Essen und Trinken im Fokus

Junge Frau zeigt einen Schaukasten mit Lebensmitteln und deren Fett und Zuckeranteilen.
Diätassistenten sind für die Beratung und Verpflegung von Patienten verantwortlich, die sich beispielsweise aufgrund einer Erkrankung besonders ernähren müssen.
Foto: Ria Kipfmüller

Diätassistent - Hintergrund

Essen und Trinken im Fokus

Diätassistenten beraten Patienten, die sich gesund ernähren wollen oder im Rahmen einer Diät auf bestimmte Lebensmittel verzichten müssen. Die Ernährungspläne erstellen sie häufig in Absprache mit dem behandelnden Arzt. In den Beruf führt eine Ausbildung.

„Als Diätassistent hat man viel mit Menschen zu tun. Man kann in diesem Beruf Naturwissenschaften und soziale Kompetenzen kombinieren und sich zum Spezialisten weiterbilden“, sagt Evelyn Beyer-Reiners vom Verband der Diätassistenten, Deutscher Bundesverband e.V. Die Berufsbezeichnung ist gesetzlich geschützt, genau wie bei Physiotherapeuten oder Ergotherapeuten. „Niemand darf sich Diätassistent nennen, wenn er nicht die dafür vorgeschriebene Ausbildung an einer staatlich anerkannten Berufsfachschule für Diätassistenten absolviert hat“, betont die Expertin.

Diese Ausbildung dauert drei Jahre und gliedert sich in rund 3.000 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht in der Berufsfachschule sowie 1.400 Stunden praktische Ausbildung in den verschiedenen Arbeitsfeldern von Diätassistenten. Die Abschlussprüfung besteht aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil. Während der Ausbildung verdient man kein Geld, die Ausbildung ist jedoch über das sogenannte Schüler-BAföG förderungsfähig.

Theoretischer und praktischer Unterricht

Ein Porträtfoto von Evelyn Beyer-Reiners

Evelyn Beyer-Reiners

Foto: Monika Probst, Drive GmbH & Co. KG

„Der Stoff ist sehr verdichtet und wird auf hohem Niveau vermittelt. Ein großer Teil der Schüler hat bereits das Abitur in der Tasche“, betont Evelyn Beyer-Reiners. In den Berufsschulen werden alle Grundlagen vermittelt, um Ernährungsmaßnahmen für Gesunde und Erkrankte richtig ableiten und umsetzen zu können. Dazu zählen auch Kompetenzen in der Ernährungsberatung. Typische Fächer sind zum Beispiel Ernährungslehre, Biochemie der Ernährung, Diätetik, Lebensmittelkunde, Ernährungspsychologie sowie die Diät- und Ernährungsberatung. Im praktischen Unterricht werden Beratungssituationen beispielsweise in Form von Rollenspielen geübt und es gibt Lehrküchen, wo man lernt, entsprechende Kost zuzubereiten.

Neben der schulischen Ausbildung vertiefen die Schüler ihr Wissen in der Praxis. Typische Einsatzstellen sind Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Praxen von selbstständigen Diätassistenten oder das Verpflegungsmanagement.

Beruf mit Perspektive

Laut Evelyn Beyer-Reiners gibt es zahlreiche offene Stellen für Diätassistenten. „Man muss flexibel sein und eventuell in eine andere Stadt umziehen, dann hat man nach der Ausbildung recht schnell eine Stelle“, ist sie überzeugt. Viele Absolventen landen im Krankenhaus und beraten Patienten rund um die vom Arzt empfohlene Ernährung oder sind im Verpflegungsmanagement tätig. Auch Reha-Kliniken sind ein großes Einsatzfeld.

An bestimmten Berufsfachschulen kann die Ausbildung auch im Rahmen eines dualen Studiums absolviert werden. Ebenso ist es möglich, nach Abschluss der Ausbildung ein auf zwei Jahre verkürztes Bachelorstudium anzutreten.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Diätassistent/in).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e.V.

www.vdd.de/diaetassistenten

Verein zur Förderung der gesunden Ernährung und Diätetik (VFED) e.V.

www.vfed.de

 

Diätassistent

Von Menschen und ihrer Ernährung

Der 22-jährige Marco Meloni absolviert derzeit eine Ausbildung zum Diät­assistenten an einer Fachschule der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Kurz vor dem Ende seiner Ausbildung zieht Marco Meloni Bilanz: „Mir gefällt an diesem Beruf sehr gut, dass ich mit unterschiedlichen Patienten, Ärzten und vielen anderen Berufsgruppen in Kontakt komme und ständig Neues über Ernährung dazulerne.“ Nach dem Abitur in Baden-Württemberg war dem Sportler, der schon immer auf seine Ernährung geachtet hatte, klar, dass er einen Beruf in diesem Bereich ergreifen will. Er absolvierte ein Praktikum in der Ernährungsberatung und Küche eines Krankenhauses und entschied sich für die schulische Ausbildung zum Diätassistenten.

Anatomie, Lebensmittelkunde und Kochen

Ein Porträtfoto von Marco Meloni

Marco Meloni

Foto: Dr. Buchholz

Seit 2015 lernt er nun an der staatlich anerkannten Schule für Diätassistenten der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im ersten Schuljahr standen unter anderem die Fächer Anatomie, Biochemie, Lebensmittelkunde sowie Koch- und Küchentechnik auf dem Stundenplan. „Wir haben da alle möglichen Zubereitungsarten für Speisen gelernt und auch wie eine Großküche ausgestattet ist“, berichtet der 22-Jährige. Darüber hinaus wurden auch Inhalte aus Hygiene und Krankheitslehre vermittelt.

