Sicherheit kennt keine Landesgrenzen

Mann in Uniform sitzt vor Rechner und analysiert Cyberattacken
Besonders im Netz ist Sicherheit ein wichtiges Thema. Ein Computervirus kann sich über Ländergrenzen hinweg ausbreiten.
Foto: Martin Rehm

Berufe rund um Sicherheit

Sicherheit kennt keine Landesgrenzen

Man kennt viele Berufe im Bereich Sicherheit, etwa bei Polizei, Technischem Hilfswerk und Nachrichtendiensten. Doch Digitalisierung und Globalisierung haben die Grenzen des Bereichs erweitert: Gebraucht werden mittlerweile auch Informatiker, Geologen und Gesundheitswissenschaftler.

Sebastian heißt er und ist 27 Jahre alt – mehr Persönliches erfahren wir nicht über ihn. Denn außerhalb des engsten Familienkreises darf niemand wissen, wo er arbeitet: beim Bundesnachrichtendienst (BND), wo er für die zivile und militärische Auslandsaufklärung zuständig ist.

Im Auftrag der Bundesregierung sammelt die Behörde Informationen, die wichtig sind für außen- und sicherheitspolitische Entscheidungen. Als Informatiker ist Sebastian dafür zuständig, dass die Informationstechnik (IT) der Behörde reibungslos läuft, sagt er: „Unser Support wird weltweit abgefragt.“ Er und sein Team kümmern sich dann um die Störung, was meist von seinem Büro aus möglich ist. Manchmal auch nicht. „Dann muss man dorthin reisen, wo das Problem aufgetreten ist.“ Gibt es keine akuten Fälle, entwickelt Sebastian Softwareprodukte weiter und arbeitet daran, die IT der Behörde noch besser und vor allem sicherer zu machen.

Berufe rund um Sicherheit sind in Deutschland gefragt wie nie, dabei geht die Zahl der Straftaten statistisch gesehen seit Jahren zurück. Das hat vor meist damit zu tun, dass sich die Gefahren in einer globalisierten, vernetzten Welt verändert haben. Sie sind unberechenbarer geworden, weniger greifbar. Bei Terrorattacken kann man die Täter meist wenigstens sehen, wer aber hinter Cyberangriffen steckt, bleibt oft ein Rätsel. Auch die Berufe, die sich mit Sicherheit beschäftigen, folgen dieser Verschiebung: Sie werden digitaler und umfassen mittlerweile fast alle Fachbereiche. Studiengänge mit Bezug zu Sicherheitsthemen reichen von Geistes- über Ingenieur- bis hin zu Naturwissenschaften und Medizin.

„Die Zahl der Studiengänge steigt ständig“

„Früher gab es eine Trennung zwischen innerer und äußerer Sicherheit“, sagt Alexander Ulbricht, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Bautzen. „Aber in einer globalisierten, digitalen Welt verschwimmt sie immer mehr – ein Computervirus kennt keine Landesgrenzen.“ Er unterscheidet zwischen Berufen in Uniform und ohne. Zwischen den „typischen“ Sicherheitsberufen bei Polizei, Bundeswehr, Zoll, Feuerwehr oder Technischem Hilfswerk und Berufen, die sich in einem Fachgebiet mit Sicherheitsaspekten beschäftigen. Und diese werden immer mehr. „Die Zahl der Studiengänge mit Sicherheitsbezug steigt ständig“, sagt Alexander Ulbricht. Er rät Abiturienten jedoch, zunächst einen allgemeinen Bachelorstudiengang zu wählen und sich im Masterstudiengang zu spezialisieren: „So verbauen sie sich nichts, wenn sich die Interessen doch noch ändern“, führt er aus. Mit einem Informatikstudium kann man beispielsweise als IT-Sicherheitsspezialist bei der Bundesagentur für Arbeit arbeiten und mit einem Geologiestudium beim Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation. Auch wer sich für eine Ausbildung im Sicherheitsbereich interessiert, habe sowohl bei Bundesbehörden viele Möglichkeiten als auch im privaten Sektor – etwa mit einer Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit, die Personen, Objekte, Anlagen und Werte schützt.

