Die Sonne als Wirtschaftszweig

Studienunterlagen und Fachbücher zu Photovoltaik.
Deutschland besitzt die höchste Dichte an Photovoltaikanlagen.
Foto: Christof Stache

Erneuerbare Energien – Hintergrund

Die Sonne als Wirtschaftszweig

Wer in einem innovativen Bereich arbeiten will, sich für Technik begeistern kann und Spaß an der Entwicklung von neuen Ideen hat, kann über ein Studium der Erneuerbaren Energien nachdenken. Denn um unseren Planeten sauberer zu machen, sind zahlreiche Fachkräfte erforderlich.

Die Erneuerbaren Energien sind hierzulande eine richtige Erfolgsgeschichte, und das nicht erst seit Greta Thunberg; das zeigen die Zahlen: So versechsfachte sich der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch zwischen den Jahren 2000 und 2018 von 6,3 Prozent auf 37,8. Bis 2050 soll der Anteil gar auf 80 Prozent steigen. Dieses Ziel verfolgt die Bundesregierung mit der Energiewende.

Die Sonnenstrahlung ist nicht nur Voraussetzung für die Entwicklung des Lebens auf der Erde gewesen, auf ihr fußt auch ein zukunftsträchtiger Wirtschaftszweig – ebenso auf Wind, Wasser, Erdwärme und Energie aus Biomasse. Schon jetzt besitzt Deutschland die höchste Dichte an Photovoltaikanlagen. Die Bioenergie boomt und die Geothermie spielt eine immer größere Rolle. Genauso braucht die Windenergie immer mehr Fachkräfte. Aber nicht nur wir lassen das fossil-nukleare Energiezeitalter hinter uns: Wer Experte auf diesen Gebieten ist, hat auf der ganzen Welt berufliche Chancen.

Vielfalt an Zugängen

Universitäten und Hochschulen bieten eine Vielzahl an Studiengängen an, die auf den Markt der Erneuerbaren Energien vorbereiten. Möglich sind sowohl Bachelor- als auch Masterabschlüsse. Und auch ein duales Studium führt in die Branche.

Ein Foto von Katrin Mey

Katrin Mey

Foto: privat

„Oft haben die Studierenden im Bereich Erneuerbare Energien einen sozialwissenschaftlichen Hintergrund und hatten in ihrer schulischen Laufbahn eher Politik als Leistungskurs und nicht etwa Physik“, sagt Katrin Mey, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit in Berlin. Wie sie berichtet, entstanden die ersten Studiengänge im Bereich regenerativer Energien Ende der 1990er-Jahre, einen richtigen Schub gab es zehn Jahre später. „Heute bieten die Hochschulen und Universitäten in diesem Bereich ein junges und lebendiges Angebot.“

Interessierte an einem Studium der Erneuerbaren Energien sollten naturwissenschaftliches Interesse haben und aufgeschlossen sein für Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbauaspekte. Wer diesen speziellen Zugang in die Branche scheut, weil sie noch einem starken Wandel unterworfen ist, der kann auch Elektrotechnik, Maschinenbau, Mechatronik, Geologie, Prozess- oder Verfahrenstechnik studieren. Auch der Einstieg über Agrarwissenschaften und Biologie ist denkbar, vor allem im Bereich Bioenergie. Wer nicht in der Produktion arbeiten will, dem stehen Zugänge über Umweltrecht, Management oder sozialwissenschaftliche Studiengänge offen.

Auch in den Gebäudesektor hält die Energiewende Einzug. Laut Umweltbundesamt soll der Gebäudebestand bis zum Jahr 2050 in einen nahezu klimaneutralen Zustand entwickelt werden – hier sind Absolventen des Studiengangs Energie- und Gebäudetechnik gefragt. Wer in die Branche der Erneuerbaren Energien einsteigen will und dennoch nicht spezifisch studieren möchte, für den lohnt es sich, noch weiter zu denken, sagt Katrin Mey: „In fast allen Berufsbereichen werden Experten gesucht, die sich mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz auskennen.“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Erneuerbare Energien).
studienwahl.de

Jobsuche

Suchwort: Erneuerbare Energien.
arbeitsagentur.de/jobsuche

BERUFENET

Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Erneuerbare Energien)
berufenet.arbeitsagentur.de

Informationsportal Erneuerbare Energien

Webseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zum Thema Energiewende.
erneuerbare-energien.de

Agentur für Erneuerbare Energien e.V.

