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Hebamme mit Bachelorabschluss

Eine Hebamme betastet den Bauch einer schwangeren Frau.
Als Hebamme betreut Juliane Schneider schwangere Frauen rund um die Geburt ihres Kindes.
Foto: Axel Jusseit

Hebamme

Hebamme mit Bachelorabschluss

Ihren Entschluss, Hebamme zu werden, fasste Juliane Schneider (28) sehr spontan. Nach ihrem Studium der Hebammenkunde und dem Berufseinstieg ist sie nun als selbstständige Hebamme tätig und liebt ihren Beruf.

Für Juliane Schneider war ihr Berufswunsch auf einmal völlig klar: „Ich hatte mich mit einem Krankenpfleger unterhalten und wusste plötzlich: Ich will Hebamme werden“, erzählt die 28-Jährige, die damals noch Regionalwissenschaften Afrika/Asien in Berlin studierte. Sie absolvierte ein Praktikum und merkte, dass ihre spontane Eingebung richtig war, und bewarb sich bei mehreren Hebammenschulen. Schließlich bekam sie die Zusage für einen Ausbildungsplatz, der in den Studiengang Hebammenkunde an der Evangelischen Hochschule Berlin integriert war.

Das Studium ist wichtig

Portrait Juliane Schneider

Juliane Schneider

Foto: Valerie Knapp

Die Ausbildung an der Hochschule beschreibt Juliane Schneider rückblickend sehr positiv: „Wir sind sehr gut ausgebildet. Wir haben gelernt, selbstständig, evidenzbasiert zu arbeiten – das finde ich wichtig.“ Evidenzbasiert, damit meint die Hebamme, auf Grundlage von messbarem und neutral überprüfbarem Wissen zu arbeiten, das sich beispielsweise mit Statistiken belegen lässt und universell anwendbar ist. Weitere Gründe, die für ein Studium sprechen: „Man lernt, selbst zu denken. Das ist für mich ein elementar wichtiger Aspekt.“

Inzwischen hat Juliane Schneider ihre Bachelorarbeit abgegeben und ihr Studium nach acht Semestern abgeschlossen. Da sie bereits nach dem sechsten Semester ihre Berufszulassung als Hebamme erhielt, steht sie schon seit einem Jahr mitten im Beruf. Als freiberufliche Hebamme bietet sie das gesamte Leistungsspektrum an: Schwangerenvorsorge, Hausgeburtshilfe und Wochenbettbetreuung.

Viele Termine und Rufbereitschaft

Ihr Alltag ist gefüllt mit Terminen. Die Frauen, die sie betreut, sucht sie zuhause auf. Dort kann sie, abgesehen von den drei in der Schwangerschaft vorgesehenen Ultraschall-Untersuchungen, entweder im Wechsel mit der Frauenärztin oder auch allein alle Vorsorgeuntersuchungen durchführen. Sie nimmt Blut ab, untersucht Urinproben, lauscht mit dem Hebammen-Hörrohr am Bauch der Patientin, beantwortet Fragen und macht Mut. Pro Monat betreut sie im Durchschnitt drei Frauen während einer Hausgeburt und steht für sie um den Geburtstermin fünf Wochen lang jederzeit in Rufbereitschaft. Nach der Geburt macht sie Wochenbettbesuche – zunächst fast täglich, dann in immer größeren Abständen. Sie unterstützt die Frauen und die Säuglinge, bietet Hilfe und Anleitung bei der Versorgung der Neugeborenen, berät bei Problemen mit dem Stillen.

Balance finden

Die Selbständigkeit bedeutet für die freiberufliche Hebamme einiges an Papierkram, der erledigt werden will: Buchführung, Rechnungen schreiben, sich um Steuerangelegenheiten kümmern. „Die Büroarbeit ist nicht zu unterschätzen“, betont sie. Die Akquise von Klientinnen sei hingegen kein Problem. In Berlin gibt es zu wenige Hebammen, Juliane Schneider hat mehr Anfragen, als sie annehmen kann. „Es ist eher eine Herausforderung, das richtige Maß zu finden und sich nicht zu viel vorzunehmen“, sagt sie. Anfangs sei es als Selbstständige schwierig gewesen, richtig zu kalkulieren: Wie viel muss ich eigentlich arbeiten, damit ich genug verdiene?

Mitbringen sollten Hebammen und Entbindungspfleger vor allem Empathie. Außerdem sollten sie flexibel sein, mit Stress umgehen und sich abgrenzen können, gleichzeitig aber offen sein. Und sie sollten ihren Beruf lieben. Bei Juliane Schneider ist das der Fall: „Ich bin total glücklich mit meiner Berufswahl und möchte das gerne lange so weitermachen.“

abi>> 02.10.2019