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Von alten Quellen und moderner Wissenschaft

Foto von einer Torarolle
Bei der Judaistik geht es um die Erforschung der über 3000-jährigen Geschichte des Judentums.
Foto: Axel Jusseit

Judaist

Von alten Quellen und moderner Wissenschaft

Karriere an der Hochschule: Jonas Leipziger (30) forscht über das antike Judentum und gibt sein Wissen an Studierende weiter. Den Weg zur Judaistik hat er über das Studium der evangelischen Theologie gefunden.

Jonas Leipziger gefällt an seinem Beruf vor allem die Vielfalt. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bibel und Jüdische Bibelauslegung an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg verbindet der 30-Jährige Forschung mit Lehre und Aufgaben, die eben im Lehrstuhl anfallen. „In der Forschung kann ich mich mit Themen beschäftigen, die mich interessieren“, sagt er. „Auf Tagungen und Konferenzen bekomme ich Einblicke in viele Forschungsbereiche, baue Kontakte auf und komme in der Welt herum. Ich mag aber auch das Unterrichten und den Kontakt mit den Studierenden.“

Außerdem unterstützt er Buchprojekte, die am Lehrstuhl entstehen, durch Recherche oder Lektorat, koordiniert Drittmittelprojekte, arbeitet in Hochschulgremien mit, pflegt die Internetseite sowie Social-Media-Kanäle und betätigt sich als Mitorganisator von Gastvorträgen und Konferenzen.

Leidenschaft für das Fach

Foto von Jonas Leipziger

Jonas Leipziger

Foto: Friederike Elias

In seiner Forschung hat sich Jonas Leipziger mit Lesepraktiken im antiken Judentum beschäftigt, seine Doktorarbeit vor knapp einem Jahr verteidigt. Die Fragestellung und das Thema hat er sich selbst gesucht. „Am Anfang war sehr viel Recherche und Lesen nötig“, berichtet er. Zunächst wertete er eine große Menge an Texten aus. „Später habe ich Teilergebnisse bei Konferenzen und Tagungen vorgestellt. Wenn man in die Wissenschaft geht, sollte man unbedingt eine große Leidenschaft für sein Fach mitbringen, da es schon drei bis vier Jahre braucht, um eine solche Arbeit abzuschließen.“

Diese Leidenschaft kommt ihm in der Lehre zugute: „Die Studierenden merken schnell, ob man selbst von dem begeistert ist, was man ihnen vermitteln will.“ Die Methoden, wie man Lehrveranstaltungen am besten abhält, hat er in hochschuldidaktischen Zusatzkursen gelernt. So unterrichtet er ein bis zwei Seminare im Semester, die für Studienanfänger hauptsächlich die Methodik des Faches und für Fortgeschrittene Themen aus seiner Forschung behandeln. „Eine Voraussetzung für den Job ist, dass man gut kommunizieren kann, um die Studierenden zu erreichen und zu motivieren“, findet er.

Über einen Umweg zum Beruf

Zur Judaistik ist Jonas Leipziger über einen Umweg gekommen. Zunächst hatte er an der Augustana Hochschule in Neuendettelsau ein Studium der evangelischen Theologie aufgenommen. „Mich hat das Alte Testament da schon am meisten interessiert“, berichtet er. „Um die Beschäftigung mit dem Judentum zu vertiefen, habe ich mein Theologiestudium in Heidelberg fortgesetzt, wo ich parallel meinen Bachelor und Master in Jüdische Studien gemacht habe.“ Sein Masterstudium hat er durch zwei Auslandssemester in den USA und in Israel ergänzt und zusätzlich das erste theologische Examen in evangelischer Theologie abgelegt. Nachdem er bei seinem jetzigen Arbeitgeber seine Masterarbeit geschrieben hatte, bekam er schließlich das Angebot, als wissenschaftlicher Mitarbeiter zu arbeiten und zu promovieren.

„Der Berufseinstieg war relativ nahtlos, weil ich im Vorfeld schon verschiedentlich als studentische Hilfskraft gearbeitet hatte“, berichtet er. „Lediglich die Lehre war am Anfang ungewohnt.“ Eine Herausforderung sei es gewesen, sich noch mehr als bisher selbst organisieren zu müssen, um ein großes Projekt wie die Doktorarbeit bewältigen zu können.

Zukunft in der Wissenschaft

Die Arbeit in der Wissenschaft macht dem Judaisten so viel Spaß, dass er in Zukunft weiter in diesem Bereich tätig sein möchte. Allerdings sind die Stellen an Hochschulen, die sich mit Jüdischen Studien beschäftigen, selten und sein jetziger Vertrag befristet. „Ich kann mir für die Zukunft zwei Wege vorstellen“, sagt er. „Vielleicht gibt es eine Hochschulstelle im Bereich der evangelischen Theologie, auf der ich meine Studien zum Judentum und Alten Testament fortsetzen und mich habilitieren kann. Alternativ finde ich eine Tätigkeit im Wissenschaftsmanagement spannend, bei der man Forschungstätigkeiten, beispielsweise in Graduiertenkollegs, koordiniert.“

abi>> 26.02.2020