Geschichte trifft IT

Eine Museologin arbeitet an einem Computer
Auch ehrwürdige, jahrhundertealte Museumsbestände werden in eine digitale Datenbank eingepflegt.
Foto: Julia Hendrysiak

Museologe

Geschichte trifft IT

Als Museologe kümmert sich Alexander Woßeng (31) um die Erschließung und Verwaltung der Bestände des Landesmuseums Koblenz. Dabei läuft jede Menge digital ab.

Der Arbeitsplatz von Alexander Woßeng dürfte wohl der Traum vieler Museologen und Historiker sein: Auf der Festung Ehrenbreitstein, am Rand des Westerwalds gelegen, betreut der 31-Jährige einen Teil des kulturellen Erbes Rheinland-Pfalz. Das technische Landesmuseum Koblenz, in dem er seit fünf Jahren als Museologe arbeitet, beherbergt verschiedene Objekte aus der Wirtschafts- und Technikgeschichte – von der Nähmaschine bis zum Horch-Automobil.

Alexander Woßeng ist für die Erschließung und Inventarisierung der Museumsbestände zuständig. Und wenn ein anderes Museum ein Objekt des Landesmuseums ausleihen will oder umgekehrt, kümmert er sich um die Abwicklung. Auch an der Koordinierung und Betreuung von Ausstellungen ist er beteiligt, wozu die Zusammenarbeit mit verschiedenen Abteilungen des Museums, zum Beispiel mit der Museumspädagogik oder der Technik, gehört. „Das macht die Arbeit sehr abwechslungsreich. Spannend finde ich auch, dass ich mich durch neue Ausstellungen und Projekte immer wieder in neue Themen vertiefen kann.“

Museum im Netz

Ein Porträt-Foto von Alexander Woßeng

Alexander Woßeng

Foto: U. Pfeuffer

Die Digitalisierung macht auch vor den ehrwürdigen, jahrhundertealten Mauern der Festung nicht halt. Gerade führt das Landesmuseum ein neues Museumsmanagementsystem ein, in dem alle Bestände digital erfasst werden sollen. „Es gibt zwar bereits ein System, das umfasst aber nicht alle Objekte. Deshalb ist eine komplette Reinventarisierung notwendig. Jedes einzelne Objekt wird mit einem Foto und einer Beschreibung dokumentiert. Dazu gehören Informationen wie Hersteller, Maße oder Material.“ Die Digitalisierung des gesamten Bestands soll sowohl die Suche und Recherche nach Objekten als auch den Leihverkehr vereinfachen. „Später soll die Datenbank im Netz nicht nur anderen Museumseinrichtungen, sondern auch allen Bürgern zur Verfügung stehen“, erklärt Alexander Woßeng.

Auch in den Ausstellungen, die das Museum zeigt, steckt jede Menge Technik. „In unserer aktuellen Ausstellung zu Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einem der Begründer der modernen Genossenschaftsidee, gibt es verschiedene digitale Mitmach-Elemente. Zum Beispiel ein digitales Gästebuch, in das sich Besucher eintragen können. Technisch basiert es auf einer Datenbank, um deren Pflege ich mich kümmere.“

Umzug für den Job

Wie Datenbanken funktionieren, damit hat sich der 31-Jährige schon in seinem Museologie-Studium an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig beschäftigt. Neben dem Aufbau und der Konservierung von Sammlungen liegt ein Schwerpunkt des Studiengangs auf der technischen Dokumentation und Verwaltung von Museumsobjekten. „In vielen Praxisprojekten und meinem Praxissemester habe ich einen guten Einblick in den Arbeitsalltag eines Museologen bekommen.“

