berufsinformationszentrum führte. „Das hätte ich schon viel früher machen sollen“, stellt sie rückblickend fest.

„Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung“ heißt das duale Studium heute und kombiniert wirtschafts- und rechtswissenschaftliche Themen mit psychologischen und kommunikationswissenschaftlichen Grundlagen. Barbara Golfmann absolvierte es am HdBA-Standort Schwerin. „In den Praktikumsabschnitten in verschiedenen Abteilungen der Agentur für Arbeit Berlin Nord konnte ich dann mein theoretisches Wissen in die Praxis umsetzen.“

Nach dem Studium arbeitete sie zunächst in der Arbeitsvermittlung und wurde schließlich Teamleiterin. Doch ihr fehlten die persönlichen Gespräche, der direkte Kontakt mit Menschen und sie beschloss, sich als Berufsberaterin zu bewerben.

Beruf mit großer Verantwortung

Heute ist Barbara Golfmann überzeugt: „Das ist genau mein Beruf.“ Dass sie dabei Umwege genommen hat, ist kein Makel – im Gegenteil. „Ich weiß, was es heißt, orientierungslos zu sein. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, das richtige Studium oder die passende Ausbildung zu finden.“ Diese Lebenserfahrung sei sehr wertvoll. „Es ist ein Beruf mit großer Verantwortung“, erklärt sie. Entsprechend wichtig seien die Eignung und das persönliche Engagement.

„Mir gefällt die Vielfalt der Aufgaben und die Freiheit, die ich dabei habe“, fasst die Berufsberaterin zusammen. „Man muss sich gut selbstständig organisieren können. Und genau das liegt mir.“ Sie führt Gespräche in ihrem Büro oder unterstützt junge Menschen – wie derzeit verstärkt – mit telefonischen Beratungen, wobei sie ihnen die Online-Medien der Bundesagentur für Arbeit ans Herz legt, um selbst am Ball zu bleiben. Zudem organisiert sie Berufsinformationsveranstaltungen in Schulen oder auf Berufsmessen. Sie erstellt Konzepte und ist Netzwerkpartnerin für Hochschulen oder Berufskammern. „Es wird wirklich nie langweilig“, sagt sie und lacht.

Anstoß zur weiteren Recherche

Tom wird bei seinem ersten Gespräch mit Barbara Golfmann klar, dass er doch eher ein „Praktiker“ ist, Planen und Organisieren liegen ihm. Um sich über die genaue Richtung klar zu werden, möchte er allerdings zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Die Berufsberaterin erklärt ihm, wie er mit diesem Wissen über sich nun gezielt nach Ausbildungs- und Überbrückungsmöglichkeiten recherchieren kann. In ein paar Wochen werden sie sich wieder treffen, um zu besprechen, was sich aus Toms ersten Recherchen ergeben hat. Tom ist zufrieden und zuversichtlich, nun den Weg durch den „Dschungel an Möglichkeiten“ zu finden.

abi» 16.07.2020

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