Mission Possible

Windräder über der Nordsee
Einhundert Meter über den Nordseewellen arbeitet Nils Martens (28).
Foto: privat

Berufe mit Adrenalin

Mission Possible

In schwindelerregender Höhe Windkraftanlagen warten, Bomben entschärfen, in Kriegsgebieten Menschen ärztlich versorgen, in schwer zugänglichen Höhlen forschen: Wenn das Risiko zum Beruf gehört, braucht es mehr als Fachwissen, um in brenzligen Situationen das Richtige zu tun.

Während andere ins Büro gehen, hebt Nils Martens erst einmal ab. Sein Arbeitsplatz befindet sich 100 Meter über den Wellen der Nordsee, zumindest immer dann, wenn der 28-Jährige Anlagentechniker eines der 67 Windräder im zweitgrößten Offshore-Windpark Deutschlands wartet. Der Park heißt Veja Mate und befindet sich etwa 95 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum. Bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 10 Meter pro Sekunde kann es schon mal ungemütlich werden. Meistens wohnen die Anlagentechniker auf einem „Hotelschiff“. Ist das Wetter zu schlecht, fliegen sie mit dem Helikopter die Anlagen vom Land aus an.

Nach oben geht es mit dem Fahrstuhl. Fällt der mal aus, heißt es Steigen klettern. Kletterausrüstung ist in jedem Fall für Nils Martens Pflicht. Oben angekommen geht es noch einmal acht Meter über eine Leiter hoch bis zur sogenannten Gondel, in der sich unter anderem der Transformator befindet. Dort liest er Instrumente ab, schaut nach Schmutzablagerungen oder Feuchtigkeit und überprüft Isolierungen. Hier kann er den Sicherheitsgurt beim Arbeiten ablegen. Bei Bedarf muss er aber auch mal auf die Gondel klettern. Von oben betrachtet sehen die Rotoren mit ihren 154 Metern Durchmesser gigantisch aus. Wo andere weiche Knie bekommen, kann Nils Martens die Aussicht genießen: „Man muss natürlich schwindelfrei sein“, sagt er schmunzelnd. Angst hat er keine: Um Wartungsaufgaben in Windkraftanlagen durchführen zu können, hat er spezielle Schulungen durchlaufen – angefangen vom Umgang mit der Kletterausrüstung bis zur Rettung von Personen. Sehr gefährliche Arbeiten direkt an den Rotorblättern übernehmen allerdings Industriekletterer.

In der Luft, unter Wasser

Ein Porträt-Foto von Petra Cämmerer

Petra Cämmerer

Foto: privat

„Industriekletterer“ ist kein Ausbildungsberuf: „Die meisten bringen eine handwerkliche Ausbildung oder ein Studium mit, etwa als Anlagenmechaniker oder Ingenieur, und durchlaufen entsprechende Zusatzqualifikationen, um Höhenarbeiten ausführen zu dürfen“, erklärt Petra Cämmerer, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Hamburg. Angeboten werden solche Lehrgänge vom Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken (FISAT). Sie bilden zum Beispiel Dachdecker aus, die Kirchtürme erklimmen, Mechaniker, die Blitzschutzanlagen aufstellen oder Ingenieure, die Brücken instand halten. (Siehe auch die Reportage Industriekletterer „In den Seilen“)

Auch Taucher, die in Offshore-Windparks, auf Werften und Bohrinseln Reparaturen durchführen oder im Auftrag der Polizei nach Vermissten suchen, haben eine Zusatzqualifikation, die sie ergänzend zu ihrem Beruf erlernt haben. „Berufstaucher sind zum Beispiel gelernte Mechaniker, Schweißer, Soldaten oder auch Wissenschaftler“, erzählt Petra Cämmerer. Die Ausbildung richtet sich je nach Einsatzgebiet, so werden zum Beispiel Minentaucher bei der Bundeswehr mehrere Jahre auf ihren Einsatz vorbereitet.

Apropos Sprengstoff: Das Hantieren mit Sprengstoff, ob nun in der Kampfmittelbeseitigung bei der Bundeswehr, der Polizei, im Berg- oder Tiefbau, erfordert eine Weiterbildung zum Sprengmeister oder Feuerwerker, wie sie etwa von der Dresdner Sprengschule oder dem Deutschen Sprengverband angeboten wird. (Siehe auch die Reportage Kampfmittelabwehrspezialistin „Sprengstofffalle – oder nicht?“)

Risiko inbegriffen

Berufe wie Arzt, Journalist und Wissenschaftler sind zwar per se nicht gefährlich, können aber ebenfalls je nach Einsatzort hohe Risiken bergen – etwa, wenn sie in Krisengebieten als Kriegsreporter oder als medizinisches Personal arbeiten. „Nicht selten entscheiden sich Menschen aufgrund ihres sozialen Engagements für eine Tätigkeit in einem Krisengebiet“, berichtet die Beraterin. Neben dem eigentlichen Fachwissen lernen Teilnehmer in speziellen Trainings, wie sie sich etwa in möglichen Extremsituationen wie Beschuss oder Entführung verhalten sollen.

Auch Wissenschaftler, die Höhlen erforschen, leben beim Abstieg in die Unterwelt gefährlich. Abgesehen davon, dass es kühl, eng und feucht ist, müssen sie mit schnell steigendem Grundwasser rechnen. Den „Höhlenforscher“ an sich gibt es aber nicht: „Höhlen sind für viele Wissenschaften interessant – für Archäologen, Biologen, Geologen, Klimatologen oder auch Paläontologen“, erläutert Petra Cämmerer.
Während Wissenschaftler sich nur ab und an in Gefahr begeben, leben Polizisten, Feuerwehrleute und manche Zeitsoldaten täglich mit einem gewissen Risiko.