Nach seinem Bachelorabschluss arbeitete er zunächst im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig, wo er im Rahmen des Praxissemesters bereits ein fünfmonatiges Praktikum absolviert hatte. Als der befristete Arbeitsvertrag endete, bewarb sich der gebürtige Leipziger auf ausgeschriebene Museologenstellen in ganz Deutschland. „Mir war klar, dass ich bereit sein muss, für den Job umzuziehen, denn die Anzahl der Stellen im Kultursektor ist begrenzt.“ Als Mitglied in der Fachgruppe Dokumentation im deutschen Museumsbund tauscht sich der Museologe regelmäßig mit Kollegen aus anderen Häusern aus: „Auch hier ist das Topthema die Digitalisierung und welche neuen Möglichkeiten sich dadurch bei der Erschließung und Aufbereitung von historischen Objekten ergeben.“

 

Bereit für die digitalisierte Arbeitswelt?

Keine Angst vor Informatik

Die Digitalisierung dringt in alle unsere Lebensbereiche vor und verändert somit auch die Arbeitswelt. Das bringt Herausforderungen mit sich, birgt aber auch Chancen. Wer sich schon im Studium oder in der Ausbildung darauf vorbereiten will, hat zahlreiche Möglichkeiten.

Längst findet Lernen auch dort statt, wo Kreide und Tafel überflüssig sind: im virtuellen Klassenzimmer. Vanessa Appoh ist Spezialistin für digitales Lernen. Für das Start-up L-Pub in Offenbach entwickelt sie digitale Lernformate, zum Beispiel Apps, die beim Erlernen einer Fremdsprache helfen. „Ich bin sowohl auf der didaktisch-inhaltlichen als auch auf der technischen Seite involviert“, erzählt die 28-Jährige, die selbst sechs Sprachen spricht.

Ein Porträt-Foto von Vanessa Appoh

Vanessa Appoh

Foto: privat

Ihr Interesse am digitalen Lernen wurde während ihres Bachelorstudiums „Anwendungsorientierte Interkulturelle Sprachwissenschaft“ an der Uni Augsburg geweckt. „Im Masterstudium wollte ich mich daher auf diesen Themenbereich konzentrieren“, erzählt Vanessa Appoh. Sie entschied sich für den Masterstudiengang „Sprachtechnologie und Fremdsprachendidaktik“ an der Uni Gießen. Hier lernte sie einerseits Grundlagen der Sprachtechnologie und Computerlinguistik sowie Programmiersprachen, andererseits belegte sie Didaktikkurse zum Lernen mit digitalen Medien. Außerdem gehörten mehrere praktische Projekte dazu. „Ich habe unter anderem ein Tool entwickelt, mit dem man anhand festgelegter sprachlicher Merkmale die Schwierigkeit eines beliebigen deutschsprachigen Textes ermitteln kann.“ Dadurch kam sie in Kontakt mit ihrem jetzigen Arbeitgeber, der ein solches Tool entwickeln wollte.

Schon während ihrer Studienzeit hat die Sprachwissenschaftlerin an der Uni gezielt zusätzliche Kurse besucht und sich unter anderem mit Datenbankdesign und weiteren Programmiersprachen beschäftigt. „Das muss man, wenn man gewisse Mechanismen begreifen will. Und für meine jetzige Arbeit war es in jedem Fall nützlich.“

Kein Widerspruch: Geisteswissenschaften und IT

Dass die Digitalisierung in den Hochschulen Einzug gehalten hat, zeigen neue Studiengänge wie „Digital Humanities“ oder „Digital Business“. Viele Studiengänge wurden dem Zeitgeist angepasst, andere sind neu entstanden. „Die Informatik wird auf nahezu alle Wissenschaftsbereiche ausgedehnt, wobei der Informatik-Anteil unterschiedlich ist. Bei dem Stichwort ‚digital‘ im Titel des Studiengangs kann man von einem hohen Informatikanteil ausgehen“, sagt Mandy Rusch, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Leipzig.