Von Unternehmen und Verbänden getragener Verein, dessen Projekte teils von den Bundesministerien für Wirtschaft, für Umwelt und für Landwirtschaft gefördert werden, der über Chancen der Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien informiert.
unendlich-viel-energie.de

 

Energietechnikingenieur

Die Energiewende voranbringen

Planung, Sanierung, Bau und Betrieb von dezentralen Energieerzeugungsanlagen: Das sind die Aufgaben des Energietechnikingenieurs Tobias Heidrich (28) bei der energielenker Unternehmensgruppe in Münster.

Ein Fährhafen auf Rügen, dessen Lagerhallen und Gebäude mit Wärme versorgt werden; eine Klinik, die sowohl Wärme als auch selbst erzeugten Strom benötigt; ein Rosengartenbaubetrieb, dessen Gewächshäuser auf Temperatur gehalten werden: Anwendungen, die heutzutage nicht mehr auf Basis von Heizöl oder Diesel, sondern erneuerbaren Energien funktionieren müssen – die erstellt Tobias Heidrichs Arbeitgeber.

Ein Foto von Tobias Heidrich

Tobias Heidrich

Foto: Thomas Siemion

Der Energietechnikingenieur arbeitet für die energielenker Unternehmensgruppe in Münster, ein junges Energiedienstleistungsunternehmen, das erneuerbare Energien erzeugt und vermarktet. Wenn etwa Stadtwerke, Krankenhäuser oder Unternehmen ihre Liegenschaften energetisch optimieren wollen, berät und begleitet es die baulichen Maßnahmen. „Hier kann ich meine Begeisterung für technische Zusammenhänge zur Anwendung bringen und ich erkenne den Sinn und Nutzen meiner Arbeit, weil ich Teil eines Prozesses bin, der die Energiewende voranbringt“, erklärt Tobias Heidrich.

Bei der Energieerzeugung setzt die energielenker GmbH vor allem auf Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, die mit aufbereitetem, ins Erdgasnetz eingespeistem Biogas betrieben werden. „Bei uns kommen Leute aus verschiedenen Disziplinen zusammen und bringen als Berater, Planer, Macher oder (Software-)Entwickler innovative Ideen und das nötige Know-how in unser Unternehmen ein.“

Rund um die Uhr verantwortlich

Der 28-Jährige ist Betriebsleiter des sogenannten Contracting-Portfolios, was so viel heißt wie: die Umsetzung und Verantwortung der Energieversorgung für Kunden als „Rundum-sorglos-Paket“. Außerdem betreut er als Projektleiter unter anderem Umbauten an den Biogasanlagen des Unternehmens – über diesen Bereich hat er vor rund dreieinhalb Jahren als Student auch den Einstieg bei energielenker gefunden. Um die Service- und Wartungsteams vor Ort zu koordinieren und zu überwachen, besucht er regelmäßig die Standorte.

Es kann sein, dass Tobias Heidrich mitten in der Nacht arbeiten muss. Die Überwachung und Fernsteuerung der Anlagen erfolgt über ein eigens entwickeltes Monitoring, über das die Anlagenwerte visualisiert und ausgewertet werden können. Er ist verantwortlich dafür, dass die technischen Anlagen den Vorgaben entsprechend arbeiten, und zwar rund um die Uhr. Einmal im Monat hat er eine Woche lang Bereitschaftsdienst, geht tagsüber ganz normal ins Büro und ist abends und am Wochenende jederzeit über sein Diensthandy erreichbar. Hier gehen Anrufe von Kunden ein, genauso wie automatisch generierte Meldungen. Auf manches muss er sofort reagieren, andere Dinge haben Zeit bis zum nächsten Morgen.

