Kultur für alle!

Goldene Figuren, die Musikintstrumente spielen stehen in einem Regal.
Voraussetzung für eine Tätigkeit als Kulturpädagoge ist in der Regel ein Studium. Dabei werden Kulturwissenschaften, Kulturmanagement und Erziehungswissenschaften gelehrt.
Foto: Swen Reichhold

Kulturpädagoge werden

Kultur für alle!

Ob Malerei, Fotografie, Sprache und Literatur, Tanz oder gar Zirkuskünste: Kulturpädagogen und -pädagoginnen ermöglichen es einem breiten Publikum, durch Erfahrungen zu lernen. In den Beruf führt in der Regel ein Studium.

Sie sind Künstler und Kulturvermittler sowie Pädagogen in einer Person, machen für viele Menschen Kultur erst erfahrbar. Zu ihrer Zielgruppe gehören oftmals Kinder und Jugendliche, aber auch kulturinteressierte Erwachsene. Bei ihrer Arbeit schöpfen Kulturpädagogen aus etlichen praktischen Möglichkeiten. Sie wirken an unterschiedlichsten Orten, mit vielfältigen Formaten und verfolgen dabei verschiedene Handlungsansätze.

„Kulturpädagogik ist ein spezieller Bereich in den Erziehungswissenschaften“, fasst Marco Sauerwein zusammen. Er ist Berater für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Stuttgart. „Voraussetzung für entsprechende Tätigkeiten ist in der Regel ein einschlägiges Studium. Immer wieder gelingt aber auch Quereinsteigern wie Jugenderziehern oder Künstlern der Weg in den Beruf. Sie haben jedoch häufig eine individuelle Weiterbildung absolviert.“

Überschaubares Studienangebot

Porträt von Marco Sauerwein

Marco Sauerwein

Foto: privat

Konkrete Studiengänge werden bisher erst an wenigen Hochschulen angeboten – eine Suche nach dem Stichwort auf studienwahl.de ergibt derzeit (Juni 2018) drei Bachelor- und vier Masterstudiengänge. Ein Abschluss im Bachelor „Kulturpädagogik“ ist an der Hochschule Niederrhein in Krefeld möglich. Die Hochschule Merseburg bietet „Kultur- und Medienpädagogik“ an; „Kultur- und Medienbildung“ kann man an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg studieren.

„Im Studium zur Kulturpädagogik werden in der Regel Fachdisziplinen wie Kulturwissenschaften, Kulturmanagement und Erziehungswissenschaften miteinander verknüpft“, ergänzt der Berater für akademische Berufe. „Die Studierenden erlangen pädagogische Kompetenzen und werden in kulturrelevanten Bereichen wie Organisation und Veranstaltungsmanagement qualifiziert. Zudem werden in der Regel auch betriebswirtschaftliche und rechtliche Aspekte vermittelt.“

Spezialisten ihres Fachs

Absolventen sind damit in verschiedenen Kulturbetrieben gefragt und teils auch freiberuflich tätig. Sie können in der Kinder- und Jugendarbeit genauso aktiv werden wie in der Familien- und Erwachsenenbildung. „Einige Kulturpädagogen spezialisieren sich, zum Beispiel auf kulturelle Wettbewerbe, Erlebnistage oder -nächte, kulturpädagogische Freizeiten und Exkursionen“, erklärt der Berufsberater. „Andere sind in Museen für Workshops und weitere Aktivitäten mit jungen oder älteren Besuchern zuständig. Einige organisieren auch Festivals oder übernehmen Aufgaben als Kulturmanager. In Kulturämtern oder -referaten konzipieren sie kommunale Aktivitäten wie Stadtführungen und Ausstellungen und verantworten dabei meist auch ein Budget. Möglich ist mit entsprechender Qualifizierung und Berufserfahrung auch die Leitung einer kulturellen Einrichtung wie etwa einer Volkshochschule oder eines Jugend- und Kulturzentrums.“

Für Führungspositionen – etwa in der Museumsleitung oder spezialisierte Aufgaben in Wissenschaft und Forschung – ist ein weiterführender Abschluss meist erforderlich, oft auch verbunden mit einer Promotion oder Habilitation. Passende Masterstudiengänge gibt es mit „Kunst- und Kulturvermittlung“ an der Universität Bremen sowie „International Studies of Leisure and Tourism“ an der dortigen Fachhochschule. Die Technische Universität Dortmund ermöglicht einen Masterabschluss in „Kulturanalyse und Kulturvermittlung“. Und in Krefeld wird der Master „Kulturpädagogik und Kulturmanagement angeboten. „Diese Studiengänge können auch für Absolventen mit Bachelorabschlüssen wie Kulturmanagement oder Erziehungswissenschaften interessant sein.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de
Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zeigt Berufswelten im Überblick. Einblicke in Berufe erhältst du in der „Berufswelt Studium“.
www.berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Kulturpädagoge/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de