Sebastian hat Informatik und Mathematik studiert, bevor er zum BND ging. „Kryptographie – Verschlüsselungstechnik – hat mich immer sehr interessiert“, erzählt er. „Und wer sich näher damit beschäftigt, landet fast zwangsläufig bei den Nachrichtendiensten.“ Zum Ende seines Studiums klickte er sich durch die Stellenangebote des BND und bewarb sich als Anwendungsentwickler.

„Wir suchen keine James Bonds!“

Mit der Bewerbung setzte er einen komplizierten Prozess in Gang. „Wer sich bei uns bewirbt, sollte das frühzeitig tun und gut ein Jahr einplanen“, erklärt Isabelle Kalbitzer, Pressesprecherin des BND. Gleiches gilt für das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), den deutschen Inlands-Nachrichtendienst. Denn neben den üblichen Bewerbungsstufen – schriftliche Bewerbung, Gespräch, weiteres Auswahlverfahren – kommt hier eine Sicherheitsüberprüfung hinzu. „Alle Bewerber müssen Referenzpersonen angeben und sie müssen auch damit rechnen, dass wir mit weiteren, zufällig ausgewählten Personen aus dem Umfeld reden“, sagt Isabelle Kalbitzer. So wollen die Nachrichtendienste herausfinden, wer die Bewerber sind, ob sie fest hinter der freiheitlich demokratischen Grundordnung stehen und was sie antreibt. „Wir suchen hier keine James Bonds. Wir brauchen diskrete Teamplayer, keine Einzelkämpfer, die den Adrenalinkick suchen“, stellt Isabelle Kalbitzer klar.

Die Geduld lohnt sich, sagt Sebastian. Denn auf erfolgreiche Bewerber warte ein spannender Beruf mit den Vorzügen des öffentlichen Dienstes: Bezahlung nach Tarif, geregelte Arbeitszeiten, gute Karrierechancen. Sebastian kann sich gut vorstellen, nach einigen Jahren den IT-Betrieb zu verlassen und andere Aufgaben innerhalb des BND zu übernehmen. „Informationen, die gesammelt werden, auswerten und aufbereiten – das würde mich auch reizen“, sagt er. Sein Vorteil: Informatiker werden gesucht, in fast allen Bereichen.

Auf spezifische Vorgaben achten

Für Abiturienten, die bereits sicher sind, dass sie beim BND arbeiten wollen, verweist Isabelle Kalbitzer auf die Möglichkeit, direkt bei der Behörde eine Ausbildung zu machen oder zu studieren. Voraussetzung für den gehobenen Dienst ist die Hochschulreife. Möglich ist ein dreijähriges Studium zum/r Diplom-Verwaltungswirt/in, das gemeinsam mit dem BfV angeboten wird. Außerdem gibt es die Möglichkeit, mit einem Stipendium des BND ein duales Bachelorstudium zu absolvieren und anschließend direkt als Mitarbeiter in den BND übernommen zu werden. Hier kann man zwischen den Fachrichtungen „Informatik“ sowie „Technische Informatik“ und „Kommunikationstechnik“ wählen.

Berufsberater Alexander Ulbricht rät Abiturienten, sich eine Sache auf jeden Fall vorher zu überlegen: „Wie stehe ich zum Tragen einer Waffe und dem eventuellen Einsatz von körperlicher Gewalt?“ Das sei entscheidend, ob ein Beruf „in vorderer Reihe“ in Betracht kommt, oder doch eher einer im Hintergrund. Und wer sich für einen Job bei einer Bundes- oder Landesbehörde interessiert, sollte noch andere Dinge im Auge behalten: „Sind Sporttests gefragt, muss ich die deutsche Staatsangehörigkeit haben, darf ich Tattoos tragen – nach solchen spezifischen Vorgaben sollte man sich unbedingt erkundigen“, rät Alexander Ulbricht.

Wer sich bereits vor der Entscheidung für einen Sicherheitsberuf in die Thematik einfühlen will, kann dies auch mit einem freiwilligen Engagement beispielweise beim Technischen Hilfswerk tun – 99 Prozent der dort Tätigen sind Ehrenamtliche.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort „Sicherheit“)
berufenet.arbeitsagentur.de

 

berufsfeld-info.de
Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung
berufsfeld-info.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im Finder kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen
studienwahl.de

 

Sicherheitsforschung
Homepage der Arbeitsgruppe Interdisziplinäre Sicherheitsforschung
www.sicherheit-forschung.de

 