Erneuerbare Energien verlangen Flexibilität

Mit seinem Realschulabschluss machte Tobias Heidrich zunächst eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik. Das hat ihm so viel Spaß gemacht, dass ihm schnell klar war: Er möchte tiefer in die Materie einsteigen. So holte der in Telgte bei Münster Aufgewachsene seine Fachhochschulreife nach und nahm ein Bachelorstudium der Energie-, Gebäude- und Umwelttechnik an der FH Münster auf. Als Vertiefung wählte er die Fachrichtung Energietechnik. Für die verpflichtende Praxisphase im sechsten Semester bewarb er sich bei energielenker und schrieb dort, im Anschluss an seine Praxisphase, auch gleich seine Bachelorarbeit mit dem Thema „Flexibilisierung von Biogasanlagen“.

 „Biogasanlagen sind ursprünglich so gebaut, dass sie mit einer konstanten Leistung im Grundlastbetrieb gefahren werden und bisher nicht auf tageszeitabhängige oder wetterbedingte Veränderungen des Marktes reagieren konnten“, erklärt Tobias Heidrich. Der Strommarkt verlangt mittlerweile aber genau das: „Um auf die fluktuierende Einspeisung der Wind- und Photovoltaikanlagen reagieren zu können, müssen die Biogasanlagen flexibel betrieben werden“.

Auf Grundlage des Konzepts, das er im Rahmen seiner Bachelorarbeit mit Kollegen entwickelt hat, werden Biogasanlagen sowohl von energielenker als auch von Kunden nach und nach auf einen flexiblen Betrieb umgebaut. „Zukunftsmusik ist sogar, dass Biogasanlagen innerhalb weniger Stunden reagieren“, fügt Tobias Heidrich hinzu.

In seiner Firma fühlt er sich gut aufgehoben

Direkt im Anschluss an seinen Bachelor machte Tobias seinen Master in „Technisches Management für Energietechnik“, ebenfalls an der FH Münster. Währenddessen war er bereits halbtags in die technische Betriebsleitung des Contracting-Portfolios eingebunden. „Das war nicht immer einfach, aber ich habe es geschafft“, erzählt Tobias Heidrich.

Seine Zukunftspläne? „In der Branche der Erneuerbaren Energien steckt so viel Potential und mein Arbeitgeber bietet seinen Mitarbeitern immer die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Deshalb bin ich überzeugt, hier gut aufgehoben zu sein.“

 

Erneuerbare Energien

"Wir lernen, quer zu denken"

Wer sich für ein Studium der Erneuerbaren Energien entscheidet, der sollte ein hohes Maß an Flexibilität und Freude an Innovation und Veränderung mitbringen. Dann kann man auf diesem Feld mit viel Enthusiasmus agieren, wie zum Beispiel Veronique Buhn (21), die an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin „Regenerative Energien“ studiert.

Die Wissenschaftsphilosophie, also das Nachdenken über die eigene Disziplin, sollte Bestandteil einer jeden, aufgeklärten Wissenschaft sein. Doch ein Vorurteil, das sich hartnäckig hält, lautet: Studierende müssen heutzutage so viel Stoff pauken, dass sie gar keine Zeit mehr haben, das Gelernte zu hinterfragen. Veronique Buhn erfüllt dieses Vorurteil nicht, und wie sollte sie auch – bereitet sie sich mit ihrem Studium doch auf nichts weniger als aufs Umdenken selbst vor, nämlich: Wie sieht die Energie der Zukunft aus? Sie hat das Fach „Regenerative Energien“ an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin belegt und befindet sich im dritten Bachelorsemester.

Ein Foto von Veronique Buhn

Veronique Buhn

Foto: Maike von Haas

„Unsere Professoren vermitteln uns, dass es wichtig für uns ist, nicht nur in eine Richtung zu denken“, sagt die 21-Jährige. „In der Branche ist viel Dynamik. Neue Konzepte sind gefragt, es ist viel Innovatives möglich. Deshalb lernen wir, quer zu denken und auch Fakten zu hinterfragen.“

