beruf & karriere

Berufe im Klimaschutz

Das Klima als Passion

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg ist längst weltweit bekannt, auch die Bewegung ‚Fridays for Future‘ hat unzählige Länder erreicht: Klimaschutz gehört zu den wichtigsten Themen der Gegenwart. Viele möchten daher mit ihrem Beruf einen Beitrag leisten. Gesucht werden kluge Köpfe aus unterschiedlichen Disziplinen, die für das Thema brennen.

Wolken spiegeln sich im Wasser.

Berufe im Klimaschutz sind in allen Branchen anzutreffen.

Eine Reise brachte Marlen Bachmann zum Nachdenken. Eigentlich war der mehrwöchige Aufenthalt während der Studienzeit ein lang gehegter Traum. Doch ihr wurde damals auch klar, dass sie sich mehr im Klimaschutz engagieren möchte. Nach ihrem Bachelor im Fach Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Uni Leipzig und dem anschließenden Master in Medien und Politische Kommunikation an der FU Berlin bewarb sie sich deswegen 2018 als Trainee bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in Berlin – und bekam kurz darauf eine Stelle im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Verkehrswende, erneuerbare Energien oder Mehrweg – dies sind nur einige der Themen, für die sich die DUH einsetzt. Genauso vielfältig ist auch der Job von Marlen Bachmann. Die 28-Jährige schreibt Pressemitteilungen zu unterschiedlichsten Aspekten. Als die Regierung kürzlich etwa ein Konjunkturprogramm beschloss, schrieb sie in Absprache mit den Fachbereichen ein Statement, das die Position der DUH wiedergab. „Ich sorge dafür, dass wir möglichst schnell eine fundierte und gut strukturierte Mitteilung an Journalisten, Interessierte und über Soziale Medien verschicken können“, erklärt sie. „Ich arbeite mich jeden Tag in verschiedene Themen ein, das wird nie langweilig.“

Viele Bereiche sind möglich

Porträt von Marlen Bachmann

Marlen Bachmann

Der Umwelt- und Klimaschutz ist laut einer Studie, die im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes erstellt wurde, für 14- bis 22-Jährige derzeit eines der wichtigsten Probleme in Deutschland. „Es gibt sehr viele Tätigkeiten, bei denen man einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann“, weiß Paul Stallmeister, Berufsberater der Agentur für Arbeit in Ahlen-Münster. Gefragt sind Nachwuchskräfte unterschiedlicher Disziplinen, die sich global mit dem Thema auseinandersetzen und ihren Beitrag leisten wollen.

Ein großer Bereich sind dabei naturwissenschaftliche Berufe aus der Meteorologie, Geophysik, Geologie, Physik und Landschaftsökologie. „Sie sammeln Erkenntnisse über die naturwissenschaftlichen Zusammenhänge beim Klima und die Einflüsse des menschlichen Handelns, die für politische Entscheidungen eine Grundlage bieten.“

Der Berufsberater betont allerdings auch: „Man muss sich im Klaren sein, dass das Thema Klimaschutz im Studium und Berufsalltag oft nur am Rande eine Rolle spielt, abhängig vom Arbeitgeber und dem Aufgabenfeld. In der Geologie etwa mag es durchaus auch um die Suche nach Kohle- und Erdgaslagerstätten gehen.“ Bei Umweltverbänden, in der Politik und der Forschung ist die Chance jedoch groß, dass man auch im Alltag konkret mit Klimaschutz zu tun hat.

Städte und Verhalten verändern

„Das gilt übrigens für viele Jobs“, betont der Berufsberater. „Viele Menschen leisten mit ihrer Arbeit einen Beitrag zum Klimaschutz, im Berufsalltag steht das Thema aber selten im Vordergrund.“ Das sei oft auch im technischen Bereich so. Auch wenn man beispielsweise keine kompletten Windkraftanlagen entwickelt, könne es doch sein, dass man Teile dafür zuliefert – zumindest wenn man in einem entsprechenden Unternehmen arbeite. Ähnliches lässt sich über Berufe im sozialpolitischen Bereich sagen. Juristen, Volkswirte und Wirtschaftswissenschaftler können etwa an Gesetzentwürfen und der Ausarbeitung anderer Mechanismen beteiligt sein, die das Verhalten von einzelnen Menschen, aber auch von großen Unternehmen steuern und dieses im Sinne des Klimaschutzes verändern. Häufig sind es Behörden auf regionaler oder bundesweiter Ebene sowie Nichtregierungsorganisation (NGOs), bei denen man sich mit diesen Themen beschäftigen kann.

