beruf & karriere

Umweltingenieur in der Ministerialverwaltung

Bundesweit geschätzte Erfahrungen

Steffen Roth (32) arbeitet als Beamter im gehobenen technischen Dienst im Hessischen Umweltministerium. Dort berät der Chemiker die Ministerin beispielsweise im Rechtssetzungsverfahren, fungiert aber auch als Ansprechpartner für die Vollzugsbehörden und Bürger. Für abi» berichtet er von seinem Werdegang und seinen Aufgaben.

Foto von einer Statue, die so aussieht wie ein Mensch, der in ein Ministerium geht.

In den Ministerien gibt es viele Berufe – auch solche, die nichts mit Verwaltung zu tun haben. Zum Beispiel Chemiker.

Unmittelbar nach meinem Abitur habe ich mit meinem Studium zum Diplom-Ingenieur Chemie (FH) an der Europa Fachhochschule Fresenius in Idstein in der Nähe von Frankfurt am Main begonnen. Das Highlight stellte mein Auslandsemester im schottischen Aberdeen dar. Später schrieb ich meine Diplomarbeit in einem chemischen Großunternehmen.

Mein ganzes Studium über war ich der Ansicht, dass eine herausfordernde Tätigkeit in der Chemie- oder Pharmaziebranche mein Berufsleben prägen würde. Doch aus meinem privaten Umfeld wurde mir das breite Tätigkeitsfeld der öffentlichen Verwaltung nähergebracht.

Für meinen Einstieg in die Hessische Landesverwaltung wählte ich die 15-monatige Fachausbildung zum Technischen Oberinspektor beim Regierungspräsidium Darmstadt. Dies umfasste eine fundierte praktische Einarbeitung sowie mehrwöchige Lehrgänge. Die zahlreichen Eindrücke und Kontakte, die in dieser Zeit entstanden sind, helfen mir auch heute noch weiter.

Tätigkeiten rund um den Immissionsschutz

Ein Foto von Steffen Roth

Steffen Roth

Nach einer knapp zweijährigen Tätigkeit beim Regierungspräsidium Darmstadt bin ich ins Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Wiesbaden gewechselt. In diesem beschäftige ich mich mit den verschiedenen Facetten des Immissionsschutzes. Mein Tätigkeitsschwerpunkt liegt im anlagenbezogenen und umgebungsbezogenen Lärmschutz und wird durch die Bereiche Schutz vor elektromagnetischen Feldern sowie Koordinierung der Marktüberwachung in den Bereichen Kraftstoffqualität und Verbrennungsmotoren in nicht für den Straßenverkehr bestimmten Geräten und Maschinen komplettiert. Die praktischen Anwendungsfälle sind dabei breit gestreut. Mal ist es eine Luft-Wärme-Pumpe, die durch ihren nächtlichen Betrieb den Nachbarn beim Schlafen belästigt, der Verkehr auf der innerörtlichen Straße, der zu laut ist oder der Mobilfunkausbau auf die neue 5G-Technologie, der zu Unsicherheiten in der Bevölkerung führt. In allen Fällen ist kompetenter Rat vom Ingenieur gefragt.

Ich bin Ansprechpartner für eine Vielzahl an unterschiedlichen Fragestellern. Hier sind zunächst meine Vorgesetzten bis hin zur Ministerin, die Bearbeiter aus den nachgeordneten Vollzugsbehörden, die Bürger sowie Ingenieurbüros zu nennen. Bei der Bearbeitung liegt es bei mir, ob ich diese selbst beantworte oder einen Antwortvorschlag im Dialog mit meinen Kollegen weiter ausarbeite. Ich schätze es sehr, dass mir diese Freiheit gelassen und das damit verbundene Vertrauen entgegengebracht wird. Der Gestaltungsspielraum ist dabei nicht nur auf meine Tätigkeit im Büro beschränkt. Vielmehr arbeite ich aktiv in einer Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft mit und bringe dabei meine gesammelten Erfahrungen in bundesweite Arbeitsgremien ein.

Möglichkeiten zur Fortbildung

Darüber hinausgehend schätze ich die Möglichkeiten der Fortbildung und der Persönlichkeitsentwicklung. Dies umfasst nicht nur den regelmäßigen Besuch von Fortbildungsveranstaltungen sondern auch die zeitlich befristete, in der Regel Abordnung innerhalb des Hauses, in andere Ministerien oder nachgeordnete Behörden. Ich selbst durfte bereits ein halbes Jahr lang in den Bereich der Gewässergüte der Oberflächenfließgewässer im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie verbringen und nochmals klassisch chemisch nass arbeiten (Anm. d. Red: Nass-Chemie ist ein Verfahren, um einen Stoff in einer Reagenzlösung zu bestimmen).

In der Regel ist nach dem Abitur das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ noch nicht relevant. Gleichwohl gilt: In der öffentlichen Verwaltung wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur beworben, sondern auch gelebt. Dies wird durch das Arbeiten von zu Hause sowie zahlreiche Teilzeitmodelle ermöglicht.

abi» 15.06.2020

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