Weit mehr als nur ein Seelendoktor

Ein Mann spricht mit einer Patientin.
In psychologischen Berufen sind Einfühlungsvermögen, eine stabile Persönlichkeit und Neugier auf die Verschiedenheit von Menschen sehr wichtig.
Foto: Oliver Dietze

Berufe rund um Psychologie

Weit mehr als nur ein Seelendoktor

Streng genommen gibt es den Psychologen oder die Psychologin gar nicht. Denn je nach Beschäftigungsfeld – und das ist sehr groß – konzentrieren sie sich auf eine bestimmte Klientel oder ein bestimmtes Gebiet der Psychologie. abi» gibt einen Überblick.

Mit Menschen, die aufgrund einer schweren psychischen Störung stationär in einer Klinik behandelt werden müssen, beschäftigt sich der Psychologe Sven Fierlings* seit gut einem Jahr. „Ich wollte schon immer verstehen, wie die menschliche Psyche funktioniert und mit bestimmten Krankheiten verknüpft ist“, erklärt der 36-Jährige. In diesem Sinne ist er beruflich in einer psychiatrischen Klinik gut aufgehoben, denn hier wird er mit der ganzen Bandbreite der psychischen Erkrankungen konfrontiert.

In seinem Beruf braucht es eine hohe Belastbarkeit und Frustrationstoleranz, eine stabile Persönlichkeit, Einfühlungsvermögen und Neugier auf die Verschiedenheit von Menschen. „Viele Patienten sind nicht freiwillig hier, sind suizidgefährdet oder können eine Bedrohung für andere darstellen. Ohne die Fähigkeit zur Abgrenzung und Strategien zur Stressreduktion geht man in diesem Beruf schnell unter“, weiß der Psychologe. Zudem müsse man wissen, dass die psychotherapeutischen Möglichkeiten aufgrund der Verfassung der Patienten begrenzt sein können.

Sven Fierlings Arbeitsalltag besteht daraus, Aufnahmegespräche zu führen, Anamnesen zu erheben, also medizinisch relevante Informationen zu erfragen, und in enger Zusammenarbeit mit den Behandlungsverläufen zu planen. Dazu kommt jede Menge Papierarbeit, etwa die Erstellung von Entlassungs- und Arztbriefen. „Wer sich für diesen anspruchsvollen Job gewappnet sieht, den wird es erfüllen, Menschen in derart seelischen Notlagen zu helfen“, meint Sven Fierling. Er selbst hat nach seinem Psychologiestudium die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten absolviert und anschließend mehrere Jahre in der Psychosomatik einer Tagesklinik gearbeitet.

Vielseitige Beschäftigungsmöglichkeiten

Ein Porträt-Foto von Anne-Catrin Sasum

Anne-Catrin Sasum

Foto: privat

Im Gesundheitswesen arbeiten neben Psychotherapeuten zum Beispiel auch Psychoonkologen, die Krebspatienten bei der Krankheitsbewältigung unterstützen, oder Neuropsychologen, die neurologische Krankheiten diagnostizieren und therapieren. Ein weiteres Beschäftigungsfeld ist die Forschung sowie die psychosoziale Beratung – etwa in der Schule oder im Bereich Sucht-, Schulden- und Drogenberatung.

Selbst in der Justiz sind Psychologen gefragt, wo sie zum Beispiel die Schuldfähigkeit von Angeklagten beurteilen. Bewertungen nehmen auch Verkehrspsychologen vor – sie schätzen ein, ob Verkehrssünder wieder auf die Straße gelassen werden können. (Siehe auch die Berufsreportage „Verkehrssündern auf den Zahn fühlen“.) Selbst in der Wirtschaft – etwa im Bereich Personalwesen und Organisationsentwicklung ¬– und in der Marktforschung können Psychologen tätig werden. Wer sich für die Richtung Berufspsychologie interessiert, ist beim Berufspsychologischen Service der Bundesagentur für Arbeit bestens aufgehoben.
(Siehe auch die Berufsreportage „Berufseignung durch die psychologische Brille gesehen“.)

Sich gezielt qualifizieren

Wer Interesse am Psychologiestudium hat und die notwendigen Voraussetzungen mitbringt, dem stehen viele Möglichkeiten zur Auswahl. Neben dem klassischen Psychologiestudium kann man sich bereits im Bachelor auf eine fachliche Richtung spezialisieren und zum Beispiel Sportpsychologie oder Rechtspsychologie studieren.

