Kommunizieren und koordinieren

Eine Arbeitsagentur von außen.
Nicht jedem ist bekannt, dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) hochwertige Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten anbietet.
Foto: Harry Trautmann

Fachangestellte/r für Arbeitsmarktdienstleistungen – Hintergrund

Kommunizieren und koordinieren

Beraten oder Anträge prüfen, Termine koordinieren, Leistungen berechnen und bewilligen: Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen sind qualifizierte Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Menschen auf Arbeitssuche. Sie arbeiten bundesweit in den Agenturen für Arbeit, den Jobcentern oder in den Familienkassen.

Wer mit einem Anliegen zur Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter kommt, begegnet ihnen als Erstes: den Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen. In der Eingangszone beantworten sie Fragen, verteilen Formulare, erteilen rechtliche Auskünfte und leiten die Menschen bei Bedarf beispielsweise zu dem zuständigen Mitarbeitenden in der Arbeitsvermittlung, Studien- oder Berufsberatung weiter.

Kundenkontakt und Verwaltung

Porträtbild von Regine Steinegger

Regina Steinegger

Foto: privat

„Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen haben mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zu tun“, sagt Regina Steinegger, Fachkraft für Ausbildung und Qualifizierung bei der Agentur für Arbeit München. „Dafür braucht man Kommunikationsstärke und Kundenorientierung.“ Diese Kompetenzen sind auch im Service-Center gefragt. Hier gehen die Anfragen telefonisch ein und werden bearbeitet.

Die BA zeichnet sich durch eine hohe Aufgabenvielfalt aus. Mitarbeitende sind in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern, wie zum Beispiel Beratung und Vermittlung, Controlling sowie Personal tätig.

Ausbildung für alle Bereiche der Arbeitsagenturen

Den Ausbildungsberuf gibt es seit 2012 (vorher „Fachangestellte/r für Arbeitsförderung“). Azubis, die den Beruf erlernen, durchlaufen verschiedene Bereiche der Arbeitsagenturen und der Jobcenter vor Ort. Pro Jahr bilden die Agenturen für Arbeit aktuell zirka 800 Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen aus.

„Die duale Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Blockunterricht an der Berufsschule und Praxis in der BA wechseln sich ab. Bei überdurchschnittlichen Leistungen besteht die Möglichkeit, die Ausbildung zu verkürzen“, erklärt die Fachkraft für Ausbildung und ergänzt, dass die Azubis zusätzlich zum Berufsschulunterricht theoretische Lehrgänge und Lernmodule in den Agenturen für Arbeit absolvieren. „Diese werden von den Fachausbildenden durchgeführt und sind sehr praxisorientiert. Das heißt, die theoretischen Grundlagen werden anhand praktischer Fälle vermittelt“, sagt sie.

Sorgfalt, Sensibilität und Interesse am lebenslangen Lernen

„Wer den Beruf ergreifen will, sollte sorgfältig arbeiten und absolut verschwiegen sein“, sagt Regina Steinegger. „Der Beruf vereint den Dienstleistungsauftrag der Agentur für Arbeit mit sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Themen. Da ist lebenslanges Lernen gefragt, damit der aktuelle Stand der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen nicht aus dem Blick gerät.“ Zudem ist es notwendig, sich während der Ausbildung auf Dienstreisen einzustellen, da einige Abteilungen und auch die Berufsschule meist nicht vor Ort sind.

Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen erhalten nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. „Es wird versucht, je nach Interessen und Stärken den richtigen Aufgabenbereich zu finden“, erklärt Regina Steinegger. „Und innerhalb der BA kann man sich kontinuierlich weiterentwickeln. Langweilig wird es also nie: Man kann in ein anderes Tätigkeitsfeld wechseln sowie sich bundesweit umorientieren“, sagt sie.