Sicherheit studieren
Link zum Studienführer „Sicherheit studieren. Studienangebote in Deutschland 2.0“ des Forschungsforums Öffentliche Sicherheit
www.sicherheit-forschung.de/forschungsforum/schriftenreihe_neu/sr_v_v/SchriftenreiheSicherheit_20.pdf

 

Sicherheit und Ordnung
Berufe im Bereich Sicherheit und Ordnung bei der Bundesverwaltung
www.wir-sind-bund.de/WSB/DE/Jugendliche/Berufe/Berufsgruppen/SicherheitOrdnung/sicherheit-ordnung-node.html

 

IT-Sicherheitsmanager

Im Kampf gegen digitale Viren

Als IT-Sicherheitsspezialist bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg ist Stefan Müller (27) dafür zuständig, Virenangriffe zu erkennen und abzuwehren.

Wenn Stefan Müller von seiner Arbeit erzählt, klingt es ein wenig, als würde er Tag für Tag in den Kampf ziehen. In den Kampf gegen gefährliche Viren, Würmer und Trojaner – kurz: gegen Schadprogramme. Seine Waffen: Ein Computer und jede Menge Fachwissen. Der 27-Jährige ist bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) für die Sicherheit der Informationstechnik (IT) zuständig. Er arbeitet im sogenannten Computer Emergency Response Team, übersetzt: Computersicherheits-, Ereignis- und Reaktionsteam. „Unsere Aufgabe ist es, Angriffe zu erkennen, abzuwehren und Sicherheitslücken zu schließen“, fasst er zusammen.

Bei deutschlandweit rund 120.000 Mitarbeitern bedeutet das vor allem eines: Unmengen von Daten, die ständig analysiert werden müssen. „Wir werten Logdateien aus, Meldungen der Systeme auf allen Computern der BA. Eine Zeile könnte dabei sein: Da kam eine E-Mail rein. Die nächste meldet: Die E-Mail enthält ein Programm, das sich merkwürdig verhält“, erklärt Stefan Müller. 500 Millionen Logzeilen häufen sich im Laufe eines Tages an. Zu viel für einen Menschen. „Wir arbeiten mit Programmen, die aus dieser Vielzahl die wichtigen Meldungen herausfiltern – diese nehmen wir genauer unter die Lupe.“

Gegen Schadprogramme wappnen

Ein Bild von Stefan Müller

Stefan Müller.

Foto: privat

Das ist, gibt er zu, manchmal durchaus eintönig. „Oft sind es die gleichen Fälle, die immer wieder auftauchen.“ Deshalb ist nie ein Teammitglied allein für die Analyse zuständig. Genauso wichtig ist es, dass das Team die aktuelle Bedrohungslage im Auge behält. „Wir müssen immer schauen: Welche Schadprogramme sind derzeit im Umlauf, sind wir darauf vorbereitet und falls nicht – wie können wir uns dagegen wappnen?“ Die BA muss sich zwar weniger vor Produktspionage fürchten, besitzt aber dennoch wertvolle Informationen: Die persönlichen Daten von Millionen Menschen, die entsprechend gut geschützt werden müssen.

Stefan Müller erinnert sich noch, als 2017 das Schadprogramm WannaCry sein Unwesen trieb. „Da haben wir an einem Wochenende Sicherheits-Updates eingespielt, damit wir kein Angriffsziel werden.“ Für solche Fälle steht die 24-Stunden-Rufbereitschaft der IT bereit. Drei- bis viermal im Jahr muss Stefan Müller ran. „Meistens verläuft sie allerdings ruhig“, sagt er.

Hoher Praxisbezug wichtig

Er hat Informatik an der Technischen Hochschule in Nürnberg studiert – „wegen des hohen Praxisbezugs“. Da ihm dieser besonders wichtig war, bewarb er sich bereits im ersten Semester für ein Förderstudium bei der BA. In der vorlesungsfreien Zeit arbeitete er in der Behörde, absolvierte dort sein Praxissemester und bekam dafür finanzielle Unterstützung und die Zusage, gleich nach dem Bachelorstudium für zwei Jahre angestellt zu werden.

