beruf & karriere

Schulpsychologin

„Ich muss kreativ bleiben“

Schulpsychologin Maxi Forth betreut in und um Magdeburg knapp 12.500 Schüler von der Grund- bis zur Berufsschule. Die 27-Jährige hat damit ihren Traumjob gefunden.

Ein Foto aus einer Schulklasse

Die Schule ist ein eigener Bereich der Psychologie und das Arbeitsfeld von Maxi Forth.

Eine Grundschullehrerin macht sich Sorgen um einen ihrer Erstklässler: Der Junge ruft oft dazwischen, wirft Sachen herunter, hat emotionale Ausbrüche und nässt sich ein. Sie kontaktiert – mit dem Einverständnis der Eltern – die zuständige Schulpsychologin, den Unterricht zu begleiten. Diese schaut, in welchen Situationen das Kind besonders unruhig wird und wie es mit anderen Kindern interagiert. Die Expertin macht sich Notizen, spricht mit der Lehrerin und interessiert sich für die familiären Umstände. Auch mit den Eltern spricht sie, und nachdem sie alle Informationen zusammengetragen hat, berät sie Eltern und Lehrerin.

Maxi Forth ist Schulpsychologin in Sachsen-Anhalt und erlebt Fälle wie diesen häufig. Als Angestellte der Schulbehörde in Magdeburg ist sie zuständig für etwa 40 Schulen im Bördekreis und in Magdeburg, für rund 12.500 Schüler von der Grund- bis zur Berufsschule. Für die 27-Jährige ist das ein Traumjob.

Individuelle Lösungen sind nötig

Ein Foto von Maxi Forth

Maxi Forth

An der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg absolvierte sie zunächst ein Bachelorstudium der Psychologie und hängte einen Master in Umweltpsychologie dran. Nach Praktika in der Erwachsenen- sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie wusste sie, dass ihr die Arbeit mit Kindern am meisten gefällt. Sie absolvierte ein halbjähriges Praktikum bei der Landesschulbehörde, bei der kurz nach ihrem Masterabschluss eine Stelle frei wurde – seit 2017 arbeitet sie dort beim Schulpsychologischen Dienst.

„Das ist eine vielseitige Arbeit“, resümiert sie. So ist sie für Lehrerfortbildungen zu Themen wie Kommunikation, Krisenprävention und Streitschlichtung zuständig und wird bei Krisenfällen gerufen. „Zeigt ein Kind komplexe Probleme, arbeiten oft Schule, Jugendamt, Therapeuten und Schulpsychologen zusammen.“ Jeder Fall ist anders. „Ich muss kreativ bleiben und gemeinsam mit allen Beteiligten nach individuellen Lösungen suchen.“

In der Grundschule kann es um eine Rechen- oder Lese-Rechtschreib-Schwäche gehen, aber auch Aufmerksamkeitsproblemen begegnet sie häufig. „Wir diagnostizieren kein ADHS, begleiten aber das Kind und schauen, was man in der Schule unterstützend tun kann“, berichtet sie. Manchmal kommen auch Eltern auf die Schulpsychologin zu, etwa wenn sie sich unsicher sind, welche Schulform für ihre Tochter oder ihren Sohn die richtige wäre. Hin und wieder berät sie auch eine ganze Schule, zum Beispiel wenn mehrere Kinder Probleme haben, dem Unterricht zu folgen. „Die Kinder heute sind anders als die Generationen vor ihnen“, stellt Maxi Forth fest. „Die Schule muss sich an sie anpassen, möglicherweise das Unterrichtsmaterial anders aufbereiten als bisher.“

Abwechslungsreich und manchmal anstrengend

Sie ist für sehr viele Schüler zuständig und ihre Zeit begrenzt, merkt sie an. Gleichzeitig suchen längst noch nicht alle Lehrer schulpsychologische Hilfe: „Einigen ist gar nicht klar, dass und wofür wir da sind.“ Hinzu kommen Dienstreisen, bei Maxi Forth waren es im vergangenen Jahr etwa 60. „Man muss sehr reisefreudig sein und einen Führerschein haben.“

Bei immer neuen Situationen kann man auch mal an die eigenen Grenzen kommen. „Man muss den Mut haben zu sagen: Hier weiß ich momentan auch nicht weiter und würde gerne nochmal mit meinen Kollegen Rücksprache halten.“ Gerade bei besonders komplexen Beratungsanfragen werden dann Fallberatungen vereinbart. Dabei werden etwa Gesundheitsamt, Jugendamt, Schulsozialarbeit und auch der Sonderpädagogische Dienst einbezogen. „Die Frage ist immer: Was braucht das Kind, welche Hilfen hat es bereits, welche benötigt es noch?“

Maxi Forth macht der Beruf viel Spaß, auch wenn es immer wieder anstrengende Phasen gibt. Sie mag, dass sie sich konstant weiterentwickeln kann, viel unterwegs ist und Neues kennenlernt. „Für mich ist das der perfekte Mix: Ich arbeite mit Kindern, bewege etwas in den Schulen und kann engagierte Lehrer unterstützen."

Video

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abi» 15.07.2020

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