Bereit zum Abheben?

Themenfoto Frankfurt Flughafen zu der Geschichte ueber den Luftverkehrsmanager Manuel Wehner (Fraport) fotografiert am 15.07.16 am Frankfurt Flughafen. Wehner beschäftigt sich mit Zukunftszenarien im Flugbetrieb, wie selbstgesteuerten Fahrzeugen fuer das Frachtgut / Boardgepaeck.
Bereit zum Abflug: Bevor Passagiere jedoch in Linienflugzeuge einsteigen dürfen, gibt es im Hintergrund viel zu tun. Fluggerätelektroniker und -mechaniker kümmern sich zwischen den Flügen um Wartung und Instandhaltung der Maschinen.
Foto: Thomas Lohnes

Fluggerätelektroniker/Fluggerätmechaniker – Hintergrund

Bereit zum Abheben?

Der Traum vom Fliegen umtreibt die Menschheit seit Jahrhunderten. Fluggerätelektroniker und Fluggerätmechaniker tragen zur Realisierung dieses Traums bei, indem sie dafür sorgen, dass Flugzeuge und Hubschrauber sicher abheben.

Meist arbeiten Fluggerätelektroniker und Fluggerätmechaniker im Hintergrund. Sie tragen jedoch viel Verantwortung, wenn es um die Herstellung, Inbetriebnahme, Wartung und Instandhaltung von Fluggeräten aller Art geht. Interessante und vielseitige Aufgaben finden die Fachkräfte bei Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie, bei Flugzeug- oder Hubschrauberherstellern, bei Fluggesellschaften, in Reparatur- und Instandhaltungswerkstätten von Flughäfen, bei der Bundeswehr oder bei Triebwerksherstellern.

„Fluggerätmechaniker sind handwerklich tätig, stellen Flugzeugteile her und bauen sie zusammen, während Fluggerätelektroniker sich mit den elektrischen und elektronischen Teilen eines Fluggerätes beschäftigen“, erklärt Theresa Kaltofen, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Augsburg, den Unterschied zwischen den beiden Ausbildungsberufen.

Technisches Verständnis gefragt

„Wer sich insgesamt für Physik und Elektronik interessiert und im Fach Mathematik gute Schulleistungen erbringt, eignet sich grundsätzlich für Elektroberufe und damit auch für den Fluggerätelektroniker“, sagt die Beraterin. „Zu denjenigen, die lieber tüfteln und Dinge zusammenbauen, passt wahrscheinlich eine Ausbildung zum Fluggerätmechaniker besser“, ergänzt sie. Beide Ausbildungen dauern dreieinhalb Jahre.

Angehenden Fluggerätmechanikern stehen drei Fachrichtungen zur Auswahl: Fluggerätmechaniker der Fachrichtung Fertigungstechnik stellen Verkehrs-, Transport-, Militär- und Sportflugzeuge sowie Hubschrauber her. Auszubildende der Fachrichtung Instandhaltungstechnik warten die Flieger. Und wer sich für die Fachrichtung Triebwerkstechnik entscheidet, wirkt bei der Produktion von Triebwerken mit und hält sie instand.

Egal, auf welchen Beruf und welche Fachrichtung die Entscheidung fällt: „Bei allen benötigt man räumliches Vorstellungsvermögen und gutes technisches Verständnis“, betont Theresa Kaltofen. Oft geht es um Millimeterarbeit, was viel Geschick und Genauigkeit erfordert, „schließlich steht im Flugverkehr Sicherheit an erster Stelle.“ Zudem geht es nicht ohne naturwissenschaftliches Interesse – und Englischkenntnisse sind Pflicht, denn Englisch ist die gemeinsame Sprache der internationalen Luft- und Raumfahrtbranche.

Arbeiten unter Zeitdruck

Wer Fluggerätelektroniker oder -mechaniker werden möchte, sollte bedenken, dass dieser Beruf oft in Schichtarbeit ausgeübt wird: Flugzeuge müssen in der Regel unter Zeitdruck gewartet werden, die Produktion läuft häufig rund um die Uhr. „Außerdem arbeitet man mitunter in engen Räumen, etwa im Cockpit, und der Geräuschpegel ist oft hoch“, weiß Theresa Kaltofen.