Wie eine Erleuchtung

Dass sie sich beruflich mit regenerativen, also erneuerbaren Energien beschäftigen will, wusste Veronique Buhn schon lange vor ihrem Abitur. Nachdem das Thema im Chemieunterricht ihrer 11. Klasse behandelt wurde, machte sie ein Kurzpraktikum in einem Photovoltaik-Unternehmen. Eine weiteres Praktikum in einem Windenergie-Unternehmen begeisterte sie so sehr, dass sie direkt nach dem Abitur ein halbes Jahr lang in dieser Firma arbeitete. „Zu den Menschen dort habe ich noch immer Kontakt“, sagt die in Eberswalde (Brandenburg) Aufgewachsene. „Sie haben mich in alle möglichen Prozesse reinschnuppern lassen, ich konnte immer jemandem helfen und habe mich unter anderem mit Genehmigungsverfahren auseinandergesetzt, die einen Großteil der Planung von Windparks einnehmen.“ Im Zuge von Wartungsarbeiten konnte sie auch in und auf Anlagen klettern. Schließlich konnte sie sich nichts Anderes vorstellen, als dies zu ihrem Beruf zu machen. „Es war wie eine Erleuchtung.“

„Moderne und wirklich coole Labore“

Zunächst studierte Veronique Buhn in Hamburg „Regenerative Energiesysteme und Energiemanagement“. Da ihr das Fach jedoch zu allgemein war, beschloss sie, in die Hauptstadt zu wechseln und ist glücklich mit ihrem Entschluss. „An unserer Uni haben wir moderne und wirklich coole Labore, zum Beispiel einen Windkanal und echte Photovoltaikanlagen“, berichtet sie. „Da können wir uns ausprobieren und vorstellen, wie später unsere Berufswelt aussieht.“

Mittlerweile hat sie bereits zwei Semester mathematische, physikalische, chemische und elektronische Grundlagen, Informatik, Mechanik, Strömungslehre und Thermodynamik hinter sich. „Gerade die ersten Semester und Grundstudien sind nicht gerade ein Fest“, gibt sie zu. „Aber wenn man daran glaubt und idealistisch ist und sogar noch Interesse an Technologien hat, dann ist das ein cooles Studium.“ Die Dozenten und Professoren der HTW berichten den Studierenden kontinuierlich von Trends und aktuellen Entwicklungen.

Veronique Buhn freut sich, dass sie sich nun – ab dem dritten Semester – mit der Produktion von erneuerbaren Energien selbst, etwa mit der Konstruktion, Mess- und Regelungstechnik und Energiewandlern, Energie- und Anlagentechnik und Regenerative Energiesysteme befassen kann. Diese Inhalte dürfen die Studierenden dann in den Laboren ausprobieren. „Wir bauen Schaltungen in Elektrotechnik, machen Versuche im Windkanal oder wandeln Solarenergie um“, erzählt sie. Zu jedem Laborversuch müssen die Studierenden einen Bericht schreiben.

Idealismus und Lust an Technik

Ein Vorpraktikum war für ihr Studium nicht nötig, erst im sechsten Semester erwartet Veronique Buhn ein dreimonatiges Pflichtpraktikum. Im Idealfall wird sie im siebten Semester für ihre Bachelorarbeit ein Thema bearbeiten, das aus ihren Erfahrungen aus ihren vorangegangenen Praktika resultiert. Schon jetzt sagt sie: „Je mehr ich sehe und mitbekomme, desto leichter fällt es mir, zu kombinieren.“ Das wird auch ihre Aufgabe in ihrer beruflichen Zukunft sein: Eine andere Maschine, ein ganz neues Konzept oder eine neue Anlage zu erfinden. „Aber es ist immer die Kombination und nicht jedes Mal etwas völlig Neues.“

Der Bereich ist aber noch offen. „Bislang sehe ich mich eher im Wind angesiedelt, weil ich da mehr Unternehmen kenne und Erfahrungen habe“, sagt Veronique Buhn. Aber auch Sektorenkopplung (die Vernetzung von Sektoren der Energiewirtschaft, insbesondere Elektrizität, Wärme- und Kälteversorgung, Industrie und Mobilität) interessiert sie sehr, ebenso die Frage nach der optimalen Ausnutzung von Strom und Wärme und wie man diese intelligent und nachhaltig einsetzen kann. „Es gibt so viele spannende Themen, die wir noch lernen.“


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Stand: 01.04.2020