beruf & karriere

Fachanwalt für Familienrecht

Zuhörer mit Gespür für Zahlen

Starke Gefühle, Vermögenswerte und die Frage, wie es nun weiter geht: Als Fachanwalt für Familienrecht bei der Münchner Kanzlei Hartman-Hilter muss Amadeus Hesselink (35) weit mehr mitbringen als nur juristische Kenntnisse.

Jemand blättert in einem dicken Gesetzesbuch. Neben dem Buch steht eine Computertastatur. Foto: Axel Jusseit

Keine Angst vor dicken Wälzern: Gesetzesbücher gehören zum Handwerkszeug eines Fachanwalts.

Dass Amadeus Hesselink einmal „Familienrechtler“ werden würde, hatte er im Studium nicht geplant. Musste er auch nicht, schließlich werden Juristen zu Allroundern ausgebildet, die sich etwa als Staatsanwalt oder Richter in jede rechtswissenschaftliche Thematik einarbeiten können müssen.

Was er hingegen genau wusste, war, dass er einmal als klassischer Anwalt tätig sein wollte, mit persönlichen Kontakten zu Mandanten und Auftritten bei Gericht: „Ich hatte schon das Bild aus den amerikanischen TV-Serien vor Augen, in denen Anwälte für ihre Mandanten vor Gericht kämpfen.“ Auch wenn das wahre Leben nur bedingt etwas mit den TV-Serien gemein hat, ist es genau das, was er heute an seinem Beruf schätzt: Menschen beistehen, deren Leben Kopf steht, und ihnen helfen, ihre eigene Zukunft zu gestalten, das Leben wieder in den Griff zu bekommen. „Das ist etwas, was man im Miet- oder Versicherungsrecht so nicht erlebt“, erzählt er.

„Psychologe“ mit einem Händchen für Finanzen

Porträt von Amadeus Hesselink. Foto: privat

Amadeus Hesselink

Wenn Amadeus Hesselink Mandanten betreut, ist er immer auch ein wenig Psychologe – muss Empathie zeigen und zuhören können. Bei Scheidungen etwa sind starke Emotionen im Spiel: „Da wird auch mal geflucht bei Gericht, Mandanten brechen in Tränen aus. Das muss man aushalten können. Aber das Schöne am Familienrecht ist, dass man helfen kann. Dabei geht es nicht darum, mit der Brechstange Interessen durchzusetzen, sondern darum, die bestmögliche Lösung für die Familie auszuhandeln.“

Neben der Rechtslage spielen zudem wirtschaftliche Themen eine Rolle – Unterhalt, Ausgleichszahlungen, Immobilienwerte: „Da braucht es ein Gespür für Zahlen und wirtschaftlich komplexe Fragen.“ Dabei habe er auch viel für sich gelernt. Themen wie Altersvorsorge und Berufsunfähigkeit betrachtet er heute mit anderen Augen. Dass er dann auch die Weiterbildung zum Fachanwalt für Familienrecht absolvierte, war selbstredend. Er besuchte den Fachanwaltslehrgang und konnte, nachdem er eine bestimmte Anzahl an entsprechenden Fällen bearbeitet hatte, bei der Anwaltskammer den Titel als Fachanwalt beantragen. Der verpflichtet ihn dazu, jährlich mindestens 15 Stunden fachbezogene Fortbildungen zu besuchen.

Menschen statt Aktenordner

Sein Berufsleben startete Amadeus Hesselink zunächst in einer renommierten Strafrechtskanzlei, in der er als Strafverteidiger tätig war. Strafrecht war ein Schwerpunkt in seinem Jurastudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Hier kann ich nur jedem raten, im Jurastudium das zu wählen, was einen interessiert und im Examen am meisten Punkte bringt. Das sind in der Regel die Schwerpunktbereiche, die auch am besten betreut werden, also für die am meisten Seminare, Vorlesungen und Übungen angeboten werden.“ Auswirkungen auf Chancen am Arbeitsmarkt habe der Schwerpunkt kaum. In der Strafrechtskanzlei wirkte er an komplexen Wirtschaftsstrafprozessen mit, wälzte Hunderte von Aktenordnern der Staatsanwaltschaft, ohne Kontakt zu Mandanten zu haben. Da er anders arbeiten wollte, suchte er über die Seiten der Anwaltskammer gezielt nach kleinen Kanzleien. Die seien kaum auf Messen an Universitäten vertreten und inserierten auch nicht in den großen Onlineportalen. Bei einer Kanzlei mit Schwerpunkt Familienrecht stimmte die Chemie und so wurde er zum „Familienrechtler.“ Für den 35-Jährigen die richtige Entscheidung.

Video

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abi» 28.07.2020

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