„Aber auch der Weg in die Führungsebenen oder ein Studium an der Hochschule der BA sind möglich“, zeigt sie als Perspektive auf. „Der Beruf hat also viele Vorteile“, fasst sie zusammen. „Es ist ein sicherer Job im öffentlichen Dienst. Er ist nach erfolgreichem Abschluss unbefristet, lässt sich gut mit einer Familie vereinbaren und bietet beste Karrieremöglichkeiten.“

Weitere Informationen

Bundesagentur für Arbeit

Hier gibt es Informationen rund um die Ausbildung zum/zur Fachangestellte/n für Arbeitsmarktdienstleistungen, wie Voraussetzungen, Bewerbung, Auswahlverfahren usw.

www.arbeitsagentur.de/karriere

berufsfeld-info.de

Die Berufsfeld-Information der Bundesagentur für Arbeit. Der Wegweiser mit über 1.500 Reportagen unter anderem zu Aus- und Weiterbildung. Suche über das Stichwort „Fachangestellte/r für Arbeitsmarktdienstleistungen“.

www.berufsfeld-info.de/planet-beruf.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. Suche über das Stichwort „Fachangestellte/r für Arbeitsmarktdienstleistungen“.

www.berufenet.arbeitsagentur.de/berufe

Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB)

International anerkannte Einrichtung zur Erforschung und Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Hier findest du unter anderem Statistiken zu den Ausbildungsberufen, aber auch die Ausbildungsrahmenpläne. Suche über das Stichwort „Fachangestellte/r für Arbeitsmarktdienstleistungen“.

www.bibb.de

 

Fachangestellter für Arbeitsmarktdienstleistungen

Vielfältiger Job mit Aufstiegschancen

Nach der Fachhochschulreife war für Luka Bijelic (21) klar: Er möchte etwas mit Menschen machen. Jetzt lernt er den Beruf des Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen bei der Agentur für Arbeit München – und genießt die Vielfalt in seiner Ausbildung.

Ich wollte schon immer anderen helfen. Deshalb habe ich einen Job gesucht, bei dem ich jeden Tag mit Menschen zu tun habe. Außerdem interessiert mich die Kombination aus Sozialem und Wirtschaft“, erinnert sich der 21-Jährige an seine Zeit an einer Fachoberschule für Sozialwesen zurück. Dort hat er seine Fachhochschulreife absolviert und ist in dieser Zeit über eine Online-Stellenanzeige auf die Ausbildung bei der Agentur für Arbeit aufmerksam geworden.

Kommunikations- und Teamfähigkeit

Porträtbild von Luka Bijelic

Luka Bijelic

Foto: privat

Gesucht wurden künftige Kommunikationsprofis. „Man sollte gut mit Menschen umgehen können, weil es kein reiner Verwaltungsjob ist. Außerdem ist Teamfähigkeit wichtig, denn die Aufgaben werden meist von mehreren erledigt. Zudem ist es notwendig, die deutsche Sprache zu beherrschen, und für bestimmte Aufgaben wird auch Mathematik gebraucht“, fasst er die Anforderungen zusammen.

All dies bringt er mit. Also bewarb er sich für den Ausbildungsplatz. Es folgte ein psychologischer Eignungstest. Da das Gespräch erfolgreich verlaufen war, erhielt er eine Einladung zum Bewerbungstag. „Hierfür musste ich zu Hause einen Text vorbereiten, vor Ort einen Test schreiben und ein Bewerbungsgespräch führen.“

Alle Bereiche kennen lernen

All das meisterte Luka Bijelic ohne Probleme. Er bekam den Ausbildungsplatz und durchläuft nun alle Bereiche der Agentur für Arbeit München und des Jobcenters: „Manchmal bleibt man nur ein bis zwei Wochen, manchmal bis zu drei Monate in einem Team. Länger war ich schon beim Empfang, in der Eingangszone, beim Arbeitgeber-Service und im Leistungsbereich, in dem unter anderem das Arbeitslosengeld bewilligt wird.“

Die Theorie lernt der 21-Jährige im Blockunterricht in der Berufsschule. „In der Schule in Pfarrkirchen sind wir immer für vier bis sechs Wochen am Stück“, erzählt Luka Bijelic. „Dort sind wir Auszubildenden in einem Wohnheim untergebracht und beschäftigen uns vor allem mit wirtschaftlichen und rechtlichen Themen, wie dem Sozialgesetzbuch.“

Lernen auch in der Arbeitsagentur

Um die umfangreiche Theorie gut zu verinnerlichen, gibt es zusätzliche Lehrgänge und Lernmodule in der ausbildenden Agentur: „Hier lernen wir beispielsweise die Gesetzesgrundlagen anzuwenden, die für die tägliche Arbeit in Agenturen und Jobcentern gebraucht werden“, berichtet der 21-Jährige.

