beruf & karriere

Bauingenieur im Gleisbau

Die Schiene hat Zukunft

Den Gleisbau hat Johannes Grote (29) erst im Berufsleben entdeckt. Er arbeitet seit Anfang 2019 als Projektingenieur bei der ICL Rail GmbH in Köln.

Ein Gleisbauer arbeitet auf dem Gleis

Der Bau neuer Gleise ist ein wichtiger Aspekt beim Verkehr der Zukunft.

Der Zeitpunkt für das Verlagern des Personen- und Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene, ist nach Meinung von Johannes Grote noch nicht verpasst. Seit Mitte 2017 befasst er sich beruflich mit Themen rund um den Schienenverkehr und ist überzeugt: „Das ist etwas Besonderes und ein Thema mit Zukunft.“ Über mangelnde Arbeit wird er sich in den kommenden Jahren jedenfalls nicht beschweren müssen. Er verweist auf einen großen Nachholbedarf: „Viele Strecken sind überaltert und müssen nun saniert werden. Und das schnell, das Klima kann nicht warten.“

Sein Studium hat der 29-Jährige klassisch ausgerichtet. An den Bachelor als Bauingenieur hat er den Master im Verkehrswesen angeschlossen und befasste sich dabei zunächst meist mit dem Straßenbau. Aktuell steht für ihn das Building Information Modelling im Vordergrund, also die weitere Digitalisierung der Bauplanung. „Zwei Schulungen habe ich schon besucht“, sagt er, „aber der echte Lernprozess findet immer in der Anwendung im Projekt statt.“

Mit der Bahn aus dem Niemandsland

Ein Foto von Johannes Grote

Johannes Grote

Aktuell arbeitet Johannes Grote an einer neuen Strecke zur sogenannten Hinterlandanbindung in der Region Chemnitz. Hierbei werden teils bestehende und zwischenzeitlich stillgelegte Strecken reaktiviert und ausgebaut, aber auch völlig neue Gleisanlagen errichtet. „Wir erschließen hier ländliche Gebiete“, erklärt er. Dass keine Autobahnstrecke besteht, macht die Bahnverbindung wettbewerbsfähig. „Die Vorgaben kommen vom Auftraggeber und Streckenbetreiber, in diesem Fall vom Verkehrsverbund Mittelsachsen und der Erzgebirgsbahn“, sagt er. Dabei geht es um die Zahl der Gleise und der Haltepunkte. Für die Umsetzung braucht es vielfältige Prozesse, etwa Vermessungen, um die ideale Gleisführung festzulegen, oder Bodengutachten, damit die Schienen stabil verlegt werden können. Alles muss in digitale Planungsprozesse umgesetzt werden. Hinzu kommen Koordinierungsaufgaben mit anderen Projektbeteiligten und die Planung von Lärmschutzmaßnahmen.

Bei anderen Strecken, die Fernverkehr und Güterverkehr abdecken, hat Johannes Grote eine weitere wichtige Planungsaufgabe: Die Auslastung der Strecke und damit die Spezifikationen für Untergrund und Schienen müssen auf vielfältige Anforderungen abgestimmt werden. Hochgeschwindigkeitszüge und Schwerlasten im Güterverkehr müssen dauerhaft stabil und gefahrlos passieren können. „Wenn wir bestehende Trassen sanieren, ist die Bestandsprüfung ein wichtiger erster Schritt“, erklärt er. „Bei der Auslegung gehen wir immer von der maximalen Belastung der jeweiligen Strecke aus.“

Neue Trassen für den Güterverkehr

Solche Trassen mit gemischter Nutzung werden in Deutschland die Regel bleiben, davon ist er überzeugt. Für Hochgeschwindigkeitszüge indes sieht er begrenzte Perspektiven: „Deutschland ist sehr dicht besiedelt, und bei zahlreichen Haltepunkten bringen Hochgeschwindigkeitszüge wenig.“ Statt gesonderter Fernverkehrstrassen für Personenzüge setzt er auf Taktverdichtungen und eine kluge Preispolitik, um den Bahnverkehr attraktiver zu machen.

Hier ist die Politik gefragt, sagt Johannes Grote. Auch beim Güterverkehr: „Standorte an der Schiene müssen wieder attraktiver gemacht werden, wenn neue Gewerbegebiete ausgewiesen werden.“ Für bestehende Industrieansiedlungen müssten alte Schienenanbindungen reaktiviert oder neue geschaffen werden. Auch effiziente Verladeterminals für die zeitsparende Vernetzung von LKW- und Schienenverkehr sind für Johannes Grote ein Zukunftsthema. „An solchen Projekten habe ich in den ersten eineinhalb Jahren meiner Berufstätigkeit gearbeitet“, berichtet er und glaubt, dass ihm die Arbeit auch in Zukunft nicht ausgehen wird.

Video

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abi» 07.01.2020

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