Wer es noch brenzliger mag: Polizisten und Zeitsoldaten können sich als Bombenentschärfer beim Kampfmittelräumdienst, als Fahnder oder verdeckter Ermittler weiterspezialisieren oder werden Personenschützer bei einem Spezialeinsatzkommando (SEK) der Länder. Bei der Bundeseliteeinheit GSG 9 bekämpfen sie zudem Schwerst- und Gewaltkriminalität sowie Terrorismus.

In der Ruhe liegt die Kraft

Welche physischen und psychischen Eigenschaften jemanden dazu befähigen, mit risikobehafteten Arbeitsbedingungen umgehen zu können, kann nicht allgemein auf ein paar Eigenschaften reduziert werden: „Ein zukünftiger Polizeibeamter sollte auf jeden Fall emotional stabil sein. Er sollte mit Stress und Konflikten umgehen können. Empathie, wertschätzendes Verhalten gegenüber Menschen sind meines Erachtens nach ebenfalls notwendig“, sagt der Psychologe und Professor Knut Latscha, der an der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen arbeitet. „Auch physisch sollten die Beamten in guter körperlicher Verfassung sein. Das wird aber durch eine ärztliche Untersuchung vorab geprüft.“ Ob jemand darüber hinaus für Einsätze in Spezialeinheiten geeignet ist, werde durch die strengen Auswahlverfahren überprüft.

Risiko hat seinen Preis

Risikoeinsätze von Spezialisten wie Industriekletterer, Berufstaucher oder Sprengmeister sind oft gut bezahlt. Aber das hat auch seinen Preis: „Romantische Vorstellungen sind fehl am Platz. In der trüben Elbe bei eiskalten Temperaturen einen Schiffsrumpf zu inspizieren oder bei windigem Nieselregen auf einem Kirchendach zu arbeiten, ist körperlich anstrengend und kann nicht bis ins hohe Alter ausgeführt werden. Hinzu kommt, dass die Spezialisten häufig unterwegs sind. Auch das muss man wollen“, betont Petra Cämmerer.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit mit einem Überblick und Reportagen zu verschiedenen Berufswelten.
berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

FISAT Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken e.V.

www.fisat.de

Dresdner Sprengschule

www.sprengschule-dresden.de/

Bundeskriminalamt

Informationen zu Karriere und Beruf beim Bundeskriminalamt
www.bka.de/DE/KarriereBeruf/karriere_und_beruf_node.html

Bundeswehr

Informationen zu Karriere und Beruf bei der Bundeswehr
www.bundeswehrkarriere.de

Ärzte ohne Grenzen

Einsatzmöglichkeiten bei Ärzte ohne Grenzen im In- und Ausland
www.aerzte-ohne-grenzen.de/stellenangebote-ngo

 

Industriekletterer

In den Seilen

Karsten Müller (31) hängt im Schnitt einmal im Monat in den Seilen – aus rein beruflichen Gründen: Er ist Bauingenieur und passionierter Kletterer. Als Bauwerksprüfer und ausgebildeter Industriekletterer arbeitet er im Münchner Ingenieurbüro ilp2. Für abi>> berichtet er, wie er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat.

Der Moment, in dem ich über das Brückengeländer steige und mich in das Seil reinlege, löst nach wie vor ein Bauchkribbeln aus. Aber dann setzt sehr schnell die Routine ein. Solche Klettereinsätze kommen in meinem Berufsalltag im Schnitt einmal im Monat vor. Ich arbeite für das Ingenieurbüro ilp² in München, die sehr vielfältige Planungsleistungen im Bereich Verkehrsinfrastrukturbau erbringen. Meine Aufgaben liegen vor allem in der Bauwerksprüfung. Ich klettere immer dann, wenn Hebebühnen, Kräne oder sonstige technischen Hilfsmittel wirtschaftlich oder technisch gesehen eine schlechtere Alternative sind.

Als Bauingenieur kontrolliere ich unter anderem Brücken und Brückenpfeiler, arbeite aber auch horizontal, etwa um Betondecken in U-Bahnstationen unter die Lupe zu nehmen. Die höchste Brücke, von der ich mich bisher abgeseilt habe, war 40 Meter hoch. Höhenangst darf man selbstredend keine haben, wenn man sich von Brücken abseilt. Natürlich muss man auch körperlich fit, belastbar und schwindelfrei sein. Aber man sollte hier keine naiven Vorstellungen haben – von wegen bei 25 Grad Sonnenschein eine Runde klettern gehen. Bauwerksprüfungen werden auch bei Regen, Kälte und Wind durchgeführt.

Eine Frage der Technik

Ein Foto von Karten Müller

Karsten Müller

Foto: privat

Aber viel wichtiger als der sportliche Aspekt ist die Beherrschung der richtigen Techniken. Die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) umfasst unter anderem einen Auffanggurt, an denen wiederum Schlaufen befestigt sind für weitere Geräte. Schließlich müssen wir in luftiger Höhe zum Beispiel auch mit einer Bohrmaschine sicher hantieren können. Ich spreche von „wir“, weil man niemals alleine klettert, sondern immer mit einem weiteren erfahrenen, ausgebildeten Industriekletterer an der Seite – so will es die Vorschrift.

