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Der Weg der kleinen Schritte

Paul Keil (29) forscht am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Mit seiner Arbeit hilft er dabei, den Klimawandel besser zu verstehen – und langfristig zu bekämpfen.

Ein junger Mann sieht etwas auf einer Bodenanalysekarte nach.

Inhaltlich beschäftigt sich Paul Keil bei seiner Forschung mit der Frage, warum die Atmosphäre ist, wie sie ist, warum sie sich verändert – und wie.

Naturwissenschaften haben Paul Keil schon früh fasziniert. Während der Oberstufe nahm er sich zunächst vor, Physik zu studieren – doch richtig überzeugt war er nicht: „Das Fach erschien mir nach reiflicher Überlegung zu trocken und zu wenig greifbar.“ Parallel zu seinem Überlegungsprozess begann Paul Keil sich für das Thema Klimawandel zu interessieren, lange vor Greta Thunbergs Initiative „Fridays for Future“.

„Die Frage, wie es für unseren Planeten weitergehen wird und was wir Menschen dazu beitragen, trieb mich immer mehr um“, erinnert sich der 29-Jährige. In diese Richtung wollte er sich auch beruflich orientieren: „Also suchte ich nach einem Fach, das mein naturwissenschaftliches Interesse befriedigen würde, und mir gleichzeitig die Möglichkeit bot, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.“

Paul Keil

Auf einer Karrieremesse, die er in der 13. Klasse besuchte, hörte er den Vortrag eines Meteorologen, der ihn faszinierte: „Das Fach bot für mich die perfekte Möglichkeit, mein Interesse an der Physik mit dem aktuellen gesellschaftlichen Problem des Klimawandels zu verknüpfen.“ Angetrieben von diesem Gedanken sowie der Aussicht auf ein interdisziplinäres Fach, das unter anderem Elemente von Biologie, Physik und Geographie beinhaltet, begann er zu studieren.

2011 schrieb sich Paul Keil an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt für den Studiengang Meteorologie ein. Für seinen Master wechselte er nach Hamburg, wo er nach dem Abschluss eine Promotion am renommierten Max-Planck-Institut begann. Sein Thema: „Vertikale Temperaturstruktur in den Tropen“.

Inhaltlich beschäftigt er sich bei seiner Forschung mit der Frage, warum die Atmosphäre ist, wie sie ist, warum sie sich verändert – und wie. Um das herauszufinden, liest Paul Keil viel Fachliteratur, um seine Erkenntnisse in den richtigen Kontext einbetten zu können. Er tauscht sich mit Kolleg*innen aus – zurzeit vor allem auf Digital-Konferenzen – und verbringt viel Zeit vor dem Computer, seinem wichtigsten Arbeitsgerät.

Anhand von Klimamodellen und Messungen analysiert er, wie die Temperatur mit der Höhe abnimmt und simuliert die Auswirkungen verschiedener Faktoren auf die Schwankungen. „Dabei überprüfe ich zum Beispiel, wie schnell Wolkentröpfchen in Regentropfen umgewandelt werden, wie schnell sie herunterkommen oder ob sie lange genug in der Wolke bleiben, um Eis zu formen“, berichtet er. „All diese Prozesse haben Auswirkungen auf die Temperatur in einer Höhe von fünf bis 15 Kilometern, es ist aber nicht klar, wie sie sich in Zukunft verändern werden.“

Mit den Daten und den Erkenntnissen, die seine Kolleg*innen und er gewinnen, können Wissenschaftler*innen aus anderen Fachgebieten weiterarbeiten: „So kann man im besten Fall das zukünftige Klima und dessen Auswirkungen vorhersagen und sich entsprechend anpassen.“ Klassische Grundlagenforschung also, ohne die keine wissenschaftliche Disziplin existieren kann. Spannend, so Paul Keil, aber auch herausfordernd: „Man braucht eine hohe Frustrationstoleranz, denn es gibt keine Garantie für den Erfolg.“ Forschung sei der Weg der kleinen Schritte.

Wie es für ihn nach Abschluss seiner Promotion weitergeht, weiß er noch nicht genau. Die Bandbreite der Tätigkeiten ist groß: Ehemalige Kommiliton*innen arbeiten zum Beispiel beim Technischen Überwachungsverein (TÜV), bei Versicherungen oder Unternehmensberatungen. Paul Keil indes kann sich gut vorstellen, in der Wissenschaft zu bleiben und sich mit seiner Forschung weiter im Kampf gegen den Klimawandel zu engagieren.

Video

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.

Meteorologie

Die Einsatzmöglichkeiten für Meteorolog*innen sind vielfältig. Neben klassischen Arbeitsplätzen wie dem Deutschen Wetterdienst finden sie Jobs bei der Bundeswehr, der Flugsicherung, der Versicherungsbranche oder in der Wissenschaft. Dank ihrer sehr guten naturwissenschaftlichen Ausbildung sind sie auch als Expert*innen in Unternehmensberatungen gefragt.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Informationsportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Meteorologie)
studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Meteorologie)
berufenet.arbeitsagentur.de

Deutsche Meteorologische Gesellschaft

Die DMG fördert die Wissenschaft der Meteorologie und verbreitet meteorologisches Wisse
dmg-ev.de

abi» 11.11.2020

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