Mittlerweile sind fünf Jahre vergangen. „Mir gefällt mein Job, mit der IT-Sicherheit habe ich genau mein Ding gefunden.“ Stefan Müller mag die Abwechslung zwischen Schreibtischarbeit und der Arbeit im Team. Und noch etwas anderes schätzt er sehr: dass er seine Arbeitszeit frei einteilen kann. Meist ist er schon um 6:30 Uhr im Büro und macht entsprechend früher Schluss. „Über meine Work-Life-Balance kann ich mich wirklich nicht beschweren“, sagt er. Momentan könne er sich gar nicht vorstellen, in einem anderen Bereich, in einer anderen Position zu arbeiten – auch wenn es die Möglichkeiten innerhalb der Behörde gibt.

Regelmäßige Fortbildungen sind für Stefan Müller und die anderen Teammitglieder Pflicht. So sind sie regelmäßig auf der it-sa in Nürnberg, einer Fachmesse für IT-Sicherheit. Zudem gibt es einen regen Austausch mit anderen Unternehmen und den Herstellern der Virenschutzprogramme. „Dadurch, dass sich in der IT alles so rasant entwickelt, wird es nie langweilig.“

 

Sicherheitsforscherin

Hilfe aus der Luft

Monika Gähler (45) leitet das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) in Oberpfaffenhofen. Die promovierte Geografin sorgt mit ihrem Team unter anderem dafür, dass Rettungs- und Hilfsorganisationen bei Naturkatstrophen aktuelle Lagekarten für ihren Einsatz bekommen.

Es waren die schwersten Waldbrände in der Geschichte von Mecklenburg-Vorpommern: Im Juli 2019 standen bei Lübtheen rund 1200 Hektar Wald in Flammen. Auf der Fläche, die früher Teil eines Truppenübungsplatzes war, lagert Munition im Boden – jederzeit drohten deswegen Detonationen. Für die Feuerwehr ein extrem riskanter Einsatz. Unterstützung bekam sie dabei aus der Luft. Ein Forschungsflugzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), ausgestattet mit modernsten Sensoren, überflog das Gebiet. Aus diesen Luft- und Wärmebildern sowie weiteren Satellitendaten erstellte das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) aktuelle Lagekarten der Region. „So konnten die Einsatzkräfte auch unter Baumkronen und Rauchwolken Feuer erkennen und bewerten, wie intensiv die Brände waren“, erklärt Dr. Monika Gähler, Leiterin des ZKI.

Das ZKI ist ein Service des Deutschen Fernerkundungszentrums, das sich am Standort Oberpfaffenhofen des DLR befindet. Rund 15 Wissenschaftler arbeiten hier. „Bei großen Ereignissen wie den Bränden in Mecklenburg-Vorpommern oder auch beim Elbe-Hochwasser 2013 kommen weitere Mitarbeiter des DLR hinzu“, sagt Monika Gähler. Die Forscher bringen Fachwissen aus ganz unterschiedlichen Richtungen mit, haben Geografie, Geodäsie, aber auch Informatik oder Umweltwissenschaften studiert. „Unsere Aufgabe ist es, Satelliten- oder Luftbilder zur Verfügung zu stellen und zu erklären, welche Informationen sie daraus ablesen können.“ Nutzer dieser Dienstleistung sind etwa Bundesbehörden wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe oder das Bundeskriminalamt.

„Ich wollte nie für die Schublade arbeiten“

Ein Porträt-Foto von Monika Gähler

Monika Gähler

Foto: privat

Monika Gähler selbst hat Geografie studiert und bald danach ein Fachgebiet gefunden, das sie besonders interessiert: Geoinformatik und Satellitenfernerkundung. „Damals gab es einen enormen Entwicklungssprung in der Sensortechnik – das fand ich wahnsinnig spannend.“ Denn das wollte die 45-Jährige immer: an Neuem forschen, das auch angewandt wird. „Ich wollte nie für die Schublade arbeiten, sondern an etwas, das den Menschen auch hilft.“

In ihrer Diplomarbeit erforschte sie für das Bundesamt für Gewässerkunde, wie aus Daten einer digitalen Luftbildkamera Biotoptypen sehr genau bestimmt werden können, um schützenswerte Landschaften zu erkennen. Mit dem Thema Sicherheit kam Monika Gähler in Berührung, als sie nach ihrer Promotion zum ZKI wechselte. „Unsere Nutzer kommen mit ganz unterschiedlichen Anfragen auf uns zu. Wir liefern dann die gewünschten Daten. Manchmal stoßen sie auch ganz neue Forschungen an.“ Aktuell etwa ein stark automatisiertes Hochwasser-Kriseninformationssystem.

