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Psychologie – Hintergrund

Nah an den Menschen

Bei Beziehungen, in der Arbeitswelt, der Werbebranche und beim Sport: Psychologie spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle. Für Studierende und Absolventen bietet der Bereich spannende Möglichkeiten.

Ein Foto einer neuropsychologischen Untersuchung

Die Psyche verstehen: Aus der Pionierarbeit von Sigmund Freud ist eine komplexe Wissenschaft entstanden.

Knapp ein Jahrhundert sind die Theorien von Sigmund Freund bereits alt. Doch noch immer sind seine Ansätze etwa zur Traumdeutung oder zum Ödipuskomplex vielen Menschen ein Begriff. Einige der Theorien gelten zwar als überholt, doch als Begründer der Psychoanalyse ist der Österreicher weiterhin einer der einflussreichsten Denker. Kürzlich ist beim Streaminganbieter Netflix sogar eine Serie über ihn erschienen.

Die Psychologie, was „die Lehre von der Seele“ bedeutet, ist längst nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Immerhin geht es dabei um nichts weniger als darum, das menschliche Erleben und Verhalten zu verstehen. Psychologie ist ein gefragtes Studienfach. Laut dem Statistischen Bundesamt gehört es zu den zehn am stärksten besetzten Fächern in Deutschland, mit mehr als 85.000 Studierenden im Wintersemester 2018/19.

Ein Foto von Inés Lampe

Inés Lampe

Die Studienmöglichkeiten der Psychologie sind vielfältig, wie Berufsberaterin Inés Lampe von der Agentur für Arbeit Braunschweig sagt. Sie verweist auf den Berufsverband der deutschen Psychologinnen und Psychologen (BdP), der anerkannte von nicht anerkannten Studiengängen abgrenzt. Dies ist für all diejenigen relevant, die später als Psychologin oder Psychologe arbeiten möchten: Sie sollten sich an den anerkannten Studiengängen orientieren. Wer sich dagegen für weitere psychologische Berufe interessiert, kann auch die vom BdP nicht anerkannten Studiengänge anschauen. „Dabei handelt es sich meist um Teilgebiete der Psychologie, die als grundständige Bachelorstudiengänge angeboten werden“, erklärt die Berufsberaterin

Großes Angebot zu Fachgebieten

Solche Studiengänge stehen bei vielen Hochschulen für angewandte Wissenschaften auf dem Programm. Hier spricht man von „Angewandter Psychologie“ und bekommt einen Überblick über verschiedene Anwendungsfelder.

Ein Beispiel ist die Wirtschaftspsychologie. „Hier stehen psychologische Aspekte aus dem Wirtschaftsleben im Mittelpunkt“, erklärt Inés Lampe. Dabei könne man vor allem zwei Schwerpunkte unterscheiden, in denen Absolventen später arbeiten können: Im Personalbereich geht es um Personalrekrutierung und -coaching, im Werbe- und Marketingbereich um Zielgruppenanalyse und Produktvermarktung.

Ein weiteres Schnittstellenstudienfach ist Medienpsychologie, das Einflüsse beispielsweise von Fernsehen und sozialen Netzwerken auf das Denken und Handeln thematisiert. Bei einem Studium der Gesundheitspsychologie wiederum lernt man, wie man Menschen hilft, gesund zu bleiben. In der Sportpsychologie steht das Zusammenspiel von Körper und Geist im Mittelpunkt und wie man Sportler motivieren und ihre Psyche festigen kann.
Inés Lampe weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass gerade viele private, oft sehr teure Hochschulen solche Studiengänge anbieten. Ebenso ist es wichtig zu wissen, dass man mit den genannten Studiengängen relativ früh einen Schwerpunkt setzt und eine Karriere außerhalb der Therapie anstrebt.

Klassiker: Bachelorstudium der Psychologie

Breiter aufgestellt ist man daher mit dem Klassiker: einem Bachelorstudium der allgemeinen Psychologie. Der Fokus liegt hier auf rein psychologischen Ansätzen. „Dafür werden zunächst Grundlagen zu verschiedenen Theorien sowie Statistik unterrichtet. In den höheren Semestern und einem Master kann man auch im klassischen Psychologiestudium Schwerpunkte wählen wie Klinische Psychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie sowie Pädagogische Psychologie“, erklärt Inés Lampe.