Doch was tun, wenn man noch keine klare Vorstellung vor Augen hat? „Ich empfehle dann immer ein Bachelorstudium mit einem Modul in klinischer Psychologie“, sagt Anne-Catrin Sasum, Berufsberaterin für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Rostock. „Hier wird den Studierenden, auch durch die Wahlpflichtfächer, klarer, in welche berufliche Richtung es gehen soll. Dementsprechend können sie dann einen speziellen Masterstudiengang wählen.“

Psychologie ist seit Jahren eines der beliebtesten Studienfächer in Deutschland. Da die hohe Nachfrage eine strenge Zulassungsbeschränkung zur Folge hat, sollte man sich über Alternativen Gedanken machen. Artverwandte Studiengänge, die sich mit dem Verhalten von Menschen beschäftigen, sind zum Beispiel die Soziologie und die Sozialpädagogik. Auch BWL mit einem psychologischen Schwerpunktfach kann eine weitere Option sein. Aber auch Ausbildungsberufe kommen infrage, zum Beispiel Musik- oder Ergotherapeut, Gesundheits- und Krankenpfleger oder Logopäde.

Auf dem Prüfstand: Psychotherapeutenausbildung

Wer wie Sven Fierlings Psychotherapeut werden will, muss allerdings Psychologie studieren und nach dem Masterabschluss zusätzlich eine Ausbildung absolvieren, an deren Ende die Approbation (Erlaubnis zur Behandlung) erteilt wird. (Siehe auch die Weiterbildungsreportage „Wer andere therapieren will, muss selbst auf die Couch“.) Der Haken: Die mehrjährige Ausbildung kann mehr als 20.000 Euro kosten. Experten kritisieren, dass viele Absolventen die Ausbildung deswegen nicht antreten können, obwohl in Deutschland mehr Psychotherapeuten gebraucht werden.

Aus diesem Grund soll die Ausbildung reformiert werden. Heißt: einheitlicher Zugang zum Beruf über ein fünfjähriges Direktstudium, automatische Approbation bei bestandener Prüfung und anschließend mehrjährige stationäre und ambulante Weiterbildung zum vertiefenden Kompetenzerwerb. Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) begrüßt dies: „Diese Struktur ermöglicht eine umfassende Qualifizierung, die dem Patienten zugutekommen wird“, sagt die Bundesvorsitzende Barbara Lubisch.

Gute Arbeitsmarktchancen

Doch nicht nur für Psychotherapeuten sehen die Jobaussichten gut aus. „Der Arbeitsmarkt für Psychologen entwickelte sich in den vergangenen Jahren positiv. So ist die Erwerbstätigkeit kräftig gewachsen, gleichzeitig fällt die Arbeitslosigkeit gering aus“, stellt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit fest. Im Gesundheitswesen gab es im Jahr 2018 die meisten Stellenangebote. Aber auch im Bildungs- und Sozialwesen, in der öffentlichen Verwaltung, bei kirchlichen Vereinigungen, Bildungs- und Jugendorganisationen sowie in Unternehmensführungen und -beratungen wurden Psychologen und Psychotherapeuten gesucht.

*Name von der Redaktion geändert

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort z.B. Psychologe)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

berufsfeld-info.de

Auf diesem Portal der Bundesagentur für Arbeit findest du unter dem Suchwort Psychologie Reportagen, u. a. über Wirtschafts-, Neuro- und Verkehrspsychologen.
berufsfeld-info.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort z.B. Psychologie)
studienwahl.de

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen

www.bdp-verband.de

Deutsche Gesellschaft für Psychologie

www.dgps.de

DPtV Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung

www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/der-verband.de

 

Verkehrspsychologin

Verkehrssündern auf den Zahn fühlen

Dr. Katrin Müller (32) ist Verkehrspsychologin beim TÜV NORD. Von ihrem Urteil hängt es maßgeblich ab, ob Menschen, denen der Führerschein entzogen wurde, wieder hinters Steuer dürfen.