Ab dem zweiten Schuljahr wechseln sich Unterricht und Praxis-Einheiten alle vier Wochen ab. In der theoretischen Ausbildung kam eines der wichtigsten Fächer für Diätassistenten hinzu: Diätetik. Der Auszubildende lernt hier, welche Speisen und Getränke Patienten bei welcher Erkrankung zu sich nehmen sollten. Die obligatorischen Praktika absolvierte er unter anderem in der Großküche eines Krankenhauses, in einem Altenheim sowie im Diabetes- und Ernährungsteam der Unimedizin Mainz. „Da habe ich auch gelernt, wie man den Blutzuckerspiegel eines Diabetikers kontrolliert und wie er seine Ernährung anpassen sollte“, erzählt Marco Meloni.

Das Examen steht an

Im dritten und letzten Schuljahr wird der Stoff aus den ersten beiden Schuljahren nun vertieft. Das Examen wird Marco Meloni in zwei schriftlichen, einer mündlichen und einer praktischen Prüfung ablegen. Praktische Erfahrung sammelt er in einem Diabetes-Team an einer Klinik und in einem Ernährungsteam. „Im Klinikum gibt es eine große Bandbreite an Erkrankungen. Ich muss mich in jeden Fall intensiv einarbeiten und darf dann einen Speiseplan für den jeweiligen Patienten erstellen – natürlich stehen mir dabei erfahrene Diätassistenten zur Seite“, erzählt Marco Meloni, der anders als Auszubildende in einem Betrieb kein Gehalt bekommt, sondern BAföG erhält.

Nach dem Abschluss seiner Ausbildung möchte der 22-Jährige den verkürzten, auf die Ausbildung zum Diätassistenten aufbauenden Bachelorstudiengang „Diätetik für Diätassistenten“ in Neubrandenburg belegen. „Ich möchte auch das wissenschaftliche Arbeiten noch weiter vertiefen, weil sich die Erkenntnisse im Bereich Ernährung ständig verändern. Da will ich einfach am Ball bleiben.“

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Diätassistentin

Die Patienten liegen ihr am Herzen

Caroline Girsemihl (30) aus Berlin ist staatlich anerkannte Diätassistentin mit Leib und Seele. Für Ernährung hat sich die 30-Jährige schon früh interessiert, jetzt hat sie ihren Traumjob an einer Klinik gefunden.

„Ich begleite und berate Patienten sowie Angehörige rund um das Thema Ernährung, erstelle Infusionspläne und führe Workshops durch“, erzählt Ernährungstherapeutin Caroline Girsemihl. Sie schätzt vor allem die Arbeit im interdisziplinären Team, welches aus Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und eben Diätassistenten besteht. „Wir setzen die passende Diät für den Patienten um und geben auch Tipps für die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt“, sagt sie. So erarbeitet sie zum Beispiel für einen Krebspatienten aus der Onkologie einen eiweiß- und energiereichen Speiseplan. „Der Patient hat einen veränderten Stoffwechsel und daraus resultierend einen erhöhten Bedarf“, erklärt sie.

Selbstbewusstsein ist wichtig

Ein Porträtfoto von Caroline Girsemihl

Caroline Girsemihl

Foto: privat

Neben der fachlichen Kompetenz, die sie in der Ausbildung und in ständiger Weiterbildung erworben hat, ist für Caroline Girsemihl auch eine gute Portion Selbstbewusstsein nötig. „Man muss sich schon behaupten und durchsetzen können, sei es bei Ärzten, den Patienten oder den Angehörigen“, sagt sie. „Außerdem sollte man teamfähig sein, Einfühlungsvermögen besitzen und gleichzeitig über fundierte naturwissenschaftlich Kenntnisse verfügen, um das Team und die Patienten bestmöglich zu informieren.“

Auf Bio-Farmen mit dem Thema in Berührung gekommen

Eigentlich wollte Caroline Girsemihl nach dem Abitur zunächst Sportwissenschaften studieren. Wegen einer Verletzung konnte die Geräteturnerin das Studium jedoch nicht antreten. Während eines Auslandsaufenthalts in Neuseeland kam sie auf Bio-Farmen mit ökologischem Anbau und dem Thema gesunde Ernährung in Berührung. Schließlich entschied sie sich für das Studium der Ernährungswissenschaften an der Universität Potsdam. „Nach dem zweiten Semester fragte ich mich, wann denn eigentlich die Patientenberatung ins Spiel kommt?“ Diese war im Studium nicht vorgesehen.

Weil ihr der Aspekt fehlte, sattelte sie schließlich um und absolvierte die Ausbildung zur Diätassistentin an der Medizinischen Berufsfachschule am Universitätsklinikum Leipzig. Da ging es erst mit Koch- und Küchentechnik los – und endlich hatte Caroline Girsemihl im zweiten Jahr ihr Ziel erreicht: Die Patientenberatung stand auf dem Lehrplan. „Ich fand sehr schön an der Ausbildung, dass man sich seine Praktika selbst suchen konnte“, sagt sie. Ihr Rat: Man sollte sich für Einsatzstellen entscheiden, bei denen man nicht nur „mitläuft“, sondern selbst auch aktiv ins Team eingebunden wird und Patienten beraten darf.

Von der Arztpraxis in die Klinik

Nach ihrer Ausbildung war Caroline Girsemihl zuerst in einer Arztpraxis und danach in einem Versorgungszentrum tätig. Schließlich fand sie ihre Traumstelle im Vivantes Zentrum für Ernährungsmedizin Berlin. Nebenbei arbeitet die Diätassistentin auch als Dozentin und berät Firmen, Fachschulen und Ärzte.


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Stand: 15.11.2019