beruf & karriere

Meteorologin

Ganz nah am Wetter

Scheint morgen die Sonne? Oder gibt es schwere Gewitter? Die Meteorologin Magdalena Bertelmann (32) arbeitet im Bereich der Wettervorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und gibt Unwetterwarnungen heraus. So können sich Bevölkerung und Katastrophenschutz rechtzeitig auf Gefahren einstellen.

Erstellung der Wetterwarnungen mit einem Computerprgramm

Wetterwarnungen

In der Vorhersage- und Beratungszentrale des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach wird im Dreischicht-Betrieb gearbeitet, damit zu allen Tageszeiten amtliche Warnungen wie Gewitter- oder Windwarnungen herausgegeben werden können: „Wir erstellen die Wetterwarnungen mit einem Computerprogramm selbst“, erzählt Magdalena Bertelmann. Die Messungen von nationalen und internationalen Wetterstationen werden dafür gesammelt und in verschiedene Computermodelle eingespeist. Die Meteorolog(inn)en interpretieren und bewerten die Daten, bevor sie eine Vorhersage festlegen. „Manche Wetterlagen lassen sich nur schwer exakt voraussagen“, weiß die Meteorologin. „Bei Gewittern kann man beispielsweise nur das grobe Gebiet bestimmen, in dem es ein Potential für Unwetter gibt. Da kommt es schon mal zu Beschwerden am Telefon, wenn die Vorhersage nicht hundertprozentig zutrifft. In den meisten Fällen liegen wir aber richtig.“

Unwetterclips und eine eigene Zeitschrift

Poträit Foto von Magdalena Bertelmann

Magdalena Bertelmann

Die Warnungen erscheinen automatisch auf der Website und der Warnwetter-App des DWD. Um die Bevölkerung möglichst schnell vor Wettergefahren zu warnen, gibt es außerdem den Mediendienst. Ist Magdalena Bertelmann hier eingeteilt, verfasst sie Meldungen zu den Unwetterwarnungen, die sie über die sozialen Medien verbreitet oder gibt Interviews. Außerdem erstellt sie Unwetterclips vor der Kamera, die über Facebook, Twitter und YouTube zu sehen sind. „Die Wissensvermittlung nach außen macht mir viel Spaß“, berichtet sie. „Es gibt beispielsweise regelmäßig ein wissenschaftliches Thema des Tages, das für die Öffentlichkeit aufbereitet wird. Es ist uns wichtig, nicht im eigenen Wissenschaftssaft zu schmoren.“ Eine weitere Aufgabe von Magdalena Bertelmann in der Zentrale in Offenbach ist, eine einheitliche Warnstrategie der sechs bundesweiten Außenstellen zu entwickeln und zu koordinieren. „Wetter hört nicht an den Ländergrenzen auf“, weiß die Meteorologin. „Mir gefällt an dem Job besonders, dass er sehr abwechslungsreich ist. Das Wetter ändert sich ständig und durch die verschiedenen Dienste sind die Tätigkeiten sehr vielfältig.“

Auch wenn dieser eine Teil ihres Berufs schon unterschiedliche Bereiche umfasst, hat Magdalena Bertelmann noch ein ganz anderes Aufgabengebiet beim Deutschen Wetterdienst. Im Selbstverlag des DWD in Langen betreut sie wissenschaftliche Publikationen und ist Schriftleiterin der Fortbildungszeitschrift „promet“. „Wenn jemand zum Beispiel eine Publikation zur Geschichte der Meteorologie in Deutschland herausbringen will, unterstütze ich von Formatvorlagen über die fachliche Durchsicht bis zur Druckerei“, fasst sie zusammen. Ihre Arbeit besteht beim Verlag hauptsächlich aus Koordination und Organisation. Für die Zeitschrift „promet“ pflegt sie ein Netzwerk zu Universitäten und Forschungseinrichtungen, sucht mit dem Redaktionsausschuss die Themen aus und betreut die Entstehung der Ausgaben bis zum Druck. „Ich habe mich immer für die Wissenschaft interessiert und so kann ich den Kontakt zur Forschung halten“, erklärt sie.

Vom Studium in den höheren Dienst

Magdalena Bertelmann kommt die Kombination der beiden Berufsbereiche entgegen. „Ich konnte mich nach meinem Studium nur schwer entscheiden, ob ich in der Wissenschaft bleiben oder woanders arbeiten möchte“, berichtet sie. Nach dem Abitur hatte sie als letzter Diplomjahrgang den Studiengang „Physik der Atmosphäre“ in Mainz mit einem Auslandssemester auf Spitzbergen absolviert. Die Bewerbung beim DWD war danach direkt erfolgreich. „Ich bin froh, im Bereich der Vorhersage zu arbeiten. Nur wenige Meteorologen haben das Glück, nach dem Studium noch so nah am Wetter tätig sein zu können.“ Nach der Einstellung als Tarifangestellte ist sie mittlerweile Beamtin im höheren Dienst.

Für ihre Aufgabengebiete bildet sich die Wetterexpertin in Fortbildungen weiter. Da ihr ihre Tätigkeiten Spaß machen, möchte sie ihre beiden Jobs auch in Zukunft weiterführen. Möglichkeiten, sich innerhalb des Deutschen Wetterdienstes beruflich weiterzuentwickeln, gibt es viele: „Der DWD ist der größte Arbeitgeber für Meteorologen. Hier gibt es viele andere spannende Arbeitsbereiche, wie die Forschung oder Klima und Umwelt. Da lassen sich auch nach Jahren noch neue Herausforderungen finden.“

abi» 21.08.2020

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