Wer mit Alkohol oder Drogen am Steuer erwischt wurde, zu fleißig Punkte in Flensburg gesammelt hat oder regelmäßig deutlich zu schnell unterwegs war, der könnte Bekanntschaft mit Katrin Müller machen. Sie ist Verkehrspsychologin beim TÜV NORD in Düsseldorf und hat mit Verkehrsteilnehmern zu tun, denen der Führerschein entzogen wurde und für die eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) angeordnet wurde. Das psychologische Gespräch ist neben einem medizinischen Test und einem Reaktionstest eines von insgesamt drei Bestandteilen der MPU.

Eine abwechslungsreiche Tätigkeit

Ein Porträt-Foto von Dr. Katrin Müller

Dr. Katrin Müller

Foto: Nadine Effert

Ein interessanter Beruf, was auch an der „Kundschaft“ liegt: „Vom Handwerker bis zum Vorstand – allen, egal aus welcher gesellschaftlichen Schicht kommend, kann der Führerschein entzogen werden“, betont Katrin Müller. Sie hat in Maastricht Psychologie studiert und an der Uniklinik Köln auf dem Gebiet der Neuropsychologie promoviert. In dieser Zeit stellte sie fest, dass ihr die Forschung zu konkurrenzorientiert und zu weit weg vom Menschen ist. „Ich habe mich nach dem Abi für Psychologie entschieden, weil ich Menschen helfen und mit ihnen zusammenarbeiten wollte. Daher habe ich parallel die Ausbildung zur Psychotherapeutin gemacht und 2016 die Approbation erhalten.“

Da ihr wiederum die Selbstständigkeit nicht genügend Sicherheit versprach, suchte sie einen festen Job. Dieser fiel ihr zufällig in Form einer Stellenanzeige vom TÜV NORD vor die Füße. Gesucht: Verkehrspsychologe/in zur Begutachtung – mit Aussicht auf Führungsposition. Vor drei Jahren hat sie ihre Unterschrift unter den Arbeitsvertrag gesetzt. „Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereue“, sagt die 32-Jährige.

Der psychologische Teil der MPU

Doch was genau macht ein Verkehrspsychologe? Entweder arbeitet man in der verkehrspsychologischen Therapie. Oder, wie Katrin Müller, in der Begutachtung. „Dazu werfe ich einen Blick in die Akten des Kunden: Welche Delikte liegen vor? Waren Drogen oder Alkohol im Spiel? Gut vorbereitet geht es dann in das etwa einstündige Gespräch, indem ich beurteile, ob der Führerschein zurückgegeben werden sollte.“

Hier wird der Person mit diagnostischen Methoden auf den Zahn gefühlt: Hat sie sich kritisch mit sich selbst und der Vorgeschichte auseinandergesetzt? Hat sie erkannt, warum sie gegen Regeln verstoßen hat? Welche Strategien wurden entwickelt, um langfristig das Verhalten zu ändern? Ob der Kunde die psychologischen Voraussetzungen erfüllt oder nicht, schreibt die Psychologin in ein Gutachten gemäß Fahrerlaubnisverordnung – und gibt dem Kunden gegebenenfalls Empfehlungen, wenn es noch an manchen Stellen hapert.

Studium und Berufserfahrung sind Voraussetzung

Wer diesen Beruf spannend findet, kommt um einen Diplom- oder Masterabschluss in Psychologie nicht herum. Als Gutachter darf man zudem erst nach zweijähriger psychologischer Berufserfahrung arbeiten. Beim TÜV NORD gibt es zudem eine einjährige Ausbildung, in der die spezifischen Kompetenzen erlernt und ein erfahrener Begutachter den „Neulingen“ zur Seite steht.

An ihrem Beruf schätzt die Verkehrspsychologin insbesondere die Möglichkeit, Leuten eine Chance zu geben, die nicht nur auf reiner Aktenlage basiert: „Manchen ist die Reue förmlich ins Gesicht geschrieben oder sie sind zu Tränen gerührt, wenn man ihnen eine positive Einschätzung mit auf den Weg geben kann. Schließlich hängt vom Führerschein für viele auch die Existenz ab.“

 

Psychologin beim Berufspsychologischen Service

Berufseignung durch die psychologische Brille gesehen

Dr. Annekathrin Mann arbeitet als Psychologin beim Berufspsychologischen Service (BPS) der Bundesagentur für Arbeit. Welche Aufgaben sie dort hat und warum ihr der Job so viel Spaß macht, hat die Diplom-Psychologin abi» erzählt.

