Die Lebensumstände alter Menschen verbessern

Hände, die an einen Rollator greifen.
Wie gehen wir mit dem Älterwerden um? Mit dieser Frage beschäftigen sich Gerontologen.
Foto: Julien Fertl

Gerontologe

Die Lebensumstände alter Menschen verbessern

Immer mehr Menschen werden immer älter. Gerontologen erforschen das Altsein und Älterwerden und entwickeln Maßnahmen, die diesen Bedürfnissen gerecht werden. abi» erläutert Wege und Berufsaussichten dieses Zukunftsfeldes.

„Es sind Themen, die mit der letzten Phase des Lebens und dem Tod zusammenhängen – vor allem, wie mit dieser Altersgruppe psychologisch und sozial umgegangen wird“, fasst Manuela Stock, akademische Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit München, die Inhalte der Studiengänge im Bereich Gerontologie zusammen.

In Deutschland werden derzeit rund zehn Bachelor- und vor allem Masterstudiengänge angeboten, die in das Berufsfeld führen. Da Gerontologen den Menschen ganzheitlich im Blick haben, ist das Studium interdisziplinär ausgerichtet. Vermittelt werden sozialwissenschaftliche Grundlagen, Kenntnisse in psychologischer Gerontologie, Gesundheit und Pflege sowie Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre und des Zivilrechts.

Meist enthalten die Bachelorstudiengänge bereits alle Grundlagen des Fachgebietes und geben Einblick in die einzelnen Schwerpunkte. „Im Masterstudiengang vertieft man dann den Bereich, der einen besonders interessiert“, erläutert die Berufsberaterin. Eine Teildisziplin ist die Geriatrie, in der es vor allem um Diagnose, Therapie und Rehabilitation von Krankheiten im Alter geht. Die Masterstudiengänge vermittelten zudem vermehrt forschungsbasiertes Wissen sowie qualitative und quantitative Methoden. „Masterstudiengänge stehen auch Absolventen in Soziologie, Sozialer Arbeit, Psychologie, Pädagogik, Medizin oder Sport- und Pflegewissenschaften offen.“

Empathie ist gefragt

Ein Portät-Foto von Manuela Stock

Manuela Stock

Foto: privat

Empathie für alte Menschen ist essentiell, wenn eine Tätigkeit in diesem Berufsfeld gewählt wird. „Immer wieder entscheiden sich Schülerinnen und Schüler bewusst dafür, die Würde und Weisheit von älteren Menschen wahrzunehmen. Sie schätzen die interessanten Gespräche und möchten die Lebenssituation der Senioren verbessern“, freut sich Manuela Stock. Für bereits examinierte Kranken- oder Altenpfleger bietet darüber hinaus beispielsweise die Hochschule Kempten den berufsbegleitenden Bachelorstudiengang „Geriatrische Therapie, Rehabilitation und Pflege“ an.

Vielfältige Weiterbildungsangebote für Gerontologen bieten die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege. Sie offerieren etwa Kurse zur Führungskompetenz, zu medizinisch-pflegerischen Fragen oder gerontologischen Lösungsansätzen, besondere Managementaufgaben bis hin zum Thema Geragogik: ein Teilgebiet der Gerontologie, das sich mit dem Lernen bei älteren Menschen beschäftigt.

Qualitätsstandards gewährleisten

Gefragt seien die Abschlüsse nicht nur bei Wohlfahrtsverbänden wie den Johannitern oder der Arbeiterwohlfahrt und ihren großen Altenheimen, sondern auch bei Seniorenberatungsstellen, der kommunalen Altenhilfe- und Sozialplanung, im Gesundheitswesen, in Personalabteilungen öffentlicher und privater Einrichtungen sowie Firmen, die Produkte für diese Altersgruppe herstellen. Zudem können sie in der Politik- und Unternehmensberatung tätig sein.

