beruf & karriere

Compliance-Manager – Hintergrund

Für Recht und Ordnung in der Arbeitswelt

Unsaubere Geschäftspraktiken, schlechte Arbeitsbedingungen – spielen Fragen der Ethik und des Vertrauens in der Wirtschaft überhaupt eine Rolle? Seit einigen Jahren offenbar schon, denn ein neues Berufsbild ist entstanden: Compliance Manager/in.

Eine Büste von Aristoteles

Aristoteles begründete die Ethik als eigenständige philosophische Disziplin. Im Arbeitsleben befassen sich Compliance-Manager damit, dass ehtische Grundsätze im Unternehmen eingehalten werden.

Im digitalen Zeitalter verbreiten sich negative Schlagzeilen über Unternehmen, Behörden und Organisationen in Lichtgeschwindigkeit – ebenso schnell werfen sie Schatten auf die involvierten Akteure. Denn wer kauft schon Produkte, Waren oder Dienstleistungen von jemandem, über den schlecht getwittert, gepostet und berichtet wird? Um dem entgegenzuwirken, beschäftigen immer mehr Unternehmen Compliance- Manager – aber nicht nur zur Pflege ihres Ansehens. Ziel ist auch, das Unternehmen vor Rechtsverstößen und Vermögensschäden zu schützen.
Denn „Compliance“ bedeutet so viel wie Regelkonformität. Im Unternehmenskontext heißt das: Es gilt, alle Mitarbeiter dazu zu bringen, sich an bestimmte ethisch-moralische und rechtlich bindende Regeln zu halten. Compliance-Manager kämpfen also gegen Korruption sowie unlautere Geschäftspraktiken, stellen interne Grundsätze auf und wachen darüber, dass sich alle dementsprechend verhalten. So gestalten Compliance-Manager beispielsweise internationale Verträge so, dass sie mit den firmeninternen Compliance-Grundsätzen und dem landesspezifischen Recht übereinstimmen. Konkrete Beispiele sind die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz, der Umwelt-, Daten-. oder Arbeitsschutz sowie Produktsicherheit.
Damit dies gelingt, dokumentieren und definieren sie firmeninterne Regeln, entwickeln meist einen standardisierten Prozess, ein so genannten Compliance-Management-System (CMS), kommunizieren Regeln und Grundsätze bei Schulungen und setzen sich dafür ein, dass der von ihnen eingeführte Prozess eingehalten wird.

Einstieg über Jura, Wirtschaftsrecht, BWL und VWL

Ein Job mit hohem Anspruch: Nach einer Umfrage des Berufsverbands der Compliance-Manager (BCM) geben Compliance-Manager ihre Zufriedenheit mit dem Beruf mit 71 Prozent an. Zwar schätzen sie die Work-Life-Balance als hoch ein, 56 Prozent von ihnen erleben aber auch Stress in ihrem Berufsalltag. Aber der Einsatz lohnt sich: Compliance-Manager leisten in ihrer Rolle als Berater und Kontrolleure einen nachhaltigen Beitrag zum Risikomanagement und zur Konzernsicherheit. Compliance-Manager sind nicht selten im oberen Management angesiedelt.
Meistens haben sie Jura, Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre studiert. Eine spezielle Ausbildung gibt es nicht, allerdings bietet mittlerweile eine Handvoll Hochschulen den Bachelorstudiengang Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt Compliance an, etwa die Hochschule Mainz, die Hochschule Kaiserlautern, die Hochschule Hof und die Fachhochschule der Westküste. Zudem gibt es weiterbildende, berufsbegleitende Masterstudiengänge, beispielsweise Risiko- und Compliancemanagement an der Technischen Hochschule Deggendorf, Compliance and Corporate Governance (MBA) an der TH Ingolstadt und der Hochschule Konstanz sowie Compliance und Datenschutz (MBA) an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt.

Mittel- bis längerfristiges Berufsziel

Ein Porträtfoto von Michael Hümmer.

Michael Hümmer

„Es ist eher ein mittel- bis längerfristiges Berufsziel. In diese Tätigkeit wächst man hinein“, betont Michael Hümmer, Akademischer Berater der Agentur für Arbeit Erlangen. Denn um ein CMS einzuführen und Regeln durchzusetzen, sei eine Persönlichkeit nötig, die ein gewisses „Standing“ habe, erläutert er. „Compliance-Manager haben in ihrer hohen Stabstellenposition viel mit Führungskräften zu tun und sind weisungsbefugt. Deshalb wird kaum eine Firma einen Berufsanfänger direkt nach dem Master einstellen. Berufserfahrung ist wichtig“, stellt der Berufsberater fest. Diese bekomme man am besten durch den Einstieg in einer Unternehmensberatung.
„Es gibt zurzeit viele offene Positionen, bei Firmen, Consultern, Wirtschaftsprüfern oder Steuerberatern“, berichtet Michael Hümmer, und erläutert, dass in der Regel nur große Unternehmen eigene Compliance-Manager beschäftigen. Mittelständler beauftragen dagegen eher Beratungsunternehmen.

Interkulturelles Verständnis und umfangreiche Sprachkenntnisse

Ein Porträt-Foto von Michael Falk

Michael Falk

Ein Blick in aktuelle Stellenprofile zeigt: Oft wird ein gutes interkulturelles Verständnis gefordert, meist umfangreiche Sprachkenntnisse. Je nach Einsatzgebiet gibt es auch spezialisierte Experten, wie den IT-Compliance-Manager, den für Produkte, für Rechtliches, für Finanzen oder für Personal. „Es können auch Nicht-Juristen gute Compliance-Manager sein“, sagt Michael Falk vom Berufsverband der Compliance-Manager (BCM): „Viele persönliche Eigenschaften wirken in diesem Berufsprofil zusammen, sodass auch Geistes- und Naturwissenschaftler durchaus geeignet sein können.“
Mit der Agentur für Arbeit Hannover und der Leibniz-Universität zusammen hat Michael Falk eine Berufsinfo-Reihe für Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften entwickelt. Der Verband unterstützt nicht nur seine Mitglieder, sondern informiert auch alle, die sich für das Berufsbild interessieren.

 

abi» 13.07.2018

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