Die Arbeitsmarktchancen variieren regional sehr stark. Neben großen Arbeitgebern wie der Lufthansa gibt es zahlreiche kleinere Zulieferfirmen, die Einzelteile für Fluggeräte herstellen.

Nach der Ausbildung sind verschiedene Weiterbildungen möglich, die einen beruflichen Aufstieg versprechen: Man kann sich beispielsweise zum Techniker der Fachrichtung Luftfahrttechnik oder zum Industriemeister im Bereich Flugzeugbau/Luftfahrttechnik qualifizieren. Auch ein ingenieurwissenschaftliches Studium der Luft- und Raumfahrttechnik ist eine Option. Wer also seinem Traum vom Fliegen und der Beschäftigung mit Flugzeugen ganz nah kommen will, ist mit einer Ausbildung zum Fluggerätelektroniker oder -mechaniker gut aufgehoben.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild (Suchwort: Fluggerätelektroniker/in oder Fluggerätmechaniker/in).

www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Luftfahrt)
www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zu den Ausbildungsberufen „Fluggerätmechaniker“ und „Fluggerätelektroniker“ sowie zu verwandten interessanten Ausbildungen findest du im Teilberufsfeld „Fahrzeug-, Verkehrs- und Luftfahrttechnik“.

www.berufsfeld-info.de/planet-beruf

Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V. (VDE)

www.vde.com

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

www.dlr.de

 

Fluggerätmechaniker

Flugzeuge fit machen

Als angehender Fluggerätmechaniker beschäftigt sich Martin Ströbel (22) den ganzen Tag mit Flugzeugen – und erfüllt sich damit einen Kindheitstraum.

Schon als kleiner Junge kam Martin Ströbel mit der Fliegerei in Berührung, denn sein Vater war Tornadopilot bei der Bundeswehr. „Eigentlich wollte ich auch Pilot werden – oder etwas mit Autos machen“, erinnert sich der Abiturient, „denn auf reine Theorie hatte ich keine Lust.“

Das hat er schnell gemerkt, als er ein Semester lang Mechatronik und Feinwerktechnik studierte. „Die Aussicht, nach dem Studium mehr am Schreibtisch zu sitzen als mit den Händen zu arbeiten, gefiel mir nicht. Daher bewarb ich mich schließlich bei Aero-Dienst in Nürnberg für die Ausbildung zum Fluggerätmechaniker.“ Mittlerweile ist der 22-Jährige im zweiten Jahr der insgesamt dreieinhalbjährigen Ausbildung.

Instandsetzen von Business-Jets  

In den ersten acht Monaten erlernte Martin Ströbel die Grundlagen der Metallverarbeitung: drehen, fräsen und schweißen. Anschließend begann er seinen Einsatz am Flughafen in Nürnberg. Sein Arbeitgeber Aero-Dienst ist für die Instandsetzung von Business-Jets zuständig. „Etwa alle sechs Monate wechsle ich die Abteilung“, berichtet der Auszubildende. Jede Abteilung bearbeitet ein anderes Flugzeugmodell: Learjet, Hawker, Global, Dornier, Challenger, King Air oder Falcon. „Jeder dieser Flieger ist anders aufgebaut“, erklärt Martin Ströbel. „Die älteren werden noch mechanisch, größtenteils über Stahlseile, betrieben. Da haben Fluggerätmechaniker am meisten zu tun. Die neueren Modelle laufen überwiegend elektronisch. Hier arbeiten wir mit sogenannten Avionikern, die die Elektronik programmieren, Hand in Hand.“

Je nach Zustand eines Flugzeuges dauert die Instandsetzung unterschiedlich lang: Ein Check nach 1.000 Flugstunden ist in der Regel an einem Tag erledigt. Die Inspektion nach zwölf oder 16 Jahren dauert länger, weil das gesamte Flugzeug zerlegt werden muss.