Um als Industriekletterer zu arbeiten, habe ich einen Lehrgang mit steigenden Schwierigkeitsgraden absolviert. In einem fünftägigen Kurs geht es zunächst um das Klettern in der Vertikalen, um Sicherungs- und Rettungstechniken, Knotenkunde und Physik sowie gesetzliche Bestimmungen. In Stufe Zwei kamen horizontale Techniken hinzu sowie die entsprechenden Rettungstechniken und Baustellenabsicherung. Nach zwölf Monaten muss man an einer Wiederholungsunterweisung teilnehmen. Es gibt noch eine dritte Stufe, in der man zum „Aufsichtführenden Höhenarbeiter“ ausgebildet wird. So eine Fachkraft muss bei jedem Einsatz vor Ort sein. Ich habe meine Ausbildung beim Unternehmen Heidenberger Industrieklettern in der Nähe von Passau absolviert. Mein Ausbilder ist auch derjenige, der bei Einsätzen als „Aufsichtführender Höhenarbeiter“ dabei ist.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Das Klettern habe ich als Student für mich entdeckt. Ich habe an der OTH Regensburg Bauingenieurwesen studiert und war regelmäßig in meiner Freizeit klettern. Nach meinem Studium habe ich gezielt nach einer Stelle gesucht, in der ich meine Erfahrungen aus dem Klettersport einbringen kann. Mir gefällt der Mix aus Büroarbeit und Aufgaben, die wir draußen am Bauwerk erledigen müssen. Vor allem das Klettern macht mir wahnsinnig viel Spaß und gibt der Arbeit noch einmal einen besonderen Kick.

 

Pilotin bei der Bundespolizei

In die Luft

Aus der Luft eine orientierungslose Person orten, nach einem Banküberfall ein Fahrzeug verfolgen oder einen Verletzten ins Krankenhaus bringen – Hubschrauberpiloten müssen nicht nur fliegen können, sondern brauchen einen kühlen Kopf. Das weiß Patricia Theiler (41). Sie ist Polizeihauptkommissarin und Fluglehrerin bei der Bundespolizei in Sankt Augustin und berichtet für abi>>, wie sie zu ihrem Beruf gekommen ist.

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin Pilotin mit Leib und Seele und möchte nichts anderes machen. Mein Arbeitsalltag als Fluglehrerin gestaltet sich ganz unterschiedlich: Unterricht, Büroalltag und Einsätze. Ich begleite die Pilotenanwärter bei ihren ersten Flugversuchen, was ab und zu ein Spagat sein kann: Damit die Schüler viel lernen, muss ich möglichst wenig eingreifen. Aber es sollen auch keine brenzligen Situationen entstehen. Ich bin aber auch selbst im Staffeldienst tätig.

Egal, ob ein Pilot nach einem Unfall Verletzte transportiert, ein Auto verfolgt oder eine Spezialeinheit etwa bei Fußballspielen dorthin fliegen muss, wo gerade Hooligans aufeinandertreffen – die Einsätze sind nie gleich. Jeder Pilot muss daher schnell eine Lage beurteilen können: Wo kann ich landen, wie ist die Situation vor Ort. Auch bei Katastropheneinsätzen wie etwa Hochwasser oder Waldbränden kommen Hubschrauber zum Einsatz.

Der Traum vom Fliegen

Ein Porträt-Foto von Patricia Theiler

Patricia Theiler

Foto: privat

Die Fliegerei hat mich schon in meiner Kindheit fasziniert: Mit 14 Jahren habe ich mit dem Segelfliegen begonnen und viel Zeit auf dem Flugplatz verbracht. Aber eine Ausbildung zur Pilotin zu machen, um in Touristendestinationen zu fliegen, hat mich nicht gereizt. Mein Vater, der bei der Bundeswehr gearbeitet hat, zeigte mir dann irgendwann einen Flyer des damaligen Bundesgrenzschutzes: Auf dem Cover war ein Hubschrauber mit der Aufschrift „Piloten gesucht“ zu sehen.

Die Ausbildung dauert lange, aber diesen Weg zu gehen, war eine meiner besten Entscheidungen. Egal ob Spezialeinheit, Landes- oder Bundeskriminalamt: Der erste Schritt ist immer eine Ausbildung zum Polizeivollzugsbeamten. Um nach den drei Jahren die 18-monatige Ausbildung zur Berufshubschrauberführerin machen zu können, musste ich ein weiteres Auswahlverfahren bestehen. Heute ist das zum Glück anders: Den Eignungstest für Piloten kann man gleich nach der allgemeinen Eignungsprüfung machen.

Koordination ist das A und O

Meine Erfahrungen mit der Segelfliegerei haben mir kaum geholfen, denn einen Helikopter steuert man ganz anders als ein Flugzeug. Die rechte Hand macht was anderes als die linke, die Füße sind in Aktion und parallel muss man kommunizieren. Diese Art der Koordination liegt nicht jedem, wobei das Fliegen irgendwann Routine wird. Man muss aber auch den emotionalen Stress bewältigen, das bedeutet belastbar sein und im Ernstfall eine Entscheidung allein treffen können. Über das Risiko mache ich mir wenig Gedanken, weil der Fokus ohnehin auf Sicherheit liegt. Das Bewusstsein dafür ist eine absolute Voraussetzung für jeden Piloten. Darüber hinaus muss man eine große Lernbereitschaft mitbringen. Musterlehrgänge, Fortbildungen und Checkflüge – lernen muss ich ein Fliegerleben lang. Es ist sicher alles andere als ein 9-to-5 Job, dennoch ist es für mich ein Traumberuf.

Von den 20 Fluglehrern, die in Sankt Augustin die Aus- und auch Weiterbildungen durchführen, bin ich die einzige Frau. Auch bei den fünf Staffeln bundesweit gibt es nur wenige Frauen, weil sich leider nur wenige für die Pilotinnenlaufbahn bewerben. Als ich angefangen habe, war ich 20 Jahre alt und ungebunden. Heute bin ich Mutter und kann auch mein Familienleben sehr gut mit der Fliegerei verbinden.

 

Kampfmittelabwehrspezialistin

Sprengfalle – oder nicht?

