beruf & karriere

Bauingenieur Stadtbauwesen und Verkehr

Verkehr braucht Vernetzung – auch im Kopf

Der Stadt- und Straßenbau ist das Metier von Nils Wischnat (29). Er arbeitet als Verkehrsplaner bei der iproplan Planungsgesellschaft in Chemnitz.

Ein Bild von einer Autobahn.

Der Straßenbau ist immer ein Kompromiss zwischen der besten Verkehrsführung und einer erträglichen Lösung für Umwelt und Mensch.

Eine perfekte Lösung gibt es nicht, auch nicht für einen Bauingenieur – aber einen Fachbegriff, etwa im Fall von Umgehungsstraßen. „Konfliktarmer Korridor, so nennen wir das“, erklärt Nils Wischnat, seit 2018 Verkehrsplaner bei der iproplan Planungsgesellschaft in Chemnitz. Nachdem die drittgrößte Großstadt im Freistaat Sachsen beschlossen hat, den Verkehr aus der Stadt herauszuhalten, befassen sich er und seine Kollegen mit der Umsetzung, sprich: der Festlegung einer Trasse, also dem Verlauf des Verkehrswegs. „Unsere Aufgabe ist es, geeignete Trassen zu finden, die möglichst geringe Auswirkungen auf den Naturschutz, auf Ackerflächen oder Wohngebiete haben.“ Schließlich sind er und andere Verkehrsplaner gefordert, um den Betroffenen zu erklären, warum ihr Grundstück oder ihre Hecke betroffen ist – und um Ausgleichsmaßnahmen zu entwickeln.

„Ich bin ein kleiner Computer-Nerd“, sagt Nils Wischnat über sich. Mit technischen Scheuklappen arbeitet er dennoch nicht. In seinem Studium des Bauingenieurwesens hat er sich nach dem Vordiplom auf den Stadt- und Straßenbau spezialisiert, 2017 den Abschluss gemacht.

Planen ohne Kollisionen und Konflikte

Ein Foto von Nils Wischnat

Nils Wischnat

Das technische Handwerk müsse man beherrschen, Kommunikation und das Denken in Zusammenhängen seien wesentlich für die Zusammenarbeit mit Fachkollegen. „Bei großen Infrastrukturprojekten arbeiten verschiedene Unternehmen an der Planung“, erklärt Nils Wischnat. Die Aufgaben müssten koordiniert und abgestimmt werden: „Etwa dann, wenn meine Planung für einen Bordstein mit dem Fundament für einen Signalmast kollidiert.“

Seine Leidenschaft für die Arbeit am Computer kann Nils Wischnat dennoch ausleben. Das beginnt bei der Analyse von Planungsdaten. „Die Lebensdauer einer Straße liegt bei etwa 30 Jahren“, sagt er. „Wir planen also heute Straßen, die bis 2050 in Betrieb sind.“ Der Blick in die Zukunft ist für ihn Alltag. Dafür arbeitet er mit Hochrechnungen über die zukünftige Auslastung, um die Dimensionen und die Materialien festzulegen, beispielsweise die Asphaltdicke. „Die Annahmen dazu stimmen wir natürlich mit dem Auftraggeber ab“, sagt Nils Wischnat, im Regelfall also einer staatlichen Behörde oder einer Kommune.

„Wo der Verkehr der Zukunft hingeht, das ist vor allem eine politische Entscheidung“, sagt er. Verkehrsplaner entwickeln Vorschläge zur Umsetzung. „Das Organisieren von Schnittstellen wird hier immer wichtiger“, erklärt er an einem konkreten Beispiel: Wenn in einem Stadtteil eine neue Bushaltestelle entsteht, ist es seine Aufgabe, ausreichend Parkplätze in der Nähe zu planen. „Das ist Voraussetzung dafür, dass wir Verkehrsmittel vernetzt nutzen, also häufiger vom eigenen Auto in den öffentlichen Personennahverkehr umsteigen.“

Digitalisierung ist die Zukunft

Einer seiner Schwerpunkte ist die Digitalisierung in der Bauplanung. Hier sieht er spannende Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. „Im Hochbau ist das Building Information Modelling schon Standard“, sagt er (auf deutsch: die Modellierung von Gebäudeinformationen). Das ist die Arbeit mit mehrdimensionalen, digitalen Modellen, die alle wichtigen Daten und Informationen integrieren. „Im Straßenbau haben wir noch Nachholbedarf“, sagt Nils Wischnat. Er will vorne mitspielen, bei der Programmierung und als Kompetenzträger in seinem Unternehmen, der Wissen an die Kollegen weitergibt.

Als passionierter Radfahrer hat er eine klare persönliche Vorstellung, was sich im Verkehr der Zukunft ändern muss: mehr und breitere Radwege, damit er in der Stadt zügig und gefahrlos vorankommt.

Video

Weitere Filme findest du auf der abi>> Videoübersicht.

abi» 13.01.2020

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