Wer Bundesagentur für Arbeit (BA) hört, denkt zuerst an Mitarbeiter, die Arbeitsuchenden Jobs vermitteln. Oder an Berater, die jungen Menschen die Möglichkeiten der Ausbildung und des Studiums sowie die verschiedenen Berufe aufzeigen. Aber von dort tätigen Psychologen haben wohl die wenigsten gehört.

Eine von ihnen ist Dr. Annekathrin Mann. Die promovierte Diplom-Psychologin arbeitet seit 2013 beim BPS der Agentur für Arbeit Reutlingen. „Ich habe mich während der Promotion dort beworben, weil der Beruf aufgrund der vielfältigen Aufgabenstellungen und des breiten Kundenspektrums sehr abwechslungsreich ist und mehrere Gebiete der Psychologie einschließt, etwa psychologische Diagnostik, Klinische sowie Arbeits- und Organisationspsychologie.“

Durchführung beruflicher Eignungsdiagnostik

Zu ihrer Hauptaufgabe gehören Begutachtungen im Hinblick auf berufliche Fragen. Das bedeutet, dass sie die Vermittlungs- und Beratungsfachkräfte mittels Berufseignungsdiagnostik unterstützt: „Wenn eine Umschulung finanziert werden soll, ist es meine Aufgabe zu beurteilen, ob es der Kundin oder dem Kunden zuzutrauen ist, diese bewältigen und durchhalten zu können“, erklärt die 47-Jährige.

Zu den entscheidenden Merkmalen gehören Motivation, kognitive Fähigkeiten sowie die individuellen Rahmenbedingungen. Diese werden mit psychologischen Testverfahren und im persönlichen Gespräch eingeschätzt. Fragen der Eignung können Qualifizierungen, Ausbildungen und Umschulungen, aber auch einen weiterführenden Schulbesuch betreffen. Wenn Einschränkungen wie Behinderungen vorliegen, gehört auch die Beschreibung des Unterstützungsbedarfs dazu.

Schnelle Urteilsbildung notwendig

Annekathrin Manns typischer Vormittag sieht so aus, dass sie mit etwa vier bis fünf Kunden Gespräche führt und die Testuntersuchungen begleitet. Die Psychologin bespricht nach der Untersuchung mit jedem Kunden die Ergebnisse und hält sie schließlich in psychologischen Gutachten schriftlich fest. Diese sollen ihren Kollegen in der Arbeitsvermittlung oder Berufsberatung die Erarbeitung der nächsten Schritte mit der Kundin oder dem Kunden erleichtern. Das bedeutet: Kommt der Kunde beispielsweise nicht für die anvisierte Umschulung infrage, muss der zuständige Berater nach Alternativen suchen. Außerdem berät Annekathrin Mann Kunden mit eigenen berufsbezogenen Anliegen und unterstützt die BA intern, etwa bei der Personalauswahl.

Kein Kunde gleicht dem anderen

„Das Reizvolle und zugleich Herausfordernde an meinem Beruf ist die Vielfältigkeit der Kunden, mit denen ich arbeite. Alter, Begabung, Bildungsstand, Deutschkenntnisse und andere Merkmale können sich stark unterscheiden. Um schnell in Kontakt zu kommen und eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre zu schaffen, muss ich in jedem Fall den Umgang und meine Kommunikation mit der jeweiligen Person anpassen.“ Auf die abwechslungsreichen Aufgaben im BPS werden Psychologen in der BA durch eine neunmonatige Einarbeitung vorbereitet.

 

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Vom psychologischen Wissensdurst getrieben

Dr. Kai Horstmann arbeitet am Institut für Psychologie der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin – und zwar als wissenschaftlicher Mitarbeiter. abi» hat der 29-Jährige erzählt, was seinen Beruf so abwechslungsreich macht und welche Herausforderungen er mit sich bringt.

In einer eigenen Praxis Menschen therapieren? Unternehmen mit psychologischem Know-how zu einem erfolgreichen Personalmanagement verhelfen? Oder als Psychotherapeut in einer Klinik arbeiten? Alles spannende mögliche Einsatzfelder für Psychologen. Kai Horstmann aber hat es in die Forschung und Lehre gezogen. „Das Feld der Psychologie ist wahnsinnig groß und es sind längst noch nicht alle Rätsel rund um das menschliche Erleben und Verhalten gelöst. Meine Motivation für diesen Beruf ist definitiv das Weiterlernen wollen“, begründet der 29-Jährige, der den Bachelor in Psychologie an der Georg-August-Universität Göttingen und den Master an der HU absolviert hat.

