beruf & karriere

Pferdewirtin

Die Pferdeflüsterin

Mit großen Kaltblütern zieht Lea Thierbach schwere Baumstämme durchs Unterholz. Die Tiere gehorchen der 23-jährigen Pferdewirtin dabei aufs Wort.

Nahaufnahme eines schwarzen Reiterstiefels in einem Steigbügel auf einem braunen Pferd.

Die Arbeit als Pferdewirtin ist körperlich anstrengend.

Nachdem Lea Thierbach ein oder zwei Pferde vor einen Baumstamm gespannt hat, beginnt sie damit, die Tiere mit ihrer Last durch das Gelände zu leiten. „Neben den Zügeln kommuniziere ich auch über Stimmkommandos mit ihnen. Für alle wichtigen Befehle gibt es Wörter, auf die die Pferde reagieren.“ So verstehen die Vierbeiner, dass sich hinter den Zurufen „Wüste“ und „Hotte“ die Richtungsangaben links und rechts verbergen. „Wir ziehen mit unseren schweren Kaltblütern gefällte Bäume aus dem Wald, damit sie an den befahrbaren Wegen von den Maschinen aufgenommen werden können“, erklärt die 23-Jährige Pferdewirtin. Diese Arbeit, Holzrücken genannt, ist körperlich recht anspruchsvoll und nicht immer ungefährlich. „Die gefällten Bäume sind bis zu 40 Meter lang. Und manchmal liegen sie an schwer zugänglichen Orten oder am Hang.“ Dennoch liebt Lea Thierbach diese Tätigkeit. „Diese Zusammenarbeit mit den Pferden finde ich ganz besonders faszinierend.“

Verkürzte Ausbildung

Der Pferdefuhrbetrieb Meinhold im erzgebirgischen Rittersgrün ist ein Familienbetrieb, der neben der Dienstleistung Holzrücken vor allem Kremser- und Schlittenfahrten anbietet. Obwohl Lea Thierbach auf dem Hof aufwuchs, war sie sich nach dem Abitur unsicher, ob sie wirklich in den Familienbetrieb mit einsteigen soll. Ein einjähriges Praktikum überzeugte sie schließlich und so entschied sie sich, eine Ausbildung zur Pferdewirtin mit dem Schwerpunkt Pferdehaltung und Service zu absolvieren.

Eine junge Frau steht neben zwei Kaltblütern.

Lea Thierbach

Dank ihres Abiturs konnte Lea Thierbach gleich ins zweite Lehrjahr einsteigen. Die Ausbildung fand in der Berufsschule in Dresden und im Ausbildungsbetrieb statt. Theorie und Praxis wechselten sich dabei regelmäßig ab. „Während der zweiwöchigen Unterrichtsblöcke habe ich zur Zwischenmiete in einer WG gewohnt, da die Entfernung nach Dresden für das Pendeln zu groß war.“ Die Auszubildenden wurden in fachspezifischen Fächern wie Pferde pflegen und versorgen, Futterrationen gestalten, Pferdesportler ausbilden und Grünland bewirtschaften unterrichtet. „Im betrieblichen Ausbildungsteil habe ich vor allem den Umgang mit den Pferden gelernt“, erinnert sich Lea Thierbach. „Dazu gehörte neben dem Stallausmisten und Füttern auch die Weide- und Materialpflege.“ Außerdem wurde sie im Reiten ausgebildet – vom Spring- und Dressurreiten bis zum Fahren von Fuhrwerken. „Die Abwechslung während der Ausbildung fand ich sehr sinnvoll. So konnte man das Erlernte gleich in der Praxis umsetzen.“
Die Zwischen- und die Abschlussprüfung beinhalteten schriftliche und mündlich-praktische Teile. „Wir mussten uns vorher entscheiden, ob wir den Schwerpunkt Reiten oder Fahren wählen und die Prüfungsthemen waren darauf abgestimmt“, erklärt die Pferdewirtin.

Körperlich harte Arbeit

Inzwischen ist Lea Thierbach ein fester Bestandteil des Familienbetriebs und gewann 2016 sogar als erste Frau überhaupt die Deutsche Meisterschaft im Holzrücken. Dennoch übernimmt die Pferdewirtin nicht nur diese körperlich anspruchsvolle Arbeit im Betrieb. Auch Kutschentouren sind ein wichtiger Bestandteil ihrer täglichen Arbeit. „Vor allem in der Skisaison kutschieren wir viele Touristen durch die Gegend um den Fichtelberg – das ist ein sehr schönes Panorama“, sagt die 23-Jährige. In nächster Zukunft möchte Lea Thierbach gern weiter im Familienbetrieb arbeiten, in dem auch ihre Schwester tätig ist. Ob sie aber bis zum Ende ihres Berufslebens in dem Bereich bleiben wird, steht für die junge Pferdewirtin noch in den Sternen.

Video

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abi» 11.05.2020

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