Ist die Instandhaltung erledigt, nimmt ein Prüfer das Flugzeug ab. „Mit dem Ende meiner Ausbildung habe ich auch die Theorie zum CAT-A-Prüfer abgeschlossen“, sagt Martin Ströbel. Nach weiteren zwölf Monaten Berufserfahrung darf er kleinere Dinge am Flieger eigenständig überprüfen. Weitere Lehrgänge, die er anschließend gern absolvieren möchte, um noch mehr Verantwortung übernehmen zu können, sind die zum CAT-B- und CAT-C-Prüfer. Vorstellen kann er sich auch, noch ein flugtechnisches Studium an die Ausbildung anzuhängen, um etwa zum Hallenleiter aufsteigen zu können.

Körperliche Fitness und Teamfähigkeit

Heute steht für den Auszubildenden aber erst einmal die Verlängerung eines Tragflügels an, in den ein neuer Tank eingebaut werden soll. Außerdem müssen die Bremsen des Flugzeugs ausgetauscht werden. Diese Arbeit birgt viele Herausforderungen: „Man muss körperlich fit sein, wenn man zum Beispiel in einen Tank hineinkriechen muss oder auf den Tragflächen herumbalanciert. Höhen- und Platzangst sollte man also nicht haben“, gibt Martin Ströbel zu bedenken.

Teamfähigkeit ist eine weitere persönliche Qualifikation, die bei der gemeinsamen Arbeit an einem Flugzeug wichtig ist. Außerdem sollte man sich gerne mit Mathe und Physik beschäftigen und technisch interessiert sein.

Einmal im Monat fährt Martin Ströbel für eine Woche zur Berufsschule nach Pfaffenhofen an der Ilm und übernachtet dort mit seinen Mitschülern in einer WG. „Es gibt nicht so viele Berufsschulen für Fluggerätmechaniker, daher müssen wir pendeln.“ Das Gelernte nimmt er dann mit zurück nach Nürnberg, um es beim nächsten Einsatz im Flugzeug direkt anzuwenden.

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Fluggerätmechaniker

So kann ein Arbeitstag aussehen

Martin Ströbel erlernt bei Aero-Dienst in Nürnberg den Beruf des Fluggerätmechanikers und ist am Nürnberger Flughafen im Einsatz. Hier berichtet er abi» von seinen Erfahrungen in der Ausbildung:

7 Uhr

Martin Ströbel holt seine Arbeitskleidung aus dem Schrank, die tags zuvor professionell gereinigt wurde. Er schlüpft in den Overall und geht in die Flugzeughalle.

7.30 Uhr

Das Team, das heute gemeinsam an einem Flieger arbeitet, trifft sich mit dem Prüfer und bespricht, was zu tun ist. Den einzelnen Teammitgliedern werden Aufgaben zugeteilt.

8 Uhr

Martin Ströbel soll heute eine Tragfläche auseinander- und wieder zusammenbauen. Dazu holt er Schrauben aus dem Lager und liest sich die Anleitungen durch, um zu wissen, was an der Tragfläche genau zu tun ist.

9.30 Uhr

Das Team macht Frühstückspause, bevor es anschließend ans Tragwerk geht.

10 Uhr

Den Vormittag über arbeitet Martin Ströbel an der Tragfläche. Bis zum Mittag wird er rund 500 Schrauben bewegt haben.

12.45 Uhr

In der halbstündigen Mittagspause unterhält sich Martin Ströbel mit seinen Kollegen über die Flieger, die sie in den letzten Tagen instandgesetzt haben.

13.15 Uhr

Die letzten Schrauben müssen eingesetzt und das Fahrwerk muss geschmiert werden, bevor es ans Aufräumen geht.

15.15 Uhr

Martin Ströbel verabschiedet sich in den Feierabend.

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Fluggerätelektronikerin

Jedes Teil ist wichtig

Nach ihrer Ausbildung zur Kommunikationselektronikerin wendete sich Kathrin Hawich den Luftfahrzeugen zu. Heute betreut die 33-Jährige mit ihren Kollegen unter anderem Hubschrauber und Flugzeuge der Bundeswehr.

