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Berufe im Klimaschutz – Interview

„Wir brauchen viele schlaue Köpfe“

Erneuerbare Energien und Energiespeicher spielen schon jetzt eine wichtige Rolle. Aber wie weit sind wir insgesamt mit dem Klimaschutz? Und welche Bereiche werden uns in der Zukunft beschäftigen? Antworten darauf gibt Dr. Robert Brandt, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), die sich für die Vermittlung der Chancen der Energiewende einsetzt.

Auf dem Foto sind Windräder zu sehen.

Erneuerbare Energien spielen bei der Stromversorgung eine wichtige Rolle.

abi» Herr Brandt, welche Themen und Aspekte spielen beim Klimaschutz in Deutschland eine Rolle?

Robert Brandt: Klimaschutz ragt in all unsere Lebensbereiche. Wir schützen es, in dem wir unseren Konsum reduzieren, Dinge teilen, weniger Fleisch essen, uns nachhaltiger fortbewegen und unseren Bedarf an Wärme, Kälte oder Strom mit Erneuerbaren Energien decken. Der Klimaschutz spielt in Deutschland eine große Rolle, wie die Demonstrationen von Fridays for Future, die Wirtschaftsinitiativen und das Klimaschutzpaket der Bundesregierung zeigen. Es kann aber noch mehr noch schneller umgesetzt werden.

abi» Wie ist der aktuelle Stand in Sachen Klimaschutz?

Robert Brandt: In der Energiewende sind wir gut unterwegs. Der erneuerbare

Dr. Robert Brandt

Stromsektor kann schon einen hohen Anteil an Erneuerbaren Energien aufweisen. Bei Verkehr und Wärme sieht es dagegen weniger gut aus. Bisher ist es noch nicht gelungen, die Mobilität klimaschonender auszugestalten. Dafür brauchen wir deutlich mehr Fahrradverkehr, mehr Transporte über die Schiene, mehr Elektromobilität und mehr Biokraftstoffe. 2019 wurden nur 5,6 Prozent des Energieverbrauchs mit Biokraftstoffen und erneuerbarem Strom gedeckt. Bei der Wärme muss der Energiebedarf drastisch reduziert und der Umstieg auf erneuerbare Erzeugung geschafft werden. Auch hier stehen wir am Anfang. Im vergangenen Jahr lag der Anteil nachhaltiger Technologien wie Wärmepumpen bei 2,3 Prozent, der von Holz- oder Pelletheizungen bei 2,8 Prozent.

abi» Wie sieht es mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien aus?

Robert Brandt: Der Ausbau ist eigentlich schon recht weit. 2019 lag der Anteil erneuerbarer Stromerzeugung – also der Windkraft On- und Offshore, der Photovoltaik, der Bioenergie, der Wasserkraft und der Geothermie – insgesamt bei 42 Prozent des Bruttostromverbrauchs. Etwas Sorge macht die aktuelle Entwicklung. Der notwendige jährliche Ausbau wird zurzeit nicht geschafft. Hier sind mehr Vermittlung der Energiewende und ihrer Chancen, kluge energiepolitische Weichenstellungen, die Weiterentwicklung von Speichern und die Nachjustierung der Stromnetze gefragt.

abi» Welche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt?

Robert Brandt: Mit dem Erneuerbare-Energie-Gesetz wurde der Grundstein für den erfolgreichen Ausbau gelegt. Nun ist es wichtig, mit einem umfassenden und die Schäden abbildenden CO2-Preis die Wettbewerbsfähigkeit für klimaschützende Technologien zu verbessern. In einem fairen Wettbewerb werden sich mehr Verbraucher für nachhaltige Lösungen entscheiden.

abi» Welche Bereiche werden in Zukunft eine Rolle spielen?

Robert Brandt: Die ganze Daseinsversorgung und die Industrie werden fundamental umgebaut. Wenn wir das 1,5 Grad-Ziel der Weltgemeinschaft, beschlossen 2015 in Paris, erreichen wollen, müssen die Emissionen auf Null reduziert, Erneuerbare Energien, Speicher und die Wasserstofftechnologie ausgebaut sowie Energieeinsparungen umgesetzt werden. Auch die Elektromobilität und intelligente Sharing-Konzepte bergen Chancen. Und nicht zu vergessen ist die Digitalisierung: Eine vernünftige – möglichst energiesparende und Daten schützende – Digitalisierung wird helfen, viele kleine Einheiten zusammen zu schalten und effektiv zu steuern. Dafür brauchen wir viele schlaue Köpfe. 

abi» 24.08.2020

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