Gerade angehende Geisteswissenschaftler sollten sich bei einem Blick in die Studienpläne nicht von Fachbegriffen der Informatik abschrecken lassen: „Wer Geschichte oder Sprachwissenschaft studieren will, kann damit vielleicht auf den ersten Blick nicht viel anfangen. Dabei sind digitale Technologien gerade für geisteswissenschaftliche Disziplinen interessant, die zum Teil mit jahrhundertealten Daten und Schriftstücken arbeiten. Die Digitalisierung macht es möglich, auf Originaltexte, die nicht oder nur schwer zugänglich sind, von überall auf der Welt und zu jeder Zeit zuzugreifen.“ Auch das Archiv- und Bibliothekswesen oder das Gesundheitswesen profitieren ungemein davon. „Man denke nur daran, was die Auswertung großer Datenmengen in der Medizin alles ermöglichen kann. Zum Beispiel in Hinblick auf Therapieansätze oder die Wirksamkeit von Medikamenten. Oder in der digitalen Forensik, wo es darauf ankommt, schnell ein Täterprofil erstellen zu können.“

Viele Vertiefungsmöglichkeiten

Eine weitere Option, sich im Studium auf die digitalisierte Arbeitswelt vorzubereiten, ist die Wahl eines entsprechenden Nebenfachs wie Informatik. Auch die geistes- oder sozialwissenschaftlichen Fakultäten bieten häufig diese Möglichkeit. „Außerdem sehen viele Studiengänge die Belegung fachfremder Wahlmodule vor. Hier kann man sich ebenfalls in Richtung Informatik orientieren“, sagt Mandy Rusch. „Wer sich in seinem Bachelorstudium kaum oder gar nicht der Informatik gewidmet hat, kann das auch im Master noch tun. Hier gibt es viele Vertiefungsmöglichkeiten.“ Als Beispiel nennt die Berufsberaterin den Studiengang „Digitale Arbeit“ an der Technischen Universität Chemnitz, der keine fachspezifischen Informatikkenntnisse voraussetzt.

Wie weit die einzelnen Studiengänge in Sachen IT in die Tiefe gehen und wo die Schwerpunkte liegen, ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich: „Manche legen den Fokus auf das Erlernen von Programmiersprachen, andere auf den Umgang mit Datenbanken oder Informationstechnik. Studieninteressierte sollten sich daher fragen, wie stark ihre IT-Affinität ausgeprägt ist und daraus ableiten, welcher Studiengang zu ihnen passt.“

Wer sich nicht sicher ist, ob ein Studium mit Bezug zur IT das Richtige ist, dem empfiehlt Mandy Rusch den Studieneignungstest für Informatik der Bundesagentur für Arbeit. „Viele unterschätzen ihr Potenzial und ihre Fähigkeiten. Man muss nicht programmieren können oder ein Mathegenie sein, um sich für einen Studiengang wie ‚Digital Humanities‘ oder ‚Digital Health‘ zu bewerben. Es geht nicht darum, ein Programmierer zu werden. Letztendlich braucht man vor allem ein Verständnis für logische Zusammenhänge.“

Ein neuer, digitaler Ausbildungsberuf

Aber nicht nur Studiengänge, sondern auch Ausbildungsberufe gehen mit der Zeit. Zum 1. August 2018 wurden 25 Ausbildungsberufe modernisiert. Bei dem Bestreben, sie an die moderne Arbeitswelt anzupassen, spielt auch die Digitalisierung eine Rolle. In fünf Ausbildungsberufen der Metallindustrie wurden neue Lernfelder integriert, die sich mit Digitalisierung befassen. „Man darf aber nicht vergessen, dass der Digitalisierungsgrad in den Firmen sehr unterschiedlich ist. Handwerksberufe beispielsweise sind von einer Digitalisierung weit entfernt“, sagt Mandy Rusch. Ein Beruf, der neu hinzugekommen ist, ist der Kaufmann für E-Commerce: „Kaufleute im E-Commerce arbeiten in Unternehmen, die ihre Waren oder Dienstleistungen über das Internet anbieten, und sind beispielsweise für das Bewirtschaften von Onlineshops zuständig.“