Breites Aufgabenportfolio

Ein Porträt-Foto von Dr. Kai Horstmann

Dr. Kai Horstmann

Foto: privat

Schon während des Masterstudiums öffnete sich für ihn die Tür zur Lehre: Erst wurde er Tutor für den Statistikkurs, es folgte die Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut, dann das Angebot eines Professors, bei ihm zu promovieren – der Start seiner Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seine Dissertation zum Thema „The Interplay of Personality, Situations, Affect, and Behavior“ (zu Deutsch: „Das Zusammenspiel von Persönlichkeit, Situationen, Affekt und Verhalten“) hat er 2018 fertiggestellt.

Seinen Arbeitsalltag beschreibt Kai Horstmann schmunzelnd als „flexibel und stressig“. Flexibel, weil es den klassischen Arbeitstag nicht gibt: Manchmal ist er unterwegs auf Konferenzen, wie zuletzt in Vietnam, an anderen Tagen arbeitet er ausschließlich an seinen Projekten. Das heißt, er analysiert Daten, schreibt Artikel für Fachmagazine oder erstellt Präsentationen. Dann wiederum gibt es Tage, an denen er in Vorlesungen oder Seminaren vor den Studierenden steht oder diese betreut, zum Beispiel beim Schreiben ihrer Abschlussarbeiten. Aktuell überabeitet er zwei seiner Manuskripte, die zuvor von anderen Wissenschaftlern kritisch unter die Lupe genommen worden sind. Ein üblicher Vorgang, bevor ein Artikel veröffentlicht wird. In einem geht es etwa darum, wie sich verschiedene Menschen in ähnlichen Situationen verhalten.

Viel Arbeit, viel Flexibilität

Stressig ist der Beruf, weil lange Arbeitszeiten und Überstunden Usus sind: „Darauf muss man sich schon einstellen.“ Auf der anderen Seite kann er sich seine Zeit häufig frei einteilen. „Wenn ich zum Beispiel am Wochenende arbeite, kann ich mir problemlos den Freitag freinehmen.“
Bei so gut wie allen wissenschaftlichen Mitarbeitern steht der Wunsch nach einer Professur bei den Zukunftsplänen ganz oben. Allerdings ist der Konkurrenzkampf um die wenigen Professorenstellen groß. „Doch obwohl das Bild des wissenschaftlichen Mitarbeiters aufgrund der Arbeitszeiten, dem hohen Druck und der in der Regel kurzen Verträge nicht gerade gut ist, bereue ich nicht, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Es ist ein wirklich toller Beruf.“

 

Übersicht

Berufe rund um Psychologie

Du interessierst dich für Berufe, die mit Psychologie zu tun haben? Dann hast du die Qual der Wahl, denn es gibt zahlreiche Beschäftigungsfelder. abi» stellt interessante Berufe, typische Aufgaben und potenzielle Arbeitgeber rund um Psychologie vor.

Arbeitspsychologe/-psychologin

• Aufgaben: Sie untersuchen als Experten für Arbeitsprozesse und Arbeitsgestaltung die Ursachen und Folgen von Arbeitsbelastungen.
• Arbeitgeber: Sozialversicherungsträger, z. B. bei den Agenturen für Arbeit, Personalberatungsunternehmen, Integrationsfachdiensten, größeren Industrieunternehmen, Hochschulen

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Forensische/r Psychologe/Psychologin

• Aufgaben: Sie sind als Gutachter bzw. Sachverständige in straf-, zivil-, sozial- und verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten tätig. Sie beurteilen z. B. die Schuldfähigkeit von Angeklagten, erstellen Zukunftsprognosen für Straftäter/innen oder geben Entscheidungshilfen vor Gericht.
• Arbeitgeber: Justizbehörden, forensische Abteilungen von Kliniken, Kriminalpolizei, Hochschulen

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Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/-in

• Aufgaben: Sie diagnostizieren und behandeln psychische und psychosomatische Störungen mit Krankheitswert bei Kindern und Jugendlichen mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren.
• Arbeitgeber: Praxen, Beratungsstellen, stationärer Bereich, z. B. Kliniken

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Klinische/r Psychologe/Psychologin

