Verstehen, was die Welt zusammenhält

Physikalisches Messgerät
Physiklaboranten arbeiten eng mit Naturwissenschaftlern und Ingenieuren zusammen. Sie bereiten Anlagen und Geräte für Experimente vor und führen selbst Versuchsreihen durch.
Foto: Thorsten Thiel

Physiklaborant/in – Hintergrund

Verstehen, was die Welt zusammenhält

Ohne die Erkenntnisse der Physik gäbe es keine Flugzeuge, keine Smartphones und keine Streaming-Dienste. Wer die Entwicklung bahnbrechender neuer Technologien vorantreiben möchte, muss aber nicht unbedingt Physik studieren. Eine wichtige Rolle spielen auch Physiklaboranten.

Physiklaboranten sind nicht nur an der Entwicklung modernster Technologien beteiligt, sondern auch an der Erforschung der Grundlagen vieler elementarer Phänomene – also kurzum an all dem, was die Welt im Innersten zusammenhält. Kein Nobelpreis für Physik wäre ohne die Arbeit der Laboranten gewonnen worden. „Physiklaboranten sind maßgeblich an der Umsetzung von technischen Abläufen beteiligt, arbeiten unter anderem in der Produktion, in der Qualitätssicherung oder Forschung“, erklärt Silke Remusch, Ausbildungsleiterin für Physiklaboranten in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig und Mitgründerin des Portals www.physiklaboranten.de „Als Physiklaborant oder -laborantin ist man sofort mittendrin im praktischen Geschehen.“

Porträtbild von Silke Remusch

Silke Remusch

Foto: privat

Wie funktioniert ein Experiment am besten und ist das Ergebnis eines Versuches immer gleich? Um diese Fragen zu beantworten, bauen Physiklaboranten ganz praktisch Versuchsanlagen auf, bereiten Messungen vor und führen diese mithilfe von rechnergesteuerten Messeinrichtungen durch. Zudem analysieren und dokumentieren sie ihre Ergebnisse. Viele Physiklaboranten sind bei einem Industrieunternehmen in der Elektro-, Maschinenbau-, Glas- oder Baustoffindustrie beschäftigt oder arbeiten in Forschungseinrichtungen und Prüflabors im öffentlichen Dienst – die meisten davon bilden auch aus.

Azubis mit Abitur gesucht

Die Zahl der Ausbildungsplätze ist laut Arbeitsmarktmonitor der Bundesagentur für Arbeit höher als die Zahl der Bewerber und nach Angaben des Bundesinsituts für Berufsausbildung (BIBB) werden bereits während der Ausbildung gute Vergütungen bezahlt.

Die Ausbildung zum Physiklaboranten erfolgt nach dem dualen System, das heißt, Ausbildung im Betrieb und Unterricht in der Berufsschule, sie ist staatlich anerkannt und dauert in der Regel dreieinhalb Jahre. Bei guter Leistung kann die Ausbildungsdauer verkürzt werden, dann erfolgt die IHK-Abschlussprüfung entsprechend früher.

Arbeitgeber erwarten eine mittlere Reife, der Großteil der Auszubildenden (86 Prozent) hatte 2017 laut Berufsbildungsstatistik des BIBB allerdings das Abitur, oftmals wird mit einem schriftlichen Test die Eignung überprüft. „Sorgfalt ist sehr wichtig und: Ohne Mathe läuft nichts! Außerdem braucht es Interesse an Naturwissenschaften und strukturiertes, selbstständiges und gewissenhaftes Arbeiten“, betont Ausbilderin Silke Remusch.

Rein schulische Ausbildung als Alternative

Dem Physiklaboranten verwandt ist der Beruf des Physikalisch-technischen Assistenten. Diese Ausbildung dauert zwei bis zweieinhalb Jahre und ist rein schulisch – es gibt also keine Ausbildungsvergütung. Eine Alternative zur Ausbildung ist ein duales Studium. Dabei lässt sich zum Beispiel ein Studium in Maschinenbau oder Mechatronik mit einer Ausbildung zum Physiklaboranten verbinden.

Nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung und der Aushändigung des Facharbeiterbriefs stehen die Chancen auf eine Anstellung äußerst gut, weiß Silke Remusch. Wer noch tiefer in die Welt der Technik und Naturwissenschaften eintauchen will, der kann im Anschluss eine Techniker-Weiterbildung in den Bereichen Physiktechnik oder Umwelttechnik machen oder ein Studium anschließen. „Der Einstieg in Studium wird durch die in der Ausbildung vermittelten Kenntnisse ziemlich leicht fallen“, gibt Silke Remusch abschließend mit auf den Weg.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Informationen zu passenden Studiengängen und -berufen findest du etwa im Teilberufsfeld „Naturwissenschaften“.

www.berufsfeld-info.de/planet-beruf.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Beschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Physiklaborant/in)

www.berufenet.arbeitsagentur.de/berufe

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.

https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

Arbeitsmarktmonitor der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarktmonitor enthält Daten zu Berufen, Branchen und mehr. Unter „Faktencheck > Ausbildungsradar > Beruf: Physiklaborant/in“ gibt’s statistische Informationen zu Ausbildungsplätzen.

https://arbeitsmarktmonitor.arbeitsagentur.de

Physiklaboranten.de

Gemeinschaftsportal der Technischen Universität Braunschweig, der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, dem Frauenhofer IST mit vielen Infos rund um den Beruf.

www.physiklaboranten.de

Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG)

www.dpg-physik.de

Physikalisch-Technische Bundesanstalt

www.ptb.de

 

Physiklaborant

Der Analyse-Spezialist

Als angehender Physiklaborant ist Conrad Schubert (21) ganz nah dran an der Forschung. Mal unterstützt der Auszubildende Doktoranden bei der Entwicklung neuer Substanzgemische, mal legt er an einem der großen Teilchenbeschleuniger Europas Hand an.

Dass er nach dem Abitur eine Ausbildung machen will, das war für Conrad Schubert klar. Auf die Idee, sich für einen Ausbildungsplatz in einem Labor zu bewerben, brachte ihn allerdings erst ein Selbsterkundungstest. Physiklaboranten arbeiten eng mit Naturwissenschaftlern und Ingenieuren zusammen. Sie bereiten Anlagen und Geräte für naturwissenschaftliche Experimente vor und führen selbst Versuchsreihen durch.

Conrad Schubert und sein Kollegen Henrik Kolb

Conrad Schubert (links) mit Kollege Henrik Kolb

Foto: Jana Grämer (HZDR)

„Die meisten Ausbildungsplätze werden in Forschungseinrichtungen angeboten, schließlich habe ich mich für das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) entschieden“, erklärt der gebürtige Görlitzer. Auf eine Schiene festgelegt fühlt er sich deswegen trotzdem nicht – zu recht: Physiklaboranten sind die Generalisten unter den naturwissenschaftlichen Berufen.

Spannender Forschungseinsatz in der Schweiz

Inzwischen ist Conrad Schubert im dritten Ausbildungsjahr und steht kurz vor einem Forschungseinsatz im französischen Grenoble. Dort wird er zwei Wochen lang an der Großforschungseinrichtung European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) arbeiten. Die ESRF ist ein länderübergreifendes Forschungsprojekt, an dem das Helmholtz-Zentrum mit einer eigenen Beamline (einer beschleunigerphysikalischen Apparatur) für radiochemische Experimente beteiligt ist.

Die Praxis und Mitarbeit in verschiedenen Forschungsprojekten ist ein wichtiger Bestandteil seiner Ausbildung. Vom ersten Tag an arbeitete der 21-Jährige an verschiedenen Arbeitsstätten und Labors mit und unterstützte diverse Forschungsarbeiten, etwa die eines Doktoranden, der sich eine neuartige chemische Substanz patentieren ließ und nun die Zusammensetzung optimieren will. „Ich habe die Stoffe aus den Sedimenten analysiert und dabei untersucht, welche Metalle zu welchen Anteilen in der Mischung enthalten sind“, erklärt der angehende Physiklaborant. Genau das reizt Conrad Schubert am Beruf: „Ich muss Problemlösungen finden, immer wieder neue Wege suchen und meine Arbeit immer wieder optimieren. Mich spornt das an.“

Hoher Praxisanteil und viel Laborarbeit

Am Helmholtz-Zentrum durchläuft er praxisorientierte, drei- bis vierwöchige Laborblöcke, etwa im Bereich Elektrotechnik oder Optik, aber auch Mikrobiologie. Diese wechseln sich mit zweiwöchigen Theorieblöcken an der Berufsschule in Meißen-Radebeul ab. Dort lernen derzeit insgesamt zwölf Physiklaboranten schwerpunktmäßig die verschiedenen Disziplinen der Physik wie Mechanik, Thermodynamik, Atom- und Teilchenphysik, dazu kommen Biologie, Chemie und auch andere Fächer wie Wirtschaftskunde, Ethik oder Sport. „Englisch ist auch sehr wichtig“, betont Conrad Schubert, dabei wird besonders auf das benötigte Fachenglisch geachtet. „Schon jetzt muss ich mich manchmal im Labor auf Englisch unterhalten“, merkt er an.

Etwa ein Jahr dauert Conrad Schuberts dreieinhalbjährige Ausbildung noch. Danach will er sich weiterqualifizieren. „Entweder mache ich eine Weiterbildung zum Techniker oder ich schließe noch ein Studium an“, schildert er seine weiteren Pläne.