Zünder, Munition, Sprengstoff – Katja Höhn* ist Expertin für alles, was in die Luft gehen kann. Als Offizierin bei der Bundeswehr bereitet sie am Ausbildungsstützpunkt in Stetten Truppen auf ihre Kampfmittelabwehr-Einsätze in Krisengebieten wie Mali, Irak oder Afghanistan vor. Für abi>> berichtet sie, wie sie selbst das Identifizieren und Entschärfen von gefährlichen Sprengsätzen gelernt hat.

Ich wollte nach dem Abitur unbedingt Soldatin werden. Der Beruf stand für mich für Abenteuer und aufregende Einsätze. Daran war auch eine Kinowerbung nicht ganz unschuldig. Heute bin ich Offizierin und verantwortlich für Personal und Material – Abenteuergeist hat da nichts zu suchen.

Das Ausbildungszentrum Kampfmittelabwehr in Stetten gehört zum Ausbildungszentrum Pioniere und ist die zentrale Ausbildungseinrichtung für Kampfmittelabwehr der Streitkräfte. Mein Arbeitsalltag ist alles andere als ein Bürojob. Ich beurteile zum Beispiel, ob ein Trupp in der Lage ist, einen Einsatz durchzuführen. Ich gehe mit ihnen raus auf den Sprengplatz und ins Gelände, und beobachte, ob sie zum Beispiel Sprengvorrichtungen richtig erkennen, freilegen, entschärfen und beseitigen können.

Es geht dabei um alle möglichen Arten von Sprengvorrichtungen, mit denen Soldaten bei Hinterhalten und Anschlägen im Einsatz rechnen müssen. Die Fachkräfte werden zum Beispiel in Mali, im Irak und in Afghanistan aktiv. Eine gute Ausbildung ist die beste Lebensversicherung. Auch ich werde im Sommer in den Irak gehen, und auch dort Aufgaben in der Ausbildung übernehmen.

Zünder, Munition, Sprengstoff, Ballistik

Ein Porträt-Foto von Katja Höhn

Katja Höhn

Foto: privat

Es ist ein langer Weg Offizierin in der Kampfmittelabwehr zu werden. In der sechsmonatigen Grundausbildung für Offiziersanwärter wird man an Waffen ausgebildet, lernt marschieren und schießen, robbt durch den Schlamm und übernachtet im Biwak. Darauf folgen Truppenpraktikum und Offiziersschule. Die Offizierslaufbahn beinhaltet in der Regel ein Studium, entweder in Hamburg oder München. Ich habe in Hamburg vier Jahre lang BWL studiert. Neben dem Vollzeitstudium gibt es auch militärische Module, in denen man unter anderem Schießübungen und das Sportabzeichen absolvieren muss.

Nach dem Abschluss geht es dann weiter mit einer sechsmonatigen Pionierausbildung und darauf aufbauend einem Lehrgang über Kampfmittel: Es dreht sich alles um Zünder, Munition, Sprengstoff, Ballistik und Beseitigungsverfahren. Dieser Lehrgang ist sehr anspruchsvoll und hat ein umfangreiches Lernpensum – die Durchfallquote ist entsprechend hoch.

Für den Ernstfall üben

Die eigentliche Kampfmittelabwehrausbildung findet dann in Stetten statt, wo es nicht nur um Munition geht, wie sie hierzulande verwendet wird, sondern auch um fremde Kampfmittel und deren Beseitigungsverfahren. Das wird natürlich auch in der Praxis geübt. Es gibt zum Beispiel spezielle Fahrzeuge, mit denen der Boden gescannt oder mit denen man an Sprengfallen arbeiten kann.

Auch wenn sich im Laufe meiner Ausbildung vieles verändert hat und Abenteuerlust meine Aufgaben sicher nicht treffend beschreibt, war der Weg für mich die richtige Entscheidung. Einziger Nachteil: Als Offizierin kann man alle zwei bis drei Jahre versetzt werden. Mit Anfang 20 spielt das keine Rolle, aber wenn man die Familienplanung im Blick hat, ist das natürlich nicht so prickelnd.

*Name von der Redaktion geändert

 

Berufe mit Adrenalin – Übersicht

Nervenkitzel gesucht?

Du bist schon als Kind immer auf den höchsten Baum geklettert, als Erster ins Wasser gesprungen und hast begeistert Actionszenen aus dem Kino nachgespielt? Dann könnte einer dieser Berufe mit dem gewissen Adrenalinfaktor das Richtige für dich sein.

Bauwesen

Sprengberechtigte (Sprengmeister/in)

  • Aufgaben: Sprengberechtigte führen im Bergbau-, Steinbruch- oder andere Infrastrukturprojekte Sprengungen durch. In der Kampfmittelbeseitigung sorgen Sprengmeister dafür, dass Blindgänger – Luftminen, Granaten und Bomben – entschärft werden, bevor jemand zu Schaden kommt. Sie sind dafür verantwortlich die Umgebung weitläufig zu evakuieren und brauchen beim Entschärfen selbst eine ruhige Hand. Voraussetzung für die Weiterbildung zum Sprengberechtigten ist eine abgeschlossene technische Berufsausbildung oder ein fachnahes Studium samt Praxiserfahrung.
  • Mögliche Arbeitgeber: private Kampfmittelbeseitigungsunternehmen, Bundeswehr, Polizei, Sand- und Kieswerke, Abbruchunternehmen, Hersteller von pyrotechnischen Erzeugnissen, Bergbauunternehmen