Mittlerweile ist Luka Bijelic im zweiten Jahr seiner Ausbildung. Als nächste Stationen stehen Hospitationen im Jobcenter, in der Berufsberatung, der Arbeitsvermittlung sowie im Service-Center an. „Mir gefällt die Vielfältigkeit in dem Beruf“, sagt er. „Außerdem hat man nach erfolgreichem Abschluss einen sicheren Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst und beste Aufstiegschancen.“ Mit überdurchschnittlichen Leistungen besteht sogar die Möglichkeit, die reguläre, dreijährige Ausbildungszeit zu verkürzen.

Vielfältige Zukunftsperspektiven

Nach abgeschlossener Ausbildung erwartet die Nachwuchskräfte der BA ein breites Aufgabenspektrum mit unterschiedlichen Tätigkeiten. „Mir gefällt an dem Job besonders der Kundenkontakt. Jedes Gespräch ist anders und so gibt es immer Abwechslung“, findet der Auszubildende. „Deshalb werde ich mich wohl erst einmal für die Eingangszone entscheiden. Aber ich weiß, dass ich nicht 30 Jahre lang die gleiche Tätigkeit ausüben muss, weil es innerhalb der BA die Möglichkeit gibt, fachlich und regional zu wechseln.“

Derzeit denkt er auch darüber nach, noch an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit den Bachelorstudiengang Arbeitsmarktmanagement zu studieren: „Ich könnte mir auch vorstellen, später einmal in einer der Regionaldirektionen der BA zu arbeiten.“

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

 

Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen

Das Recht immer im Blick

Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen übernehmen bei den Agenturen für Arbeit, den Jobcentern oder der Familienkasse vielfältige Aufgaben. Isabel Gautzsch (30) zum Beispiel ist Fachassistentin für Arbeitslosengeld Plus bei der Agentur für Arbeit München.

A
ls Fachassistentin für Arbeitslosengeld Plus bearbeitet Isabel Gautzsch vor allem Anträge auf Arbeitslosengeld. „Ich prüfe, ob die Anträge vollständig sind und fordere gegebenenfalls fehlende Unterlagen nach oder stelle Rückfragen“, berichtet sie. „Dann berechne ich die Leistungen – wir nennen dies bemessen – bewillige sie und versende die Bescheide.“ Dabei überprüft sie Grunddaten, wie Adresse oder Bankverbindung, die Angaben zu Kranken- oder Rentenkasse und die für die Bewilligung relevanten Daten zu den letzten Arbeits- bzw. anderen Versicherungspflichtverhältnissen.

Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen

„Außerdem beantworte ich Rückfragen schriftlich oder am Telefon“, ergänzt sie. Dann gelte es, freundlich zu bleiben – auch bei schwierigen Fällen. Dies gelingt der 30-Jährigen gut, da sie den direkten Kontakt zu Menschen schätzt und weil sie gelernt hat, mit herausfordernden Situationen umzugehen. „Es ist schön, wenn die Anruferinnen und Anrufer, nachdem man ihnen den Sachverhalt erklärt hat, zufrieden auflegen.“

Porträtbild von Isabel Gautzsch

Isabel Gautzsch

Foto: privat

All das hat Isabel Gautzsch in ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen gelernt. Auf die Idee, den Beruf zu erlernen, ist sie erst über Umwege gekommen: Nach der Fachhochschulreife machte sie zunächst eine Ausbildung zur Fachfrau für Systemgastronomie, dann zur Diätassistentin. „In diesen Berufen arbeitet man in Schichten und muss oft in der Großküche sein, wenn Freunde und Familie frei haben“, erzählt sie.