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung.
www.berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
Unter dem Stichwort „digital“ findest du zahlreiche Studiengänge mit Bezug zur Digitalisierung.
www.studienwahl.de

 

IAB-Kurzbericht zur Digitalisierung
Der Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) befasst sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt.
doku.iab.de/kurzber/2018/kb0418.pdf

 

Job-Futuromat
Der Job-Futuromat verrät, welchen Job schon heute Roboter erledigen können.
job-futuromat.iab.de

 

Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BITKOM)
Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche
www.bitkom.org

 

Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd)
Der Fachverband ist Forum und Interessenvertretung für alle, die sich im deutschsprachigen Raum in Forschung und Lehre mit Digital Humanities beschäftigen.
dig-hum.de

 

Bereit für die digitalisierte Arbeitswelt? Interview

„Die Digitalisierung betrifft alle Branchen“

Juliane Petrich, Leiterin Bildung beim Digitalverband Bitkom, spricht im Interview mit abi>> darüber, wie die Digitalisierung Berufe verändert und neue entstehen lässt, welche Fähigkeiten in einer digitalisierten Arbeitswelt wichtig sind und warum sie auch Geisteswissenschaftlern spannende Perspektiven eröffnet.

abi>> Frau Petrich, wie verändert die Digitalisierung unsere Arbeitswelt?

Juliane Petrich: Die Digitalisierung ist ein tiefgreifender Prozess, der nicht nur die Wirtschaft verändert, sondern auch Auswirkungen darauf hat, wie wir arbeiten. Das betrifft alle Branchen von der Industrie bis zum Einzelhandel. Obwohl wir erst am Anfang der Digitalisierung stehen, wird bereits heute sehr viel zeit- und ortsunabhängiger gearbeitet. Auch die Art und Weise der Zusammenarbeit ändert sich durch digitale Tools.

abi>> Werden manche Berufe in ein paar Jahren überflüssig sein?

Ein Porträt-Foto von Juliane Petrich

Juliane Petrich

Foto: privat

Juliane Petrich: Viele Jobprofile haben sich im Zuge der Digitalisierung bereits verändert. Ein Beispiel ist der Automobilkaufmann: Ein Autokauf sah früher so aus, dass man im Schnitt neunmal ein Autohaus besuchte, bevor man sich zum Kauf entschied. Heute kommt der Kunde nur noch einmal zur Beratung ins Autohaus, über alles Weitere informiert er sich online. Und während der Zahntechniker früher auf das Fertigen von Implantaten spezialisiert war – eine handwerkliche Tätigkeit, die sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert –, kommen die Implantate heute aus dem 3D-Drucker. Einige Jobs fallen durch die Digitalisierung aber auch zunehmend weg, weil Maschinen die Arbeit übernehmen können. Das betrifft vor allem ungelernte Hilfstätigkeiten. Gleichzeitig entstehen neue Berufe.

abi>> Welche sind das?

Juliane Petrich: Da wären zum Beispiel der 3D-Druckspezialist, der Koordinator für Robotik in der Industrie oder der Mobile Developer, der auf die Entwicklung von Apps spezialisiert ist. Für alle Arbeitnehmer gilt: In Zukunft wird es ohne lebenslanges Lernen nicht mehr gehen, denn digitale Technologien entwickeln sich rasant weiter und wir wissen noch nicht, wohin uns diese Entwicklung führt.

abi>> Was brauche ich, um in der digitalisierten Arbeitswelt zu bestehen?

Juliane Petrich: Man muss in der Lage sein, sich Informationen zu beschaffen, sie zu bewerten und sie mit digitalen Hilfsmitteln aufzubereiten. Hierbei sind Kreativität und die Fähigkeit, selbstorganisiert arbeiten zu können, sehr hilfreich. Was die Vermittlung dieser Kompetenzen im Rahmen von Schule und Ausbildung angeht, hat Deutschland noch viel Nachholbedarf. Das Thema ist erst vor Kurzem auf der politischen Agenda angekommen. Weil grundlegende Kenntnisse über digitale Tools, mit denen man zum Beispiel Arbeits- oder Produktionsprozesse gestalten kann, in der Arbeitswelt aber immer wichtiger werden, lohnt ein Blick in die Praxis, zum Beispiel im Rahmen von Praktika oder Hospitationen.

abi>> Inwiefern sind die Geisteswissenschaften von der Digitalisierung betroffen?