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Sicherheit

Beamter/in im gehobenen Bundeskriminaldienst

  • Aufgaben: Kriminalkommissare beim BKA unterstützen unter anderem Ermittlungen gegen organisierte Kriminalität, wirken beim Auswerten von Informationen und bei der Zusammenarbeit mit anderen Polizeibehörden weltweit mit.
  • Mögliche Arbeitgeber: Dienststellen des BKA

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Zeitsoldat/in

  • Aufgaben: Kernaufgabe von Soldaten ist der Schutz der Bundesrepublik Deutschland und der Grund- und Menschenrechte. Zeitsoldaten werden deshalb oft in Krisengebiete entsandt. Bei diesen Auslandseinsätzen sind sie immer wieder hohen Risiken ausgesetzt. So lauern zahlreiche Gefahren, wenn Truppen beispielsweise in einen verminten Hinterhalt gelockt werden.
  • Mögliche Arbeitsgeber: Bundeswehr

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Handwerk/Technik

Industriekletterer/in

  • Aufgaben: Industriekletterer sind überall dort gefragt, wo ein anderer Zugang als über das Klettern nicht möglich ist. Techniker, die Windkraftanlagen warten, Mobilfunk- und Blitzschutzanlagen aufstellen oder auch Dachdecker lassen sich häufig zum Industriekletterer zertifizieren. Manchmal müssen auch Forstarbeiter Bäume erklimmen oder Veranstaltungstechniker Scheinwerfer und Boxen an Traversen befestigen.
  • Mögliche Arbeitgeber: private Unternehmen, die auf Höhenarbeiten spezialisiert sind, Veranstaltungstechnik und Messebau, Bauunternehmen, Servicefirmen für Windkraftanlagen

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Taucher/in

  • Aufgaben: Taucher, die auf dem Meeressgrund an Bohrinseln Reparaturen durchführen, Staudämme kontrollieren, im Auftrag der Polizei nach Vermissten suchen, Schiffsrümpfe untersuchen und Schweißarbeiten durchführen oder Kabel verlegen , haben eine Weiterbildung als Taucher absolviert. Viele Berufstaucher sind etwa Mechaniker, Schweißer, Polizisten, Soldaten oder Wissenschaftler.
  • Mögliche Arbeitsgeber: Polizei, Bundeswehr, , Unternehmen für Unterwasserschweißen, Werften, Energieunternehmen

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Wissenschaft

Forscher/in

  • Aufgaben: Ob Geologen, Paläoklimatologen, Zoologen, Hydrologen – sie suchen im Namen der Wissenschaft nach Antworten in Höhlen oder begeben sich auf Expeditionen in extreme Regionen wie die Antarktis. Vom Schiff oder einer festen Station aus tauchen etwa Biologen im Fjord nach Proben, Physiker und Mathematiker betreiben mit speziellen Geräten Atmosphärenforschung. Auf dem antarktischen Kontinent gibt es zum Beispiel die Neumayer-Station, auf der Wissenschaftler auch überwintern.
  • Mögliche Arbeitgeber: Forschungsinstitute, Universitäten

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Medien/Film

Kriegsreporter

  • Aufgabe: Kriegsreporter reisen dorthin, wo bewaffnete Auseinandersetzungen drohen, kriegerische Konflikte ausgetragen werden, berichten vor Ort, recherchieren Hintergründe. An den Brennpunkten sind sie mit realen Gefahren konfrontiert und können selbst zwischen die Fronten geraten.
  • Mögliche Arbeitgeber: Verlagshäuser, Rundfunkanstalten, meist sind sie freiberuflich tätig

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Entwicklungszusammenarbeit

Medizinisches Fachpersonal

  • Aufgaben: In der Entwicklungszusammenarbeit versorgen Ärzte und Krankenpfleger in Kriegs- und Krisengebieten Schuss-, Stich- und Minenverletzungen, operieren unter Zeitdruck und führen mit einfachsten Mitteln Amputationen oder Kaiserschnitte durch.
  • Mögliche Arbeitgeber: Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Deutsche Rote Kreuz, German Doctors, Cap Anamur

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Ausbildung in Holz- und Hausbau – Interview

Im Bauhandwerk tut sich was

Mit dem Abi auf die Baustelle? Das passt doch nicht! Doch das passt, sagt Volker Born vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Das Bauhandwerk bietet spannende Perspektiven, zum Beispiel viele Möglichkeiten, sich zu spezialisieren und sich weiter zu qualifizieren, erklärt er abi» im Interview.

abi» Treibt es viele Abiturienten auf die Baustelle?

Volker Born: Die Zahl der Abiturienten in bauhandwerklichen Berufen steigt. Vor wenigen Jahren hatten die Abiturienten im Handwerk einen Anteil von sechs Prozent, 2018 waren es bereits 13 Prozent – das ist eine enorme Zunahme in kürzester Zeit. Und sicher liegt das auch an den attraktiven Programmen wie einer möglichen Ausbildungszeitverkürzung für Abiturienten und weiterführenden Karrierewegen.

abi» Warum sollte man sich als Abiturient überhaupt für ein Bauhandwerk interessieren?

Ein Porträt-Foto von Dr. Volker Born

Dr. Volker Born

Foto: ZDH

Volker Born: In den nächsten Jahren suchen zum Beispiel 200.000 Handwerksbetriebe einen Nachfolger. Das ist eine große Chance für Abiturienten. Generell werden für Aufgaben der betrieblichen Führung Leute mit Köpfchen gebraucht. Abiturienten können Polier oder Meister werden, und natürlich können Handwerksberufe mit einem anschließenden speziellen Studium ergänzt werden. Zudem gibt es auch duale oder sogar triale Studiengänge, die eine Gesellenprüfung, eine Meisterprüfung und einen Bachelor einschließen. All das ist für Abiturienten hochinteressant.

abi» Trotzdem ist es schwere, körperliche Arbeit, die dort auf einen wartet, oder?

