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Judaistik/Jüdische Studien – Hintergrund

Judentum gestern und heute

Die Wissenschaft des Judentums erforscht die jüdische Religion, aber auch die jüdische Kultur und Literatur in Geschichte und Gegenwart. Im Studium wird dafür zuerst die hebräische Sprache gelernt.

Foto der Flagge Israels

Bei der Judaistik geht es um die Erforschung der über 3000-jährigen Geschichte des Judentums.

Das Judentum ist mit seiner über 3000-jährigen Geschichte die älteste der abrahamitischen Religionen, zu denen auch der Islam und das Christentum zählen. Der Erforschung dieser Zeit widmen sich seit dem 19. Jahrhundert Judaisten. An den Hochschulen wird das Fach als Judaistik oder Jüdische Studien gelehrt: „Die geisteswissenschaftliche Disziplin beinhaltet die wissenschaftliche Erforschung der Kulturen, Literaturen und Sprachen des Judentums in Geschichte und Gegenwart“, sagt Hanna Liss, zweite Vorsitzende des Verbandes der Judaisten in Deutschland.

Gegenstand der Jüdischen Studien sind die verschiedenen Quellen des Judentums, insbesondere Bibel und Talmud. Aber auch die sozialen und politischen Aspekte historischer Gesellschaften, jüdische Philosophie, Kunst und Literatur. Sowie viele weitere Aspekte jüdischen Lebens in der Vergangenheit bis zu Israelstudien der Gegenwart oder moderner israelischer und hebräischer Literatur.

Judaistik oder Jüdische Studien?

Foto von Hanna Liss

Hanna Liss

Die unterschiedlichen Bezeichnungen für die Studiengänge haben dabei mittlerweile nur noch historische Bedeutung: Während die Judaistik aus den Philologien (wie Germanistik oder Anglistik) hervorgegangen ist, waren die Jüdischen Studien eher kulturwissenschaftlich orientiert. Die Studieninhalte sind heute jedoch angeglichen. „Grundlegende Bachelor- und Masterstudiengänge Jüdische Studien oder Judaistik finden sich in Deutschland an ungefähr 20 Standorten“, weiß Hanna Liss. „Für den Bachelorabschluss kann die Wissenschaft als Ein-Fach oder Zwei-Fach-Studiengang belegt werden. Darüber hinaus gibt es verschiedene Spezialisierungen im Masterbereich auf beispielsweise Nahoststudien, Jüdische Geschichte, Jüdische Philosophie, Jüdische Museologie oder Jiddistik.“ Das Fach erlebt dabei eine immer stärkere Ausdifferenzierung mit Schwerpunktbildungen, weshalb sich Studieninteressierte vorher genau informieren sollten, auf welchen Bereich sich welche Hochschule spezialisiert hat.

Die Studiengänge verstehen sich als Kulturwissenschaften, weshalb die Zugehörigkeit zur jüdischen Glaubensgemeinschaft keine Zulassungsvoraussetzung ist. Anders sieht dies bei Studiengängen aus, die eine theologische Ausbildung bieten: „Bekenntnisgebunden sind die Studiengänge Rabbinat Jüdische Religionslehre für das Lehramt oder Jüdische Theologie“, weiß Hanna Liss. „Um Judaistik studieren zu können, sollte man vor allem ein persönliches Interesse an Geschichte und Literatur sowie ein Faible für Sprachen haben.“

Sprache als Grundlage

Im Bachelorstudium geht es zunächst darum, die nötigen Sprachkenntnisse zu erwerben, um sich mit den jüdischen Quellen im Original beschäftigen zu können. „Zu Beginn des Studiums steht das Sprachenlernen im Vordergrund“, erklärt Hanna Liss. „Außerdem erhalten die Studierenden einen Überblick über den Fächerkanon der Jüdischen Studien und Grundkenntnisse zum wissenschaftlichen Arbeiten. In Aufbaumodulen verschaffen sie sich auf dieser sprachlichen und methodischen Grundlage einen Einblick in die Bereiche Kultur und Literatur, jüdische Lebenswelten sowie Religion und Philosophie. Hier können bereits eigene Schwerpunkte gesetzt werden, die man im Master dann ausbauen kann.“

Die Interessen der Studierenden werden von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen beeinflusst: „Wir nehmen dies in der Lehre verstärkt wahr. So ist das Interesse an Lehrveranstaltungen über Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart sehr groß. Auch der gesamtgesellschaftliche Rückgang der christlichen Religion und damit verbunden gewisse Deutungsansprüche und -hoheiten, ist spürbar.“
Wer sich dafür entscheidet, Judaistik zu studieren, kann sich auf kleine Lerngruppen mit guter Betreuung an den Hochschulen freuen. So haben im Wintersemester 2018/19 laut Statistischem Bundesamt 47 Studienanfänger mit dem Fach begonnen, insgesamt waren 650 Studierende eingeschrieben.
Lehrer sind gefragt

Auf die 65 Absolventen, die ihren Abschluss in Judaistik im gleichen Semester machen konnten, warten verschiedene berufliche Einsatzmöglichkeiten. Hanna Liss: „Ein Studium der Jüdischen Studien ermöglicht den Absolventen einen Berufseinstieg bei Museen, Gedenkstätten, in Forschung und Lehre, bei Print-, Online- und Rundfunkmedien oder anderen Einrichtungen, die auf entsprechende Kompetenzen angewiesen sind.“ Das Studium bereitet sie auch auf eine Bildungsarbeit in Gemeinden sowie auf interreligiöser und interkultureller Ebene vor. Großen Bedarf – und das betrifft die jüdischen Studierenden und Alumni – werde es in jüdischen Gemeinden generell und gerade auch für Lehrer geben.

Weitere Informationen

BERUFENET

Auf dieser Seite der der Bundesagentur für Arbeit kannst du dich unter dem Stichwort „Judaist/in“ über Berufsfeld und Tätigkeiten informieren (Suchwort: Judaistik, Jüdische Studien)
berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Portal der Stiftung für Hochschulzulassung und der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du bundesweit nach Studiengängen suchen (Stichworte: Judaistik, Jüdische Studien)
studienwahl.de

berufsfeld-info

Auf diesem Infoportal der Bundesagentur für Arbeit findest du Informationen rund um das Berufsfeld für Judaisten
berufsfeld-info.de/abi/tbf/religion-und-kirche

Verband der Judaisten in Deutschland e.V.

judaistik.eu

Vereinigung für Jüdische Studien

v-j-s.org

abi» 26.02.2020

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