Hilfe bei Erdbeben und Schneemassen

Seit 2013 leitet Monika Gähler das ZKI und hat damit auch andere Aufgaben übernommen. „Als Leiterin bin ich für viel Administration zuständig. Etwa dafür, Fördermittel für Forschungsprojekte einzuwerben.“ Sie ist aber auch diejenige, die für die Kommunikation zwischen dem ZKI und den Nutzern zuständig ist. „Ich erkläre dann den Mitarbeitern des Bundeskriminalamtes oder des Technischen Hilfswerks unsere Technologien.“

Doch sie brennt weiter für die Forschung: „Mich treibt immer noch an, dass wir hier an etwas forschen, womit wir Menschen tatsächlich helfen können.“ Egal ob bei einem Erdbeben in Haiti, bei Schneemassen in Bayern oder bei Feiern zum Tag der Deutschen Einheit. Dass sie ihre Leidenschaft dafür mal verlieren könnte, darüber macht sich Monika Gähler keine Sorgen. „Es gibt so viele spannende Entwicklungen: Neue Sensoren, Künstliche Intelligenz, Big Data“, sagt sie. Ihr Berufsleben bleibt also spannend.

 

Übersicht: Berufs- und Arbeitsfelder

Berufe rund um Sicherheit

Sie schützen und sichern, retten und beugen vor. Sie kämpfen gegen digitale und analoge Viren, beschaffen Informationen von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung im Ausland und bekämpfen Kriminalität im Inland. Menschen, die sich für Sicherheit einsetzen, gibt es in allen Branchen und Bereichen. abi» stellt eine Auswahl von Berufen vor, die du mit einer Ausbildung oder nach einem Studium ergreifen kannst.

Sicherheit

Sicherheitsmanager/in

Aufgaben: Organisationen, die Großveranstaltungen mit politischer oder gesellschaftlicher Prominenz durchführen, Unternehmen, die international tätig sind, oder Betriebe, die mit gefährlichen Gütern umgehen: Sie alle müssen mit besonderen Gefahren rechnen. Sicherheitsmanager untersuchen Ursachen, Art und Ausmaß dieser Gefahren und entwickeln technische und organisatorische Vorkehrungen zur Gefahrenvermeidung. Für die öffentliche Verwaltung erarbeiten sie auch Pläne für Krisen- oder Katastrophenfälle wie Überschwemmungen oder epidemisch auftretende Krankheiten.

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen vieler Wirtschaftsbereiche, Organisationen und die öffentliche Verwaltung

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Fachkraft – Schutz und Sicherheit

Aufgaben: Fachkräfte für Schutz und Sicherheit schützen Personen, Objekte, Anlagen und Werte. Sie planen vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen und Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren und führen sie durch.

Mögliche Arbeitgeber: Sicherheitsdienste und -beratungen, Flughäfen, Bahnhöfe, Verkehrsgesellschaften, Unternehmen im Bereich Facility-Management

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Fachkraft für Arbeitssicherheit

Aufgaben: Fachkräfte für Arbeitssicherheit sorgen dafür, dass der Arbeitsplatz für Mitarbeiter sicher ist. Sie beraten und unterstützen Arbeitgeber und Führungskräfte bei Fragen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie der Unfallverhütung. Sie ermitteln und beurteilen die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter und achten auf mögliche Unfall- und Gesundheitsgefahren. Dabei geht es um sicherheitstechnische, hygienische und ergonomische Aspekte. Zudem empfehlen sie präventive Maßnahmen, die helfen, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten zu verhindern.

Mögliche Arbeitgeber: Betriebe aller Wirtschaftsbereiche

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Ingenieur/in – Sicherheitstechnik

Aufgaben: Ingenieure für Sicherheitstechnik prüfen Immobilien und Anlagen auf Risiken hinsichtlich Sicherheit, Arbeitssicherheit und Brandschutz. Außerdem arbeiten Ingenieure für Sicherheitstechnik in der Umwelttechnik, im Strahlenschutz, in der Verfahrens- und Produktentwicklung oder sind im Kundenservice und Vertrieb tätig. Vorausgesetzt wird ein abgeschlossenes grundständiges Studium im Bereich Sicherheitstechnik.