Juliane Petrich: Ob Historiker, Sprachwissenschaftler oder Ethnologen – Geisteswissenschaftler sind Experten für den kritischen Umgang mit Daten aller Art. Immer mehr dieser Daten werden digitalisiert und es bedarf einer guten Analysefähigkeit, um mit ihnen zu arbeiten. Wer sich für eine Tätigkeit im Bereich digitale Geisteswissenschaften entscheidet, hat als Data Scientist für dieses Fachgebiet gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

 

Bereit für die digitalisierte Arbeitswelt? Umfrage

Gut vorbereitet auf die Digitalisierung?

Bereitet dir die Digitalisierung in Bezug auf dein künftiges Arbeitsleben Sorgen? Fühlst du dich im Studium ausreichend darauf vorbereitet? abi>> hat bei Studierenden nachgefragt, wie sie sich im Rahmen ihres Studiums und privat mit der Digitalisierung auseinandersetzen.

Jana Belmann (24) hat gerade ihr Bachelorstudium in Kulturwissenschaften mit dem Nebenfach „Digitale Medien und Kulturinformatik“ an der Leuphana Universität Lüneburg abgeschlossen.

Ein Porträt-Foto von Jana Belmann

Jana Belmann

Foto: privat

Im Studium hatte ich mal ein spannendes Seminar zum Thema Big Data. Zu der Zeit wurde gerade Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt. Im Seminar haben wir dann diskutiert, inwiefern die Erhebung und Auswertung von großen Datenmengen im Wahlkampf eine entscheidende Rolle gespielt hat. Die kritische Auseinandersetzung mit den Folgen der Digitalisierung in unterschiedlichen Lebensbereichen hat mir besonders gut an meinem Studium gefallen.

Auch in meinem Alltag ist das Thema Digitalisierung allgegenwärtig. Ich nutze unterschiedliche digitale Plattformen und Angebote und finde die zunehmende Vernetzung praktisch und spannend. Jedoch denke ich, dass man diese Medien reflektieren und kritisch hinterfragen sollte.
In Bezug auf mein künftiges Arbeitsleben sehe ich die Digitalisierung definitiv als Chance. Es entstehen gerade viele neue Jobs, in denen man in Zukunft tätig werden kann. Allerdings birgt das Netz auch eine neue Form der Öffentlichkeit. Man sollte sich bewusst sein, dass soziale Netzwerke nicht nur von Freunden, sondern auch vom künftigen Chef genutzt werden.

Severin Simmler (23) studiert im ersten Mastersemester „Digital Humanities“ an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Ein Porträt-Foto von Severin Simmler

Severin Simmler

Foto: privat

Ich beschäftige mich mit der computergestützten Verarbeitung natürlicher Sprache. Konkret heißt das zum Beispiel, dass mithilfe eines statistischen Verfahrens ausgewertet wird, worum es in einer großen Textsammlung inhaltlich oder semantisch geht. Am Anfang meines Bachelorstudiums in Sozialwissenschaften und „Digital Humanities“ habe ich mich aber auch damit auseinandergesetzt, wie etwas überhaupt digital wird. Also wie man beispielsweise ein Buch, eine Landkarte, oder ein Kunstwerk digital modelliert und darstellt.

Bisher sehe ich die Digitalisierung definitiv als Chance – vor allem für mein Arbeitsleben. Ich glaube, dass durch die Digitalisierung vieles einfacher und effizienter wird. Damit will ich aber nicht sagen, dass der Mensch eines Tages von der Maschine komplett abgelöst werden sollte. Vielmehr plädiere ich dafür, dass Maschinen oder künstliche Intelligenzen bewusst als Werkzeuge verstanden und eingesetzt werden.