Naturwissenschaften haben ihr schon in der Schule Spaß gemacht. In einem Schulpraktikum lernte Kathrin Hawich ihren späteren Ausbildungsbetrieb kennen: eine zivile Ausbildungsstätte der Bundeswehr, wo sie die damals noch angebotene Ausbildung zur Kommunikationselektronikerin mit der Fachrichtung Funktechnik durchlief. „Während die anderen Azubis Ferien machten, habe ich ein Praktikum beim Luftfahrtunternehmen Eurowings absolviert – da wurde mein Interesse für Flugzeuge geweckt“, erinnert sich die heute 33-Jährige.

Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie am Heeresfliegerstandort der Bundeswehr im nordrhein-westfälischen Rheine im Bereich Luftfahrzeugelektronik. Weitergebildet hat sie sich währenddessen zur Industriemeisterin im Bereich Luftfahrttechnik sowie zur Industriemeisterin der Fachrichtung Elektrotechnik. Als ihre zwölfjährige Laufzeit als Zeitsoldatin fast vorüber war, wechselte sie zum Unternehmen ESG Elektroniksystem und Logistik GmbH in Fürstenfeldbruck in Bayern. „Wir betreuen unter anderem die Luftfahrzeuge der Bundeswehr – vom Hubschrauber über den Tornado bis zu unbemannten Fluggeräten“, erklärt Kathrin Hawich. Müssen Geräte, die in diesen Luftfahrzeugen verbaut sind, instandgesetzt werden, koordiniert das Unternehmen die anfallenden Aufgaben.

Von der Schraube bis zum Rotorblatt

Ein Porträt-Foto von Kathrin Hawich

Kathrin Hawich

Foto: privat

In den vergangenen zwei Jahren hat sich Kathrin Hawich vor allem um die Stammdaten der Bundeswehr gekümmert, die auf ein SAP-System umgestellt werden sollten. „Stammdaten umfassen alle Informationen zu den Teilen in einem Fluggerät, von der Schraube über das Funkgerät bis zum Rotorblatt“, erklärt sie. Wie teuer ist das Teil, wie muss es bei der Anlieferung verpackt sein, wer ist der Bearbeiter, welche Alternativen gibt es, wenn es nicht mehr verfügbar ist? Für diese Arbeit besucht die Elektronikerin häufig Kunden, um sich die Teile vor Ort anzuschauen und die Informationen in die jeweilige SAP-Datenbank einzupflegen.

Demnächst steht für die 33-Jährige ein neues Projekt an: Die ESG hat entschieden, ganze Gerätepakete für die Instandsetzung zu übernehmen statt wie bisher nur einzelne Teile. „Ich werde mich um das Projekt Radarhöhenmesser kümmern und bin damit wieder näher dran am Thema Elektronik“, berichtet Kathrin Hawich.

In Zukunft wird sie unter anderem Ersatzteile für die Radarhöhenmesser beschaffen, Prüfgeräte für die Instandsetzung besorgen, sie kalibrieren lassen und das gesamte Projekt als Teil des Projektteams betreuen. Ihr Ziel ist es, irgendwann einmal das Projektmanagement für die entwicklungstechnische Betreuung von Luftfahrzeugen der Bundeswehr zu übernehmen. Daher absolviert sie derzeit parallel zu ihrer Arbeit ein Studium in Business Administration, um sich weitere notwendige Kenntnisse in Sachen Projektmanagement anzueignen.

An der Schnittstelle zwischen Technik und Mechanik

Wer im Bereich Fluggerätelektronik arbeiten möchte, sollte laut Kathrin Hawich nicht nur Interesse an Technik, sondern auch an der Mechanik haben. „Die Schnittstellen zwischen den beiden Bereichen werden immer größer“, lautet ihre Einschätzung. Da sich unter den Luftfahrzeugen der Bundeswehr sowohl ältere als auch sehr moderne Geräte befinden, muss man sich mit herkömmlicher Elektronik über Kabel auskennen sowie mit rechnergesteuerter Elektronik.

Hin und wieder macht man sich bei der Arbeit die Finger schmutzig. „Und nicht zuletzt sollte man sich natürlich für Flugzeuge und alles, was fliegt, interessieren“, meint Kathrin Hawich. Bei ihr geht die Liebe zum Fliegen so weit, dass sie mittlerweile passionierte Fallschirmspringerin ist. 


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Stand: 19.10.2019