• Aufgaben: Sie analysieren psychische Störungen von Menschen und führen Behandlungen oder Beratungen durch.
• Arbeitgeber: Krankenhäuser, Kliniken und psychotherapeutische Praxen, Rehabilitationseinrichtungen, Heime und Beratungsstellen, Organisationen des Gesundheitswesens und Sozialversicherungsträgern

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Kommunikationspsychologe/-psychologin

• Aufgaben: Sie analysieren Formen und Abläufe des Informationsaustauschs zwischen Menschen. Ihr Ziel ist, sprachliche und nichtsprachliche Kommunikationsformen besser zu gestalten und zu fördern.
• Arbeitgeber: Unternehmensberatung, Markt- und Meinungsforschung, Kommunikations-, Werbe- und PR-Agenturen, Beratungsstellen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen

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Neuropsychologe/-psychologin

• Aufgaben: Sie erforschen, diagnostizieren und begutachten Hirnfunktionsstörungen und therapieren Patienten mit entsprechendem Krankheitsbild.
• Arbeitgeber: (Fach-)Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen, Heime und Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen, freie psychotherapeutische Praxen, Sozialversicherungsträgern (z. B. Krankenkassen), Hochschulen

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Psychologische/r Psychotherapeut/-in

• Aufgaben: Sie untersuchen Gesetzmäßigkeiten im System menschlichen Wahrnehmens und Denkens. Sie beobachten und analysieren das Verhalten von Individuen bzw. Gruppen und führen psychologische Behandlungen oder Beratungen durch.
• Arbeitgeber: Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken, psychologische Praxen, Kinder- und Erziehungsheime, soziale Beratungsstellen, ambulante soziale Dienste, psychologische Forschung und Lehre

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Schulpsychologe/-psychologin

• Aufgaben: Sie geben einzelnen Schülerinnen und Schülern, Schülergruppen oder auffälligen Klassenverbänden Hilfestellung bei schulischen Fragen und Problemen. Sie beraten auch Eltern sowie Lehrkräfte.
• Arbeitgeber: allgemeinbildende und berufliche Schulen, Vorklassen und Kindergärten, staatliche Schulaufsichtsbehörden (Schulverwaltung und -aufsicht)

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Sozialpsychologe/-psychologin

• Aufgaben: Sie befassen sich mit den Auswirkungen sozialer Zusammenhänge auf das Verhalten und Empfinden von Einzelpersonen bzw. sozialen Gruppen. Ihre Erkenntnisse setzen sie z.B. beim Coaching in beruflichen (organisatorischen), gesellschaftlichen und gesundheitlichen Kontexten oder in der Beratung von Gruppen, Parteien und Unternehmen um.
• Arbeitgeber: Einrichtungen des Sozialwesens, z.B. in Beratungsstellen der Jugendhilfe, Sozialämter, Erwachsenenbildung, Unternehmensberatung, Markt- und Meinungsforschung, Werbeagenturen, Interessenvertretungen, Verbände oder Behörden, Wissenschaft und Forschung

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Suchtpsychologe/-psychologin

• Aufgaben: Sie betreuen Menschen mit körperlicher und psychischer Abhängigkeit von Medikamenten, Alkohol oder illegalen Drogen.
• Arbeitgeber: Krankenhäuser, Fachkliniken, psychotherapeutische Praxen, Heime und therapeutische Wohngruppen für suchtkranke Menschen, Suchtberatungsstellen

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Verkehrspsychologe/-psychologin

• Aufgaben: Sie entwickeln Testverfahren für die Feststellung der Verkehrstauglichkeit, begutachten die Verkehrstauglichkeit verkehrsauffälliger Personen oder Führerscheinbewerber mit Behinderungen und schulen verkehrsauffällige Personen nach.
• Arbeitgeber: Behörden der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, Fahrschulen, Prüfanstalten, Schaden- und Unfallversicherungen, psychologische Forschung und Lehre

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Wirtschaftspsychologe/-psychologin

• Aufgaben: Sie untersuchen Verhaltensmuster von wirtschaftlich handelnden Gruppen, etwa Haushalten, Verbrauchern, Unternehmen oder Führungskräften, schlagen Maßnahmen vor und erstellen Konzepte.
• Arbeitgeber: Unternehmensberatung, Markt- und Meinungsforschung, Kommunikations-, Werbe- und PR-Agenturen, kommunikationspsychologische Forschung und Lehre

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Stand: 15.11.2019