Mögliche Arbeitsgeber: Unternehmen aller Branchen

berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschreibung&dkz=59408

Informatik

IT-Forensiker/in

Aufgaben: Ein Hackerangriff auf ein Unternehmen, illegaler Handel im Darknet oder massenweise Phishing-Mails: Verbrecher sind heutzutage immer öfter digital unterwegs und hinterlassen digitale Spuren. Dafür braucht es IT-Forensiker, die in der Lage sind, solche Spuren zu erkennen, auszuwerten und so zu sichern, dass sie als Beweismittel in einem Strafverfahren eingesetzt werden können. IT-Forensiker sind Informatiker mit detektivischem Gespür, die ihre Fachkenntnis in einem Bachelor-oder Masterstudiengang erwerben können oder bei Weiterbildungen – etwa bei der Polizei.

Mögliche Arbeitgeber: Ermittlungsbehörden und Unternehmen, aber auch Nachrichtendienste und Bundeswehr

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IT-System-Elektroniker/in (Sicherheitssysteme)

Aufgabe: IT-System-Elektroniker befassen sich mit Sicherheitssystemen aller Art – mit Firewalls für Computer und Netzwerke, Alarmanlagen, Videoüberwachungsanlagen oder Identifikations- und Zutrittssystemen von Gebäuden oder sicherheitsrelevanten Bereichen. Sie wählen je nach Auftrag die passende Software aus, setzen sie ein und sorgen dafür, dass sie reibungslos funktioniert und Störungen schnell behoben werden.

Mögliche Arbeitgeber: EDV-Dienstleistungsunternehmen, Software- und Systemhäuser, Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und -einrichtungen, Installationsbetriebe für Einbruch- oder Feuermeldeanlagen

berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/suchergebnisse/kurzbeschreibung&dkz=2920&such=Sicherheit

Medizin

Epidemiologe/-in

Aufgaben: Epidemiologen untersuchen, wie sich Krankheiten verbreiten, wie sie verlaufen und welche Faktoren darauf Einfluss haben. Etwa, welche Rolle Umwelteinflüsse, genetische oder soziale Faktoren beim Auftreten einer Krankheit haben. Daraus können sie Risikofaktoren und Schutzmaßnahmen ermitteln. Sie planen Studien, führen sie durch und werten die Ergebnisse aus.

Mögliche Arbeitgeber: Hochschulen, medizinische Forschungsinstitute, Krankenhäuser, Gesundheitsämter und Betriebe der Pharmaindustrie

berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschreibung&dkz=100541&such=Epidemiologe%2FEpidemiologin

Öffentlicher Dienst

Beamt(er/in) – Verfassungsschutz (gehobener Dienst)

Aufgaben: Das Bundesamt für Verfassungsschutz ist der deutsche Inlands-Nachrichtendienst. Im Auftrag der Bundesregierung sammelt die Behörde Informationen über Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. Beamte im gehobenen Dienst beobachten zum Beispiel verfassungsfeindliche Bestrebungen rechts-, links- und ausländerextremistischer Gruppierungen und wehren Spionageangriffe ab. Sie beschaffen Informationen, werten diese aus, verfassen Berichte und bereiten so auch Entscheidungen der Bundesregierung vor.

Mögliche Arbeitgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz und Landesämter für Verfassungsschutz

berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschreibung&dkz=14953&such=Beamt%28er%2Fin%29+-+Verfassungsschutz+%28geh. +Dienst%29

Polizeivollzugsbeamt(er/in) (gehobener Dienst)

Aufgaben: Polizeivollzugsbeamte und -beamtinnen im gehobenen Dienst sind im Bereich Schutzpolizei für die Führung von unterstellten Kräften bei Einsätzen, im Streifendienst und in der Verkehrsüberwachung zuständig. Sie bilden Polizisten aus und arbeiten in der Verwaltung als Fachlehrer.