Volker Born: Der Baubereich bietet eine spannende Arbeitswelt, die sich im Wandel befindet. Viele Berufe haben sich bereits massiv verändert, besonders wenn es um körperliche Arbeit geht, da werden zunehmend unterstützende Maschinen eingesetzt. Auch werden im Bau zunehmend elektronische Instrumente wie digitale Baupläne eingesetzt. Heutzutage müssen Sie mit Software wie Building Information Modeling (BIM) umgehen können, so dass Mitarbeiter mit einem iPad auf einer Baustelle stehen und sich die Baupläne in 3-D ansehen können. Oder Kunden können unter Einsatz einer 3-D-Brille vor Ort Anpassungswünsche äußern. Da tut sich einiges.

abi» Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Zukunft des Bauhandwerks?

Volker Born: Eine Konjunkturdelle müssen wir bestimmt nicht erwarten: Erstens fehlt es an Wohnraum und zudem haben wir ein niedriges Zinsniveau. Und zweitens hat die Bundesregierung hohe Klimaziele, die unter anderem über energetische Gebäudesanierung erreicht werden können. Wir haben einen hohen Bestand an Altgebäuden, die modernisiert werden müssen. Also alles in allem: gute Aussichten!

 

Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik

Damit in Gebäuden das Licht angeht

Ohne Elektrik läuft in einem modernen Haus nichts. Ob Licht, Heizung oder Internet, hier sind Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik gefragt. Sie planen, installieren und warten die dafür notwendigen elektrischen Systeme und Geräte. Genau das ist das Berufsziel von Simon Fiedler (19). Im Team zu arbeiten und jeden Tag zu sehen, wie seine Arbeit vorangeht, ist genau das, was er nach dem Abitur braucht.

Die Arbeit ist oft anstrengend, aber jeden Abend sehe ich, was ich geschafft habe, und ich habe tolle Kollegen. Wir sind ein super Team, die Ausbildung gefällt mir richtig gut“, erzählt Simon Fiedler, Auszubildender bei Bauer Elektroanlagen Süd GmbH & Co. KG im oberbayerischen Buchbach. Als Abiturient ist er 2018 gleich ins zweite Lehrjahr seiner Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik gestartet.

Den Löwenanteil seiner Ausbildungszeit verbringt Simon Fiedler auf Baustellen. „Wir fahren oft nach München auf die Großbaustelle. Dort machen wir Hausinstallationen, montieren Beleuchtungen, bauen Steckdosen ein, verlegen Kabel für Datentechnik und bauen Verteilungen“, sagt er. ("So sieht ein Tag auf der Baustelle aus") Dabei arbeitet er zusammen mit Berufserfahrenen und anderen Auszubildenden. „Wir arbeiten immer im Team, alleine kann man das nicht machen. Die Gesellen erklären uns Auszubildenden, wie wir unsere Aufgaben am besten anpacken und schauen uns dann auch immer wieder über die Schulter. Und wenn etwas falsch ist, erklären sie uns, wie es richtig geht.“

Wechsel von Berufsschule und Großbaustelle

Ein Porträt-Foto von Simon Fiedler

Simon Fiedler

Foto: privat

Nach zwei Wochen im Betrieb hat der angehende Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik eine Woche Blockunterricht in der Berufsschule. „Im theoretischen Unterricht lernen wir vor allem, Dinge zu berechnen“, sagt der 19-Jährige. Zum Beispiel im Fach System- und Gerätetechnik. Neben den dafür notwendigen Formeln lernt Simon Fiedler aber auch Vieles durch Versuche. Ganz wichtig ist auch die Steuerungstechnik. Hier werden verschiedene elektrische Schaltungsarten anhand von Zeichnungen und Bauweisen vermittelt. In Installations- und Energietechnik (IE) geht es dagegen um Richtlinien und Rechtliches, in Steuerungstechnik und Motoren um Aufbau und Funktionsweise von Elektromotoren. Auch Sozialkunde ist ein Unterrichtsfach der Berufsschule.

Zusätzlich zum Block-Berufsschulunterricht besucht Simon Fiedler überbetriebliche Schulungen der Handwerkskammer. Diese sind sehr praxisnah aufgebaut und bereiten ihn auf seine Aufgaben auf der Baustelle vor. Anders als die ergänzenden internen Schulungen, die sein Ausbildungsbetrieb für ihn und seine neun Azubi-Kollegen im zweiten Ausbildungsjahr anbietet. In zehn Modulen werden prüfungsrelevante Themen aus der Berufsschule aufgegriffen, wiederholt und anhand von Rechenbeispielen vertieft. „Wir zeichnen zum Beispiel Pläne oder bauen in unserer Lehrwerkstatt Steuerungen und Installationen praktisch auf“, erzählt er.

Nach dem Abi das Arbeitsleben kennenlernen

Wenn er nicht in der Berufsschule ist und auch nicht auf der Baustelle, lernt Simon Fiedler das Unternehmen kennen: „Wir Azubis gehen durch alle Abteilungen: Kalkulation, Planung, Projektkostenkontrolle und Einkauf. So lernen wir, wie ein Projekt zustande kommt und was bei einem Großprojekt alles zu beachten ist“, zählt er auf.

Simon Fiedler hat sich nach dem Abitur bewusst für seine Ausbildung entschieden. „Ich brauchte nach der Schule neue Herausforderungen. Ich wollte erstmal das Arbeitsleben erfahren und mein eigenes Geld verdienen“, erzählt er. In der Schule hatte er seinen Lernschwerpunkt in Mathematik und Physik, so dass ein technischer Beruf nahe lag. Ein Schulpraktikum im mechatronischen Bereich ergänzte er mit zwei freiwilligen Praktika. Das letzte Praktikum absolvierte er bei seinem jetzigen Arbeitgeber.

