beruf & karriere

Virologe

Den Erregern auf der Spur

Seit März 2020 versuchen Staaten weltweit, die Ausbreitung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 einzudämmen. Während der Pandemie kommen Spezialist*innen zu Wort, die sonst eher im Hintergrund agieren. Einer von ihnen ist Dr. Mario Hönemann (36). Der Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie arbeitet an der Uniklinik Leipzig am Institut für Virologie.

Foto aus dem Labor: Junger Mann entnimmt Flüssigkeit mit einer Pipette.

Das Labor ist der Arbeitsplatz von Virologen.

Ende Mai 2020 ist eine Studie in Sachsen angelaufen, in der die Verbreitung des Coronavirus‘ unter Schulkindern und Lehrkräften untersucht wird. Federführend ist die Universität Leipzig, genauer gesagt das Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen (LIFE). „Wir möchten mit großflächigen Tests erfahren, ob die positiv getesteten Patient*innen lediglich die Spitze des Eisbergs darstellen“, erklärt Mario Hönemann.

Getestet wird, ob jemand aktuell infiziert ist oder ob jemand bereits eine Infektion durchgemacht und Antikörper gebildet hat. Die Gewinnung der Proben erfolgt vor Ort in den Schulen durch die LIFE-Mitarbeiter*innen. Am Institut für Virologie, an dem Mario Hönemann arbeitet, werden die Proben anschließend ausgewertet.

Arbeitsbelastung durch SARS-CoV-2

Ein Foto von Mario Hönemann

Mario Hönemann

„Zurzeit werden im Tagesgeschäft circa 400 Atemwegsproben auf das neue Coronavirus untersucht“, erklärt Mario Hönemann. „Die Epithelien, die man etwa mit einem Rachenabstrich erfasst, werden in einer Testflüssigkeit gelöst. Daraus wird die Nukleinsäure, also das Genom des Virus‘, herausgelöst und molekularbiologisch nachgewiesen.“

Der Körper reagiert auf eine Infektion, indem er Antikörper bildet. Die Untersuchung von Blutproben erlaubt es wiederum, eine bereits abgelaufene Infektion mit SARS-CoV-2 festzustellen. Die Arbeit an den Tests wird von medizinisch-technischen Assistent*innen durchgeführt. „Wir müssen zwar alle Tests beherrschen und führen diese im Notfall auch durch. Aber als Arzt bin ich in erster Linie für die Befundung, die Beratung von Ärzten und Ärztinnen sowie die Organisation des Laborablaufes zuständig“, führt Mario Hönemann aus.

Detaillierte Beratung

Als Virologe hat Mario Hönemann auch mit anderen Erregern als SARS-CoV-2 zu tun, etwa mit Influenzaviren oder HIV, worauf im Klinikum vor bestimmten operativen Eingriffen routinemäßig gescreent wird. Ein wichtiger Teil seiner Arbeit: Er erstellt Befunde, spricht Therapieempfehlungen aus, rät bei nicht eindeutigen Ergebnissen zur Durchführung weiterer Tests oder zur erneuten Einbestellung von Patient*innen für einen Kontrolltermin. Ist zum Beispiel ein bestimmter Antikörperwert zu Hepatitis B negativ oder niedrig, könne man eine Impfempfehlung gemäß der Vorgabe der Impfkommission des Robert Koch-Instituts aussprechen oder anraten nachzuimpfen.

Lange Ausbildung zum Virologen

Der Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie hat eine lange Ausbildung hinter sich: Nach seinem Studium der Humanmedizin verbrachte Mario Hönemann in der insgesamt fünfjährigen Facharztausbildung zunächst je ein Jahr in der Virologie und der Mikrobiologie, die Bakterien und Pilze untersucht. Zwei Jahre kann man sich frei für eines der Gebiete entscheiden. Ein weiteres Jahr betreut man Patient*innen direkt auf einer Station oder in einer Praxis.

Seine Doktorarbeit hat er in der Virologie angefertigt und danach eineinhalb Jahre an der New York University in einem Malaria-Labor gearbeitet, bevor er an die Uniklinik Leipzig wechselte. „Mir gefällt das weite Spektrum an einer Universitätsklinik, dazu zählt auch die Arbeit mit den Studierenden und an Forschungsfragestellungen“, sagt Mario Hönemann. In Leipzig hält der Virologe auch Vorlesungen und Seminare für Studierende ab, etwa über Virusinfektionen der Atemwege und Infektionen des Nervensystems.

abi» 04.09.2020

Diesen Artikel teilen