Mögliche Arbeitgeber: Polizeidienststellen der Länder, Bereitschaftspolizei, Wasserschutzpolizei, Sonderdienststellen der Schutzpolizei, polizeiliche Bildungseinrichtungen

https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschreibung&dkz=8157

 

Berufe rund um Sicherheit – Interview

„Man kann im Netz ständig angegriffen werden“

Sebastian Pape hat sich früher in der Schule mit seinem Informatiklehrer „gekabbelt“, wer die schönere Lösung für eine Programmieraufgabe hat. Er hat Mathematik und Informatik studiert, über angewandte Kryptographie promoviert und arbeitet jetzt an der Universität Frankfurt, die das Megaprojekt „CyberSec4Europe“ koordiniert. 43 Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft aus ganz Europa bündeln dabei ihre Kompetenzen, um eine länderübergreifende Strategie für Cybersicherheit und Datenschutz zu entwerfen. Im Interview berichtet er über Gefahren im Netz und wie man sich dagegen wappnen kann.

abi>> Herr Pape, können Sie noch unbekümmert im Netz surfen oder ist man als Experte für Cybersicherheit zwangsläufig etwas paranoid?

Sebastian Pape: Von Paranoia würde ich da gar nicht sprechen. Seit den Enthüllungen von Edward Snowden über die Überwachungspraktiken von Geheimdiensten weiß man ja, was alles gemacht wird. Die Leute, von denen man vorher gedacht hat, die seien völlig paranoid, haben ziemlich genau die Realität beschreiben.

abi>> Also sollte sich jeder darauf einstellen, dass es im Internet ständig jemand auf seine Daten abgesehen hat?

Sebastian Pape: Man kann ständig angegriffen werden, ja. Und die Bedrohung nimmt in dem Maße zu, wie die Welt digitaler und vernetzter wird. Und es hat ja fast jeder schon mal eine Phishing-Mail erhalten, mit denen Betrüger persönliche Daten wie Passwörter oder Kontodaten abgreifen wollen.

abi>> Die lange nicht mehr so einfach zu durchschauen sind wie früher.

Ein Porträt-Foto von Sebastian

Sebastian Pape

Foto: privat

Sebastian Pape: Die werden immer professioneller. Für Kriminelle ist es natürlich eine entscheidende Frage: Riskiere ich bei einem Banküberfall die direkte Konfrontation mit der Polizei – oder verschicke ich einfach einige tausend Mails und hoffe, dass ein paar Empfänger doch den Anhang mit meinem Schadprogramm öffnen. Und die wird es immer geben.

abi>> Wie kann ich mich dagegen wappnen?

Sebastian Pape: Erstmal: Keine Anhänge öffnen! Vor allem nicht von unbekannten Personen. Dazu sollte man seine Systeme immer auf dem neusten Stand halten. Und generell so datensparsam und wachsam wie möglich im Netz unterwegs sein.

abi>> Das Lieblings-Passwort der Deutschen ist ja immer noch 12345.

Sebastian Pape: Ja – und das ist absolut fahrlässig! Aber ich verstehe auch, wenn man sich nicht für jeden Account ein anderes langes Passwort mit Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen anlegt – das kann sich ja keiner merken. Und solange es keine anderen sicheren Systeme gibt, rate ich zum Passwortmanager.

abi>> Was kann die Politik tun, um unsere digitale Welt sicherer zu machen?

Sebastian Pape: Sie versucht es ja: Etwa mit dem IT-Sicherheitsgesetz oder der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2. Aber solche Verordnungen sind ja auch immer ein Zeichen dafür, dass zuvor zu wenig gemacht wurde.

abi>> Welche Strategie wäre besser?

Sebastian Pape: Das Thema IT-Sicherheit von vornherein mitzudenken. So wie ich von einem Produkt keinen Stromschlag bekommen will, sollte jeder erwarten können, dass es auch keine Sicherheitslücken hat. Da gibt es bei „CyberSec4Europe“ auch einige Projekte, die sich damit befassen: dass das Thema Sicherheit im ganzen Lebenszyklus der Software mitgedacht wird.

abi>> Das heißt, IT-Sicherheitsexperten sind nach wie vor sehr gefragt?

Sebastian Pape: Auf jeden Fall! Das heißt allerdings nicht, dass alle Informatik studieren sollen. Die IT-Sicherheit ist mittlerweile ein so interdisziplinärer Bereich. Da kann jeder erstmal seinen Interessen nachgehen: Wir brauchen Ökonomen genauso wie Juristen und Psychologen. Aber dann im Studium die Augen nach IT-Sicherheitsthemen aufzuhalten, lohnt sich. Denn uns wird die Arbeit mit Sicherheit nicht ausgehen!


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Stand: 13.12.2019