Beim Klimaschutz ist auch der Bereich Stadt- und Regionalplanung wichtig. So haben die Ideen von Architekten, Landschaftsplanern und Stadtplanern einen Einfluss auf das Leben von Menschen und können durch Verkehrskonzepte und die Planung von Grünanlagen ebenfalls einen Beitrag zum Klimaschutz leisten – siehe Berufsreportage (wird verlinkt mit dem Porträt „Projektmanagerin im Umweltschutz“).

Wahl des Arbeitgebers entscheidend

Bei der Wahl des Studiums hat man grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wie Paul Stallmeister betont. „Man kann von Anfang an einen Studiengang wählen, der einen konkreteren Bezug zum Klimaschutz hat – wie Umweltwissenschaften oder Umweltingenieurwesen – oder man entscheidet sich für einen breiter aufgestellten Bachelor und spezialisiert sich dann mit einem Masterstudiengang oder mit der Wahl einer besonderen Vertiefungsrichtung auf den Klimaschutz.“ Solche Angebote gäbe es beispielsweise zu Themen wie Umweltökonomie, Umweltrecht, Klimagerechtes Bauen sowie Klimaphysik/Climate Physics. (Wird verlinkt mit der Studienreportage).

Auch bei den Ausbildungsberufen folgt die Spezialisierung laut Paul Stallmeister meist erst nach dem Abschluss. „Man kann eine entsprechende Weiterbildung wie im kommunalen Klimaschutz machen oder man sucht sich einen Arbeitgeber, bei dem man seinen Beitrag zu dem Thema leisten kann.“ Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik beispielsweise können durch den Einbau von umweltfreundlichen Klimaanlagen und Heizungssystemen für einen geringeren Energieverbrauch in Gebäuden sorgen, während Bauzeichner und Vermessungstechniker bei Büros angestellt sein können, die bei der Stadtplanung beteiligt sind. (Wird verlinkt mit der Berufsübersicht.)

Unabhängig von der Studien- oder Ausbildungswahl sind letztendlich der Arbeitgeber und die Branche wichtig, für die man sich entscheidet. Ist Klimaschutz dort ein Thema, sind die Chancen größer, dass man selbst auch involviert ist – siehe unsere Berufsreportage (wird verlinkt mit dem Porträt „Klimamanagerin“). Auf dem Arbeitsmarkt sind laut Paul Stallmeister derzeit mehrere Fachrichtungen besonders gefragt: „Viele Betriebe und Unternehmen stellen auf eine klimafreundlichere Produktion um. Das betrifft nahezu alle Branchen.“ Wer in diesen Prozess involviert ist, trägt also ebenfalls etwas zum Klimaschutz bei – Techniker, Mechatroniker und Elektriker ebenso wie Informatiker und Geschäftsführer.

Positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt

Die Bundesagentur für Arbeit beobachtet eine positive Entwicklung im Klima-Bereich. „Durch die zunehmende Bedeutung des Klimaschutzes erfreuen sich auch die Berufsfelder Umweltschutztechnik sowie Umweltmanagement und -beratung zunehmenden Wachstums“, erklärt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung. „In dem noch relativ kleinen Berufsfeld sind derzeit 33.000 Personen sozialversichert beschäftigt, 19 Prozent mehr als noch 2013.“

Die Zahl der Arbeitslosen, die eine Beschäftigung in diesem Berufsfeld suchen, ist rückläufig und die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt. Auch Ingenieure, die an der Entwicklung, Konstruktion und Produktion von Produkten wie für E-Mobilität oder die Gewinnung von regenerativen Energien, beteiligt sind, sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Claudia Suttner: „Die beruflichen Chancen für jemanden, der eine Tätigkeit im Klimaschutz anstrebt, stehen entsprechend seiner Bedeutung gut.“

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung

berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild

berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung. Im finder kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen

studienwahl.de

Umweltbundesamt

Die Behörde Umweltbundesamt forscht, berät und informiert zu zahlreichen Fragen des Umweltschutzes

umweltbundesamt.de

Bundesverband Erneuerbare Energien

bee-ev.de

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

Greenjobs

Jobbörse für Umweltfachkräfte

greenjobs.de

Video

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.

abi» 24.08.2020

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