Auf dem Weg zu einer verantwortungsvollen Position

„Die Bewerbung war unkompliziert. Ich habe mich schriftlich beworben und wurde gleich zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Weil ich Abitur habe, durfte ich direkt im zweiten Ausbildungsjahr starten“, erzählt Simon Fiedler. Zum Ende hin hat er noch einmal die Möglichkeit, um ein halbes Jahr zu verkürzen, so dass er nach zwei anstelle von dreieinhalb Jahren Elektroniker-Geselle werden kann.

Was er macht, sobald er seinen Gesellenbrief in der Hand hat, weiß Simon Fiedler noch nicht. „Weil ich Abitur habe, stehen mir viele Wege offen. Auf jeden Fall möchte ich meinen Meister oder den Techniker machen und irgendwann eine verantwortungsvolle Position übernehmen.“

So sieht ein Tag auf der Baustelle aus >>

 

Ausbaumanagerin/Stuckateurin

Für schöne Räume und Fassaden

Wenn Annika Fuchs (19) mit ihrer doppelqualifizierenden Ausbildung fertig ist, ist sie Stuckateurin, Meisterin und Ausbaumanagerin. Die Abiturientin weiß dann nicht nur, wie man Wände, Decken und Boden gleichmäßig verputzt, sondern auch, wie man einen handwerklichen Stuckateurbetrieb führt.

Wenn man als Azubi Spaß an der Arbeit hat und sich einbringt, kann man bald relativ viele Aufgaben übernehmen“, berichtet Annika Fuchs. Sie ist im ersten Jahr ihrer doppelqualifizierenden, dualen Ausbildung, die die Fachhochschulreife voraussetzt. In den ersten Monaten hat sie bereits gelernt, Wände glatt abzuschleifen und zu streichen sowie Trockenestrich oder Nassputz aufzutragen. „Mein Meister und mein Azubi-Trainer haben mir alles erklärt und mich dann sofort machen lassen. Zunächst haben sie noch zugeschaut, aber dann durfte ich immer selbständiger arbeiten. Nach der dritten Woche haben sie nur noch nachkorrigiert und darauf vertraut, dass ich das hinkriege“, erzählt sie.

Keine Wand ist wie die andere

Ein Porträt-Foto von Annika Fuchs

Annika Fuchs

Foto: privat

Ihre Tätigkeiten sind schon jetzt abwechslungsreich, findet Annika Fuchs: „Das Tolle ist, dass keine Wand wie die andere ist. Man startet immer bei null“, sagt die 19-Jährige, die nach dreieinhalb Jahren Ausbildung Stuckateurin, Ausbaumanagerin, Meisterin und zusätzlich noch Gebäude-Energieberaterin im Handwerk sein wird. Die Energieberatung ist ein optionaler Teil ihrer Ausbildung.

In Blöcken von drei bis sechs Wochen wechselt Annika Fuchs von ihrem Ausbildungsbetrieb Stuckateur König in Bad Herrenalb an die Berufsschule im Beruflichen Schulzentrum Leonberg und zur überbetrieblichen Ausbildungsstätte.

In der Berufsschule blickt Annika Fuchs hinter die Kulissen des Hausbaus: „Im ersten Unterrichtsblock haben wir Grundwissen des Baus und die Arbeiten von anderen Gewerken wie Maurern oder Fliesenlegen kennengelernt. Im zweiten Block wurden spezielles Stuckateur-Wissen vermittelt und Fragen geklärt wie: Was sind tragende Wände? Wie schreibe ich eine Rechnung? Wir bekommen Projektaufgaben, um die Inhalte besser zu verinnerlichen“, sagt sie.

Die komplette Bandbreite des praktischen Handwerks eines Stuckateurs lernt sie in einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte kennen: „Dort üben wir ganz praktisch zum Beispiel den Umgang mit Nassputz, den Trockenbau, die Stuckanfertigung oder wir trainieren Putztechniken. Wir üben also für den normalen Handwerkeralltag“, berichtet Annika Fuchs.

Wir sind ein bunt gemischter Haufen

In der Berufsschule ist die 19-Jährige die jüngste von insgesamt 16 Auszubildenden. Die anderen sind zwischen 22 und 30 Jahre alt. Annika Fuchs ist eine von zwei Frauen. „Die meisten von uns haben ein Studium abgebrochen, weil es sie in die Praxis gezogen hat. Wir sind ein bunt gemischter Haufen“, merkt sie an. Sie freut sich darüber, dass ihre Mitauszubildenden genauso motiviert sind, wie sie selbst: „Wir müssen viel Stoff lernen, aber alle in der Klasse haben wirklich Lust und wollen das.“

Dass sie körperlich arbeitet, spürt die Auszubildende am Abend, wenn sie beispielsweise 12-Kilo-Gipskartonplatten in einen dritten Stock schleppen musste. „Man weiß am Abend auf jeden Fall, was man gemacht hat“, lächelt sie. „Aber meine Kollegen achten auch darauf, dass ich mich nicht überhebe.“

Erstmal Erfahrungen sammeln

Eigentlich wollte Annika Fuchs Physik studieren, aber dann brachte ihr Vater einen Flyer über die duale, doppelqualifizierende Ausbildung mit. Sie war sofort begeistert: „Als Ausbaumanagerin kann ich Energieberatungen durchführen und das hat auch viel mit Physik zu tun“, merkt sie an.

Ihren jetzigen Ausbildungsbetrieb hat sie zunächst während eines Praktikums kennengelernt – und konnte dort gleich im Anschluss in ihre duale Ausbildung starten. Zu Beginn ihrer Ausbildung dachte Annika Fuchs noch, dass sie direkt danach Architektur studieren wollte. Aber so sicher ist sie sich da nicht mehr.