Eine Hürde sind die Zulassungsbeschränkungen. Abiturienten, die Psychologie studieren wollen, brauchen in der Regel je nach Hochschule einen Abischnitt zwischen 1,0 und 1,7, um zugelassen zu werden, wie ein Blick auf die letzten Auswahlgrenzen verrät. Hinzu kommt, dass nach Erfahrung von Inés Lampe viele Studieninteressierte die Anforderungen unterschätzen. „Nur weil Freunde sagen, dass man gut zuhören und Probleme lösen kann, muss man nicht zwangsläufig den Herausforderungen eines Psychologiestudiums gewachsen sein.“

Die Universitäten Freiburg, Heidelberg, Mannheim, Tübingen und Ulm haben daher ein neues Auswahlverfahren eingeführt, wie die Berufsberaterin berichtet. Zusätzlich zum kostenfreien Online-Self-Assessment „OSA-Psych“ wird die Teilnahme am fachspezifischen Studieneignungstest „STAV-Psych“ empfohlen – dadurch könnten die Zulassungschancen verbessert werden. Der Eignungstest besteht aus den Bereichen Schlussfolgerndes Denken, Mathe-, Biologie- und Englischkenntnisse sowie Psychologieverständnis.

Unterschiedlichste Arbeitsfelder

Mathematik und Biologie sowie naturwissenschaftliches Arbeiten und Handeln spielen eine wichtige Rolle. Gerade der Fokus auf Statistiken bereitet einigen Studierenden Probleme, wie Inés Lampe sagt. Außerdem müsse man sich darauf einstellen, dass viel Fachliteratur auf Englisch dazukommt. „Wem all das aber liegt, für den kann das ein sehr vielfältiges und spannendes Studium sein.“

Absolventen stehen je nach Schwerpunkt unterschiedlichste Arbeitsfelder offen. So helfen Arbeitspsychologen beispielsweise, die Arbeit in Organisationen angenehmer und effizienter zu gestalten, Verkehrspsychologen können in der Forschung bei der Entwicklung von autonomen Fahrzeugen mitwirken, während sich Schulpsychologen um Probleme an Schulen kümmern. Auch für die Bundesagentur für Arbeit kann man im Berufspsychologischen Service tätig werden.

Therapeuten-Ausbildung im Wandel

Viele Psychologen arbeiten als niedergelassene Therapeuten. Die Ausbildung dafür wird sich künftig deutlich verändern. Für die Tätigkeit als psychologischer Psychotherapeut war bisher eine mehrjährige Weiterbildung nach einem Diplom- oder Masterabschluss in der Psychologie mit Schwerpunkt Klinische Psychologie vorgeschrieben. Anfang 2019 wurde jedoch ein Gesetzentwurf zur Reform der Psychotherapeutenausbildung beschlossen. Ab dem Wintersemester 2020/21 stellen die Hochschulen daher ihr Angebot um: Demnach müssen alle Studieninteressierten mit dem Berufsziel Therapeut voraussichtlich ein polyvalentes Bachelorstudium Psychologie und danach einen Master mit dem Schwerpunkt Psychotherapie absolvieren – und bekommen im Anschluss daran bereits ihre Approbation, also die staatliche Zulassung zur Berufsausübung.

Eine mehrjährige Weiterbildung muss man laut Inés Lampe weiterhin dranhängen, wird in dieser Zeit aber – anders als bisher – dafür entlohnt. Anschließend kann man sich „Psychotherapeut“ nennen; die Berufsbezeichnungen „Psychologischer Psychotherapeut“ und „Kinder- und Jugendlichentherapeut“ sollen wegfallen. Inés Lampe: „Weitere Detailregelungen sollen im Frühjahr 2021 beschlossen werden.“

Video

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.

Weitere Informationen

berufsfeld-Info

Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zeigt Berufswelten im Überblick

berufsfeld-info.de

studienwahl.de

Informationsportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen  (Suchwort: Psychologie)

studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Psychologie)

berufenet.arbeitsagentur.de

Berufsverband der deutschen Psychologinnen und Psychologen

bdp-verband.de

Deutsche Gesellschaft für Psychologie

dgps.de

abi» 15.07.2020

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