Gerontologinnen und Gerontologen sind zum Beispiel an der Einsatzplanung von Personal beteiligt oder arbeiten in der Betreuung und Sicherstellung von Pflege, damit auf die besonderen Belange der Senioren eingegangen werden kann. „Das betrifft den Personalschlüssel, die Fallpauschalen, aber auch die technische Ausstattung, mit denen Vorsorge getroffen werden kann und die gewährleistet, dass alles dem Qualitätsstandard entspricht“, führt Manuela Stock aus. Führungspositionen, spezialisierte Aufgabenstellungen oder Tätigkeiten in Wissenschaft und Forschung erfordern meist im Anschluss an den Bachelorstudiengang ein Masterstudium, gegebenenfalls zusätzlich die Promotion.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie e.V.

www.dggg-online.de

Institut für gerontologische Forschung e.V.

www.igfberlin.de

Institut für Psychogerontologie

www.geronto.fau.de

 

Gerontologin

„Ich möchte Lebendigkeit hineinbringen“

Die Gerontologin Anna Tonzer (31) entwickelt die Lebensbegleitung alter und sterbender Menschen weiter. In Freiburg engagiert sie sich dafür, ebenso die Lebensumstände alter Menschen mit Behinderungen zu verbessern.

Woran erkennt man den nahenden Tod eines Menschen? Und wie verläuft Trauer? Zu diesen Themen hält Anna Tonzer regelmäßig Gesprächskreise ab. Bei der ambulanten Hospizgruppe Freiburg schult sie Ehrenamtliche, die in verschiedenen Einrichtungen sterbende Menschen begleiten. Beeinflusst wird ihre Arbeit durch ein Projekt, an dem die Gerontologin im Auftrag des Caritasverbands in Freiburg arbeitet. „Ich entwickle Handlungsmaxime sowie Angebote, um Menschen mit Behinderungen am Lebensende möglichst gut zu begleiten“, sagt die 31-Jährige. Ein Gedanke, den sie auch bei ihren Gesprächskreisen miteinbringt. „Ich möchte dazu anregen, Menschen mit Behinderungen beim Sterben nicht allein zu lassen. Denn auch diese Menschen werden aufgrund des medizinischen Fortschritts immer älter.“

Ganzheitlicher Blick auf den Menschen

Ein Porträt-Foto von Anna Tonzer

Anna Tonzer

Foto: Judit Maier

Auf das Fachgebiet der Gerontologie ist Anna Tonzer in ihrem Bachelorstudium der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule in Freiburg gekommen. „Im sechsten Semester hatte ich soziale Gerontologie als Schwerpunkt zur Auswahl. Das hat mich neugierig gemacht, denn es hatte mich schon immer interessiert, was alte Menschen zu erzählen haben.“ Im Masterstudiengang entschied sie sich anschließend für Gerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Das Studium betrachtet neben sozialen auch psychologische, medizinische und soziologische Faktoren. „Den ganzheitlichen Blick auf den Menschen fand ich sehr gewinnbringend“, erinnert sich die junge Frau. Bereits während des Studiums hat sich die Hospiz- und Palliativarbeit, also die Begleitung unheilbar kranker und sterbender Menschen sowie die Betreuung trauender Angehöriger als Arbeitsfeld für sie herausgestellt. „Mein Ziel ist es, dass alte Menschen bis zuletzt nicht alleine zurückgelassen werden und ihrem Leben Bedeutung verliehen wird. Dafür braucht es Wissen, Strukturen und Netzwerke. Gleichzeitig ist die Gerontologie ein Feld, in dem man noch viel mitgestalten kann.“

Ideen weitertragen, Netzwerke aufbauen

Anna Tonzer genießt die Freiheit, ihren Arbeitsalltag selbst strukturieren zu können. „Einen typischen Arbeitsalltag habe ich nicht. Gestern habe ich zum Beispiel eine Fortbildung organisiert und mich um geeignete Räume gekümmert sowie ein passendes Konzept ausgearbeitet. Danach bin ich in eine Werkstätte gefahren und habe einen Gesprächskreis angeboten.“

Während ihrer Arbeit erlebt die Gerontologin, dass es nicht traurig sein muss, sich mit dem Älterwerden und Sterben zu befassen: „Es ist wichtig, diese Themen als Lebensthemen zu begreifen und sie nicht zu verschweigen. Im Gegenteil: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit zeigt, wie wertvoll das Leben ist und wie bedeutsam es ist, die eigenen Wünsche zu verwirklichen“, sagt sie. Die Gerontologin möchte ihre Ideen im Hospiz- und Palliativbereich weitertragen, Netzwerke aufbauen und hofft, dass das auf drei Jahre angelegte Projekt beim Caritasverband verlängert wird. Für ihre Zukunft kann sie sich sowohl die praktische Arbeit in den Wohngruppen als auch leitende Aufgaben in Fach- oder Interessenverbänden vorstellen. „Am liebsten wäre mir eine Kombination aus beidem.“


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Stand: 15.10.2019