So kann ein Projektverlauf aussehen >>

 

Physiklaborantin

Zwischen Entwicklung und Qualitätskontrolle

Ein Bürojob kam für Tina Schramm nach dem Abi nicht infrage. Daher entschied sie sich für eine Ausbildung zur Physiklaboratin – und das obwohl sie in der Schule kein Physikass war. Nun analysiert die 30-Jährige beim Filterspezialisten MANN+HUMMEL die Eigenschaften und Qualitäten der Materialien und Produkte.

Physik und Mathe sind ein Muss im Beruf? „Bedingt“, sagt Tina Schramm. „Die Physik, die uns im Beruf beschäftigt, hat mit der Standardphysik, wie sie an der Schule unterrichtet wird, eher weniger zu tun“, erklärt die 30-Jährige. Tina Schramm hat schon ihre Ausbildung bei MANN+HUMMEL absolviert und wurde im Anschluss direkt in eine Festanstellung übernommen. Für sie war der Weg zur Physiklaborantin von Zufällen und glücklichen Umständen begleitet – zum Beispiel dem, dass ihr Heimatort Selb bei Bayreuth in einer Hochburg für Physiklaboranten liegt.

Tina Schramm im Labor

Tina Schramm

Foto: MANN+HUMMEL

Bei MANN+HUMMEL am Standort Himmelkron analysieren Physiklaboranten die Eingangsmaterialien, optimieren die Bestandteile der Filter und überprüfen, ob neue Produkte am Ende den Spezifikationen entsprechen. Aber auch etablierte Filtersysteme müssen einer ständigen Qualitätsprüfung unterzogen werden – das betrifft die ankommenden Rohstoffe und Komponenten genauso wie die auszuliefernden fertigen Produkte.

Konkret nimmt Tina Schramm Stichproben der Aktivkohle, Klebstoffe und Vliese, die in den Filtersystemen zum Einsatz kommen und üperprüft, ob alle Materialien über die notwendigen Eigenschaften verfügen. Wenig später landen diese in verbauter Form wieder bei ihr im Labor, dann steht die Qualitätsprüfung der fertigen Filter an. Passt etwas nicht, muss optimiert werden, bis die Ware wieder die Standards erfüllt und herausgegeben werden kann.

Das Unsichtbare sichtbar machen

Die Prüfung erfolgt nach vorgegebenen DIN-Normen. Wichtige Parameter sind der Druckabfall, die Abscheideleistung, die Staubspeicherkapazität und die Gasadsorption (die Anreicherung von Gasen an der Oberfläche eines Festkörpers). Bei der Überprüfung macht sie sich die Gesetze der Strömungsmechanik zu nutze: Drucksensoren und Partikelzähler machen so die Leistung eines Filters sichtbar. „Partikelzähler sind die Messeinrichtungen, die auch bei der Überprüfung von Feinstaubbelastungen in den Städten zum Einsatz kommen“, erklärt Tina Schramm.

Im Team mit drei Laboranten, einer Auszubildenden und einem Prüftechniker ist sie also die Schnittstelle zwischen Entwicklung, Musterbau und Qualitätsprüfung. „Die Prüfvorgänge selber laufen vollständig automatisiert ab, wir müssen die Apparaturen bestücken und die Auswertungen vornehmen“ erklärt sie. Die Arbeit am Computer macht etwa 30 bis 40 Prozent aus – der Rest ist Koordination, Organisation und – Bewegung. „Körperlich ist meine Arbeit nicht wirklich anstrengend, aber ich bin viel durch die Hallen unterwegs.“

Vielseitiger Beruf

Die wichtigste Voraussetzung für ihre Arbeit sieht Tina Schramm in der Fähigkeit, eigenständig zu arbeiten und sich gut zu organisieren. Sorgfalt sei dabei unerlässlich, und Belastbarkeit. „Man muss alle Abläufe eigenverantwortlich koordinieren und bei allen Aufgaben gibt es immer Termindruck – egal ob bei der Qualitätsprüfung etablierter Produkte oder bei Neuentwicklungen“, betont sie.

Ihren Beruf empfindet sie als sehr erfüllend. Große Veränderungspläne hat sie nicht. „Vielleicht mache ich irgendwann die Weiterbildung zur Technikerin. Noch mehr würde es mich jedoch reizen, die Ausbildung der Physiklaboranten zu übernehmen.“ Optionen gibt es viele – so ist eine ehemalige Laboranten-Kollegin inzwischen als Entwicklungsassistentin tätig. „Das ist ja das Schöne im Beruf, dass die Arbeit und die Perspektiven so vielseitig sind“, schließt sie.


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Stand: 24.10.2019