Gina Irrgang (19) studiert im dritten Semester Italianistik und „Digital Humanities“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Ein Porträt-Foto von Gina Irrgang

Gina Irrgang

Foto: privat

Mir ist es wichtig, digitale Technologien zu verstehen und mit ihnen arbeiten zu können, um den neuen Anforderungen einer digitalisierten Welt möglichst gerecht zu werden. Deshalb habe ich „Digital Humanities“ als Nebenfach zu meinem Italianistikstudium gewählt. Solide Kenntnisse im Bereich der Webtechnologie oder im Umgang mit Datenbanken werden mir im Berufsleben vermutlich einige Türen öffnen.

Privat beschäftigt mich vor allem, wie sich das Individuum in der digitalisierten Welt positioniert: Welche gesellschaftlichen Auswirkungen haben soziale Netzwerke wie Instagram, Snapchat und Co. auf die Gesellschaft? Welche Einflüsse hat der digitale Wandel auf Wirtschaft und Politik? Und wer wird am Ende von der Digitalisierung profitieren?

Marie-Christin Meyer (24) studiert im vierten Semester Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Medien- und Kulturtechnik und dem Nebenfach Kulturinformatik an der Leuphana Universität Lüneburg.

Ein Porträt-Foto von Marie-Christin Meyer.

Marie-Christin Meyer

Foto: Bastian Kamp

In meinem Nebenfach geht es um die Wurzeln der Digitalisierung und ein grundlegendes technisches Verständnis. Wir haben auch die Möglichkeit, selbst digitale Medien wie Videos oder Webseiten zu produzieren. In meinem Hauptfach habe ich dieses Jahr eine Hausarbeit über Bitcoin und Blockchain geschrieben. Für mich ist die Digitalisierung kein Schreckgespenst. Ich bin mir bewusst, dass dadurch Jobs eingespart werden. Aber es entstehen ja auch wieder diverse Jobs mit und in den Medien. Da ich später als Kommunikationsdesignerin arbeiten will, öffnet mir die Digitalisierung Kanäle, die ich mir zunutze machen kann.

Auch privat interessiere ich mich sehr für die Medienproduktion und versuche, Phänomene wie Influencer und Social Media zu verstehen. Ich vertrete die Ansicht, dass der Umgang mit digitalen Medien und damit verbundenen Risiken in der Schule thematisiert werden sollte.

 

Medienfachwirt Digital

Der Sticker-Spezialist

Sein eigenes Unternehmen, eine Agentur für Druckdienstleistungen, hat Paul Kündiger bereits als Schüler gegründet. Um als Chef die richtigen Entscheidungen treffen und sein Unternehmen weiter voranbringen zu können, entschied sich der heute 38-Jährige für eine Weiterbildung zum Medienfachwirt Digital.

Paul Kündiger ging noch zur Schule, als er „aus einer fixen Idee heraus“ mit 19 Jahren sein eigenes Unternehmen gründete. „Ich war in der Berliner Hip-Hop-Szene aktiv und habe mit einem Kumpel unter anderem das Merchandising für mehrere Künstler gemacht. Dazu gehörten Bandaufkleber, die wir in der Stadt verteilen wollten. Wir mussten jedoch feststellen, dass es kaum Möglichkeiten gab, in Berlin Sticker drucken zu lassen“, erzählt der 38-Jährige. Aus technischer Sicht lassen sich Aufkleber beim Druck schwieriger verarbeiten als beispielsweise Flyer oder Broschüren. Schließlich fanden die beiden eine Druckerei, die mit ihnen zusammenarbeitete. „Schnell wuchs die Nachfrage und wir entschieden uns, das beruflich zu machen.“ Eine gute Idee, wie sich herausstellte. Heute druckt Paul Kündigers Firma Hauptstadtader GmbH mit dem Online-Portal www.DeineStadtKlebt.de zwischen 60 und 80 Millionen Sticker im Jahr und zählt damit zu den größten Aufkleberdruckereien in Deutschland.