Recht, Mathe und Kommunikationsfähigkeit

„In der Zeitung habe ich dann die Anzeige für die Ausbildung zur Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen gefunden und mir gedacht, dass das etwas für mich ist. Schließlich hatte ich schon Erfahrungen in verschiedenen Berufen gesammelt“, erinnert sich die 30-Jährige. Sie bewarb sich, durchlief das Auswahlverfahren und wurde genommen.

In ihrer dreijährigen Ausbildung hat sie viele Aufgabenbereiche kennen gelernt und sich bereits auch praktisch in die Aufgaben ihrer jetzigen Stelle als Fachassistentin für Arbeitslosengeld Plus eingearbeitet. „Ich muss Gesetze lesen und verstehen können. Außerdem ist es wichtig, die rechtlichen Zusammenhänge zu begreifen“, fasst Isabel Gautzsch die Anforderungen im Beruf zusammen. „Man sollte auch Interesse daran haben, etwas dazuzulernen. Es gibt immer wieder gesetzliche Änderungen, die man bei der Bearbeitung der Anträge nicht aus dem Blick verlieren darf.“

Knifflige Fälle

Neben Genauigkeit beim Prüfen der Unterlagen ist auch mathematisches Grundverständnis gefragt. Die meiste Zeit bearbeitet die gelernte Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen die Anträge auf Arbeitslosengeld allein. Bei schwierigeren Fällen gibt es im Team jedoch Expertinnen und Experten für Spezialfragen, die sie dann beraten: „Ich mag es, mich mit den kniffligeren Anträgen auseinanderzusetzen“, sagt Isabel Gautzsch. Genau das ist ihr berufliches Ziel: „Ich möchte mich so gut auskennen, dass meine Teamkolleginnen und Kollegen zukünftig bei Fragen zu mir kommen können.“

 

Fachangestellter für Arbeitsmarktdienstleistungen

So kann ein Arbeitstag aussehen

In seiner Ausbildung bei der Agentur für Arbeit München lernt Luka Bijelic verschiedene Aufgabenbereiche kennen. Für abi» beschreibt er, wie ein Arbeitstag in der Eingangszone aussieht.

7 Uhr

Aufgrund der flexiblen Arbeitszeitmodelle bei der BA startet Luka Bijelic heute schon um 7 Uhr. Bevor die Agentur öffnet, kümmert er sich um eingegangene Mails und Schreiben: Welche Kundinnen und Kunden haben ihre heutigen Termine abgesagt? Welche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sind eingegangen? Die Informationen dokumentiert er in einem IT-Programm und informiert die beteiligten Kolleginnen und Kollegen.

8 Uhr

Die Arbeitsagentur öffnet ihre Türen: In der Eingangszone ist der Auszubildende erster Ansprechpartner für alle, die sich beruflich orientieren sowie sich arbeitslos oder arbeitssuchend melden wollen. Den gesamten Vormittag gibt er Auskünfte und beantwortet unterschiedlichste Fragen. Er erklärt wichtige Formulare und Unterlagen, die eingereicht werden müssen und vergibt Termine bei der Berufsberatung oder der Arbeitsvermittlung

12:30 Uhr

Mittagspause

13 Uhr

Am Nachmittag kümmert sich Luka Bijelic um die Digitalisierung der eingegangenen Post. Er scannt die Schreiben für die elektronischen Akten ein und leitet sie an die zuständigen Kolleginnen und Kollegen weiter.

14:30 Uhr

Luka Bijelic trifft sich mit seinem Ausbildungspaten und bespricht seinen Ausbildungstag. Gemeinsam werden offene Punkte geklärt.

15 Uhr

Um freitags früher nach Hause gehen zu können, arbeitet der Auszubildende heute etwas länger und schreibt seinen Bericht fürs Berichtsheft.

16 Uhr

Luka Bjelic macht Feierabend.

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Stand: 08.12.2019