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„Manchmal anstrengend, aber immer wahnsinnig schön“

Ein geschnitzter Baum aus Holz, links daneben liegen drei Meißel.
Bildhauerei kann verschiedene Materialien umfassen – zum Beispiel Holz.
Foto: Natalia Kopp

Bildhauerin

„Manchmal anstrengend, aber immer wahnsinnig schön“

Als freie Bildhauerin kreiert Jenny Rempel (36) Installationen für öffentliche Einrichtungen. Wann immer sie Zeit findet, arbeitet sie in ihrem Atelier an ihren eigenen Kunstwerken.

Jenny Rempels Weg in den Künstlerberuf begann schon in ihrer Schulzeit. Ihre Mutter arbeitete an der Bauhaus-Universität in Weimar, und so kam die gebürtige Thüringerin früh in Kontakt mit Leuten aus der Branche. Sie war etwa 17 Jahre alt, als eine Bildhauerin das Skizzenbuch sah, in dem Jenny Rempel seit jeher Ideen und Malereien festhielt – und begeistert war: „Sie drückte mir wortwörtlich Hammer und Meißel in die Hand und schickte mich in den Steinbruch, in dem auch sie ihre Werke bearbeitete.“ Ein Erlebnis, das Jenny Rempels Leben nachhaltig beeinflussen sollte: Kurz nach dem Abitur bewarb sie sich an Kunsthochschulen in ganz Deutschland – unter anderem in Berlin und Stuttgart. „Insgeheim hoffte ich auf eine Zusage aus Sachsen-Anhalt, und tatsächlich klappte es bereits beim ersten Mal mit meinem Wunschstudium an der Burg Giebichenstein in Halle.“

Man muss die Ellbogen benutzen

Jenny Rempel studierte Bildhauerei mit dem Schwerpunkt Metall. Nach dem Diplomabschluss beschloss sie, den Schritt zu wagen und sich als freie Künstlerin selbstständig zu machen – die Leidenschaft für ihre Arbeit überwog die Zweifel: „Wenn man ehrlich ist, ist der Kunstmarkt eigentlich ziemlich unangenehm. Man muss lernen die Ellbogen auszufahren, man muss unheimlich diszipliniert sein und trotz allem Talent, Ehrgeiz und Einsatz schafft es am Ende nur ein kleiner Teil, groß rauszukommen.“

Jenny Rempel sitzt auf einem Stuhl vor einer Leinwand.

Jenny Rempel

Foto: privat

Vor einigen Jahren hat sich die 36-Jährige auf Kunst am Bau spezialisiert. Sie bewirbt sich auf öffentliche Ausschreibungen von Behörden und Ministerien, baut Installationen für Finanzämter und Hochschulen. „Das sind langfristige Projekte, die meist mehrere Monate Zeit in Anspruch nehmen, und sie garantieren eine bessere Bezahlung als der Verkauf meiner Werke an private Sammler oder Museen.“ Allerdings, räumt Jenny Rempel ein, sei die Konkurrenz auch in diesem Bereich sehr hoch: „Zusammen mit einem befreundeten Bildhauer habe ich dieses Jahr Ideen für vier Projekte eingeschickt, bei denen sich zum Teil mehrere hundert Künstler bewerben.“ Jenny Rempel und ihr Kollege konnten sich freuen: Am Ende bekamen sie eine Zusage und gestalten nun den Innenhof einer Kaserne auf dem Gelände einer Bundeswehruniversität am Starnberger See.

Optimismus überwiegt Existenzängste

Trotz des großen und intensiven Projekts versucht Jenny Rempel, die auch zweifache Mutter ist, so viel Zeit wie möglich in ihrem Atelier zu verbringen. Gerade arbeitet sie an einem Relief aus Betonplatten, auf dem sie Gedanken und Texte niedergeschrieben hat, die der Betrachter wie einen Comic lesen kann. Die Arbeit an ihren Objekten ist ihr sehr wichtig, denn in ihnen spiegeln sich ihre ganz persönlichen Empfindungen und Erfahrungen. „Und sie zeigen auch meine Ängste, die ich als freie Künstlerin ab und zu ausstehen muss: Kann ich von meiner Arbeit leben? Wie lange werde ich Erfolg haben?“ Am Ende, sagt sie, sei sie aber oft von ihrem eigenen Optimismus überrascht: „Wenn ich tief in mich rein höre, merke ich immer wieder. Ich bin zufrieden mit dem, was ich tue, denn ich habe den schönsten und abwechslungsreichsten Beruf der Welt.“

abi>> 30.10.2019

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