Bundesverband der Jugendkunstschulen und Kulturpädagogischen Einrichtungen e.V.
www.bjke.de


Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung
www.bkj.de

 

Kulturpädagoge

Regionalen Künstlern eine Bühne bieten

Kulturveranstaltungen mit verschiedensten Künstlern und Kurse für Lernwillige: Mike Schattschneider (37) kümmert sich als Kulturpädagoge der Volkshochschule Lichtenwald um ein breites Angebot für alle Bürger. Dabei hilft ihm auch sein eigenes Verständnis für die Kunst.

Für seine Gemeinde hat Mike Schattschneider eine eigene Kultur- und Bildungsreihe auf die Beine gestellt. Als Kulturbeauftragter und Leiter der Volkshochschule Lichtenwald konzipiert er das zweimal jährlich erscheinende Programm. „Es beinhaltet Kulturveranstaltungen genauso wie das VHS-Kursangebot“, erklärt er. Für beide Bereiche wählt er geeignete Inhalte aus. Anschließend schreibt er E-Mails und führt Telefonate, um Künstler und Dozenten zu gewinnen. Wenn er die nötigen Zusagen hat, plant er die konkreten Termine.

Mike Schattschneider steht neben einem Klavier

Mike Schattschneider

Foto: privat

Damit das Programm in jeder Hinsicht gelingt, kommt es besonders auf die Vorarbeit an. „Bei den Kursen berücksichtige ich unter anderem, welche Inhalte in unserer Gemeinde besonders gefragt sind oder welche neuen Themen interessant sein könnten“, erklärt Mike Schattschneider. Wenn er eine Auswahl getroffen hat, folgt das „Feintuning“: Es gilt abzuwägen, wie viele Lerneinheiten sinnvoll sind. Entscheidungen wie diese setzen auch vielfältige Fachkenntnisse und einen umfassenden kulturellen Hintergrund voraus, damit zum Beispiel passende Künstler für die Veranstaltungen gefunden werden. „Wenn ich bei einem Musiker anfrage, muss ich sein Werk mit allen Besonderheiten im Hinterkopf haben, im Gespräch darauf eingehen und ihm zeigen, dass ich ihn als Künstler wahrnehme“, erklärt der Kulturpädagoge.

Lokale und regionale Künstler

Mit rund 2.500 Einwohnern ist Lichtenwald überschaubar. „Außerdem gibt es in den Nachbargemeinden noch weitere Volkshochschulen“, erklärt Mike Schattschneider. Daher kooperieren wir auch untereinander, tauschen uns aus und bewerben auch unsere Veranstaltungen gegenseitig.“

In Lichtenwald etwa werden jedes Jahr sieben Konzerte veranstaltet, es gibt Kulturfeste und Vernissagen – jeweils vor allem mit lokalen oder regionalen Künstlern. „Ungefähr 80 Prozent von ihnen kommen aus der Gemeinde oder umliegenden Ortschaften.“ Bei den VHS-Kursen achtet der Kulturpädagoge darauf, dass für alle etwas dabei ist – etwa Italienisch für Anfänger, Französisch für Kinder, Kurse in Geschichtsphilosophie oder Malkurse, geleitet von einer lokalen Künstlerin. Heraus kommt ein Bildungsprogramm, das viele anspricht. „Dieser Beruf bedeutet weitaus mehr als die anfallenden Aufgaben auf rein bürokratische Weise durchzuführen. Auch wenn verwaltende Tätigkeiten genauso dazugehören.“

Ausbildung plus Studium als Basis

Pädagogisches „Handwerkszeug“ eignete sich Mike Schattschneider bereits während einer Ausbildung zum Erzieher an. „Dann habe ich mich entschieden, noch Kulturpädagogik an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach zu studieren und bin schließlich zu meiner heutigen Position gekommen“, erinnert er sich. Zum vielfältigen Kultur- und Bildungsprogramm seiner Gemeinde möchte er auch weiterhin beitragen. „Denkbar wäre für mich aber auch, Kultur in einem noch größeren Rahmen zu betreiben oder mich noch intensiver mit konzeptioneller Kunst zu beschäftigen.“


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • „Das eigentlich Spannende passiert am Schreibtisch“

  • Es gibt nicht nur die eine Archäologie

  • „Manchmal anstrengend, aber immer wahnsinnig schön“

  • „Die Aussicht auf Berühmtheit hat für mich nie eine Rolle gespielt“

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 13.12.2019