Vom Mediengestalter zum Medienfachwirt

Ein Porträt-Foto von Paul Kündiger

Paul Kündiger

Foto: privat

Trotz Selbstständigkeit entschied sich Paul Kündiger nach der Schule zunächst für ein Lehramtsstudium. Es dauerte einige Semester, bis er erkannte, dass es nicht das war, was er eigentlich machen wollte. Daraufhin absolvierte er in der Druckerei, mit der sein Unternehmen zusammenarbeitete, eine Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print.

Als sein Unternehmen im Laufe der Zeit immer weiterwuchs, machte er sich auf die Suche nach einer Weiterbildung, um den Anforderungen an ihn als Chef gerecht zu werden. Beim Bildungswerk der Wirtschaft (bbw) in Berlin, wo er heute auch als Dozent arbeitet, bildete er sich in zweieinhalb Jahren berufsbegleitend zum Medienfachwirt Digital und Print weiter. „Zweimal wöchentlich abends nach der Arbeit nochmal für drei Stunden den Kopf anstrengen – das war schon eine Herausforderung. Aber man kann das schaffen“, berichtet der Unternehmer.

„Alles in allem bereitet die Weiterbildung auf eine Führungsposition in einem Medienunternehmen vor“, erklärt er. Und obwohl er 2012, als er die Prüfung ablegte, bereits mehrere Mitarbeiter beschäftigte, war der Lehrgang für ihn sehr hilfreich. „Vorher habe ich alles intuitiv gemacht. In der Weiterbildung haben wir dann zum Beispiel Mitarbeitergespräche in Rollenspielen trainiert. Das hat mir sehr viel gebracht. Und es war ideal, dass ich es direkt in der Praxis anwenden konnte.“ Auch vom Austausch mit anderen Teilnehmern, von denen einige ebenfalls eigene Unternehmen leiten, hat er profitiert. Einen Teil der Kosten für die Weiterbildung deckte Paul Kündiger mit dem Aufstiegs-BAföG, auch Meister-BAföG genannt, ab. Derzeit kostet die Weiterbildung etwa 4.000 bis 5.000 Euro und wird neben den Bildungswerken der Wirtschaft beispielsweise auch von den Industrie- und Handelskammern angeboten.

Die digitale Druckerei

Thematisch gliedert sich die Weiterbildung in die vier Bereiche „Rechtliches“, „Zusammenarbeit im Betrieb“, „Betriebswirtschaft sowie „Information, Kommunikation und Planung“. Die Inhalte reichen von Arbeits- und Medienrecht über Projektmanagement bis hin zu Rechnungswesen und technischen Komponenten wie der Druckdatenverarbeitung und der entsprechenden Software. Ohne IT läuft im Druckereigewerbe heute nichts mehr. „Wurden vor einigen Jahren die Druckaufträge noch auf CD oder USB-Stick in den Laden gebracht und die Druckdaten manuell geprüft, erfolgt das heute alles digital und automatisiert. Unsere Kunden laden die Motive für die Aufkleber oder Flyer, die sie drucken möchten, online auf unserer Webseite hoch und ein Programm prüft die Druckdaten auf Format, Druckfarben und so weiter.“

Der logistische Prozess – also der Weg des Produkts von der Druckdatei bis zum Kunden – wurde so stark digitalisiert, dass viel weniger Lagerbestände verwaltet werden müssen. Dafür hat der technische Aufwand zugenommen, weshalb der Unternehmer immer häufiger mit Programmierern zusammenarbeitet, die für ihn die digitalen Druckprozesse technisch umsetzen. „Das fällt mir seit der Weiterbildung viel leichter.“


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Stand: 21.10.2019