Ihre Ausbildung zur Ausbaumanagerin, für die sie in der Berufsschule zusätzliche Module belegt, bereitet sie bereits gut auf spätere Führungsaufgaben in einem Handwerksunternehmen vor. Deshalb will sie als fertige Ausbaumanagerin in jedem Fall eine Weile in ihrem Beruf arbeiten und all ihr Wissen anwenden. Sie möchte Routine bekommen, denn sie weiß: „Als Jung-Ausbaumanagerin hat man es nicht so leicht und als Frau sowieso nicht. Deshalb möchte ich erstmal arbeiten und Erfahrung sammeln.“

So kann ein Arbeitstag auf der Baustelle aussehen >>

 

Holzbau dual

Schöner Wohnen im Holzhaus

Lisa Göppert fasziniert der Umgang mit dem Material Holz – praktisch und theoretisch. Deshalb hat sich die 21-Jährige dazu entschieden, beides miteinander zu kombinieren und studiert dual an der Hochschule Biberach „Projektmanagement Holzbau/ Bauingenieurwesen“. Den Gesellenbrief als Zimmerin hat sie bereits in der Tasche.

In einem Holzhaus hat man ein ganz anderes Raumempfinden. Wenn man das einmal erlebt hat, möchte man nicht mehr anders wohnen“, findet Lisa Göppert. „Wenn ich mit meinem Studium fertig bin, kann ich Wohnhäuser bauen, aber auch Gewerbebauten wie Hallen aus Holz oder auch Brücken. Es gibt auch Holzhochhäuser, aber dieser Gewerbezweig ist noch in der Forschung“, schildert die Studentin im dritten Semester begeistert.

Für Lisa Göppert ist eigentlich klar, dass sie sich im Studium auf den schlüsselfertigen Hausbau aus Holz spezialisieren möchte – sie hätte aber auch die Wahl, sich ab dem sechsten Semester für Infrastrukturbau oder Ingenieurhochbau zu entscheiden. „Das ist ideal an dem Studiengang, dass wir trotz der Ausbildung nicht für immer auf Holz festgelegt sind“, sagt sie.

Parallel zur Ausbildung studieren

Ein Porträt-Foto von Lisa Göppert

Lisa Göppert

Foto: privat

Nach ihrem Abitur stieß sie während eines Freiwilligen Sozialen Jahrs zufällig auf das Studienangebot ihrer Hochschule und war sofort Feuer und Flamme. Zunächst musste sie einen Meisterbetrieb finden, in ihrem Fall der elterliche Betrieb Etztal-Holzhaus GmbH, und innerhalb von nur zwei Jahren die Ausbildung zur Zimmerin erfolgreich abschließen – aber auch gleichzeitig studieren.

Im Unterschied zur normalen Ausbildung besuchte Lisa Göppert während der Berufsschulblöcke nicht an fünf Tagen die Schule, sondern nur an drei. Zwei Tage waren dem Studium vorbehalten, sodass sie neben der Ausbildung bereits ein Studiensemester absolvierte.

„Man braucht nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch den Willen und die Stärke, das in nur zwei Jahren durchzustehen. Es ist nicht immer leicht, von morgens bis abends hart zu arbeiten“, sagt Lisa Göppert. Motivierend für sie war dabei, täglich zu sehen, dass sie etwas erschaffen hat: „Es macht Spaß, mit Holz zu arbeiten. Manchmal muss man zwar schwere Balken herum hieven, aber es ist leicht, Holz zu bearbeiten“, betont sie.

Die Studentin hat in dieser Zeit unter anderem Wände vormontiert. „Wir mussten das Holz verschrauben, das auf Längen abgesägt bei uns ankommt. Die fertigen Wände werden auf dem Lkw gelagert bis alle Platten für ein Haus fertig sind.“ Anschließend ging’s auf die Baustelle: Wände montieren, dämmen und Fenster und Türen setzen.

Handwerk, Gestaltung und Ingenieurswissen

„Das duale Studium soll die Kommunikation auf der Baustelle erleichtern“, erklärt Lisa Göppert und meint damit ihre zukünftige Aufgabe: die Brücke zwischen Handwerkern auf der einen Seite und Architekten auf der anderen Seite zu schlagen.

Im Studium wurden zunächst grundlegende Kenntnisse wie Baukonstruktion vermittelt, Mathematik und technische Mechanik sowie Grundlagen zur Planung und zum Entwurf. Wie man einen Betrieb führt mit Rechnungswesen, Controlling und Wirtschaftswissenschaften und auch Personalmanagement ist für höhere Semester vorgesehen.

Beruf in allen Facetten kennenlernen

Zum Ende des Studiums kann Lisa Göppert neben dem Bachelor noch den Meistertitel erwerben und Polierin werden. Der Polierkurs wird in den Sommersemesterferien angeboten und direkt nach dem Bachelor kann sie die Meisterprüfung ablegen. „Es ist super, dass man nicht Extra-Zeit braucht, aber man muss auch sehen, dass man konsequent dran bleibt“, sagt die Studentin.

Für das insgesamt siebensemestrige Studium ist ein Praxissemester vorgesehen, das Lisa Göppert in einer großen Firma machen möchte, die viel automatisiert haben. Sobald sie ihren Bachelor in der Tasche hat möchte die 21-Jährige Erfahrungen im Projektmanagement machen. „Und irgendwann möchte ich dann vielleicht wieder zurück in den elterlichen Betrieb, um dann in meinem Studienberuf zu arbeiten.“


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Stand: 12.12.2019